Uriah Heep, April Wine & Heavy Pettin in Wien (2025)

foto: ALEŠ PODBREŽNIK 2025
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Uriah Heep, April Wine, Heavy Pettin‘
Freitag, 24. 10. 2025
Wien / Gasometer / Österreich


Es gibt diese Touren. Von legendären Bands. Von denen, denen kein echter Rocker die Rolle als außergewöhnliche Inspirationsquelle streitig macht. Mit einem zeitlosen Opus. Immergrün. Uriah Heep! Man kann sie Giganten nennen – gemessen an der Musik und ihrer Bedeutung in der Welt des Rocks, aber auch des Metals, die sie in ihren unglaublichen 56 Jahren ihres Bestehens geschaffen haben. Die Band hat die Jahre irgendwie eingeholt. So kündigte sie vor einiger Zeit an, die Konzertaktivitäten zurückzufahren. Also die Anzahl der Auftritte schrittweise zu reduzieren. Uriah Heep galten seit jeher als außergewöhnliche Konzertarbeiter. Und die Jahre haben dabei keine Rolle gespielt. Mehr noch: In den Jahren, als das Interesse an der Band stark nachließ, als die „Krisenjahre“ der Achtziger für Uriah Heep anbrachen und die Existenz der Band am seidenen Faden hing, hat Mick Box genug Kraft aufgebracht, um das zu verhindern. Er erneuerte die Band, die in vielerlei Hinsicht künstlerisch neu geboren wurde und mit noch mehr Schwung auf die Bühnen ging als in ihrer goldenen Ära der Siebziger.

The Farewell Tour bedeutet nach den Worten der Band also keine endgültige Abschiedstournee, sondern nur eine schrittweise Reduzierung der Konzertauftritte. Da der Verfasser dieser Zeilen ein unheilbarer Anhänger der Band ist, reichten ihm seine Konzertbesuche in Möchling in Kärnten Ende Juli und in Moravský Krumlov Mitte August dieses Jahres in Tschechien definitiv nicht aus. Also musste man Uriah Heep ein drittes Mal in diesem Jahr live erleben. Uriah Heep haben bei beiden Konzerten bereits das Repertoire der aktuellen Tournee präsentiert und ihre schon sprichwörtliche Live-Unschlagbarkeit bestätigt.

Für die herbstliche Europatournee haben sie zwei sehr interessante Bands eingeladen. Die schottischen Metaller aus Glasgow Heavy Pettin‘, die dem N.W.O.B.H.M. zuzuordnen sind und die genau am Tag des Wiener Konzerts ihr Comeback-Album „Rock Generation“ veröffentlichten, sowie die kanadischen Heavy-Rock-Legenden April Wine, die vor allem in Nordamerika großen Erfolg erzielten und Europa in ihrer langen Karriere nur selten besucht haben. In gewisser Weise war das eine Exklusivität.

Heavy Pettin‘, die Anfang der Achtziger viel versprachen und eigentlich als heißeste Heavy-Metal-Band Schottlands galten (das Album „Lettin Loose“ von 1983 produzierte ihnen kein Geringerer als Brian May), werden heute vertreten durch: das einzige Originalmitglied und Sänger ‚Hamie‘ (Stephen Hayman), die Gitarristen Dave ‚Davo‘ Aitken und Richie ‚St. James‘ Dews, Bassist David ‚Boycee‘ Boyce und Schlagzeuger Mick ‚The Wizard‘ Ivory. Diese begannen ihren Auftritt deutlich später als angekündigt. Sie hätten um fünfzehn Minuten nach sieben spielen sollen, doch die Eingangstüren zur Halle blieben weiterhin verschlossen. Gegen halb acht kamen wir in die Halle, und Heavy Pettin‘ waren auf der Bühne noch mit dem Soundcheck beschäftigt, der einfach nicht klappen wollte. Kurz nach acht legten sie dann mit einem stark gekürzten Set los, das von technischen Pannen begleitet wurde, mit denen die Band die ganze Zeit zu kämpfen hatte. Das Ergebnis war ein sehr missglückter Auftritt einer Band, deren angekündigtes Erscheinen durchaus Interesse geweckt hatte. Schade. Die Band präsentierte also ihr drittes Album „Rock Generation“, spielte daraus die Titeltrack, Faith Healer (Kill My Demons) sowie Line In The Sand, den kaum zwanzigminütigen Auftritt ergänzte noch der Titeltrack ihres zweiten Studioalbums Rock Ain’t Dead. Wirklich schade, denn mit diesen zwanzig Minuten haben Heavy Pettin‘ das Publikum schlicht nicht erreicht – sie bleiben also noch etwas schuldig.

Eine ganz andere Geschichte im Vergleich zu dem missglückten Warm-up mit Heavy Pettin‘ waren April Wine. Ihr Auftritt in Wien war überhaupt ihr erster in der Karriere. In gewisser Weise sind sie auf der aktuellen Uriah Heep-Tournee der eigentliche Magnet, der einen bewegt, einen solchen Konzertabend erst recht nicht zu verpassen. Auch April Wine sind hinsichtlich ihrer heutigen Besetzung ziemlich „ausgedünnt“, wenn man auf ihre ursprüngliche Besetzung schaut, die ihre Schlüsselalben eingespielt hat. Das dienstälteste Mitglied in der aktuellen Besetzung ist Brian Greenway, der 1977 zur Band stieß, genau für das Album „First Glance“. Wäre nicht vor zwei Jahren das letzte Originalmitglied der Band Myles Goodwyn verstorben, wäre das Auftreten der aktuellen Besetzung unter dem Namen April Wine leichter zu rechtfertigen. Wie auch immer, sie sind da. In gewisser Weise eine große Exklusivität, Songs von Alben wie „First Glance“, „Harder… Faster“, „Nature Of The Beast“ und „Power Play“ zu hören – und das auf sehr hohem Niveau gespielt. Ohne Patzer. Weder in der Ausführung noch in der Klangqualität. Deshalb hat das Konzert gepackt und überzeugt. Von der druckvollen Eröffnung mit I Like To Rock, direkt gefolgt von Anything You Want, You Got It, über das pfiffige Say Hello und weiter durch eine Reihe exzellenter, von adrenalinschwangerer Rasanz durchdrungener Rocker mit Kultstatus. Sänger und Gitarrist Marc Parent, der 2022 in die großen Fußstapfen des verstorbenen Goodwyn trat, erledigte seinen Job mit Bravour. 45 Minuten richtig, richtig guter Stoff!

Uriah Heep bleiben außergewöhnlich. Für die neuen Termine haben sie nichts verändert. Außer der Bühnengarderobe, was sich vor allem auf Mick Box in seinem scharlachroten barocken Hemd bezieht, und den neuen Drums von Russell Gilbrook. Alles andere bleibt eine Konstante der Konzerte. Vom Backdrop bis zur Beleuchtung. Kein besonderer Schnickschnack und Kitsch! Uriah Heep sagen alles durch ihre Performance. Die Band hält sich in ausgezeichneter Form. Erneut war absolut kein Patzer zu bemerken. Anderthalb Stunden Magie, die sich durch den Raum ausbreitete und die Herzen der Besucher in der nahezu ausverkauften Halle im Gasometer füllte. Die Klangqualität außergewöhnlich und im Zusammenspiel mit zeitlosen Evergreens – wobei hervorzuheben ist, dass die Setlist diesmal wirklich eine Kombination aus der goldenen Ära der ersten Hälfte der Siebziger und dem letzten Album Chaos & Colour (2023, RockLine Rezension) ist – hat das ein neues unvergessliches Erlebnis des Zusammenseins mit den Legenden des Rocks gezaubert. Das Handwerk beherrscht das Quintett mit links. Alles ist genau dort, wo es sein muss. Die Band auf einer großen Bühne mit viel Platz hat sich in diesem Kontext auch richtig entfaltet. Mick Box ist ein einzigartiger König was seinen Gitarrenstil betrifft, den er über viele Jahre herausgearbeitet hat. Mit seinen charakteristischen Gesten und Bewegungen ist dieses Spiel eine absolute Besonderheit des Rock-Universums. Erneut teilte er dabei eine Serie von Lächeln mit dem Publikum und gewann es so im Nu für sich. Bernie bewahrt seine außerordentliche vokale Explosivität. Es ist zwar erst der Beginn der neuen Tournee, doch spielte die Band noch im August auf Festivals. Er wirkte sogar überzeugender als bei den beiden oben erwähnten Auftritten der Band. Frisch und gut gelaunt führte er das Publikum durchgehend von Song zu Song, enthüllte auch den ein oder anderen historisch interessanten Umstand zu einzelnen Songs, wobei das Gefühl von Schelmerei nie fehlte.

Die einzelnen Songs sind über die Jahre wahrhaftig gewachsen. Und die Standards Gypsy, July Morning, Stealin‘ und Easy Livin‘, neben Sunrise das obligatorische Lady In Black (beide als Zugabe), verleihen der Band dieses absolut zeitlose, ewige Vorzeichen. Ein Kapitel für sich auf den Konzerten dieser Tournee ist natürlich das megalomane Epos Magician’s Birthday, das allein durch seine Anwesenheit im Repertoire jeden Fan der Band ins Konzert lockt. Es ist unglaublich zu beobachten, was Mick Box da macht, mit seinen 78 Jahren, wenn er mit voller Kraft durch das Solo fegt, von dem man sagen könnte, es möge niemals enden. Wieviel Leidenschaft und Feuer in den Adern dieses wunderbaren Musikers auch im reifen Alter noch brodelt. Ähnliche Gefühle zauberte das einzigartige July Morning sowie Gypsy mit seinem stampfenden Riff hervor, bei dem das Publikum besonders feurig auflebte. Das Tüpfelchen auf dem i setzte das Überraschungsbonbon in Gestalt von Shadow Of Grief vom Album „Look At Yourself“ (1971), nach langer Zeit kehrte auch das schwungvolle Sweet Lorraine in die Setlist zurück. The Wizard nimmt einen besonderen Platz im Opus der Band ein und brachte einen wunderschönen Wendepunkt im Kontrast der Atmosphäre. Ein ungemein verführerischer Moment, der einen sofort in den Bann zieht. Die drei Songs vom neuesten Album „Chaos & Colour“ fügten sich hervorragend ein, vor allem dank der druckvollen Hammond-Fülle, die Boxs Phrasen verdoppelt. Lanzon sang diesmal mehr als er gedacht hatte (Verdoppelung der Verse im Outro von The Magician’s Birthday), ansonsten war beim Genießen des Konzerts im Hintergrund und leicht rechts besonders gut zu hören, wie viele zusätzliche Einlagen dieser meisterhafte Musiker in das aktuelle Bild der Uriah Heep-Klassiker integriert. Die Rhythmusabteilung ist schlicht und ergreifend umwerfend. Gillbrook und Bassist Dave Rimmer! Beide etwas jüngere Mitglieder der aktuellen Besetzung, hungrig aufs Beweisen, und die Songs allesamt platzen vor üppigem Kraftaufwand und makelloser Ausführung.

Auch dieses Konzert verflog im Nu. Als die Band plötzlich durch den galoppierenden Hit Easy Livin‘ hetzte, war das Konzert schlicht gesagt viel zu schnell vorbei – auch wenn wir anderthalb Stunden lang mit den Legenden zusammen waren. Sunrise als Zugabe gilt als eine der schönsten Kompositionen aus der klassischen Ära der Band und darf auf keinem Konzert fehlen. Natürlich darf auch der größte Hit der Band Lady In Black nicht fehlen, den Heep stets ein wenig in die Länge ziehen, wobei sie die letzten zehn Minuten alle 3.000 Köpfe des Publikums zum Mitsingen bringen. Bernie bemerkte vor der Darbietung verschmitzt, dass der Song auf zwei Akkorden basiert und dass der Herr neben ihm beide draufhat. Mick drohte ihm scherzhaft und fügte hinzu, dass es doch nicht so einfach sei, da man sie in der richtigen Reihenfolge spielen müsse. Kurzum. Es gibt nichts mehr hinzuzufügen. Solange es geht, soll es also gehen. Wo immer diese in vielerlei Hinsicht wegweisende und visionäre Rock’n’Roll-Formation in deiner Nähe auftritt, zögere nicht mit dem Besuch. Rockline auch nicht. Und möge dieser Abschied so lange andauern wie möglich.

Autor: Edita Klemen & Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik


April Wine – Setliste:
1. I Like to Rock
2. Anything You Want, You Got It
3. Say Hello
4. Enough Is Enough
5. All Over Town
6. Big City Girls
7. Hot on the Wheels of Love
8. Before the Dawn
9. Just Between You and Me
10. Sign of the Gypsy Queen (orig. Lorence Hud)
11. Roller

Uriah Heep – Setliste:
1. Grazed by Heaven
2. Save Me Tonight
3. Shadows of Grief
4. Stealin‘
5. Hurricane
6. The Wizard
7. Sweet Lorraine
8. The Magician’s Birthday
9. Gypsy
10. July Morning
11. Easy Livin‘
—Zugabe—
12. Sunrise
13. Lady in Black


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