Exhorder – der kultische Thrash/Groove-Metal-Bohrer hat den Orto bar durchlöchert! (2025)

foto: ALEŠ PODBREŽNIK 2025
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Exhorder
Donnerstag, 27. 11. 2025
Laibach / Orto bar / Slowenien


Ab und zu verirrt sich auch eine Band in unser beschauliches Tal, von der so mancher sagen würde, das sei eine unmögliche Mission. Eine legendäre Band, eine visionäre Band und nicht zuletzt eine Band, die wirklich nur die eingefleischtesten Fans der alten, rechtgläubigen Thrash-Metal-Schule kennen. Eine Band, die Mitte der Neunziger für mehrere Jahre die Waffen niederlegte, die Tätigkeit einstellte, zunächst kurzzeitig 2008 zurückkehrte und dann ein drittes Mal 2018. Gerade in dieser letzten Phase haben Exhorder noch zwei exzellente Studioalben nachgeliefert, sodass sie inzwischen immerhin vier auf dem Konto haben.

Exhorder also! Die kultische Thrash-Metal-Truppe aus New Orleans, die viele als Pioniere des Groove-Metals und wichtigen kreativen Einfluss betrachten – was unter anderem heutige Größen wie Pantera und Machine Head offen zugeben. Warum Exhorder in den Achtzigern nicht der Durchbruch gelungen ist wie einigen anderen Landsleuten jener legendären Generation, die den Thrash Metal weltweit auf die Beine stellte, weiß der Teufel.

Exhorder als Quartett, mit dem einzigen Originalmitglied und Antriebsmotor Kyle Thomas, der mit dem, was er an der Gitarre demonstrierte, für echtes Staunen sorgte – denn die meiste Zeit seiner Karriere war sein erster Job in der Band der Gesang, was Rockline 2019 selbst erfahren durfte, als Exhorder live beim Bang Your Head!!! Festival im deutschen Balingen erwischt wurden. Vinnie LaBella hat sich inzwischen zur Ruhe gesetzt, und Thomas braucht offenbar in der neuen Zeit keinen zweiten Gitarristen mehr, sondern hat diese Bürde (neben dem Gesang) selbst übernommen. Und das macht ihm keine grauen Haare – nun ja, er hat ohnehin nicht mehr viele, womit er sie sich grau machen könnte. An seiner Seite steht seit 2022 der ehemalige Cannibal Corpse-Gitarrist Pat O’Brien. Ja, genau der Pat O’Brien, der sein Haus in Tampa, Florida, damals beinahe in ein Waffenarsenal verwandelt hat und deshalb erhebliche Probleme mit den Ordnungsbehörden bekam. Aber lassen wir das. Der reaktivierte O’Brien ist nach wie vor ein echtes Tier an der Gitarre, und das hat er im Orto bar eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Am Bass hält Jason VieBrooks die Stellung, am Schlagzeug sitzt seit 2017 der exzellente Sasha Horn (eine Zeit lang half er auch bei Forbidden aus). Obwohl Exhorder bis zu diesem Abend noch nie in Slowenien aufgetreten waren, hatten O’Brien und VieBrooks das Land bereits besucht – der Erste mit Cannibal Corpse, der Zweite mit Heathen. Kurz gesagt: Vor uns stand eine bombastische Quartett-Formation.

Und das stimmt. Mit den Amerikanern ist kein Scheiß, wenn sie die Dinge mit vollem Ernst angehen (das gilt sogar für Trump und seinen Clownszirkus). Und Exhorder haben einfach gekillt. Als die Uhr neun Uhr abends schlug, marschierte das Quartett auf die Bühne und haute mit voller Wucht rein! Die ersten drei Songs drangen im Sound (ganz vorne an der Bühne) auf unerträgliche Weise durch die Boxen. Wer seine Mechanorezeptoren bis ins hohe Alter erhalten wollte, musste sich dort zwingend wegbewegen. Später hat sich die Sache aber eingependelt – irgendwo in der Mitte des Saals war der Sound absolut tadellos. Die Band fegte von Song zu Song, und Kyle sorgte mit seinen schlagfertigen Kommentaren für eine richtig gute Stimmung bei einem Auftritt, der rasend schnell verging. In einer Pause schlug er dem Publikum zum Beispiel vor, sich ein kühles Bier zu gönnen – denn danach würden Exhorder makellos klingen, und was noch wichtiger sei: optisch würden sie deutlich besser aussehen.

Da nur sehr wenige Leute da waren – beim Eintreffen hatte ich aus zuverlässiger Quelle die mündliche Info aufgefangen, dass gerade mal 50 Tickets verkauft worden waren – ließ auch Kyle beim Blick vom Bühnenpodest auf das dezimierte Publikum keine Gleichgültigkeit erkennen. Nach dem dritten Song bemerkte er sarkastisch: „Wir sind schon auf halbem Weg durch das Konzert.“ Aber der schlechte Besuch hat die Band nicht wirklich beeindruckt. Sie spielten wie im Trance. Kyle sang hervorragend. Im Gesang hat er genau das richtige Gift, das die scharfen Klingen, die vernichtenden Schrapnelle und die reißenden Zacken ihrer einzigartigen Thrash-Metal-Attitüde verlangen! Bis auf die Knochen. Wenn die Band dich zum Wesenskern des Metals führt. Dunkel, kompromisslos, mit voller Kraft. Mit wahnsinniger Eingespielheit. Die Band hat allein in diesem Jahr 77 Konzerte gespielt. Im Frühjahr spielten sie eine Konzertreihe durch Nordamerika, im Sommer zogen sie nach Europa, wo sie auf Clubbühnen und Festivals auftraten. Nun ja, dieses Konzert in Laibach war eine echte Exklusivität und eines von gerade mal fünf Herbst-Europaauftritten der Band. Der Balkan mit Stopps in Serbien, Kroatien und Slowenien, dazu noch ein Konzert in Prag und beim deutschen Festival Braincrusher – und das war’s! Auch die Setlist war nicht wesentlich verändert. Die Band hat sie nur um etwa zehn Minuten gekürzt.

Während die Band auf ihrer neuen Konzerttour Stücke vom neuesten Album „Defectum Omnium“ präsentierte – davon bekamen wir vier Lektionen –, wartete die Mehrheit der wirklich eingefleischten Old-School-Thrash-Metal-Fans auf die kostbaren Momente der ersten beiden Alben „Slaughter In The Vatican“ (1990) und „The Law“ (1992). Und sie kamen voll auf ihre Kosten. Im ersten Teil brachte die Band die Bühne auf Weißglut, als sie vier Klassiker hintereinander herunterfeuerte (Slaughter In The Vatican, Unforgiven, Legions Of Death und Death in Vain).

Dann fragte Kyle das Volk: „Sind wir im Jahr der Schlange? Nein, oder? Wir sind im Jahr der Ziege – und ich bin der verdammte Widder!“ Das ist natürlich eine Textzeile aus dem Song Year Of The Goat, noch realer ist aber die Tatsache, dass wir in diesem Jahr tatsächlich und wahrhaftig im Jahr der Schlange sind. Kyle weiß’s halt. Die neuen Songs halten engen Kontakt zu den klassischen Zeiten der Band. Sie funktionieren perfekt. Wie aus einem Guss mit den Klassikern. Das Konzert raste aber wirklich im Expresstempo. Kyle stellte die Bandmitglieder vor und sich selbst zum Schluss als Ozzy Osbourne. „Und wo wir schon beim Ozzy sind – wir möchten ihm eine Widmung aussprechen“, schloss der Bandleader an. Die Band widmete sich einer brillanten Version des Black Sabbath-Klassikers Into the Void.

Exhorder krönten ihren makellosen Auftritt mit zwei „Slaughter In The Vain“-Klassikern. Der extrem zugespitzte gleichnamige Song Exhorder, und den Nagel auf den Kopf traf dann Desecrator! Grandios. Und? Ein bisschen zu kurz. Die Band reißt alles nieder. O’Brien ist außergewöhnlich, und es ist wunderbar, dass dieser Musiker wieder aktiv ist. Die Crew ist top eingespielt. Der Groove, den sie erzeugen, packt dich sofort und schüttelt dich durch, sodass du noch am Morgen danach mit Schmerzen aufwachst. Und wie gesagt: Schlechter Besuch, aber Exhorder spielten mit voller Kraft und wälzten unerbittlich Song um Song, als würden sie vor tausenden von Zuschauern spielen. Direkt, frontal und ohne zurückzuhalten. Hut ab vor der Band für dieses außergewöhnliche Erlebnis, das viele treue Besucher auch sehr nostalgisch erlebten.

Nach dem Auftritt verbrachte die Band ihre Zeit am Merch-Tisch, wo sie sich mit dem Publikum austauschte, Autogramme gab, Fotos machte und mit den begeistertsten Fans plauderte. Wie gesagt: Einzigartig. Und leider bezweifle ich stark, dass das in Slowenien noch einmal passieren wird.

Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Exhorder – Setliste:
1. My Time
2. Forever and Beyond Despair
3. Slaughter in the Vatican
4. Unforgiven
5. Legions of Death
6. Death in Vain
7. Year of the Goat
8. The Tale of Unsound Minds
9. Into the Void (orig. Black Sabbath)
10. Divide and Conquer
11. Exhorder
12. Desecrator


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