Seventh Dimension: Of Hope & Ordeals
Eigenveröffentlichung
Erscheinungsdatum: 21. 6. 2024
Albumlänge: 61.28 min
Produktion: Seventh Dimension
Genre: Progressive Metal
Wertung: 9.0/10
Seventh Dimension sind ein schwedisches Progressive-Metal-Quintett aus Stockholm, das seit 2009 aktiv ist und im Juni dieses Jahres sein fünftes Studioalbum »Of Hope & Ordeals« veröffentlicht hat. Das Besondere an diesem Album: Es ist die erste Platte mit dem neuen Sänger Markus Tälth, der seinen Vorgänger Nico Lauritsen abgelöst hat. »Of Hope & Ordeals« folgt damit nach drei Jahren auf den Vorgänger »Black Sky« (2021). Die Alben von Seventh Dimension erscheinen in einem Rhythmus von etwa drei Jahren — eine Art kreativer Standard der Band, der die künstlerische Glaubwürdigkeit der entstandenen Kompositionen garantiert. Drei Jahre also. Von der Idee bis zur Umsetzung.
Dream-Theater-Fans, willkommen zu Hause. Seventh Dimension lassen sich als Band charakterisieren, die zur Welle jener Gruppen gehört, die sich stark an den Maßstäben orientieren, die Dream Theater in der ersten Hälfte der Neunziger gesetzt haben. Doch der Vorteil des Wortes „progressiv“ liegt gerade in der Offenheit des kreativen Ausdrucks, wie ihn das Genre des Progressive Metal kennt. Und das ist natürlich sehr gut so. Seventh Dimension sind, trotz der spürbaren Inspiration durch die amerikanischen Könige des Progressive Metal, ihre ganz eigene musikalische Geschichte.
Die Kompositionen sind solide mit einer nachvollziehbaren Musikalität unterfüttert — das bedeutet, dass die Band beim Einsatz komplexer rhythmischer Rhetorik (an Einfallsreichtum mangelt es über das gesamte Album hinweg wirklich nicht), wo gebrochene Rhythmen längst ihr „Bürgerrecht“ erlangt haben, durchgehend einen sorgfältigen roten Faden der motivischen Nachvollziehbarkeit beibehält. Dabei muss betont werden: Wenn sich Seventh Dimension einen improvisatorischen Moment gönnen, treten sie mit voller Wucht hinein! Das zeigt sich direkt in der abschließenden, über 25-minütigen Suite Black Sky: Final Frontier, die aus sechs Teilen besteht. Also ja — echte Progressive-Metal-Leckerbissen gibt es auf diesem Album zuhauf, und die Band bleibt ihrem Perfektionismus treu, mit dem sie die Fans ihres Schaffens verwöhnt.
Die entscheidende Frage bleibt natürlich, wie der neue Sänger Markus Tälth die Dinge handhabt. Sauber, hochmusikalisch und angenehm kraftvoll — das wird verlangt, und das wird geliefert. Ein würdiger Nachfolger seines Vorgängers, dessen Weggang zumindest in den Augen der Fans der Band keineswegs willkommen war. Doch die Qualität ist wieder vollständig da, und es ist beeindruckend, wie der Band dabei die Inspiration nicht ausgeht. Sie versiegt nicht. Seventh Dimension zeichnen sich durch eine düstere Atmosphäre aus, die Markus mit seiner Vokalfarbe immer wieder krönt. Sie können ziemlich dunkel sein — einige Passagen bestätigen das mühelos, besonders etwa der Eröffnungsteil des brillanten Underwater. Genau diese düstere Atmosphäre, durch die am Ende des Tunnels dann doch das Licht scheint, verleiht der Band ihren unverwechselbaren Charme. Gerade die Stücke Underwater und Mind Flayer sind die Momente auf dem Album, wo Markus seine Stimmbänder besonders streckt, seine Talente unter Beweis stellt und so seinen Status in der Band und den Wert der Nachfolge von Nico Lauritsen zusätzlich rechtfertigt.
Man spürt die Reife des Quintetts. Die Band übertreibt in den Kompositionen nicht mit improvisatorischen Eskapaden, aber auf der anderen Seite gibt es auch keine Komposition, die so sehr von progressiven Elementen entblößt wäre, dass sie anfängt, ins Radio zu drängen. Nein, auch das Album »Of Hope & Ordeals« hält an jedem Punkt geschickt die Balance, den kunstfertigen Dialog des Seiltanzens zwischen diesen beiden Elementen, und ist ein neues Studiomanifest ihrer geschickten Anordnung. Das Element unvorhersehbarer atmosphärischer Wendungen ist deutlich spürbar und verleiht dem Werk zusätzliche Anziehungskraft. Fans dieses Genres werden sich bestimmt nicht langweilen.
Die Band ist bekannt für ihre Cover-Versionen. Sie haben sich schon immer gern an Coverversionen versucht — noch bevor sie eigenes Songwriting-Material schrieben. Erst kürzlich haben sie beispielsweise den Dream-Theater-Klassiker Change Of Season gecovert. Und das war wohl ein zusätzlicher Anstoß für das letzte Stück des Albums. Noch bevor man auch nur das Ende des Albums erreicht — genauer gesagt, noch vor der Hälfte — beginnt sich die epische progressive Sinfonie Black Sky: Final Frontier zu entfalten, die in jeder Hinsicht ein Meisterwerk ist. Keineswegs wegen ihrer schieren Länge in Minuten. Hier liegen andere Tugenden. Es ist ein kompositorisches Meisterwerk, das im Werk dieser Band zweifellos seinen festen Platz hat. Ein Stück, das Seventh Dimension mit großem Vergnügen und Stolz auf den kommenden Konzerten spielen werden. Das Winden und Schlängeln der vielfältigen Motivabfolgen durch die schlangenartige Laufzeit nimmt kein Ende. Doch die Hörbarkeit und Anziehungskraft verlieren Seventh Dimension dabei nicht. Das Zusammenspiel aus schwelgenden Keyboard- und Synthesizervorhängen, ultrabrutalen Metal-Phrasierungen und verspielter Rhythmik, die einem den Atem verschlägt, findet scheinbar kein Ende. Das Stück ist ein eigenes Kapitel dieses Albums und wird alle anspruchsvollen Musikgenießer und Feinschmecker reichlich zufriedenstellen. Der Ausgang aus dem Album — der sechste Teil dieser Suite, Rays Of Light — wirkt aufmunternd und geradezu filmisch.
Die Entwicklung hält also nicht inne. »Of Hope & Ordeals« ist ein außergewöhnliches Werk der Band, das nichts weniger bestätigt, als dass diese ungemein talentierte schwedische Progressive-Metal-Formation den Entwicklungsstand ihres musikalischen Lebens erreicht hat, den man als „kreativen Zenit“ bezeichnen kann. »Of Hope & Ordeals« ist ein Werk großer kompositorischer Reife — eine herausfordernd kreative und eigenständige musikalische Reise, die noch lange nicht zu Ende ist.
Autor: Aleš Podbrežnik
Trackliste:
1. The Great Unknown
2. Ghost Veil
3. V23
4. Underwater
5. Mind Flayer
6. Black Sky: Final Frontier
– I. Exodus
– II. Arrival
– III. Architects Of New Horizons
– IV. Lament In Silence
– V. Zero Signal
– VI. Rays Of Light
Besetzung:
Markus Tälth – Gesang
Luca Delle Fave – Gitarre, Hintergrundgesang
Erik Bauer – Keyboards
Rikard Wallström – Bassgitarre
Marcus Thorén – Schlagzeug, Perkussion
Gastmusiker:
Vincent – Gesang auf Track Nr. 3
Ffion Elisa – Gesang auf Track Nr. 6
Maciej Gizejewski – Klavier auf Track Nr. 5
Tom McCluskey – Cello auf Track Nr. 6
