Bang Your Head!!! 2018 (dritter Tag) – `Vampirologen` Powerwolf treten in die Fußstapfen der Festival-Headliner
Ort: Balingen / Messegelände / Deutschland
Datum: 14.07.2018
Der letzte Tag! Zwei Bands weniger auf dem Programm als am Vortag. Beginn um halb zwölf. Ja. Das Programm schrumpft. Von Jahr zu Jahr. Immer mehr und mehr, und der Veranstalter steckt finanziell nicht gerade in beneidenswerten Verhältnissen. Die großen Namen werden weniger, die Zahl der Auftritte schwindet ebenfalls. Vielleicht lieferte gerade am dritten Tag die Wahl des Festival-Headliners den besten Beweis dafür – denn niemand anderes als die deutschen Power-Metaller Powerwolf wurden damit betraut. Die haben vor dreieinhalb Jahren – ihr werdet es kaum glauben – auf der Laibacher Metelkova in der dortigen Gala hala gespielt. Na gut, auf zum Gelände.
Das Wetter hielt durch. Auch der dritte Tag badete wieder in der Sonne. Auf der Bühne standen Evertale, deutsche Power-Metaller, die seit 2006 aktiv sind. Solide. Das Quartett trat souverän auf, bringt musikalisch wie ausdrucksmäßig allerdings nichts wirklich Besonderes. Um zehn Jahre hat die Band den richtigen Zug für breitere internationale Bekanntheit verpasst, denn das Interesse am Power Metal erlahmte später allmählich. Vom Originalaufgebot sind noch Sänger und Rhythmusgitarrist Matthias Holzapfel, Leadgitarrist Matthias Graf und Bassist Marco Bächle dabei. Die Band hat mit Simon Hofmeister einen neuen Schlagzeuger. Kurzum. Die Band veröffentlichte letztes Jahr erst ihr zweites Studioalbum »The Great Brotherwar«, das sie beim mehr als soliden »morgendlichen« Auftritt mit Eifer und Überzeugung präsentierte.
Als Zweite auf dem Programm standen ureingesessene britische Metaller aus den Zeiten der legendären Bewegung namens N.W.O:B.H.M. Cloven Hoof. Die 1979 in Wolverhampton gegründete Band hat letztes Jahr ein ausgezeichnetes neues Studioalbum »Who Mourns For A Mornig Star?« veröffentlicht. Von den Originalmitgliedern ist heute noch der ewige Lee Payne am Bass dabei. Der scharf gekleidete und aufgeräumte Mann betrat die Bühne in der klassischen »Kampfmontur« der alten Schule (ramponiertes Leder), als Metal noch jung und unschuldig war. Nostalgie. Das Quintett wird ansonsten durch eine vollständig verjüngte und aufgefrischte Besetzung komplettiert: Chriss Coss an der Rhythmusgitarre, der exzellente Solist Luke Hatton, Ausnahmesänger George Call und Danny White am Schlagzeug. Man hätte gerne wenigstens Russ North gesehen, der in die Band »rein- und rausgegangen« ist, doch das hat sich mit ihm offensichtlich nie wirklich ergeben. 2009 nämlich traten Cloven Hoof genau auf demselben Gelände auf – in einer völlig anderen Besetzung, die vom Dienstalter her besser an die Achtziger anknüpfte als die aktuelle. Wie auch immer – die Band zimmerte eine hervorragende Setlist vor allem aus altem Material zusammen und lockte eine Schar eingefleischter Fans an die Bühnenvorderkante, die ihre Teenagerjahre Anfang der Achtziger verbracht hatten. Aus der EP »The Openning Ritual« schnitten sie etwa die ungemein epische Mini-Suite The Gates OF Gehenna heraus. Doch das war noch nicht alles. Ein Streifzug durch das gute alte Repertoire in knapp einer Stunde – inklusive Highlander (das kultische »Sultan’s Ransome«, 1989) sowie vom Album »Dominator« Nova Battlestar und das abschließende Reaching for the Sky. Wahnsinnige Show. Wer das verpasst hat, kann aufhören, zu klassischen Heavy-Metal-Konzerten zu gehen. Das Debüt »Cloven Hoof« war mit dem Titeltrack sowie dem kurz vor Schluss gespielten und absolut rasenden Laying Down The Law vertreten. Im Repertoire fand sich auch Inquisitor (»Eye of the Sun« 2006), während das neue Album mit Time to Burn und Song of Orpheus vertreten war. Cloven Hoof sind eine Band mit ausgezeichneter alter Metal-Jurisdiktion. Die Riffs sitzen meisterhaft. Sie packen einen sofort, und die Band bewahrt ihre düstere Ausstrahlung. Wenn ihr noch nicht wisst, was alte Schule bedeutet, müsst ihr unbedingt diese ungemein obskure, übersehene, aber hervorragende Truppe checken. Absolut kultig und zum Glück unzerstörbar. Dank der Unnachgiebigkeit, des Willens und der Ausdauer des außergewöhnlichen Lee Payne. Allein schon sein Auftritt auf der Bühne lässt keinen Zweifel: Metal fließt ihm durch die Adern.
Im N.W.O.B.H.M.-Fahrwasser blieb es auch danach, als die legendären Tygers of Pan Tang die Bühne übernahmen. Die haben vor einer Weile ein äußerst gelungenes und unglaublich solides Album herausgebracht, das allerdings deutlich stärker zu den Hard-Rock-Wurzeln tendiert, als man hätte erwarten können. Sie haben ihm den Titel »Tygers of Pan Tang« gegeben. Die Band ist seit Längerem in unveränderter Besetzung unterwegs – wobei klar ist, dass diese konkret aufgefrischt wurde. Die Band, die 1978 vom heute einzigen verbliebenen Originalmitglied, Gitarrist Robb Weir, mitgegründet wurde, spielt recht regelmäßig. Und ist dadurch so exzellent eingespielt. Vor einer Weile haben wir sie in Vrba na Kroškem erlebt. Weir hat in Micky Crystal einen außergewöhnlichen Partner an der Leadgitarre gefunden, Craig Ellis spielt Schlagzeug, Jacopo Meille liefert exzellente Vocals, und der rothaarige Gavin Gray schwingt den Bass. Tygers of Pan Tang sind live stark und souverän zugleich und verstehen es, die breite Bühne bestens zu nutzen. Mit einem Repertoire aus einer Reihe kultischer Klassiker von den ersten drei Alben konnten sie sich entspannt auf die Leidenschaft und die Emotionen der Nostalgiker stützen, die wie angewurzelt vor der Bühne standen. Die Band packte auch das neuere und großartige Keeping Me Alive (»Ambush«, 2012) ins Repertoire, während das neue Album mit dem ungemein gelungenen Only The Brave (erster Song des Konzerts), Devil You Know und Glad Rags vertreten war, das auf einem fast glamourösen Rhythmus dahingleitet. Die Mehrheit wartete natürlich auf die Reihe unvergesslicher Klassiker, die sie auch bekam: Raised On Rock, Love Don’t Stay (beide »Crazy Nights«), Gangland, Hellbound (beide »Spellbound«) sowie Slave to Freedom, Euthanasia, Susie Smiled (alle drei vom Debüt »Wild Cat«). Einige überraschte die Einbindung des ZZ Top-Hits Tush, und fürs Finale hatte die Band noch einen weiteren Cover parat: Love Potion #9 (orig. The Clovers), der ohnehin auf dem vierten Tygers Of Pan Tang-Album »The Cage« erschienen ist. Giftig und unerbittlich scheppernder Auftritt der Legende – die hat ihr letztes Wort noch lange nicht gesprochen! Neues Material ist sicher in Vorbereitung. Keine Sorge. Ein neues Studioalbum natürlich.
Im guten alten N.W.O.B.H.M.-Geist blieb es auch weiterhin – denn auf die Bühne marschierten nämlich »Grannyschool«, na Quatsch. Girlschool natürlich! Die respektablen Damen machten sich auch diesmal so auf den Weg wie immer. Mit großen Erwartungen, routiniert und nach bewährter Praxis. Allerdings hatten sie im Anfangsteil des Konzerts erhebliche Probleme mit dem Sound. Auch die Chemie wollte dadurch einfach nicht stimmen. Einen guten Teil des Konzerts kämpften Girlschool klanglich mit sich, überbrückten diese Schwierigkeiten aber irgendwie mit Erfahrung und Routine. Dennoch spürte man eine leichte Abwesenheit des Quartetts in dem Sinne, dass sie keine wirkliche Verbindung zum Publikum aufbauen konnten. Im Anfangsteil jedenfalls. Danach haben sich die Dinge eingespielt und es lief, wie es laufen sollte. Zehn Tage später lieferten Girlschool in Tolmin mit ähnlicher Setlist eine weit bessere Show ab. Wie auch immer. Wenn dich unten an der Bühne die Klientel begleitet, die mit deiner Musik aufgewachsen ist, braucht man sich keine Sorgen zu machen. Und tatsächlich. Mit einer Trackreihenfolge aus dem kultischen »Hit And Run« sowie dem Debüt »Demoliton« fuhren Girlschool ihren Auftritt so durch, wie es sich gehört. Sie spielten folgende Setlist: Demolition Boys, C’mon Let’s Go, The Hunter, Hit and Run, I Spy, Come the Revolution Play, Take It Like a Band, Never Say Never, Screaming Blue Murder, Future Flash, Kick It Down, Watch Your Step, Yeah Right, Race With the Devil (orig. The Gun) und natürlich das berüchtigte Emergency. Die Truppe tritt in einer Besetzung auf, die praktisch identisch mit der von 1978 ist, als die Band gegründet wurde. Denise Dufort am Schlagzeug, Enid Williams am Bass, Sängerin und Rhythmusgitarristin Kim McAuliffe sowie Jackie Chambers an der Leadgitarre, die 1999 die ursprüngliche Kelly Johnson ersetzte.
Es folgte der Auftritt der ausgezeichneten und hoch angesehenen irischen Black-Metal-Düsterlinge Primordial, die nach ihrer bewährten Tradition eine wahre Schwarze Messe nach Balingen brachten, in der sie die Tore zur Hölle einrissen. Primordial haben hier schon gespielt – und dennoch. Sie werden immer tagsüber ins Programm gesetzt, obwohl eine solche Band in einem finsteren Wald voller knorriger Bäume, in der tiefsten schwarzen Nacht, wo Wölfe heulen und unbarmherzige Winde peitschen, ungleich besser aufgehoben wäre – so wie es beim diesjährigen Auftritt der Band in Tolmin der Fall war. Wenn sie dort wirklich alle Salven abfeuern und einen überragenden Festivalabschluss liefern konnten, mussten sie beim Bang Your Head!!! auf die Bremse treten und die Setlist kürzen. Ihren einstündigen Auftritt eröffneten sie großformatig – mit dem unglaublichen, auf über zehn Minuten gestreckten Nail Their Tongues, entnommen dem aktuellen, neu veröffentlichten »Exile Amongst the Ruins«, dem sich To Hell or the Hangman und Upon Our Spiritual Deathbed anschlossen. Schon früh spielte die Band No Grave Deep Enough vom Album »Redemption of the Puritan’s Hand« (2011), vom Album »To The Nameless Dead« erklangen As Rome Burns (in der Konzertmitte) und Empire Falls, womit Primordial ihren ausgezeichneten Auftritt so düster wie möglich abschlossen. Auch Coffin Ships vom Album »The Gathering Wilerness« (2005) donnerte durch die Anlage. Die gesamte Aufmerksamkeit zog der Mann des Theaters auf sich. Der einzige und unnachahmliche Alan Nemtheanga, der das Publikum buchstäblich hypnotisierte. Nicht nur durch seine Erscheinung, sondern durch seinen Bühnendrang, sein Theater, sein Spiel. Durch sein Predigen. Überall Tod und schwarze heulende Nacht. Die Geburt des Bösen und des Verderbens. Versuchungen überall. Abgründe und Schluchten, aus denen es keine Rückkehr gibt. Eine Menge keltischer Folk-Elemente und eine enorme finstere Bombastik. Obwohl Alan im Mittelpunkt steht, vergisst man manchmal beinahe, wie eine exzellente Band ihn begleitet. Wie hervorragend sie beißen und welch mächtigen Sound Primordial als Einheit erzeugen. Gibson-SG-Gitarren und Rickenbecker-Bass. Alte Schule. Aber einzigartig und unnachahmlich. Solche Bands baut man nicht mehr. Gleichzeitig sind die Kompositionen ausnahmslos geerdet und extrem anspruchsvoll zu hören. Auf den Schwingen einer mächtigen und gänsehauterzeugenden Atmosphäre voller Zauber und blasphemischer Hypnose. Ein Theater also, das in einem anderen Ambiente noch intensiver aufgeleuchtet wäre als in Balingen.
Die japanischen Loudness sind stets eine große Attraktion, wenn sie die Bühnen Europas erreichen. Auch diesmal war das nicht anders. Ein stattliches Publikum begrüßte sie. Die langlebigen japanischen Metaller mit dem außergewöhnlichen Akira Takasaki in der Besetzung – einem Mann, der sich in Sachen Gitarrenspiel mit den Größten seines Fachs messen kann. Sein Spiel ist voller höllischer Geschwindigkeit, und er hat viel von Blackmore gelernt. An neoklassizistischen und barocken Tricks nach dem Vorbild Malmsteens mangelt es nicht, und der Mann glänzt in »exotischen« Solopassagen und halsbrecherischer Virtuosität. An überschäumenden Salven außergewöhnlichen Gitarrensolierens fehlt es nie und nimmer – und das ist eigentlich der Grundreiz eines jeden Loudness-Konzerts. Aber Akira ist keineswegs allein. Minoru Niihara am Gesang und Bassist Masayoki Yamashita sind neben Akira zwei weitere Originalmitglieder, während Masayuki Suzuki seit 2008 das Schlagzeug bedient. An diesem Nachmittag allerdings waren Loudness nicht die Loudness, die man erwartet hätte. Irgendetwas stimmte nicht. Die Kommunikation auf der Bühne. Bassist Yamashita blieb drei Viertel des Konzerts komplett im Hintergrund. Dort hielt er sich an den Monitoren, die fast auf einer Linie mit dem Schlagzeug standen. In die vordere Reihe trat er nur, wenn er bei den Backing Vocals mitwirken musste, was er recht lustlos und desinteressiert tat. Erst im letzten Viertel des Auftritts, als er etwas mehr Leben zeigte und endlich den rechten Fuß auf den vorderen Monitor stellte, drehte sich Niihara theatralisch zu ihm, schob die Sonnenbrille hoch und begleitete ihn mit aufgerissenen Augen im Stil von: »Oh, guten Morgen, willkommen zurück unter uns.« Die Band spielte eine Reihe ihrer bekanntesten Songs und präsentierte das neue Album »Rise To Glory«, mit dem auch das Konzert eröffnet wurde. Die Band spielte folgendes Repertoire: Soul on Fire, I’m Still Alive, Crazy Nights, Like Hell, Heavy Chains, Go For Broke, Until I See The Light, Let It Go, This Lonely Heart, Crazy Doctor, In the Mirror, S.D.I. Kurzum. Loudness schaut man sich immer an. Immer, wenn sich die Gelegenheit bietet. Einfach weil die legendären japanischen Metaller live nach wie vor hervorragend sind. Wahrscheinlich hatten sie sich vor dem Konzert in die Haare gekriegt – auf der Bühne waren einige Reserviertheit und das eine oder andere komische Blicke im Spiel. In überzeugenderem Licht erwischten wir sie zehn Tage später, als sie beim slowenischen Metaldays Festival auftraten.
Zur gleichen Zeit erwachte die Nachbarhalle. Dort spielten die deutschen Power-Metaller Mystic Prophecy, die wir wegen der Überschneidung nur zum Teil sahen. Die Band hat ein neues Mitglied, einen griechischen Gitarrenvirtuosen. Echte »Gus G.«-Schule, der auf den Namen »Evan K« hört. Der bewies bei diesem Auftritt eine unglaubliche technische Perfektion. Das Repertoire wurde vorwiegend durch das aktuelle Album »War Brigade« sowie »Killhammer« vertreten, und die Band vergaß nicht darauf hinzuweisen, dass sie kürzlich das Coveralbum »Monuments Uncovered« herausgebracht hatte, als sie in ihrer eigenen Regie Oldfields Shadow on the Wall spielte. Kompakt, geschlossen, harmonisch und natürlich souverän. Die Band wurde von einem mitreißenden Publikum unterstützt, was nur beweist, dass Mystic Prophecy in Deutschland eben zu Hause sind. Sie spielten folgendes Repertoire: Kill the Beast, Savage Souls, Killhammer, Burning Out, The Crucifix, Shadow on the Wall (oig. Mike Oldfield), We Kill! You Die!, To Hell and Back, Metal Brigade, Evil Empires, War Panzer, Ravenlord.
Deutlich mehr Interesse weckte der Auftritt von Pretty Maids. Die treten beim Bang Your Head!!! ja fast jedes Jahr auf! Zumindest in den letzten Jahren sind die wackeren dänischen Rocker äußerst häufige Gäste in Balingen. Warum also sollte das diesmalige Konzert irgendwie interessanter sein als die vorherigen? Ganz einfach. 30 Jahre Erscheinen des kultischen »Future World« – und so entschied sich die Band, das Album komplett zu spielen. Vom ersten bis zum letzten Song dieses kultischen Werks. Eigentlich war die Frage gar nicht, wie das klingen würde. Das ist überhaupt keine Frage. Pretty Maids sind einfach zu gut, als dass irgendetwas schiefgehen könnte. Die Frage war nur, wie Ronnie die Vocals meistern würde, da bekannt ist, dass ihm in den letzten Jahren etwas Rang und Kraft abhanden gekommen ist. Aber er hielt sich ausgezeichnet und sang auf hohem Niveau in bester Tagesform. Der legendäre Sänger lieferte also das Beste, was er derzeit zu bieten hat, und das Volk erlebte Ekstase, als es – wohl einmalig, das erste und letzte Mal überhaupt – der Live-Aufführung des Kultalbums beiwohnte. Pretty Maids nahmen dieses Konzert für eine DVD auf. Das war noch nicht alles. Die Spielzeit war nämlich üppig. Anderthalb Stunden, und das letzte Drittel unterlegte die Band mit Songs aus dem neuen Album »Kingmaker«, sogar einem Song vom Album »Motherland«, sowie dem neueren Pandemonuim. Und es blieb noch genug Zeit für eine Verbeugung vor dem älteren »Red, Hot And Heavy«. Das gespielte Repertoire war folgendes: Future World, We Came to Rock, Love Games, Yellow Rain, Loud ’n‘ Proud, Rodeo, Needles in the Dark, Eye of the Storm, Long Way to Go, Mother of All Lies, Kingmaker, Bull’s Eye, Little Drops of Heaven, Pandemonium, Back to Back und als Zugabe Red, Hot and Heavy. Hand aufs Herz. Der Auftritt von Pretty Maids auf der Hauptbühne bedeutete, dass wir – noch vor dem Powerwolf-Auftritt – eigentlich schon den Headliner des dritten Festivaltages erlebten.
Während Pretty Maids auftraten, spielten in der Halle die legendären amerikanischen Old-School-Speed-Metaller Hexx. Die haben sich nach langen Jahren der Pause 2011 reaktiviert. Auch ich genoss den Großteil der Zeit bei Hexx, denn deren Auftritt war eine Exklusivität. Hexx werden derzeit nur noch von zwei Originalmitgliedern vertreten: Gitarrist Dan Watson und Schlagzeuger John Shafer, während der Rest der Truppe aus Bobbie Wright (Gitarre), Mike Horn (Bass) und Sänger Eddy Vega besteht. Die Band veröffentlichte letztes Jahr ein ausgezeichnetes neues Studioalbum »Wrath Of The Reaper«. Die große Frage war vor allem, wie Eddy die älteren Songs angehen würde und wie viel von der Magie, die von den alten Studioaufnahmen bekannt ist, die Band auf den Bühnen 2018 noch regenerieren kann. Hexx haben gekillt. Ungeachtet der relativen Statik des Quintetts rannte Eddy wild über die Bühne und turnte, sorgte dabei aber mit seinem kernigen, aufbrausenden, hochrangigen und leicht scharfen Gesang für eine dynamische Stimmung. Schade, dass nicht mehr Leute in der Halle waren, denn die Band lieferte eine hervorragende Show ab. Hexx spickten ihre Show obligatorisch mit Songs aus den Kultusalben »Under the Spell«, »No Escape« und »Morbid Reality«.
Mit den Auftritten von Pretty Maids und Hexx war der interessanteste Teil des Programms des dritten Festivaltages eigentlich abgeschlossen. Im weiteren Verlauf traten noch drei Bands bis zum Festivalende auf. Metal-Revivalisten Visigoth in der Volksbankmesse-Halle, die eine ordentliche Spielzeit erhielten und so die Möglichkeit bekamen, das aktuelle Album »The Conqueror’s Oath« fast vollständig zu spielen und dazu noch Songs vom Album »The Revenant King« hinzuzufügen. Die Band liefert nichts wirklich Neues, beißt aber engagiert und mit Feuer. In einem mehr als einstündigen Auftritt spielte sie folgendes Repertoire: Dungeon Master, Blades in the Night, Blood Sacrifice, Warrior Queen, Outlive Them All, Hammerforged, Salt City, Steel and Silver, Traitor’s Gate, Mammoth Rider, Iron Brotherhood, Final Spell, The Revenant King.
Wegen der unglücklichen Überschneidung musste Visigoth größtenteils sausen gelassen werden. Das Konzert überschnitt sich nämlich vollständig mit dem Auftritt der Headliner des Abends, der heißen deutschen Power-Metaller Powerwolf. Die sahen wir das erste Mal in Balingen mitten im Regen im Jahr 2009. Damals traten sie um die Mittagszeit auf, und damals gab es auch kein Gefühl, dass diese Band aufgrund ihres »Copy-Paste«-Elements jemals groß werden könnte. Wie auch immer. Außergewöhnliche Bühnenkulissen, jede Menge pyrotechnische Effekte und Rauch. Eine konkrete Bühnenproduktion also. Obwohl Powerwolf eine unglaublich generische Band sind, die diese Generizität durch Pomp und Kitsch wettmacht, der ihre Geschichten über Werwölfe, Vampire und andere Wesen schmückt, die einst die lebhafte menschliche Fantasie der weiten transsilvanischen Häresie hervorgebracht hat, begleitet sie eine stattliche Fangemeinde. Und nach Tradition ist das treue deutsche Publikum in Balingen jedem Headliner treu ergeben. Der Besuch also, wie er sich gehört. Die Band stellte eine Setlist zusammen, die vorwiegend aus Songs des kürzlich veröffentlichten The Sacrament Of Sin sowie seiner Vorgänger Blessed And Possesed und Blood Of the Saints bestand. Gespielt wurde folgendes Repertoire: Blessed & Possessed, Army of the Night, Resurrection by Erection, Amen & Attack, Demons Are a Girl’s Best Friend, Dead Boys Don’t Cry, Armata Strigoi, Let There Be Night, All We Need Is Blood, Fire and Forgive, Werewolves of Armenia, Incense & Iron, Sanctified With Dynamite, We Drink Your Blood, Lupus Dei. Jede Menge aufgenommene Kulissen, hinter denen sich die Darbietung »verbarg«. Ein echtes Spektakel zum Abschluss. Aber all jenen, die im Leben schon viele Konzerte gesehen und viele Bands kennengelernt haben – wenigstens mit einem Hauch originärer Wiedererkennbarkeit – werden Powerwolf nicht allzu lange in den Erinnerungen haften bleiben.
Die letzte Band auf dem Programm der diesjährigen Ausgabe des Bang Your Head!!! Festivals waren die schwedischen Sleaze- und Glam-Rock- sowie Metal-Revivalisten Crashdiet. Endlich wieder etwas für alle, die auf Mötley Crüe, Twisted Sister usw. stehen. Die Band hat erneut einen neuen Sänger in ihre Reihen aufgenommen. Diesmal ist es Gabriel Keyes, ansonsten befindet sie sich in einer Besetzung, die identisch mit der frühen Karrierephase der Band ist. Ausgezeichneter Besuch, einige kreischende Mädels vorne, viel Schminke und toupierte Frisuren (auch im Publikum). Ausgezeichnete Energie. Zeit für Party Time. Abschalten. Die Band lieferte das Beste, was sie derzeit zu bieten hat. Die Schweden spielten wirklich hervorragend, ohne Ausrutscher. Als Quartett würde vielleicht eine zusätzliche Gitarre gut tun, um noch rauer und lauter zu klingen, aber alles funktioniert vollkommen souverän. Martin Sweet deckt als Gitarrist allein enorm viel Raum ab und tut das äußerst effektiv. Besagter Gitarrist und sein Kumpan sowie Bassist Peter London haben im Laufe der Jahre noch am meisten Sleaze- und Glam-Schminke an sich bewahrt. Obwohl Gabriel hervorragend fuhr und souverän mit dem Repertoire umging, fehlt es ihm an Charisma. Der Typ wirkt auf der Bühne einfach zu »freundlich« und gibt das Bild eines braven Burschen ab. Definitiv ist nicht zu erwarten, dass er leicht in die Schuhe des unersetzlichen Gründers und verstorbenen Sängers der Band, Dave Lepard, schlüpfen kann – und doch. Trotz der vokalen Korrektheit herrschte während des Konzerts in der Luft ständig das Gefühl, dass der Sache das gewisse I-Tüpfelchen fehlt. Die Band spielte folgendes Repertoire: Tikket, Riot in Everyone, So Alive, Queen Obscene / 69 Shots, We Are the Legion, Down With the Dust, In the Raw, It’s a Miracle, Die Another Day, Blues Jam / Used to Love Her (orig. Guns N‘ Roses), Cocaine Cowboys und als Zugabe: Breakin‘ the Chainz, Miss Pain / Rebel, Generation Wild.
Damit schloss sich wieder ein Bang Your Head!!! – das zwanzigste in Folge. Vielleicht fehlte auf dem Programm des dritten Tages ein etwas attraktiverer und klangvollerer Name, der ans Ende des Programms gesetzt worden wäre. Die wirklich interessanten Dinge dieses Tages schlossen sich mit dem Auftritt von Pretty Maids ab, so dass das Gefühl eines abschließenden Crescendos fehlte. Nun, was auch dieses Jahr nicht fehlte: das legendäre Feuerwerk und natürlich das herzliche »Auf Wiedersehen« bis nächstes Jahr, wenn wir wieder nach Balingen zum Feiern aufbrechen.
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik



























































































