HammerFall und Visions Of Atlantis beim Lignano Sunset Festival (2025)
HammerFall (Vorband: Visions Of Atlantis)
Sonntag, 14. 09. 2025
Lignano Sabbiadoro / Arena Alpe Adria / Italien
Das diesjährige Lignano Sunset Festival empfing die schwedischen Power-Metal-Könige HammerFall, als Vorband für die Band, die an diesem Abend im italienischen Badeort Lignano Sabbiadoro in der Arena Alpe Adria alle Anwesenden einheizte, wurden Visions Of Atlantis ausgewählt – eine österreichische Pirate-Metal-Combo, die wir am 9. 7. 2025 auch in Ljubljana gesehen haben, als sie im CUK Kino Šiška vor Gloryhammer auftraten!
HammerFall haben im vergangenen Jahr ihr neuestes und nach wie vor aktuelles Album veröffentlicht – insgesamt bereits das dreizehnte, mit dem Titel „Avenge The Fallen“ (Rockline Rezension). Da sie nach dem Konzert im Grazer Orpheum Theater im Februar 2020 in der Nähe Sloweniens keinen einzigen Headliner-Auftritt mehr gespielt haben, war es schlicht notwendig, die Form dieser – man darf es ruhig sagen – legendären Power-Metal-Band zu überprüfen, an der sich so manche jüngere Combo orientiert hat, die bis heute kommerziell äußerst erfolgreich wurde (Sabaton, Powerwolf) und ihre Vorbilder damit längst überflügelt hat.
Die Arena Alpe Adria ist ein unheimlich sympathisches Gelände. Sagen wir, sie fasst bis zu 2.500 Köpfe (Tribünen eingeschlossen). Wir kehren immer wieder hierher zurück. Und das mit großer Freude. Am 31. Juli haben wir hier Extreme besucht, am 19. August letzten Jahres Amon Amarth. Diesmal war der Besuch allerdings wieder eher mager. Es waren sogar weniger Leute als bei Extreme. Tribünen komplett leer, im Innenbereich vielleicht maximal rund 600 Köpfe. Aber die waren aufgeheizt!
Visions Of Atlantis betraten die Bühne um halb neun abends. Die Band, deren Wurzeln tief in die Neunziger reichen, hat es durch beharrliche, unerschütterliche Arbeit und den Glauben an das, was sie tut, schließlich geschafft. Das belegt die ungebrochene kreative Reichweite der Gruppe, die von 2018 bis heute vier Studioalben am Stück herausgebracht hat – und vor allem mit „Pirates“ und „Pirates II – Armada“ alle Weichen richtiggestellt hat! Sie hat sich in ein symphonisches Power-Pirate-Metal-Quintett mit männlichem und weiblichem Gesang, ausgefeilten Bühnenkostümen und Bühnenkulissen verwandelt, was für eine Generation frischgebackener Metalheads mitunter wichtiger ist als Fantasy-Welten und Piratengeschichten (der jüngsten Studioproduktionen). Clementine Delauney – die französische Sängerin – und der italienische Sänger Michele Guaitoli harmonieren ausgezeichnet. Die Band nutzte die große Bühne geschickt und zeremoniell, die wie das Deck eines Piratenschiffs wirkte, und verströmte eine rundum gute Stimmung. Guaitoli, der aus Nova Gorica stammt, heizte dem Publikum zusätzlich ein, indem er es mehrmals auf Italienisch ansprach. Die Band bekam eine großzügige Setzeit und spielte in einer Stunde elf Songs, wobei sich Visions Of Atlantis fast ausschließlich auf das Material der letzten beiden Alben konzentrierten. Von der Opener-Nummer Master The Hurricane über das gespenstische Monsters bis zum Höhepunkt im Finale mit Melancholy Angel und Armada hielt die Band das Publikum mit einer starken Bühnenpräsenz bei der Stange – begünstigt auch durch hervorragende Soundverhältnisse. Interessant: Visions Of Atlantis verabschiedeten sich diesmal auffallend lange von der Bühne. So lange, dass man zwischendurch noch einen weiteren Song hätte spielen können.
HammerFall lieferten in eineinhalb Stunden so etwas wie einen Karrierequerschnitt, auch wenn ein Liebhaber des alten Stahls wie der Autor dieser Zeilen sich gewünscht hätte, dass sie noch die eine oder andere ältere Klassik nachgereicht hätten – am liebsten den ein oder anderen übersehenen Schatz aus den ersten vier bis fünf Alben, und davon gerne mehr! Wie auch immer. Die große Bühne, die Kulisse mit dem Schloss, in dem der berühmte Hector wohnt – das Maskottchen, das die Band von Anfang an ihrer Karriere begleitet. Da sind sie. Joachim Cans am Mikrofon, Gitarrist Oscar Dronjak, Bassist Fredrik Larsson, der hervorragende Gitarrist Pontus Norgren, der sich seinerzeit als Gitarrentechniker von Yngwie Malmsteen sein Brot verdient hat, und schließlich das wahre Schlagzeug-Ungetüm David Wallin, der hinter seiner Schlagzeugfestung kaum zu sehen war.
Cans überzeugte, dass er stimmlich nach wie vor sehr gut in Form ist und die Größe eines der geschicktesten Frontmänner bewahrt. Er gewinnt das Publikum sofort für sich. Er versteht es meisterhaft, damit umzugehen. Auch in den Pausen, die er mit verdaulichem Smalltalk füllt, dem er auch einen ausgeprägten Sinn für Humor verleiht. Oscar ist Oscar. Charisma ohne Gleichen. Ein echter Showman, ohne den man sich HammerFall schlicht nicht vorstellen kann! Der Mann, der bei HammerFall alles angefangen hat. Pontus muss im Team sein, denn die Reichweite seines gitarristischen Könnens, das HammerFall-Konzerte durchdringt, ist eine absolut entscheidende Sache. Larsson mit dem fünfsaitigen Bass und dem satten, vollgeladenen Volumen detonierender Linien – und schließlich der bestialische Wallin, der im Hintergrund das gesamte zeitliche Gerüst aufrechterhalten hat! HammerFall bleiben eine Maschine und ein Begriff für exzellente, bis ins letzte Detail durchgeplante Konzertshows. Das Repertoire hielt keine großartigen Überraschungen bereit – mit Ausnahme des Instrumentals „Chapter V: The Medley“, des Klassikers Fury of the Wild, den die Band nach mehr als zehn Jahren wieder ins Programm aufgenommen hat. Und unter den „jüngeren“ Nummern funktioniert auch Any Means Necessary auf der Bühne nach wie vor fantastisch! Klassiker aber bleiben Klassiker. Allen voran Glory to the Brave – eine der schönsten Balladen des Metal-Universums! Dieses Mal hätte es ruhig noch ein paar mehr davon sein dürfen!
Die ersten achtzig Minuten vergingen viel zu schnell und die Band verabschiedete sich von der Bühne. Im Finale mit der „Built To Last“-Keule (We Make) Sweden Rock – eine interessante und unerwartete Wahl. An dieser Position hätte man eher einen alten Song erwartet. Aber wie gesagt. Cans und Crew haben das Publikum grandios entfacht – darunter viele ältere, schon ergrauende Köpfe, die das Ganze sehr intensiv erlebt haben, auch mit einem nostalgischen Unterton (wo ist nur dieses Graz vom 2. 2. 2001 auf der „Renegade“-Tour geblieben?). Es gab beim Konzert tatsächlich Momente, in denen absolut alle mitsangen. Und in denen absolut alle die Hände in die Höhe rissen. Von der ersten bis zur letzten Reihe im Innenbereich, der diesmal etwas mehr als zur Hälfte gefüllt war. Die Energie war in jeder Hinsicht ausgezeichnet.
Die Band kehrte mit Zugaben zurück. Nach dem neuen Hail To The King – tatsächlich einem der stärksten Tracks des Albums „Avenge The Fallen“ – folgte erwartungsgemäß die „Crimson Thunder“-Granate Hearts On Fire mit einem der gelungensten Refrains, den die Band je geschrieben hat, und der mit hypnotischer Eingängigkeit alles in sich aufsaugt.
Bombe! Wuchtig, eingespielt, ausgefeilt – und auch nach mehr als 30 Jahren mit vollem Einsatz dabei. Bei aller Routine und Kilometerzahl. Das Feuer erlischt nicht, der Hammer schlägt weiter! Es war schön, die Band nach fünfeinhalb Jahren endlich wieder live zu erleben und sich an die Zeiten zu erinnern, als HammerFall um die Jahrtausendwende auf ihren Schwingen den Power Metal ins Rampenlicht der Massen trug und damit das Interesse am klassischen Heavy Metal weckte, der sich nach dem Aufstieg der extremen Metal-Spielarten in den Neunzigern langsam wieder aufgerappelt hatte. Das Quintett ist also in einer sehr, sehr guten Konzertverfassung.
Text: Edita Klemen & Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik & Edita Klemen
Visions Of Atlantis – setlist:
1. Master the Hurricane
2. Monsters
3. Heroes of the Dawn
4. Clocks
5. Legion of the Seas
6. Tonight I’m Alive
7. Collide
8. Hellfire
9. Pirates Will Return
10. Melancholy Angel
11. Armada
HammerFall – setlist:
1. Avenge the Fallen
2. Heeding the Call
3. Any Means Necessary
4. Hammer of Dawn
5. Freedom
6. Renegade
7. Hammer High
8. Last Man Standing
9. Fury of the Wild
10. Chapter V: The Medley
11. Let the Hammer Fall
12. Glory to the Brave
13. The End Justifies
14. (We Make) Sweden Rock
—Zugabe—
15. Hail to the King
16. Hearts on Fire







































































