Avtomobili fahren auf den Novi trg im alten Ljubljana (2025)

foto: ALEŠ PODBREŽNIK 2025
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Avtomobili
Ljubljana / Novi trg / Slovenija
Mittwoch, 17. 12. 2025, von 19.00 bis 20.30 Uhr


Avtomobili und unser Magazin sind zwei unzertrennliche Freunde. Seit jeher. Mindestens seit 2006, als Rockline seinen Betrieb aufnahm — vor allem aber ist dafür die tiefe Verbundenheit des Verfassers dieser bescheidenen Zeilen mit der Band und ihrem Werk verantwortlich. Die Regel bleibt bestehen: Avtomobili mindestens einmal im Jahr live erwischen. Hat geklappt. Letztes Jahr waren wir beim Jubiläumskonzert zum 40-jährigen Bestehen der Band und zur Veröffentlichung der Kompilation „Potujemo (1984 – 2024)“ im CUK Kino Šiška dabei, und dieses Jahr ist es uns nach einem weiteren Jahr gelungen, die Legenden auf dem Novi trg im alten Ljubljana zu erwischen. Das ist jener Platz, auf dem man früher parken konnte, irgendwo zwischen dem ZRC SAZU und der Zlata ladjica gelegen — und wo in längst vergangenen Zeiten das gelegentliche Auftreten von Pappelwolleflusen die Stadtbewohner stark genervt hat (die alten, charismatischen Pappeln am linken Ufer der Ljubljanica wurden natürlich schon vor langer Zeit mit einem präzisen „chirurgischen Schnitt“ dauerhaft abgesägt).

Zum Veranstaltungsort kam ich mit Verspätung — durch meine eigene Schuld, weil ich mich auf dem Gornji trg verlaufen hatte, also auf der falschen Seite der Ljubljanica. Ljubljana ist nämlich voller irgendwelcher Plätze. An diesem Abend wurden sie einem zum Verhängnis. Sie verwandelten sich in ein unnötiges Labyrinth. Zusätzlich lästig war ein feiner, dichter Nieselregen. Ob solches Wetter natürlich ist, lässt sich seit Langem diskutieren. Es hätte nämlich zumindest schneien sollen. Schließlich sind wir mitten im fröhlichen Dezember. Doch wie es aussieht, sind all die Winter aus den Achtzigern und Mitte der Neunziger Vergangenheit. Für immer.

Aber gut — auf zum Konzert. Es war „Pot domov“, als ich auf dem Gelände ankam. Unverzeihlich, eine der lebendigsten Songs der Bandkarriere zu verpassen — „Ljubezen ne stanuje tu“. Das Quintett in der unveränderlichen Besetzung mit den Brüdern Mirko und Marko Vuksanovič, ergänzt durch drei musikalische Feinmechaniker und Großmeister ihres Fachs — Boštjan Andrejc Bushy an der Gitarre, David Morgan am Schlagzeug und Uroš Trebižan am fünfsaitigen Bass (den Ursprung seines Spitznamens „Avstrij’c“ habe ich noch immer nicht herausgefunden) — bleibt eine der schönsten Musikgeschichten Sloweniens. Ein Fixpunkt. Sie wirken wie mit einem eingebauten Perpetuum mobile. Rost setzt ihnen nichts an. Da sind die unschätzbare Kilometrleistung, die Erfahrung … und natürlich das überbordende Talent. Davon haben sie mehr als genug. Exportreif. Die Eingespieltheit ist nach wie vor auf außergewöhnlichem Niveau! Die hohe Kohärenz der Darbietung liegt auf der Hand. Alles ist da. Die Wärme von Marko Vuksanovičs einzigartig samtenem Stimme, durch die die Poesie der Band leidenschaftlich aufleuchtet und uns immer wieder wärmt, entfacht, auf Touren bringt, wiegt, betört, erfüllt … Beladen mit einem Rucksack voll immergrüner Hits und exzellenter neuer Musik, die sie auch im neuen Jahrtausend kontinuierlich produzieren, haben die legendären Art/Pop-Rocker aus Nova Gorica wieder einmal ein unvergessliches musikalisches Erlebnis geschaffen. Das Publikum war während des Konzerts zwar über das weitläufige Gelände verteilt, aber grob geschätzt lauschten mindestens knappe 200 aufmerksame Zuhörerinnen und Zuhörer. Viele verfolgten das Konzert direkt vom Ufer der Ljubljanica aus.

Die Band trat diesmal unter besonderen Bedingungen auf. Ich würde nicht sagen extremen, aber es war nun mal der fröhliche Dezember, eine Freiluftbühne — und dann ist es bekanntlich meistens kalt. Bands erscheinen unter solchen Bedingungen normalerweise in nahezu alpinistischer Ausrüstung auf der Bühne. Na ja, zumindest in irgendeinem Thermovelours-Outfit, was allerdings keine Pose ist, die zur Rechtgläubigkeit des Rock’n’Roll gehört. Oder sagen wir: ins Rockbuch eingetragen wäre. Geradezu unbezahlbar war der Anblick von Marko im eleganten schwarzen Mantel, den ihm David Morgan in letzter Minute geliehen hatte — denn die Band bestand darauf, dass der Sänger auf der Bühne „schick“ aussehen muss. Richtig so. Apropos David: Es gilt nach wie vor, dass er gerade jetzt einer der feinsten Schlagzeuger Sloweniens ist, obwohl der Mann diesmal seinen standardmäßigen Sologeinlage im Song „Netopir“ absichtlich auf die Hälfte gekürzt hat. Darüber aufgeregt haben sich deswegen wahrscheinlich nur wir drei üblichen Nörgler, die das Konzert vom Rand des Mischpults aus verfolgten. Mit dem Sound musste man diesmal in der Mitte oder weiter hinten stehen. Die Bühne am Novi trg ist hoch, und deshalb „trug“ der Sound drüber. Über was? Über die Ohren hinweg? Bestimmte Töne „schnitten“. Mirko war beim Backing-Vocal größtenteils kaum zu hören, während Bushy gut zu hören war und Markos Leadstimme wie gewohnt sehr schön einfärbte.

Die Band zog das Konzert ziemlich routiniert durch. Von Anfang bis Ende. Im ersten Drittel drehten die Jungs auf der Bühne einen riesigen Heizstrahler, der auf der Bühne für Gedränge sorgte, und gegen Ende, in „V mrzlih dvoranah“, musste Bushy zur Reservegitarre greifen, weil ihm eine Saite gerissen war. Diesmal haben, ausnahmsweise einmal, Avtomobili selbst einen Fehler im Klassiker „Gospodar“ gemacht — und nicht das Publikum.

Das Einzige, was dieses wunderschöne Zusammentreffen mit der legendären Band trübte, war die Projektionsleinwand im Hintergrund, die nicht aufhörte, aggressiv Sponsoren zu bewerben — was aber kaum der Rede wert ist. Vor allem, wenn man die Augen zumacht, denn Musik nimmt man schließlich in erster Linie mit den Mechanorezeptororganen wahr. Ja. Es war wieder eines jener Konzerte, die viel zu schnell enden. Viel zu schnell. Und Avtomobili? Die Legenden rasen weiter. Das Vierrad bleibt unzerstörbar, einzigartig und in allem faszinierend. Und so wird es bleiben.

Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Avtomobili – Setlist:
1. Potujemo
2. Ljubezen ne stanuje tu
3. Pot domov
4. Argentina
5. Dovoli da
6. Poletje ljubezni
7. Daleč
8. Ona nosi uniformo
9. Punce izginjajo v noč (unplugged)
10. Lipe (unplugged)
11. Netopir
12. Stopinje v snegu
13. Sama
14. Mraz
15. Zato ti želim
16. Drugačno nebo
17. Skozi leta
18. Enakonočje
19. V mrzlih dvoranah
—Zugabe—
20. Gospodar
21. Hvala za pisma


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