Alogia feierte im Rausch gemeinsam mit dem Publikum

foto: IGORAC 2026
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Alogia, XXV godina, gosti The Fifth Rider
Samstag, 7. 3. 2026
Zappa Barka, Belgrad, Serbien


„Prog-Power-Himmel“

Alogia ist, gelinde gesagt, keine besonders konzertaktive Band. Da man nie weiß, wann und in welcher Besetzung man die serbischen Champions des Prog-Power-Melodizismus überhaupt live zu sehen bekommt, war die Entscheidung, mich über die Autobahn der Brüderschaft und Einheit nach Belgrad zu fahren, überhaupt nicht schwer. In angenehmer Begleitung von Silvija, einer eingefleischten Liebhaberin harter Klänge und strubbeliger Typen, verging die Fahrt wie im Flug.

Auf dem Weg zur Zappa Barka, einem Rock-Floß auf der Save, trafen wir eine Gruppe einheimischer Metalheads, die uns eine Abkürzung zum Gelände zeigten. Während wir auf Einlass warteten (aus Sicherheitsgründen wurden jeweils nur 20 Personen gleichzeitig über den Steg zum Floß gelassen), hatte die Vorband schon angefangen: die Special Guests The Fifth Rider. Die Band existiert seit 2013 und hat bis heute, man höre und staune, ganze drei Singles in der Diskografie. Hochproduktiv, kann man wirklich sagen.

Vom Floß drang US-Power-Metal mit Thrash-Einschlag und gelegentlichen Growl-Vocals herüber. Energiegeladen und hörenswert. Die letzten drei Songs haben wir dann drinnen miterlebt, und die Energie floss in einem ununterbrochenen Strom von der Band ins Publikum – Sänger Mihajlo feuerte im Schnellfeuer Witze ab und brachte die Fans vor der Bühne mehrmals zum Lachen. Die Band ist gut eingespielt, die Musik melodisch genug und aggressiv genug, sodass ich ihnen für die Zukunft eine produktivere Schaffensphase wünsche. Unsere Nacken haben sie jedenfalls bestens für den Hauptact des Abends eingestimmt.

Setlist von The Fifth Rider:

01. Ascension
02. Legacy
03. Starseed
04. Powerslave (original Iron Maiden)
05. Ride of the Nephilim
06. The Black Banner
07. No More

Die Band Alogia wurde von den Brüdern und Gitarristen Srdjan und Miroslav Branković im Jahr 2000 in Semendria (Smederevo!!!) gegründet. Das Rückgrat der Band bildet außerdem Sänger Nikola Mijić mit seiner außergewöhnlichen Stimme, während die übrigen Mitglieder recht frei wechseln. Aktuell gehört auch Srdjans Ehefrau Nevena als festes Mitglied zu den Keyboards der Band. Die Live-Rhythmussektion wurde abwechselnd von drei Schlagzeugern (einer davon Mitglied von The Fifth Rider) und zwei Bassisten gebildet. Einige Songs von den ersten drei Alben hat nämlich Original-Bassist Ivan Vasić am Bass übernommen. Am Gesang gesellte sich Branislav Dabić zur Band, einer der beiden Keyboarder auf dem ersten Album Priče o vremenu (2002). Diesem Album – und dem nächsten, Priče o životu (2004) – war der Großteil der Setlist gewidmet; dazu kamen noch (allzu viele) Covernummern.

Schon der Soundcheck vor dem Konzert ließ keinen Zweifel: hier würden wir Zeuge eines mörderischen Sounds werden. Der Gitarrensound schnitt nämlich wie eine Motorsäge durch die Knochen. Als sie mit Eternal Fight vom letzten Album Semendria (2020) lospreschten, wäre das Publikum fast weggepustet worden. Unglaublich sauber, wuchtig und ausgewogen für so ein Ambiente. Power- und Prog-Meisterwerke wechselten sich ab, ebenso die Gäste, und die Zeit verging mit Lichtgeschwindigkeit. Die Songauswahl war ausgezeichnet – persönlich hätte ich zwar lieber mehr Eigenkompositionen (vor allem schnellere) statt all der Covernummern gesehen, aber auch so hatte ich nichts zu meckern. Die Schlagzeuger (vor allem der junge Typ aus Novi Sad) hatten die komplexen Prog-Rhythmusmuster bestens drauf, und die Brüder Branković glänzten als echte Gitarrengenies. Srdjan ist der breiteren Musiköffentlichkeit auch als Solokünstler mit dem Projekt Expedition Delta bekannt, doch Miroslav steht ihm in nichts nach. Ihr Markenzeichen sind für das Prog-Power-Genre ziemlich harte und rohe Riffs, während ihre Soli purer Himmel sind. Wenn man dann noch Nikolas kosmische Stimme dazurechnet, ist das Erlebnis schlicht tantrisch.

Der Boden des ausverkauften Floßes schwankte auf dem Wasser unter dem Druck des aufgedrehten Publikums, das vor Emotionen glühte – und die Band gab diese Gefühle immer wieder zurück. Miroslavs Texte sind stets lebensnah, nachdenklich und emotional, was natürlich dazu führt, dass alle Fans sie Wort für Wort mitgrölen. Slawische Seelen eben. Der reguläre Konzertteil war viel zu schnell vorbei, und für die Zugabe erschienen Bassist und Sänger der serbischen Iron Maiden Coverband Rainmaker auf der Bühne – gemeinsam fegten sie bei tobender Menge überschallschnell durch ein Helloween-Cover und zwei Iron Maiden-Cover (natürlich).

Persönliche Highlights: das rasante Bajka, Zar sunce već zalazi (eine brillante Neubearbeitung des Conception-Klassikers Roll the Fire), Kad prodje sve (das Highlight des ansonsten verunglückten Albums Priče o snovima (2012)), das muskelbepackte Samson und das Prog-Meisterstück Elegia Balcanica. Erwähnen muss ich noch das Duett in Gde si u ovom glupom hotelu mit Nikolas stimmlichen Höchstleistungen. Uh, mir stehen die Nackenhaare schon beim bloßen Erinnern auf …

Nach dem Konzert haben wir uns noch eine Weile mit dem überaus freundlichen und bodenständigen Srdjan unterhalten. Seinen Worten nach (und zu meinem Bedauern) steht uns keine besonders aktive Phase bevor, was neues Album oder Konzerte angeht. Er setzt lieber auf das kommerziell ausgerichtete Projekt The Big Deal, und Alogia kommt eben, wenn es kommt.

An die anderen Bandmitglieder sind wir leider nicht rangekommen, weil uns die Security höchst effizient und in aller Eile rausgefegt hat.

Unterm Strich: Das Bier ist noch immer kalt, der Sliwowitz noch immer stark, und Alogia ist nach wie vor eine Top-10-Prog-Power-Band im weltweiten Maßstab. Manche Dinge ändern sich eben nicht.

Und am nächsten Tag die viel zu lange Heimreise …

Setlist von Alogia:

01. Eternal Fight (Semendria)
02. Metamorfoza (Priče o životu)
03. Novi dan (Priče o životu)
04. Bajka (Priče o vremenu)
05. What a Feeling (Priče o životu bonus track, original Irene Cara)
06. Vreme istine (Priče o životu)
07. Za nove pobede (Priče o snovima)
08. Zar sunce već zalazi (Priče o vremenu, original Conception (Roll the Fire))
09. Gde si u ovom glupom hotelu (Priče o životu bonus track, original Riblja čorba)
10. Lament (Priče o vremenu)
11. Kad prodje sve (Priče o snovima)
12. Elegia Balcanica (Elegia Balcanica)
13. Samson (Priče o vremenu)
14. Tonem u san (Priče o vremenu)
15. Forever and One (Semendria Japan bonus track, original Helloween)
16. Semendria (Semendria)
17. Kao snegovi (Priče o životu)
18. U tišini (Elegia Balcanica)
19. Lilith (Elegia Balcanica)
20. Sečanje na slike iz sna (Priče o vremenu, original Pretty Maids (A Place in the Night))
Zugabe mit Gästen der Iron Maiden Coverband Rainmaker:
21. I Want Out (original Helloween)
22. The Trooper (original Iron Maiden)
23. Wasted Years (original Iron Maiden)

Text und Fotos: Igorac


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