Anthrax – exklusiver Thrash-Metal-Feuersturm im Zagreber Boogaloo!

foto: ALEŠ PODBREŽNIK 2026
0 110

Anthrax
Montag, 15. 6. 2026, 19.30–21.00 Uhr
Zagreb // Boogaloo // Kroatien


Es ist nicht jeden Tag so, dass eine große Band zu einem Konzert in ein Clubvenue kommt, das vielleicht gerade mal 1000 Leute fasst. Anthrax haben auf ihrer Sommertour durch Europa nämlich einen ihrer exklusiven, nichtfestivalidsmäßigen Auftritte genau im Zagreber Boogaloo eingeschoben – und ihn in gerade mal drei Monaten nach der Ankündigung Ende letzten Jahres ausverkauft. Natürlich. Daran war gar nicht zu zweifeln. Das Ganze erinnerte an den Auftritt der Giganten Gojira vor zehn Jahren im Club New Age (7. 6. 2016, Roncade, Treviso, Italien) – RockLine Konzertrezension, der rund 500 Köpfe fasst.

Wie in ein überfülltes Wespennest gestochen. Und so war es auch. Der Auftritt kurz, aber fein – denn Zagreb hatte an diesem Abend auf dem Messegelände auch noch die Power-Metal-Giganten Sabaton zu Gast, und zwei solche Konzerte so zu bündeln, dass jeder Neugierige beide gleichzeitig besuchen kann, ist kein leichtes Unterfangen. Deshalb legten Anthrax bereits um halb acht abends los, und um neun Uhr war alles vorbei.

Dreizehn Songs und Feierabend. Ohne Bremsen. Volle Pulle und in dem Stil, den du von Anthrax erwartest und forderst. Halsbrecherische Party. Anders ging’s nicht. Sound exzellent, die Band in überlegener Stimmung, das Publikum komplett aufgedreht. Die Crew eingespielt, geschmiert, routiniert und mit allen Tricks versehen, mit denen die Bandmitglieder das Publikum pausenlos anheizen und die Ereignisse auf höchsten Touren der Thrash-Metal-Maschinerie halten – angetrieben nur durch genau dieses vollständige, hochoktanige Verbrennen.

Man könnte sagen, das Konzert war vorbei, bevor es richtig angefangen hatte – so schnell lief alles ab. Hat jemand etwas anderes erwartet als das Repertoire der Joey-Belladona-Alben? Ja, und genau das zählt als die echten Anthrax. Die wirklich echten, die sie ins große Quartett des Thrash Metal einreihen. Die Band rollte Klassiker nach Klassiker raus und wich lange nicht von der Achtzigerära ab – klassische Ohrfeigen aus der guten alten Bandzeit reihten sich aneinander, angefangen beim rasenden Opener Among The Living, dem bissigen Cover von Joe Jacksons Original Got The Time, weiter mit dem „Spreading The Disease“-Wahnsinn Madhouse und einer erneuten Rückkehr zum Album „Among The Living“ mit Caught In A Mosh, um den überkochenden Boogaloo bis zum Debütalbum-Klassiker „Fistfull Of Metal“ mit Metal Thrashing Mad zu treiben und den vernichtenden Stampede noch mit dem zweiten „Persistence Of Time“-Track Keep it in the Family abzuschließen. Erst der neuere „For All Kings“-Track Breathing Lighning ließ das Publikum etwas dringend benötigten Sauerstoff schnappen und kurz zu Atem kommen – danach folgte das brandneue It’s For The Kids vom kommenden Album „Cursum Perficio“, und schon waren wir bei zwei Dritteln des Konzerts.

Zum großen Finale startete die Band mit dem Klassiker Medusa, gefolgt vom nicht minder heiß ersehnten und obligatorischen Bestandteil aller Setlisten der Band – Indians, diesmal mit Belladona ohne Federschmuck –, der auch den erwarteten Höhepunkt dieses wirklich irren neuen Wiedersehens mit Anthrax lieferte, das ich Hand aufs Herz seit dem lang zurückliegenden Treffen mit der Band im friaulischen Majano – es war der 22. 7. 2016 (RockLine Konzertrezension) – selbst sehr vermisst hatte. Das vernichtende und obligatorische Antisocial, das einmal mehr beweist, wie perfekt Punk und Metal Hand in Hand existieren können, ehe das Konzert mit dem vierten Among The Living-Zerstörer aller Zerstörer I Am The Law zu Ende geht.

Das Publikum bleibt untröstlich, aufgekocht und gierig! Bereit. Diese Rechnung geht einfach nicht auf, denn alles zusammen war extrem zu kurz. Das Publikum will noch ein paar Geschosse direkt vor den Schädel. Die Band tauscht Blicke aus, eine blitzschnelle Debatte und geschickte Bühnenkommunikation – dann einigen sie sich und schießen als Zugabe noch den klassischen Single I’m the Man raus, entnommen der gleichnamigen eigenständigen EP aus dem Jahr 1987! Für mehr war wirklich keine Zeit mehr.

Das einzige kleinere Minus dieser außergewöhnlichen erneuten Kanonade, die keine Überlebenden im Club zurückließ, geht auf das Konto der ziemlich vorhersehbaren Setliste – die Band hätte durchaus noch mit der ein oder anderen Klassik überraschen können, die Anthrax schon länger nicht mehr live gespielt haben. Aber das schmälert in keiner Weise das erstklassige Konzerterlebnis mit dieser ikonischen Thrash-Metal-Formation. Drängeln, gegenseitiges Anrempeln, Moshen, Circle Pits – kurz gesagt: Zustände wie an der Front, mitten in der schlimmsten Entscheidungsschlacht, bis hin zur totalen Devastation. So sah es nach Konzertende im Boogaloo aus. Das haben wir alle gewollt, und genau so ist es auch eingetroffen. Anthrax können und dürfen einfach nicht enttäuschen. Im Herbst kommt also das neue Album, das bereits erwähnte „Cursum Perficio“ – und danach hoffen wir auf eine baldmöglichste neue Europatournee der Band!

Autor: Edita Klemen & Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Anthrax – Setliste:
1. The Number of the Beast (orig. Iron Maiden) – taped intro
2. I Can’t Turn You Loose (orig. Otis Redding) – taped intro
3. Among the Living
4. Got the Time (orig. Joe Jackson)
5. Madhouse
6. Caught in a Mosh
7. Metal Thrashing Mad
8. Keep It in the Family
9. Breathing Lightning
10. It’s for the Kids
11. Medusa
12. Indians
13. Antisocial (orig. Trust)
14. I Am the Law
—Zugabe—
15. I’m the Man


Pošlji komentar

Your email address will not be published.

Ta stran uporablja piškotke z namenom zagotavljanja spletne storitve, oglasnih sistemov in funkcionalnosti, ki jih brez piškotkov ne bi mogli nuditi. Z obiskom in uporabo spletnega mesta soglašate s piškotki. Sprejmi Preberi več

Zasebnost&piškotki