Power-Metal-Fest in der nicht so kulturellen Tvornica kulture (Juli 2025)
DragonForce
Mittwoch, 2. 7. 2025
Tvornica kulture, Zagreb, Kroatien
„Spielt, ihr P…n! Ernsthaft?“
Nach gut einem Jahr (März 2024, zusammen mit Amaranthe und Infected Rain, Konzertbericht hier) war es wieder Zeit, die (mit Einschränkungen so zu nennenden) britischen Power Metal-Extremisten DragonForce zu erleben. Diesmal bei einem Solokonzert in der Zagreber Tvornica kulture.
An diesem heißen Sommerabend füllte sich die Location schön, und schön war es, die schwarz gekleideten Massen zu sehen. Power Metal ist also noch nicht ganz aus der Mode. Wir hatten eine ganz ordentliche Rockline-Crew zusammen, die Unterhaltung lief und das Warten auf den Beginn war alles andere als langweilig.
Da sie diesmal die einzigen Acts waren, konnten sich DragonForce eine etwas längere Setlist leisten, was bei der enormen Länge vor allem der älteren Kompositionen aber nicht mehr als 15 Songs ergab. Sie starteten mit Ashes of the Dawn vom vergessenen Album Reaching into Infinity (2017). Knallt ordentlich, keine Frage. Obwohl auf der Setlist nur 5 Songs aus der ZP-Ära standen, gelang es ihnen, für die verbleibenden zehn ausschließlich starke und eingängige Sachen auszuwählen. Doomsday Party stinkt nach wie vor, und ich verstehe nicht, warum sie gleich an zwei Coversongs festhalten – My Heart Will Go On (Celine Dion) und Wildest Dreams (Taylor Swift) –, die beide nicht wirklich geglückt sind. Wenn es denn sein muss, könnten sie Ring of Fire von Johnny Cash einbauen, der im Gegensatz zu den Genannten ultralustig ist.
Die echten Highlights für uns Fans der älteren Schule waren Black Fire und Valley of the Damned vom gleichnamigen Debüt aus dem Jahr 2003. Sowie das unübertroffene Meisterwerk Soldiers of the Wasteland vom zweiten Album Sonic Firestorm (2004). Vokal-Wahnsinniger Marc Hudson hat mit all dem absolut kein Problem, noch weniger mit seinen „eigenen“ Songs. Die eigentlichen Stars sind natürlich die Gitarren-Zauberer Sam Totman und Herman Li, die keine Gnade kennen und sowohl gitarristische Analphabeten als auch diejenigen, die durchaus Ahnung vom Gitarrespielen haben, mit offenem Mund dastehen lassen.
Auch das Klangbild passte zum oben Geschriebenen: Marcs Gesang war klar und laut zu hören, ebenso die Backing Vocals, die für eine Live-Darbietung ziemlich beeindruckend waren. Bassistin Alicia und Begleit-TikToker Billy (hier kannst du seine Version des Hits Through the Fire and Flames sehen, mit der er sich seinen Platz im DF-Lineup für diese Tour verdient hat) geben dem Ganzen noch mehr Tiefe, und insgesamt klingt es fantastisch. Auch die Gitarrensoli waren gut zu hören. Es ist mehr als offensichtlich, dass der Tonmeister ein Fan von übersteuerten Doppelbasstrommeln ist, denn Gees Getrommele schnitt manchmal wirklich nervig durch das Klangbild. Rhythmusgitarre, eingespielte Keyboards und der kaum vorhandene Bass wurden zu einem undefinierbaren Lärm zusammengequetscht. Nicht gerade idealer Sound, also.
Die Band war in Topform und bester Laune, genauso gab das Publikum alles. Hier möchte ich zwei Ereignisse hervorheben. Während des Songs Space Marine Corp machte einer der Roadies auf der Bühne Liegestütze – ebenso ein Typ im Publikum, begleitet von einem waschechten Circle Pit. Wahnsinn! Das andere Ding, das ich im Untertitel angekündigt habe, geht mir wirklich nicht aus dem Kopf. Nach dem regulären Teil skandierte das Publikum fröhlich „svirajte pićke!“ Nicht „hoćemo još“ oder „Zugabe“. Nein. Zum Glück hat die Band diese Worte nicht verstanden – ich begreife wirklich nicht, wie das Zagreber Publikum das witzig oder gar amüsant finden kann. Katastrophe!
Das war auch das einzige negative Ereignis – das Power-Metal-Fest lief wie am Schnürchen. Gut geschlagen hat sich auch der neueste Song A Draco Tale. Beim Mitsingen des Refrains war ich fröhlich dabei: „Master of the Starbucks, ruler of the world, say Jacob, Jacob! and the story shall be told“! So geht’s doch, oder?
Wir Senioren hatten keinen blassen Schimmer, worum es bei all den Videospiel-Referenzen ging, haben aber beim Weiterschmeißen eines Huhns durch den Saal genauso mitgemacht. Nochmals muss ich das Publikum loben: Zusätzlich zu den bereits erwähnten Liegestützen und dem Circle Pit konnte sich Marc sogar Crowd Surfing leisten, was angesichts der Tatsache, dass der Kerl fast zwei Meter groß und knapp hundert Kilo schwer ist, eine ziemlich beeindruckende Leistung darstellt.
Was die Setlist angeht, habe ich bereits alles gesagt – mich wundert nur, dass sie die aktuelle Single Burning Heart meiden, wohl ihr bester Eigensong seit ZPs Abgang.
Es war schön in der Tvornica. Erstklassiger Power Metal, begeistertes Publikum, kühles Bier und ein Treffen mit der Band als Sahnehäubchen. Am Samstag dann alle zu Thompson, bereit für die Heimat!
Ehrenvolle Erwähnung: Als ich nach dem Konzert ein Plausch mit Sam hatte, fragte ich ihn, ob er sich erinnert, dass sie vor ungefähr fünfzehn Jahren in einem kleinen Club (Štuk, Maribor) in Slowenien gespielt haben. Er antwortete, dass er sich nicht erinnere, fügte aber hinzu: „This (Tvornica) was a small club too. We haven’t really gotten anywhere, have we?“ Brutal ehrliche Selbstironie, was soll man sagen.
Text: Igorac
Fotos (‚Geduld ist die Mutter der Weisheit‘): Denis Paradiž
Notfall-Fotogalerie (iPhone – veröffentlicht): Edita Klemen


























