Žanil Tataj Žak: Coda

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Label: One Records
Erscheinungsdatum: 30. 12. 2024
Genre: Heavy Metal / Hard Rock
Bewertung: 9.5/10
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Žanil Tataj Žak ist eine musikalische Legende unserer Region. Er war dabei, als alles geschah. Auch ein guter tschechischer (La)Žak. Noch aus der Zeit der ersten Schulterpolster. Er hat Epochen überlebt, alles gesehen! Und ist geblieben. Die Zusammenarbeiten und das hinterlassene Werk seiner Aufnahmen sind unglaublich. Das ist ein Hard-Rock- und Heavy-Metal-Sänger, den sich jeder in seiner Band wünschen würde – wenn nicht gleich in der Vitrine. Im globalen Maßstab. Darunter zum Beispiel der (verstorbene) John Lawton und noch einige mehr! Seine Stimme spricht – genauer: singt – für sich. Sie bewahrt einen außergewöhnlichen Stempel, Mitreißkraft, Bezauberung, bei der Entfaltung aller Leidenschaft und Explosivität, aber auch außergewöhnlicher feiner Sinnlichkeit und Verletzlichkeit, wenn das nicht nur erwünscht, sondern notwendig ist. Die Erfahrungswerte, das Wissen und das unerschöpfliche Talent, zusammen mit der Vision, der dieser Musiker treu folgt, sind nach wie vor an ihrem Platz. Unerschütterlich, allumfassend. Unaufhaltsam. Und letztendlich? Unerschöpflich.

Wenn von einem klassischen Hard-Rock-Album unserer Region die Rede ist, das sich auf eindringliche Weise mit den klassischen Elementen des Heavy Metal ‚anbändelt‘, bleibt Žak eines der zentralen Namen, auf das du sehr schnell stößt, wenn du anfängst, das musikalische Erbe der Achtziger zu entdecken. Jersey, Turbo, …. Und natürlich jene schicksalhafte Landung bei Divlje Jagode vor langer Zeit reicht aus, dass ihn so ziemlich jeder Hard-Rock- und klassische Heavy-Metal-Fan kennt – zumindest auf dem Gebiet unseres ehemaligen gemeinsamen Staates. Wenn man dazu noch die Treue und Hingabe gegenüber den Glam-Metal-Legenden aus Postojna, Mary Rose, hinzurechnet, die bis heute aktiv geblieben sind, ist damit eigentlich das ganze Wesen dieses stimmlichen Brillanten aus Rijeka gesagt.

Es hat Žak eine gute Weile gedauert, bis er sich entschieden hat, den Weg als Solokünstler einzuschlagen. Angesichts seines außergewöhnlichen Rufs als Sänger und seiner fokussierten musikalischen Vision bzw. seines Artismus ist es geradezu überraschend, dass er diesen Schritt erst in jüngster Zeit gewagt hat. Es gab die ausgezeichnete EP »Da Capo« (2019), dann den Erstling »Al Fine…« (2022, RockLine Rezension) und hier haben wir nun also den dritten Teil der Trilogie. Das ist das Album »Coda«, das Ende Dezember 2024, kurz vor dem Jahreswechsel, erschienen ist. Genau wie „Al Fine…“, nur mit zwei Jahren Verzögerung!

»Coda« ist die Fortsetzung der Geschichte der beiden Vorgänger-Veröffentlichungen, eine absolut sinnvolle Verbindung, sowohl stilistisch als auch produktionstechnisch. Žak hat für das Album erneut eine außergewöhnlich breite Palette von Musikern versammelt, die ihre Beiträge geleistet haben. Und wenn du bei Žak auf seinem Album mitmachen willst, musst du wirklich gut sein. Der Beste. Und genau das verkörpert auch das Album »Coda«. Das Beste vom Besten. Mit Žaks neuer, furiosen, makellosen Gesangsdarbietung, die einem auf Schritt und Tritt dieses Albums den Atem verschlägt. Das ist sein ‚wild card‘, mit dem er sofort unter die Haut geht. Jedes Mal. Mit spielerischer Leichtigkeit. Denn er bleibt eine der ansteckendsten Heavy-Metal- und Hard-Rock-Stimmen unserer Region!

Das moderne Produktionskonzept der klassisch arrangierten Songs, das aus Žaks musikalischer Philosophie und der Philosophie seiner gleichaltrigen Weggefährten auf dem Album erwächst, liefert für die Jahre 2024 und 2025 ein ganz besonderes Album auf die Szene, das auf eine gewisse Weise das Echo der klassischen Tage der Achtziger und Neunziger ist, aber auch in der heutigen Zeit unglaublich potent, dynamisch, klar und lebendig tritt. Nicht nur im Vergleich mit ähnlichen Leistungen unserer Region, die man an einer Hand abzählen kann, sondern auch im weltweiten Maßstab – obwohl klar ist, dass »Coda« durch die Sprache, in der das Album eingebettet ist, stilistisch automatisch an die Errungenschaften der klassischen Ära des Heavy Metals und Hard Rocks von Bands und Künstlern aus der Region des ehemaligen gemeinsamen Staates anknüpft.

Das Format der Songs ist geschickt ausgearbeitet. Arrangementtechnisch steht alles an seinem Platz. Es packt, es tritt, es erregt, es begeistert. Die Entwicklung des Albums ist dynamisch, abwechslungsreich und dabei streng formatiert, um hohe Musikalität zu entfalten. Es hält den Hörer fest in seinem Bann mit der Bombastik der kompositorischen Entwicklung selbst, wo der Refraingesang erwartungsgemäß den stimmungsmäßigen Höhepunkt erreicht! Auch die ‚mid-eight‘-Passagen sind nicht nur außerordentlich geschickt und einfallsreich gestaltet, sondern so, dass die Songs nicht einen Funken ihrer expressiven Schlagkraft verlieren. Ganz im Gegenteil. Mit bildreichen Stimmungswechseln halten sie die hochoktanige Spannung innerhalb der Kompositionen aufrecht und gießen ihnen wenn überhaupt noch mehr Öl ins Feuer!       

Das Material auf dem Album macht es außerordentlich schwer, Höhepunkte zu benennen! Das liegt ganz bei dir! Schon das einleitende, eingängige, aufgedrehte und zündende Ništa labavo (unser alter guter Benč würde dazu sagen: »Kein Platz für schmalzige Oden!«) ist sofort der erste solche Kandidat. Ein Albumauftakt im besten Maiden-Stil! Darin bekommt man sofort alles, was man bei Žaks vokaler Explosivität sucht, kombiniert mit eingängigen Gitarren-Phrasierungen und einem hypnotisch mitreißenden Refrain. Besonders stark und besonders interessant ist auch der Abschlussteil des Albums. Diesen Teil vertritt der Track Vračam se. Wer das Album »A Glimpse Of Home« (1997) von Turbo zu Hause hat, weiß, wovon die Rede ist. Aufgefrischtes Arrangement, ein Track mit hinzugefügter Erzählung und kroatischem Text im erweiterten Outro, wo Žak bestätigt, dass ihn auch nach fast 30 Jahren seit dem Erscheinen des Albums der vokale Rost nicht im Geringsten angefressen hat.

Das Album hält den Hörer durch seine stimmungsmäßigen Übergänge und Wendungen ständig in seinem Bann. Dank der ideellen Abwechslungsreichtigkeit und außergewöhnlichen Musikalität. Im weiteren Verlauf Kako ljubav boli, in dem etwas Pop-Sentiment eingefangen ist, und danach die hervorragende mystische und melancholische Ballade U dobru i zlu, die einmal mehr Žaks stimmliche Ausnahmequalität, Farbigkeit und Raffinesse hervorhebt, geschickt kontrastiert durch weibliche Gesangsbegleitung. Žak hat jeden Track mit einer anderen Musikerequipe aufgenommen und damit eine noch größere Intensivierung der arrangementtechnischen und kompositorischen Abwechslung erreicht, im Sinne einer betonten Kluft zwischen den Tracks, die untereinander separate Entitäten mit eigenem künstlerischen Profil sind. In ähnlichem Tempo bleiben wir im weiteren Verlauf bei Korak do sna, das sich jedoch durchgehend in einer Akkordgradation entwickelt und eine der großartigsten Kompositionen von Žaks neuestem Werk ist (was kompositorische Ausgefeiltheit betrifft). Der Ertrag der Bombastik in solcher Abwechslung ist außergewöhnlich – noch mehr fasziniert aber die Aufrechterhaltung eines ständig hohen Musikalitätsniveaus durch ihre kontinuierliche Entwicklung! Und dann gibt es in der Mitte des Albums das wahnsinnige ‚Metal-Geknatter mit Ultra-Schrapnell‘ Ne slušaj srce. Darin ist zwingend auch die furiose doppelte ‚Bass-Drum-Breitseite‘ enthalten, die den vernichtenden Effekt des Tracks noch vertieft. Der Ertrag der Gesangsmelodie, die Žak mit seinem Ansatz umsetzt, ist durchs gesamte Album schlicht außergewöhnlich. Er lässt nicht locker. In La Vida sind wir Zeugen dieses Phänomens, einem heiter gestimmten Track, der die Stimmung des Albums erneut abrupt umkehrt.

In der balladesken Tko je čuvar sna tritt die Akustik in den Arrangements in den Vordergrund, und der Track wächst graduell wieder in seiner Atmosphäre, in Richtung eines außergewöhnlichen Refrains. Zaustavi vrijeme ist ein Song mit langer Geschichte. Diesen Song sang Žak noch in den Neunzigern mit den Bands Gallows Pole und Madcap Laf, als er in Deutschland lebte. Žak hat sich für das neue Album mit dem Songautor Dario Trobok zusammengetan, um diesen hervorragenden Song neu aufzunehmen. Mit aufgefrischtem Arrangement. Dieser Track stammt von Troboks Solo-Album »The Revelation of John«, das er 1996 unter dem Künstlernamen John A.B.C. veröffentlichte. Es handelt sich um einen Track, der im Original Strawberry Fields hieß. Diesmal auf Kroatisch gesungen und mit definitiv einer der skandalös ansteckendsten Refrainmelodien des Albums »Coda«. Erstklassig.

Auf dem Album finden sich noch zwei zusätzliche Tracks. Vračam se (in einer radiofähig editierten  – gekürzten Version), der andere ist ein Track namens 2024, der keine Parodie auf einen Wandkalender ist, sondern der einzige auf Englisch gesungene Track des Albums. Diesen Track hat Nejc Vidmar komponiert, Žaks alter Kumpel, nicht nur vom vorigen Album, sondern auch aus der gemeinsamen Zusammenarbeit in der slowenischen Heavy-Metal-Band Black Diamond. Nejc, der im Grunde ein Gitarrenvirtuose ist, hat in diesem Track alle Instrumente selbst eingespielt und zusammengesetzt, außer dem Schlagzeug. Der Track ist apokalyptisch. Je nachdem, wie er aufgebaut ist. Das Riff biegt sich dezent ‚Black-Sabbath-mäßig‘. Der mittlere (instrumentale) Teil dreht den Track so weit um, dass er beinahe progressiv wirkt. Die Keyboards drängen sich in den Vordergrund, und dieser mittlere Instrumentalteil entwickelt sich so, dass er sogar Assoziationen zu den Spielweisen von Savatage weckt. Auch Nejčs besonderes, aber außerordentlich geschickt platziertes Gitarrensolo trägt dazu bei, dass der Track selbst in eine völlig andere Dimension katapultiert wird. Von der Haupt-Gitarrenfigur über die Gesangslinien bis hin zur insgesamt sehr düsteren Atmosphäre. Der Song ist der Ausreißer des Albums, beantwortet aber auch die Frage, wie sich ein Track auf Englisch völlig anders entwickelt als in einer anderen Sprache.

Das neue Album übertrifft seinen Vorgänger »Al Fine….«, der in jeder Hinsicht ausgezeichnet und nahezu makellos ist. Und das war nicht zu erwarten. Das ist daher eine beachtliche Überraschung, die nur bestätigt, welch hohen Qualitätsstandard Žak bereits mit dem Album »Al Fine…« gesetzt hat. Schon zwei Jahre nach dem Vorgänger hat er ihn übertroffen – und das mit unglaublich inspiriertem Charme und einer Produktion (nur die Schlagzeugproduktion verdient stellenweise leichte Kritik, weil ihr räumliche Tiefe fehlt) sowie vor allem einer kompositorischen Ästhetik außergewöhnlicher Gratwanderung, der der Dirigentenstab von Žaks fokussiertem Visionärssinn das Kommando erteilt – wobei man hervorheben muss, dass ihn eine außergewöhnliche ‚Škvadra‘ hochprofilierter Musikvirtuosen begleitet, die den notwendigen Schlusspunkt setzen, damit wir von der künstlerischen Makellosigkeit und Brillanz des Albums »Coda« sprechen können. Dieses spricht mit noch breiterer ideeller Flexibilität und Abwechslungsreichtigkeit zwischen den einzelnen Punkten, die eine nach der anderen Exponate außergewöhnlich geschickter Vereinigung ultra-ansteckender Musikalität und packender Metal-Schlagkraft sind. Man muss hervorheben, dass dieses Album auch das Sentiment des Balkans verinnerlicht, was in musikalischem Artismus nur die Kombination von Musikern dieser Region herbeibeschwören kann. Auch in dieser Hinsicht erreicht der Artismus dieses Albums eine Art absoluter Einzigartigkeit. Im Finale des Jahres 2024 brachte »Coda« eines der Highlights des Heavy Metals und des klassischen Hard Rocks in unserer Region! Hoffen wir, dass es Žak gelingt, eine Mannschaft für eine kürzere Tournee zusammenzustellen, bei der wir all diese Songs auch live hören können. Ich kann nur noch das abschließende Fazit ziehen. Arbeit mit Auszeichnung erledigt! In jeder Hinsicht. Diese Geschichte soll nicht enden.  

Und noch etwas. Žak hat (absichtlich oder unabsichtlich) auf diesem Album Grenzen überschritten und das ehemalige Jugoslawien gleichsam vereint. Auf den ersten Blick ist das eine überflüssige Bemerkung, aber für jene mit offenem Geist symbolisiert ein solches Unterfangen nur unermesslich viel Gutes. Er ist einer der wenigen Musiker, denen das nach 1991 gelungen ist!

Autor: Aleš Podbrežnik

*… aufrichtiger Dank an Nejc Vidmar für den unschätzbaren Wert der zusätzlichen albumrelevanten Informationen, die dieser Rezension zusätzliche Objektivität verleihen konnten.

Trackliste:
1. Ništa labavo
2. Kako ljubav boli
3. U dobru i u zlu
4. Korak do sna
5. Ne slušaj srce
6. La vida
7. Tko je čuvar sna
8. Zaustaviti vrijeme
9. Vrijedilo je
10. Vraćam se
11. 2024 *
12. Vraćam se (radio edit) *

*… Bonustracks

Žanil Tataj Žak – Gesang, Hintergrundgesang, Bassgitarre (Tracks Nr. 1, 7 und 10), Keyboards (Track Nr. 4), elektrische Gitarre (Track Nr. 7), akustische Gitarre (Track Nr. 7)

Mitwirkende Musiker:
Imran Duraj – Gitarre (Tracks Nr. 1, 5, 7 und 10), Gitarrensoli auf Tracks Nr. 1 und 10, akustische Gitarre auf Track Nr. 10, Keyboards auf Track Nr. 10
Nejc Vidmar – alle Gitarren (Track Nr. 11), Gitarrensolo (Track Nr. 11), Keyboards (Track Nr. 11), Bassgitarre (Track Nr. 11), Hintergrundgesang (Track Nr. 11)
Miloš Aranđelović – Gesang (Track Nr. 2), Hintergrundgesang (Track Nr. 2), Flöte (Track Nr. 2)
Zoran Šerbedžija – Gitarrensolo auf Track Nr. 2
Stefan Potić – Gitarre auf Track Nr. 2
Ivan Pop – alle Gitarren und Gitarrensolo (Tracks Nr. 3 und 9), Keyboards (Tracks Nr. 3 und 9), Bassgitarre (Tracks Nr. 3 und 9)
Davor Torbok – alle Gitarren (Tracks Nr. 4, 6 und 8) und Gitarrensolo (Tracks Nr. 4 und 6), Bassgitarre (Tracks Nr. 4, 6 und 8), Keyboards (Tracks Nr. 4 und 8), Bassgitarre (Track Nr. 8)
Bruno Mičetić – Gitarrensolo auf Track Nr. 5
Bojan Čalija Fista – Gitarrensolo auf Track Nr. 8
Dominik Dražić – Gitarrensolo auf Track Nr. 10
Mateja Stošić – Keyboards auf Track Nr. 2
Dejan Đurković ‚Englez‘ – Keyboards auf Track Nr. 5
Matko Basara – Klavier auf Track Nr. 10
Saša Veselić – Bassgitarre auf Track Nr. 2
Krešimir Kaštelan – Bassgitarre auf Track Nr. 5
Nikola „Cozy“ Baošić – Schlagzeug auf Tracks Nr. 1, 7 und 11
Klemen Markelj – Schlagzeug auf Tracks Nr. 2, 5 und 10
Vasif Tadžić – Schlagzeug auf Tracks Nr. 3 und 9
Hanno Kerstan – Schlagzeug auf Tracks Nr. 4, 6 und 8
Jasminka Aleksić – Hintergrundgesang auf Track Nr. 3
Lea Rac – Hintergrundgesang auf Track Nr. 3
Vedran Mičetić – Erzählung (Rezitation) auf Track Nr. 10


Žanil Tataj Žak – „Coda“ (One Records, 2024)
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