Gloryhammer – Ljubljaner Einhorn-Invasion, piratenhafte Visions of Atlantis und Mondphasen mit Moonlight Haze (2025)

foto: ALEŠ PODBREŽNIK 2025
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Gloryhammer / Visions Of Atlantis / Moonlight Haze
Mittwoch, 9. 7. 2025, von 19.00 bis 22.30 Uhr
Ljubljana / CUK Kino Šiška / Slowenien


Gloryhammer haben im März dieses Jahres die europäischen Daten ihrer neuen „Dundax Ascendant“-Tour bestätigt! Bei ausgewählten Konzerten wurden sie von den österreichischen Symphonic-Power-Metallern Visions Of Atlantis begleitet, sowie von den norditalienischen Hoffnungsträgern und Botschaftern ähnlicher Genrevorlieben – Moonlight Haze.

Nach drei Jahren, die wie im Flug vergangen sind, hat Gloryhammer wieder im Kino Šiška haltgemacht. Jenes Konzert am 22. 6. 2022 war bis in den letzten Winkel vollgepackt und energetisch mitreißend! Das verrückte Publikum hatte seinen Anteil daran. Diese „Verrücktheit“ ist nicht verschwunden. Auch nicht drei Jahre später. Es ist unglaublich, dass diese Band mit gerade mal vier Studioalben im Gepäck in relativ kurzer Zeit eine so außergewöhnliche Popularität entwickelt hat. Zu dieser Popularisierung solcher Bands hat auch das Metaldays-Festival erheblich beigetragen. Also jenes Festival, auf das man unbedingt aufblasbare Monster und Kreaturen der blühenden Fantasie mitbringt, mit denen man auf dem Zusammenfluss von Tolminka und Soča segelt. Ein fliegendes Einhorn dieser Branche mitten im morgendlichen Unwetter auf dem Festival im Jahr 2018 bleibt ein unvergessliches Erlebnis. Gloryhammer wiederum traten auf diesem Festival erstmals in der Gluthitze auf – und zwar im Jahr 2013. Damals wirkten sie in ihrer Aufmachung sehr komisch. Eine Aufmachung, die sie fleißig weiterentwickelten und die ihnen sehr bald große Popularität einbrachte. Den Pomp und die musikalisch ansteckende Natur ihrer mitreißenden Kompositionen hat Gloryhammer mit einer Fantasiewelt-Geschichte ausgestattet, die sich in einer anderen Galaxie abspielt. Zwischen Gut und Böse. Mit reichlich Manövern, die ziemlich parodistisch wirken – was aber immer sehr willkommen ist. Das war also jener Abend der außergewöhnlichen Entspannung, an dem man im Nu alle Sorgen vergisst! Genau das, wofür man zu Konzerten geht!

Das diesmalige Konzert war nicht so gut besucht wie das vor drei Jahren, dennoch war die Šiška zu drei Vierteln gefüllt – und das reichte mehr als aus für einen weiteren außergewöhnlichen Abend, der einer neuen Ära im Power-Metal-Genre gewidmet war. Eine Generationsfrage. Von älteren Metallern, die vor mehr als 20 Jahren im mittleren bis späten Zwanzigern waren und die Neuheiten der damals aufkommenden und heißen Bands Hammerfall, Rhapsody (Of Fire), Edguy und Sonata Arctica hörten, waren – mit Ausnahme zweier älterer Herrschaften, die besser zu Hause auf die Enkel aufpassen sollten als sonst was, und die für den vorliegenden Rockline-Beitrag verantwortlich zeichnen – keine zu sehen. Die Zeiten sind andere, eine neue Armada von Power-Metal-Anhängern verlangt höhere Standards der „Bühnenzeremonialität“, das Genre bleibt aber, was musikalische Richtlinien betrifft (jenseits von Studiofeinheiten), im Grunde durchgehend unverändert. Der Unterschied ist der, dass der Erfolg neuer Bands in diesem Genre zwingend an den Standard geknüpft ist, dass die Musik von einer Geschichte begleitet sein muss, die eine blühende Fantasie oder eine „Game of Thrones“-Inspiration schafft. Irgendeine. Hauptsache sie zündet und die Bühnenkulissen zusammen mit den Akteuren können sie dann auf der Bühne auch sehr geschickt zum Leben erwecken. Genau das machen Gloryhammer ständig und fleißig, und seit einigen Jahren sehr erfolgreich auch Visions Of Atlantis.

Moonlight Haze eröffneten die Konzertshow um sieben Uhr abends. In gut einer halben Stunde präsentierten sie ihr frisches Studioalbum „Beyond“, das von Musikkritikern sehr, sehr gute Bewertungen erhalten hat. Die beiden neuen Songs, die die Band gleich zu Beginn spielte – den Titeltrack und danach Tame The Storm – bestätigten, dass die Band an zunehmend internationaler Sichtbarkeit gewinnt. Eine stattliche Schar des Publikums nämlich beteiligte sich gewissenhaft an der Performance der Band. Die Band hat in relativ kurzer Zeit vier Alben veröffentlicht (das letzte in diesem Jahr), und der Auftritt bestätigte, dass Moonlight Haze bereits eine ordentliche Strecke zurückgelegt haben – die Jungs und Mädels lieferten ein gehöriges Maß an Souveränität und Eingespieltsein ab. Das i-Tüpfelchen setzte die Gesangsdarbietung von Sängerin Chiara Tricarico, die mit ihrer explosiven Stimme begeisterte. Die Band hatte sehr wenig Platz (in der Bühnentiefe) für ihre Bewegungen. Ziemlich lange musste man nach der Position des Schlagzeugers suchen, der ganz auf die linke Seite (in Richtung Bühne gesehen) gestellt worden war. Auch klangtechnisch bestand die Band ihre erste Bewährungsprobe in der slowenischen Hauptstadt sehr gut.

Visions Of Atlantis traten ebenfalls zum ersten Mal in Ljubljana auf! Gemessen an ihrer Erfahrung hätten sie Headliner sein müssen, aber auch so mancher HammerFall macht sich schon lange keine Gedanken mehr darüber, ob Sabaton oder Powerwolf sie auf ihre Headliner-Touren einladen. Die Band hat sich jahrelang mit trotzigem Fleiß und harter Arbeit durchgekämpft und in einem Vierteljahrhundert des Schaffens zehn Alben aufgereiht. Zur Popularität und zum größeren internationalen Durchbruch kam sie vergleichsweise spät. Dazu hat vor allem das Erscheinen der charismatischen und magnetischen französischen Sängerin Clémentine Delauney beigetragen. Vor einigen Jahren verwandelte sich Visions of Atlantis in eine Piraten-Garnison und schaffte es mit sehr geschickt komponierter neuer Musik und der gesamten integrierten Szenografie, in die Szene einzudringen und zu einer der zentralen Bands zu werden, die von den Liebhabern des modernen Power Metals angenommen wurde – und schloss sich so, zusammen mit einer Reihe von Veteranen, den anderen Bands an, die man als neue Welle im Power Metal bezeichnen könnte. Sie sind außerordentlich fleißig. Non-Stop auf der Bühne. Für das kommende Frühjahr haben sie bereits gemeinsame europäische Daten mit Warkings draußen, im diesjährigen Sommer eine Reihe von Festivalauftritten. Die Bühne wurde zur Planke eines Piratenschiffs, das Publikum zur Crew der Band. Visions Of Atlantis versammelten eine kochende Menge von Anhängern in der Halle, die in 50 Minuten im Einklang mit der Band atmete. Dazu trug eine exzellente Performance bei, sehr guter Sound und natürlich das Theater im Zusammenspiel von weiblichem und männlichem Gesang – für das die beiden mit Duetten sorgen: der italienische Vokalist Michele Guiatoli – eigentlich unser direkter Nachbar aus dem alten Görz – der das Publikum sogar mit einigen slowenischen Worten richtig anheizte, und die bereits erwähnte, ungemein ansteckende Clémentine. Das Duo funktioniert hervorragend. Genau dieses Duo hält die Atmosphäre ihrer Auftritte auf einem außergewöhnlichen Niveau. Das Schwingen einer riesigen Fahne während des Konzerts, die komplette Piraten-Aufmachung mit dem Einsatz von Piraten-Requisiten und ein sehr gut einstudierter und ausgearbeiteter Auftritt, bei dem die Band überwiegend Material vom aktuellen Album „Pirates II – Armada“ und seinem Vorgänger „Pirates“ spielte. Natürlich wurde kräftig mit Bier angestoßen, während des Konzerts trank Gitarrist Christian auch aus einer „Herzflasche“, die ihm jemand aus den ersten Reihen anbot. Bei Pirates Will Return ruderte der ganze Saal zusammen mit der Band. Mit starken Kompositionen und einem ausgezeichnet ausgearbeiteten Auftritt (mit allem Drum und Dran an Kulissen und Bühnenpompe) und an der Spitze mit einer Sängerin wie Clémentine stehen Visions Of Atlantis wirklich goldene Zeiten bevor. Der Auftritt selbst war außerordentlich überzeugend, und ich kann sagen, dass Visions of Atlantis in dieser Hinsicht den Headlinern die Show gestohlen haben – die es nur dem grenzenlosen Fanatismus ihrer verrückten Anhänger zu verdanken haben, dass sie den Kopf über Wasser halten konnten.

Beim Gloryhammer-Auftritt lief daher absolut nichts falsch. Die Band lieferte auf den Schwingen ihrer ausgeflippten Anhänger eine neue Konzertsalve ab, und die Energie im Venue selbst – das Auslösen von Detonationen mit all ihren Kettenreaktionen – funktionierte außerordentlich gut. An Fanatismus mangelte es nicht. Und wieder ist da dieses aufblasbare Einhorn, das von einer Seite der Halle zur anderen flog. Irgendein „Kranker“ schleppte sogar ein wollenes Einhorn mit, mit dem er non-stop zusätzlichen Tumult in der Halle veranstaltete (auf den ersten Blick wirkte es, als wäre er mit einem abgezogenen Schaf bedeckt). Kitsch auf der Bühne, Kitsch im Saal. Kitsch überall. Man bekommt das Gefühl, dass die Musik in den Hintergrund gedrängt wird. Naja, nennen wir es das Denken eines „älteren Herrn“, der mit den Veränderungen der neuen Zeit schwer mithalten kann. Jeder Song gehört zu einem Teil der Geschichte, deren Akteure vier intergalaktische Krieger sind, die sich auf ihrem Weltraumausflug für eineinviertel Stunden im Kino Šiška inkarniert haben. Der böse Goblin stürmte natürlich die Bühne. Sogar mit Saxophon. Angus McFife schwang gewissenhaft seinen riesigen Hammer. Die Bühnenkulisse ist atemberaubend. Die Band beherrscht sie souverän. Alles wirkt sehr real in dieser ganz besonderen Parallelwelt. Albernheit bei jedem Schritt. Das Publikum kennt jeden Vers, jede Szene auswendig. Wenn du auf einem Konzert auftauchst und all diese Leidenschaft von der Seite beobachtest – als Außenstehender –, dann staunst du tatsächlich auf eine gewisse Weise. Die Darbietung in jeder Hinsicht voll überzeugend: Angus McFife V – Sozos Michael, ein Zypriote, der vor einiger Zeit seinen Vorgänger Thomas Winkler ersetzte, hat sich bereits vollständig in alles eingelebt, was von ihm bei Gloryhammer verlangt wird. Wieder lieferte er eine erstklassige Gesangsdarbietung. Die Bühne gehörte ihm ganz. Die Band spielte alle drei neuesten Singles (Fly Away, He Has Returned und On A Quest For Aberdeen), webte drei Songs aus dem aktuellen neuen „Return To The Kingdom of Fife“ ein und würzte das Ganze natürlich mit den geforderten Dauerbrennern, auf die sich ihr Publikum gestürzt hat – und weshalb Sir Proletius eine Nahbegegnung mit dem fliegenden Einhorn hatte, das ein Techniker jedoch schnell von der Bühne in die Kulissen beförderte. Das Spielzeug wurde dem Publikum vor dem letzten Song zurückgegeben. Im vollkommen stimmigen Kontext: Die Band schloss das Konzert nämlich mit der Einhorn-Invasion (The Unicorn Invasion of Dundee).

Und bei alldem? Ertappst du dich bei Gedanken, die ins Jahr 2001 abschweifen, als du in der ersten Reihe bei einem Konzert standest und halb so alt warst. Irgendwo dort,… Sagen wir in Graz, beim Konzert von HammerFall, Virgin Steele und Freedom Call. Ach, wo ist das schon wieder? Aber egal. Metal ist da. Und Metal ist geblieben. Genauer gesagt Power Metal, auch wenn er musikalisch gesehen heute eigentlich ein „altmodisches“ Subgenre ist. Obwohl sich die Trends deutlich in Richtung Extreme verschoben haben – sowohl in Bezug auf Brutalisierung als auch auf alle möglichen Experimente mit der Fusion von Metal-Subgenres und außergewöhnlicher technischer Versiertheit, womit heute die modernen Standards des Heavy Metal verfolgt werden –, bleibt Power Metal genau dort, wo er war. Auf einem sehr sichtbaren Platz. Die Generik wird durch Kitsch und Glitter sowie gut platzierte Märchen kompensiert. Gloryhammer sind Vertreter dieser neuen Ära. Bestens eingebunden in den aktuellen galaktischen Puls der Power-Metal-Szene. Wie weit sie nach vier Alben noch klettern können, lässt sich vielleicht noch nicht vorhersagen, aber die Basis ihrer verrückten Anhänger ist konkret und die Kompassnadel zeigt nach oben.

Autor: Edita Klemem & Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Moonlight Haze – Setlist:
1. Beyond
2. Tame The Storm
3. The Rabbit Of The Moon
4. Chase the Light
5. Awakening
6. D. N. A. (Do Not Apologise)
7. We’ll Be Free
8. Outro

Visions Of Atlantis – Setlist:
1. Master the Hurricane
2. Clocks
3. Legion of the Seas
4. Tonight I’m Alive
5. Hellfire
6. Pirates Will Return
7. Melancholy Angel
8. Armada

Gloryhammer – Setlist:
1. Delilah (orig. Tom Jones) – taped intro
2. The Land of Unicorns
3. He Has Returned
4. Fly Away
5. Angus McFife
6. Questlords of Inverness, Ride to the Galactic Fortress!
7. Also sprach Zarathustra (Johann Strauss) – taped intro
8. Wasteland Warrior Hoots Patrol
9. Gloryhammer
10. Fife Eternal
11. Masters of the Galaxy
12. On a Quest for Aberdeen
13. The Siege of Dunkeld (In Hoots We Trust)
14. Keeper of the Celestial Flame of Abernethy
15. Universe on Fire
16. Hootsforce
17. The Unicorn Invasion of Dundee
18. The National Anthem of Unst – taped outro


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