Heiliger Krieg in der Hauptstadt der Lombardei (November 2024)

foto: IGORAC 2024
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Event: D:A:D Konzert zum 40. Jubiläum mit Special Guests Sandness
Datum: Montag, 25. 11. 2024
Location: Legend Club, Mailand, Italien


18 Jahre nach den unbeschreiblichen Erlebnissen beim D:A:D-Konzert in Graz machten mein Pate und ich uns auf den Weg, um in Erinnerungen zu schwelgen und unsere Patenschaftsbande aufzufrischen — beim D:A:D-Konzert in Mailand, wo die Jungs im Rahmen der Tour zum 40. Bandjubiläum und zur Promotion des neuesten Albums Speed of Darkness Station machten (Rockline Rezension).

Die Fahrt verging beim Schwelgen in Erinnerungen wie im Flug, und schon standen wir mitten im nebligen Mailand. Nach alter italienischer Tradition — und weil es Montag war — hatten am Nachmittag alle Restaurants geschlossen, also griffen wir auf die studentische Konzertvorbereitung zurück: zwei Tüten Chips, ein paar kalte Bierchen und Whisky aus den Notvorräten — und schon verging die Zeit bis zum Konzert in bester Laune.

Der Legend Club war bei unserer Ankunft, knapp eine halbe Stunde vor Beginn, schon brechend voll — was uns überraschte, denn Italien war nie gerade ein Hauptmarkt für das dänische Quartett. Allerdings war das Mailänder Konzert das einzige in ganz Italien auf dieser Tour, und so kamen die Fans aus allen Löchern gekrochen.

Den undankbaren Vorgruppen-Slot übernahm das heimische Rocker-Trio Sandness. Die Jungs spielten ein ordentliches 45-minütiges Set mit hartem, melodischem Rock ’n‘ Roll, das bei mir leider keinen tieferen Eindruck hinterließ. Den hinterließ dafür der überragende Gitarrist/Vokalist Robby mit knackigen Riffs und melodischen, fließenden Soli. Stilistisch eine sehr passende Vorband, das muss ich zugeben. Die Reaktion des Publikums war positiv — wohl auch dank der vielen Bekannten und Freunde, die die Bandmitglieder im Publikum hatten.

Nach einer kurzen Umbaupause erschienen die Headliner. Wenn ein Konzert mit dem fetten Rocker Jihad beginnt, weißt du, was dich erwartet. „Take no prisoners“-Ansatz und totale Verwüstung. Die Band war in Topform — Vokalist/Gitarrist Jesper mit seinen Joe Cocker-Grimassen und einem ziemlich ähnlichen Vokalansatz genoss sichtlich die Reaktionen des Publikums. Das klassische Rockquartett klang satt und voll, eine echte Verkörperung des „Weniger ist mehr“-Ansatzes: Stigs zweisaitiger Bass deckte die tiefen Frequenzen ab, die Jesper mit seinen basischen Riffs und der rhythmischen Grundlage erfolgreich ergänzte, während Jacob mit sanfter Hand den Club mit melancholischen Melodien und Soli füllte. Ein Kapitel für sich war Laust am Schlagzeug, der seinen vermeintlich simplen Job mit gnadenlosem Fuchteln und Hämmern auf die Becken aufpeppte und manchen Song mit eigenartigen Übergängen würzte, von denen auf den Alben weder Ton noch Spur zu finden ist.

Die Setlist war, zumindest für meinen Geschmack, fantastisch. Vom neuen Album haben sie wirklich das Beste eingebaut (vermisst habe ich nur das abschließende I’m Still Here, das aber verständlicherweise neben dem unvergesslichen Klassiker Laugh ’n‘ a 1/2 keinen Platz findet). Die fünf neuen Songs wurden geschickt zwischen die goldenen Standards eingewoben, sodass sie den Konzertfluss überhaupt nicht störten. Bei den härteren Nummern (Rim of Hell, Reconstrucdead, Riding With Sue) rasteten die Leute völlig aus, bei den sanfteren Melodien (Grow or Pay, Laugh ’n‘ a 1/2) wurde gemeinsam mitgesungen. Diese beiden Songs waren zusammen mit The Ghost eigentlich die einzigen Verschnaufpausen, denn die Rock-’n‘-Roll-Destruktion rollte ohne Unterlass von der Bühne und aus den Lautsprechern. Auf den kleinen Hit Bad Craziness vom Riskin‘ it All-Album entstand ein echter Moshpit.

Stig blieb der Tradition treu und wechselte in seinem silbernen Plastikoutfit mindestens fünf Bässe — jeder abgedrehter gestaltet als der vorherige (siehe Fotos). Bei zwei Songs (Jonnie und Riding with Sue) übernahm er die Rolle des Hauptvokals. Während des Falsettparts von Suenigs Text übertönte das Publikum mit seinem Pfeifen Stig locker, was den anderen Bandmitgliedern breite Grins ins Gesicht zauberte.

Die überragende Rock-’n‘-Roll-Energie peitschte hin und her zwischen Bühne und Publikum — wie gesagt, der Club war bis in den letzten Winkel gestopft, und nach meiner Schätzung drängten sich rund 600 Seelen rein. Unglaublich, wie gut so ein Konzertchen nach all den (Power-)Metal-Events sitzt, denen ich zuletzt beigewohnt habe. Die Energie ist irgendwie reiner und direkter — ich weiß nicht, wie ich das anders beschreiben soll. Der Sound war top, die Riffs haben wirklich die Eingeweide durchgerüttelt. Noch eine Bestätigung, wie solche Konzerte Stadionshows locker in die Tasche stecken.

Die Band steht vielleicht songschreiberisch nicht mehr auf ihrem absoluten Höhepunkt, aber live sind sie ein echtes böses Biest, das dich zerreißt und durchkaut — und danach bittest du um mehr.

Bitte, mehr davon!

Die Liste der gespielten Songs kannst du dir hier ansehen.

Fast vergessen: Das abschließende Klassiker-Trio Sleeping My Day Away, Laugh ’n‘ a 1/2 und It’s After Dark hat uns am Ende die Stimmbänder zerrissen, uns aufs letzte Bier vor dem Schlafengehen vorbereitet und gleichzeitig dafür gesorgt, dass wir mehr als zufrieden ins Bett gegangen sind. Magisch!!!

Text und Fotos: Igorac


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