Exodus – Rückkehr der Bay Area Thrash Metal Legende (2025)

foto: ALEŠ PODBREŽNIK 2025
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Line-up: Lintver / Eruption / Exodus
Datum: Dienstag, 24. 6. 2025
Ort: Laibach / CUK Kino Šiška / Slowenien


Exodus gelten als eine der bedeutendsten Bands, die um die Wende von den Siebzigern zu den Achtzigern im San Francisco Bay Area entstanden sind. Sie standen kurz vor dem Durchbruch, doch das Pech kreuzte ihnen stets den Weg. Hammett wurde danach von Metallica abgeworben. Die Band trotzte dem. Hielt durch. Ließ auch in der Rolle eines ‚Underground‘-Acts exzellente Studioalben folgen. Am Mikrofon aber wechselten in den letzten zwei Jahrzehnten zwei Namen! Steve ‚Zetro‘ Souza und Rob Dukes. Zetro hielt es nach seiner dritten Rückkehr mehr als ein Jahrzehnt in der Band durch, doch in diesem Jahr übernahm Rob Dukes erneut seinen Platz. Gary Holt, befreit von seinen Verpflichtungen bei Slayer, steht ganz klar auch physisch wieder an der Spitze seiner Band! Dazu sein treuer Gefährte und ein weiterer Ausnahmegitarrist Lee Altus, den wir live mehrfach auch mit Heathen erleben durften. Am Bass bleibt der stets zuverlässige Jack Gibson – und der Held aller Helden, Schlagzeuger Tom Hunting, der erst vor nicht allzu langer Zeit seinen Kampf gegen den Magenkrebs gewonnen hat! Sie sind wieder da. In Slowenien. Keine Jahresfrist nach dem letzten Mal, denn im vergangenen Jahr spielten sie beim Festival Tolminator. Aber? Mit zwei ziemlich unterschiedlichen Auftritten. Mit verschiedenen Sängern und anderem Repertoire. Was die Auftritte in Laibach betrifft, haben wir Exodus seit Dezember 2011 nicht mehr gesehen, als sie gemeinsam mit Sepultura und Destruction, ebenfalls im Kino Šiška, gespielt haben.

Kurz gefasst: Die Band hat das Kino Šiška bravourös gefüllt. Dazu lieferten zwei exzellente slowenische Thrash-Metal-Bands ihren Beitrag zu diesem wirklich besonderen Ereignis. Lintver aus Goriška Brda und die Laibacher Eruption. Von beiden lässt sich sagen, dass sie – angesichts des lebhaften Aufblühens, das Slowenien zur Jahrtausendwende erfasste und eine Reihe vielversprechender Thrash- und Death-Metal-Revival-Bands hervorbrachte, neben etwas wie Panikk – heute noch ’stehen und bestehen‘. Alles andere ist seitdem nahezu vollständig eingegangen. Deshalb kann man sie in Anbetracht der aktuellen slowenischen Metal-Verhältnisse getrost als ‚true survivors‘ bezeichnen.

Lintver lieferten in knapp einer halben Stunde eine teuflische Vorstellung ab. Bei lautstark jubelndem Publikum – das Ganze wirkte, als wären sämtliche Bewohner von Goriška Brda nach Šiška umgezogen – strahlte die Band ausgezeichnete, ausgelassene Energie aus. „The Worst Is Yet To Come“, das letzte Studioalbum der Band, wird dieses Jahr drei Jahre alt. Auf der Bühne wirken die Songs giftig und tobsüchtig jenseits aller Grenzen. Sehr ordentlicher Sound. Exzellentes Zusammenspiel und sehr gut genutzte Spielzeit. Schrapnell direkt zwischen die Augen!

Wenn Lintver näher an Slayer und den Grundelementen der teutonischen Thrash-Schule sind, dann ist Eruption, die danach die Bühne betraten, eine Band, die ihre Inspiration aus dem Erbe des Bay-Area-Thrash-Metals schöpft. Auch Eruption lieferten das Erwartete. Eigentlich das Beste, was man von dieser Band erwarten kann. Knapp drei Jahre ist es her, dass die Band ihr drittes Album „Tellurian Rapture“ veröffentlichte – ein weiteres exzellentes Werk, das das künstlerische Wachstum dieser hervorragenden Truppe bestätigt. Die Band schlug mit voller Wucht zu. Buco ist souverän in jeder Lage. Er bleibt ein exzellenter Frontmann – auch was das Anheizen des Publikums angeht. Natürlich lässt sich der totale Bühnenwahnsinn, den die Band entfesselt, kaum ohne den Killer am Schlagzeug Tegla vorstellen, der auch diesmal seinen Job auf höchstem Niveau erledigte. Zu hoch sogar. Bei einer der Nummern brach ihm das Pedal für die Doppelbassdrum auseinander, aber der Mann reparierte die Sache blitzschnell. Die Riffs sind mörderisch, graben sich brennend ein, die Soli säen Terror. An Einspieltheit mangelt es nicht. Schade, dass sowohl Eruption als auch Lintver derzeit so selten in Slowenien auftreten, denn wenn man diesen Bands von Angesicht zu Angesicht begegnet, nageln einen ihr ansteckender musikalischer Magnetismus und die überzeugende ‚Verrücktheit‘ schlicht an sich fest.

Exodus haben erwartungsgemäß gekillt. Anders geht’s nicht. Man spürte aber die Veränderung am Mikrofon. Eigenartig, oder? Dukes ist jedenfalls ein völlig anderer Sänger als Souza! In diesem Punkt muss man kein Einstein sein, und dieses ‚Phänomen der Verschiedenheit‘ hat die Fangemeinde der Band schon mehrfach gespalten. Und dennoch. Ich habe Exodus letztes Jahr auf dem Tolminator nicht gesehen, aber in Laibach strahlten sie unglaubliche Frische aus. Als hätten sie sich neu erfunden. Man spürte sofort, dass ein echter Taifun sie antrieb, als sie über die Bühne fegten. Der Sound war von Anfang bis Ende ausgezeichnet. Die Soli beider Gitarristen waren sowohl auf der linken als auch auf der rechten Seite der Halle präsent und klar und deutlich zu hören. Der Bass grub ohne Erbarmen, der entfesselte Dukes entbrannte in seinem charakteristischen Stil, der mit seiner Schreiigkeit noch mehr ätzende Aggressivität mitbringt und – im Gegensatz zu Souza in den Gesangslinien – schlicht etwas weniger Melodie. Ohne viele Worte zu verlieren. Hunting aber ist schlicht der König hinter seiner Schlagzeugfestung. Die Jungs scharten sich mehrfach um ihren Schlagzeuger, wie eine Hockeymannschaft, die ihren Torwart schützt.

Die Band begeisterte mit einer Old-School-Setlist, deren Schwerpunkt auf dem Album „Bonded By Blood“ lag (der Titeltrack erschütterte gleich zu Beginn die Grundfesten des Kino Šiška gewaltig). In die Setlist kehrten Favoriten der zwei ‚Dukes-Alben‘ „The Atrocity Exhibition… Exhibit A“ und „Shovel Headed Kill Machine“ zurück. Exodus walzten Song für Song durch. Die Leute rissen sich die Köpfe ab. Man hätte erwartet, dass das Publikum größtenteils zwischen 45 und 60 Jahren alt wäre, aber zum Konzert kamen auch deutlich, deutlich jüngere Liebhaber der wütenden Verzerrung – was einmal mehr diese bekannte Wahrheit verkündet! Dass Metal hier bleiben wird. Für immer.

Ich selbst wusste nicht, wann mehr als die Hälfte des Konzerts verflogen war. Und als Exodus nach den zwei „Persona Non Grata“-Brechern mit dem Tempo of the Damned-Klassiker War Is My Shepherd weitermachten, war klar, dass wir uns dem vernichtenden Abschluss-Höhepunkt näherten. Die Klassiker A Lesson In Violence, The Toxic Waltz und danach – ohne großartigen Abgang und Rückkehr für eine Zugabe – noch ein weiterer „Bonded By Blood“-Klassiker Strike of the Beast, mit dem die Band die Bühne verließ, rissen in der Halle sämtliche Skalpe!

Eine atemraubende Performance. Die Alten geben nicht nach! In der Form, in der sie gerade sind, kann ihnen kaum jemand das Wasser reichen. Exodus sind heute Klassiker, lebende Metal-Legenden. Was sie in der Šiška abgeliefert haben, weckt große Erwartungen für die Zukunft. Neues Album, neue Tour. Die Geschichte geht weiter…

Fotos: Aleš Podbrežnik
Autor: Edita Klemen & Aleš Podbrežnik

Lintver – Setlist:
1. The Count
2. K. K. N. D.
3. Old Disputes…. New Recruits
4. Winds Of Decimation
5. Erroneous Society
6. Dune
7. Snakebite

Exodus – Setlist:
1. We Will Rock You (orig. Queen) – Tape-Intro
2. Bonded by Blood
3. Iconoclasm
4. And Then There Were None
5. Children of a Worthless God
6. Fabulous Disaster
7. Brain Dead
8. Deathamphetamine
9. Blacklist
10. Prescribing Horror
11. The Beatings Will Continue (Until Morale Improves)
12. War Is My Shepherd
13. A Lesson in Violence
14. The Toxic Waltz
15. Strike of the Beast


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