Body Count – gangsterischer Torpedo ‚durchkämmte‘ Zagrebs Šalata (2024)
Body Count (Vorband: Slope)
Zagreb / ŠRC Šalata / Kroatien
Sonntag, 16. 6. 2024, ab 19.30 Uhr
Body Count haben Zagreb zum dritten Mal in ihrer Karriere besucht. Das erste Mal war vor satten 27 Jahren, das zweite Mal, als sie in Zagreb (vor sechs Jahren) den dortigen Boćarski dom (sprich: Zagrebs ‚Bocce-Schuppen‘) restlos ausverkauft haben. Eine Band, vor der man den Hut ziehen muss! Was direkte Kopfschuss-Lieferung und Partyspaß angeht! In jeder Hinsicht. Natürlich mit dem Mittelpunkt ihrer einzigartigen Erscheinung bzw. des zeremoniellen Karriere-Gangs, der sich bezieht auf? Gestalt und Erscheinungsbild der einzigartigen Figur – nämlich Ice-T (und seines ‚Gefolges‘). Des zungenscharfen Szenaristen und in gewisser Weise des Haupt-Magnetismus-Generators dieser ganzen ‚unheiligen‘ musikalischen Erscheinung, die ihre Fans weltweit mindestens seit 1992 begeistert, als das ‚poetisch herzzerreißende Ass aller Asse‘ Cop Killer erschien!
Die ‚Crossover‘-Festung namens Body Count ist in den letzten Jahren unzerstörbar und arbeitet u.a. schon fleißig an einem neuen Studioalbum! Eine neue Europa-Tour mit hauptsächlich festivalterminlicher Schwerpunktsetzung hat sie auch zu einem neuen Alleinkonzert in Zagreb geführt – und einen passenderen Veranstaltungsort Mitte Juni in Zagreb als den ŠRC Šalata kann man sich in dieser Hinsicht kaum vorstellen.
Vor dem Auftritt der ‚Gangsta Rap Metal‘-Legenden heizte das deutsche Quintett aus Duisburg, Slope, den Saal auf – und erwies sich dabei als äußerst praktischer Support-Partner. Den Auftritt der Band haben wir zwar aus sehr, sehr weiter Entfernung verfolgt, aber das reichte, um zu spüren, dass die bildhafte Mischung aus Metal-Funk, HC-Elementen und ‚Groove‘-Federn, unterlegt mit Parolen voller Wut und Zorn, ständig die gesamte Aufmerksamkeit auf das Bühnengeschehen zog. Auch das Publikum, das während des Auftritts noch vor die Bühne strömte, zeigte gegenüber der energischen und scharfen Darbietung keinerlei Gleichgültigkeit. Die Band hat in gut einer halben Stunde Show eigentlich die gesamte EP „Loosin‘ Grip“ gespielt und zwei völlig neue Tracks vorgestellt. Sie hat die verfügbare Spielzeit hervorragend genutzt und die richtige Glut entfacht, die dann durch die Ankunft von…. angefacht wurde.
Body Count! Das Publikum zusammengedrängt und so nah wie möglich an die Bühne gepresst, aber mit ‚Zwischen- und Seitentaschen‘, wo man noch atmen und überleben konnte. Denn Body Count haben die Šalata ohne jegliches Erbarmen angegriffen – gleich zum Einstieg mit ihrer Karriere-‚Giftschlange‘ Body Count’s In The House draufgehauen und danach noch Öl ins Feuer gegossen mit dem Slayer-Klassiker Raining Blood/Postmortem. Das Publikum sofort im Delirium des ersehnten ‚Jenseits‘, in der einzigartigen Atmosphäre, die diese bildgewaltigen Gangster-Kerle heraufbeschwören.
Der Kern der Band bleibt das einzigartige Duo Ice-T und Ernie C. Hier fängt alles an. Ernie hat erneut sein gesamtes Gitarren-Können zur Schau gestellt – an verschiedensten Tricks und Adaptionen in den jeweiligen Phrasen hat es dabei nicht gemangelt. Die Krone des Ganzen waren seine Solo-Einlagen, in genau der richtigen Dosis und an den richtigen Stellen platziert! Die Figur von Ice-T lässt sich mit wenigen Worten kaum beschreiben. Ein zungenscharfer Donnerer und granitharter Brüller, dem niemand das Wasser reichen kann! Alles in einem! Mit bissigen, aber auch friedvollen Botschaften und einer ordentlichen Portion spitzzüngigen Humors (sagen wir’s mal netter: einer schönen Reihe humoristischer Einlagen), dem man sich einfach nicht entziehen kann. Der Rest der Crossover-Gauner-Garde bleibt seit einigen Jahren konstant. Da wären: Vincent Price (der Mann hat vor seinem Einstieg bei BC mit den Metal-Leuten von Steel Prophet zusammengearbeitet), Schlagzeuger Ill Will, der Dauer-‚Hype Man‘ Little Ice (Ice-Ts Sohn), Sean E Sean (Vocal-Backup, Sampling, drittes Original-Mitglied der heutigen Besetzung) und Gitarrist Juan The Dead – das einzige hellhäutige Mitglied der Band, das viele von euch als Chef der Band Evildead kennt (die haben dieses Jahr ein neues Album rausgebracht) und als Gitarrist Juan Garcia der unvergesslichen Florida-Speed-Metal-Legenden Agent Steel (wer am 30. 1. 2000 auf irgendwelchen Wunder-Umwegen in den Ljubljaner K4 verschlagen wurde, konnte ihn damals auch persönlich kennenlernen – er war damals noch langhaarig und ohne ‚Taliban‘-Bart).
Die Band steigerte ihr Konzert gewaltig – schon im ersten Drittel des Auftritts feuerte sie noch zwei Klassiker des Debütalbums ab (Bowels Of the Devil, There Goes the Neighboorhod), dann präsentierte sie die erste von zwei neuen Singles (die Band verspricht für dieses Jahr das neue Studioalbum „Merciless“), nämlich den Track The Purge – und dabei muss man betonen, dass die Band auch im reiferen Alter nichts von ihrer theatralisch-ausdrucksstarken Wucht eingebüßt hat. Ice-T, der stolze 66 Jahre alt geworden ist, zeigt keinerlei vokalen und/oder erzählerischen Verschleiß und hält seine sympathische Agilität, Durchdringungskraft und seine (schon sprichwörtliche) unverzichtbare ‚Badass‘-Spottlust aufrecht. Die kann ihm schlicht niemand nehmen! Und die Bühne ist sein Heiligtum! Die Band verbeugte sich auch vor ihren Vorbildern Exploited und raste in ein bildgewaltiges Exploited-Medley aus War, UK 82 und Disorder, bevor es mit dem „Born Dead“-Klassiker Drive By weiterging. Während des „Menslaughter“-Killers Talk Shit, Get Shot betrat Ice-T die Bühne mit seiner Tochter auf den Schultern, die Bühne hüllte sich passend zur Botschaft des Songs in ein ‚blutiges Rot‘. Ähnlich hatte Ice-T vor gut neun Jahren, genauer gesagt am 7. 6. 2015, als Body Count in den Ljubljaner Križanke auftraten, in der Schlussphase des Konzerts seinen damals 24-jährigen Sohn Little Ice in den Vordergrund geschickt (bürgerlicher Name: Tracy Marrow Jr.). Es folgt ein seismischer Knaller mit dem erwarteten Cop Killer, im Finale verlieren die Leute völlig die Kontrolle. Die Körper wirbeln, alles Bier wieder in der Luft! Ungezügeltes Abtauchen in den ekstatischen End-Delirium! Genau das, wofür das Publikum gekommen ist. Ein Knaller also, der den ganzen Planeten aus dem ekliptischen Gewölbe geschmissen hat. Mit einem einzigen Fehler. Er dauerte nicht lang. Eine Stunde und zehn Minuten.
Die Band verließ die Bühne nicht für die obligatorische Zugabe! Sie stürmte die Šalata noch ein letztes Mal! Auf Vollanschlag! Mit der klassischen Detonation Born Dead. Die Tore der Hölle öffnen sich, und der Veranstaltungsort wird im absoluten Chaos von den letzten Feuerzungen verschluckt. Über This Is Why We Ride leitet die Band in eine unterhaltsame Adaption des Floyd-Klassikers Comfortably Numb über, den Ernie C mit einem Teil von Gilmours legendärem Solo eröffnet, während die Band bei Ice-Ts Rede-Einlage auf derselben Phrase verharrt und die Strophe mit ‚Hello, is there anybody out there‘ als Refrain nutzt. Ein cleverer Abschluss mit gut einer Stunde und zwanzig Minuten Spielzeit! Nach dem Konzert blieb das Publikum sichtlich hungrig…. Der Abschied von der Bühne fiel schwer.
Das war also kein Trick, der nach Nostalgie und dem Ausruhen auf alten Lorbeeren roch! Body Count bleiben unerschütterliche Handwerker ihres beharrlichen, predigenden Unikats, das in den letzten Jahren der Bandtätigkeit einen gewaltigen Höhenflug erlebt! Body Count haben mit einer unnachgiebigen Show in Zagreb ihre Härtung aus rostfreiem Stahl bewiesen. Die Band mit Ice-T bleibt unbezähmbar und auf der Bühne eigentlich unbesiegbar. Die regelmäßige Veröffentlichung neuer Studioalben, mit denen sie ihre treuen Fans belohnen, bestätigt nur, dass Body Count auch in der reiferen Ära ihrer Tätigkeit noch lange nicht die Bremse ziehen. Das neue Album ist schon unterwegs. Und mit ihm lasst uns hoffen, dass möglichst bald auch ein neuer Besuch des alten europäischen Kontinents folgt! Der Countdown hat begonnen.
Text: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Body Count – Setlist:
1. Civil War (intro)
2. Body Count’s in the House
3. Raining Blood / Postmortem (orig. Slayer)
4. Bowels of the Devil
5. There Goes the Neighbourhood
6. The Purge
7. Point the Finger
8. Manslaughter
9. Necessary Evil
10. Psychopath
11. No Lives Matter
12. War / UK 82 / Disorder (orig. The Exploited)
13. Drive By
14. Talk Shit, Get Shot
15. Cop Killer
—Zugabe—
16. Born Dead
17. This Is Why We Ride
18. Comfortably Numb (orig. Pink Floyd)


















