Neue slowenische Landung von Alestorm (2025)!
Alestorm (Vorgruppen: Roses Of Thieves, Lutharo)
Sonntag, 7. 12. 2025
Ljubljana / Cvetličarna / Slowenien
Es kann nur sie geben. Alestorm. Die Band hat die slowenische Staatsbürgerschaft erhalten. Kaum anderthalb Jahre nachdem sie im Mariborer ŠTUK aufgetreten sind, kehrten sie für gleich zwei aufeinanderfolgende Auftritte ihrer neuen Tournee nach Slowenien zurück. Maribor und danach Ljubljana wurden beide genommen. Maribor war schon weit vor dem Konzerttermin ausverkauft. Ljubljana nicht vollständig, aber sehr, sehr knapp daran.
Alestorm zieht ein ganz besonderes Publikum an. Verehrer alkoholischer Getränke und des ganzen Krimskrams, der zu Piratensitten und -gebräuchen gehört. Und wieder strömten sie aus allen Richtungen herbei. Jede Menge Kroaten (vor der Zugabe – besonders zahlreich auf dem Balkon der Cvetličarna versammelt, mit einem bildgewaltigen Gruß, der den höchsten Grad menschlicher Zivilisiertheit ausstrahlt: „Svirajte pičke!“), denn Alestorm lässt auf der „Thunderfisting Europe 2025“ unsere südliche Nachbarin komplett aus.
Es ist zwanzig Minuten nach sieben. Roses of Thieves, ungarische Folk-Metaller, betreten die Bühne, das Publikum empfängt sie lautstark. Die Cvetličarna ist zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich gut gefüllt, und das Quintett strahlt auf der neuen Tournee eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein aus – die Frucht des Fleißes und des Engagements auf einem Weg, den sie mit voller Intensität gehen. Auch wenn das Ganze ein wenig naiv, schon gehört und in nichts besonders wirkt, überzeugt die Band genau durch ihren verbissenen Auftritt. Sängerin Ivett Dudas bringt neue Energie auf die Bühne, die Kombination mit dem Akkordeon verleiht zusätzlichen Reiz. Die Band heizte dem Publikum mit einer bekannten Coverversion des Achtziger-Jahre-Hits Boys (Summertime Love) von Sabrina Salerno ein. An Samples, die mit Metal-Phrasen kombiniert werden, mangelt es nicht, was der Gruppe eine stärkere rhythmische Konnotation verleiht. Eine unterhaltsame Fusion einer Band, die künftig noch auf sich aufmerksam machen kann.
Lutharo sind moderne kanadische Metaller, die deutlich mehr Aggressivität auf die Bühne bringen als ihre Vorgänger. Die Band hat kürzlich einen Tornado an Besetzungswechseln durchgemacht. Die Band, die auf der einen Seite typische Power-Metal-Elemente fusioniert und dazu Momente des melodischen Death Metal hinzufügt, hat nur zwei Alben im Gepäck und hat in ihrer kurzlebigen Karriere etliche Mitglieder ausgetauscht. Aktuell sind von den ursprünglichen Mitgliedern nur noch Bassist Chris Pacey und Gitarrist Victor Bucur dabei. Bis zu ihrem ersten Slowenienbesuch hatte die Band zwei Alben veröffentlicht: „Hiraeth“ im Jahr 2021 und letztes Jahr das Album „Chasing Euphoria“. Kyla Dixon, die kurz vor der Tournee den Staffelstab als Frontfrau übernommen hat, wirkt auf der Bühne souverän, rücksichtslos und angriffig! Mit ihrer gelungenen Kombination aus Growls und Clean-Vocals wirkt die Dame zeitweise schon fast ein bisschen bestialisch. Lutharo haben in Ljubljana bewiesen, dass sie noch lange nicht das letzte Wort gesprochen haben und dass sich vor der Band ein neues Kapitel öffnet, in das sie beherzt eintreten.
Alestorm aber bleiben unglaublich. Irgendwie ein Phänomen für sich. Als ich diese Band zum ersten Mal im Sommer 2009 in den frühen Morgenstunden des Bang Your Head!!! Festivals in Deutschland gesehen habe, zuckte ich mit den Schultern und dachte: „Das kann man doch nicht ernst nehmen!“ Und jetzt sind sie hier. Fehlt ihnen eine Kleinigkeit, und sie werden anfangen, Hallen zu buchen. Die Konzerte intensiver Tourneen sind regelmäßig ausverkauft. Und die Fangemeinde wächst rasant. Das neueste und insgesamt achte Studioalbum „The Thunderfist Chronicles“ ist bei der wild aufgedrehten Menge schon blendend angekommen, und während des Konzerts hatte man keinen Moment das Gefühl, dass die Energie zwischen den eisernen Repertoire-Nummern und den neuen Songs zufällig schwankt. Alles war ein perfekter Schuss. Auf höchstem Niveau. Ohne Zögern. Und man kann weitgehend sagen, dass ein großer Teil des Verdienstes dafür dem wahnsinnigen Publikum gebührt. Das Volk hatte wieder alles Mögliche angelegt. Hauptsache, niemand sah „normal“ aus. „Normalität“ ist hier nicht erwünscht, weil man sonst „unnormal“ aussieht.
Die Band steigert ihre Show. Das ist keine Neuigkeit. Die Höhepunkte reihten sich in der zweiten Hälfte aneinander. Kurz nachdem Bowes das Publikum darauf einstimmte, dass nun ein Song über das Trinken von Urin folgt! Die Band schlägt Frozen Piss 2 an, auf der Bühne erscheint eine weibliche Vokalistin in einem riesigen Papageienkostüm, die auch bleibt, als die Band Under Blackened Banners spielt. Da ist wieder der obligatorische Haibesuch beim Stück Hangover, und das erwartungsgemäß massenhafte Rudern bei Nancy the Tavern Wench. Ansonsten: entfesselt bis zum Äußersten. Nicht nur, dass man dem mit ausgeatmeten Alkoholdämpfen geschwängerten Ambiente nicht entkommen konnte – die Moshpits eröffneten sich von allen Seiten, und die Security hatte alle Hände voll mit den Crowd-Surfern zu tun. Wenn man das alles so als Randbetrachter beobachtet, durch die Brille des „wehrlosen“ älteren Mitbürgers, kann man sich nur wundern, woher die Jugend so viel Energie schöpft. Was für eine Ekstase. Natürlich fragt man sich, wer nun verrückter ist. Du, der du hier überhaupt aufgetaucht bist, oder das Publikum, für das es aussah, als würde es kontinuierlich seinen vernichtenden Salto mortale üben.
In so einer Situation muss sich die Band eigentlich gar nicht besonders anstrengen, obwohl das Quintett konzentriert, eingespielt und mit voller Kraft spielt. Spaß beiseite. Christopher hat dieses Mal ein bisschen weniger „saftige“ Sprüche rausgelassen, als wir das etwa beim Ljubljaner und Zagreber Konzert der Band vor zwei Jahren erlebt haben, doch die Energie und die Party bis zur Bewusstlosigkeit haben dieses „Defizit“ vollständig kaschiert.
Summa summarum. Anderthalb Stunden makellose Party! Unerschöpfliches „Pfeifen“ der Piratenmetal-Prozession durch aufgewühlte Köpfe, fleißig gefüllt mit einer Vielzahl alkoholischer Derivate. Einen besseren Anlass für einen vollständigen Abschalter als genau ein Alestorm-Konzert mit all seinen dazugehörigen Ritualen gibt es nicht. Das hat das neuerliche Treffen mit der Band bestätigt. Die Zeit bis zum nächsten Konzertbesuch des tüchtigen schottischen Quintetts hat inzwischen schon zu laufen begonnen. Und glaubt mir, sie werden sicher bald wieder bei uns sein.
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Roses Of Thieves – Setlist:
1. Fend off the Dark
2. Be The Captain
3. Synonym for Blasphemy
4. White Wolf
5. Keep the Night Inside
6. Boys (Summertime Love)
7. Once Upon A Time
8. Taste of Freedom
9. Not Your Fate
10. Hymn of Hell
Lutharo – Setlist:
1. Ruthless Bloodline
2. Creating A King
3. Reaper’s Call
4. Wings Of Agony
5. Time To Rise
6. Born To Ride
7. Lost In A Soul
Alestorm – Setlist:
1. Keelhauled
2. Killed to Death by Piracy
3. The Sunk’n Norwegian
4. Uzbekistan
5. Mexico
6. Frozen Piss 2
7. Under Blackened Banners
8. Banana
9. Zombies Ate My Pirate Ship
10. Bar ünd Imbiss
11. Hangover (orig. Taio Cruz)
12. Magnetic North
13. Nancy the Tavern Wench
14. Alestorm
15. The Storm
16. P.A.R.T.Y.
17. Shit Boat (No Fans)
—Zugabe—
18. Drink Play
19. Wooden Leg!
20. Fucked With an Anchor



















































