Let’s Boogie Woogie – Status Quo forever (Juli 2024)
Event: Moon & Stars festival, Stars des Abends Status Quo
Datum: 12. 7. 2024
Ort: Piazza Grande, Locarno, Schweiz
„Aktueller Status: Schwarz-Weiß“
Manchmal verschlägt es dich, den abgebrühten und abgekämpften Metaller, auf ein Konzert einer Band, die du hier und da flüchtig auf irgendeiner Party hörst, während in deinem Hinterkopf ständig bekannte Rhythmen und die geschliffenen Refrains der größten Hits herumhüpfen. So landete ich mit meiner Frau und einer Gruppe von Freunden in der kleinen Stadt Locarno im italienischsprachigen Teil der Schweiz, wo die englischen Boogie-Woogie-Meister Status Quo die Hauptrolle am Freitagabend des Festivals Moon & Stars übernahmen.
Das Konzert war ein Geburtstagsgeschenk zum runden Jubiläum des alten Kumpels Darko. Darko ist seit Jahren ein glühender Fan der Band, war aber noch nie bei einem ihrer Konzerte. Die Sache hielten wir bis zur letzten Sekunde vor dem Einlass erfolgreich geheim – dann gab es Freudentränen und literweise Red Bull Vodka.
Nach dem Tod von Rick Parfitt im Jahr 2016 ist Status Quo mehr oder weniger das Soloprojekt des Hauptsongwriters, Gitarristen und Sängers Francis Rossi. An seiner Seite hält er noch immer zwei Veteranen: Andy Bown an den Keyboards (und Gitarre), der seit 1981 offizielles Bandmitglied ist und bereits seit 1973 als Gastmitglied dabei war, sowie Bassist John „Rhino“ Edwards, der seit 1985 zur Band gehört. Die jungen Kräfte stellen Schlagzeuger Leon Cave (seit 2013) und Rhythmusgitarrist Richie Malone (seit 2016) dar, über den in diesem Bericht noch die Rede sein wird.
Auf dem Platz in Locarno war eine riesige Bühne aufgebaut, und als wir ankamen, war das Gelände voll mit begeisterten Fans. Weil wir Darko das Konzert direkt vor die Nase bringen wollten, haben wir uns ganz auf Balkanart bis ungefähr zur zwanzigsten Reihe durchgekämpft, Darko sogar bis zur zehnten. Meiner Schätzung nach waren es zwischen 10.000 und 12.000 Besucher – weit mehr, als ich erwartet hatte.
Zu einem aufgezeichneten Intro marschierte das Quintett auf die Bühne: weiße Sneaker, schwarze Jeans, weiße Hemden – Rock’n’Roll-Uniform par excellence. Richie zündete auf seiner Gitarre das eröffnende Begleit-Riff des Evergreens Caroline an, und allen war sofort klar, dass hier göttlicher Sound auf uns wartete. Francis stieg mit dem Haupt-Riff ein, und schon belegten die beiden 80 % der verfügbaren Hörkapazität. Als die übrigen drei einsetzten, füllte sich der Platz mit echtem Rock’n’Roll-Sound. Jede Gitarre war kristallklar für sich zu hören (auch wenn sich Andy bei manchen Songs auf der dritten einklickte). Bass und Schlagzeug hackten wie erfahrene kanadische Holzfäller, und die Keyboards rundeten das perfekte Klangbild ab.
Der klassische Vier-Viertel-Boogie-Rhythmus zwang alle zu ununterbrochenen Wackeln und Hüpfen, was bei aufziehenden Gewitterwolken und hoher Luftfeuchtigkeit für literweise Schweiß sorgte. Ich kannte persönlich etwa die Hälfte der Songs, aber alle anderen waren so überzeugend gespielt, dass mich der Rausch keine Sekunde verließ. Mit dem Stück Hold You Back, das eine schwungvolle irische Melodie enthält, habe ich jedenfalls einen neuen Lieblingssong zum Nachören mitgenommen.
Die Band ist in ausgezeichneter Form – körperlich wie auch instrumental und vokal. Die Songs sind natürlich für den ehrwürdigen Francis (der Kerl ist 75) einen Ton tiefer gestimmt, was beim Welthit Whatever You Want gegen Ende des Konzerts am deutlichsten herauszuhören war. Alle Mitglieder außer dem Schlagzeuger kamen zu ihrem vokalen Glanzmoment – und sie machen das wirklich gut.
Ich muss nochmal auf den bereits erwähnten Richie Malone an der Rhythmusgitarre zurückkommen. Der Typ behandelt sein Instrument wie eine Ex-Freundin, mit der man noch einmal im Bett landet. Er haut drauf, schmeißt sie rum, streichelt, kratzt, beißt und vergöttert sie und entlockt ihr lüsterne Sounds und schnelle Rhythmen. Ihr wisst schon, wie das läuft. Definitiv Star des Abends!!!
Wie ihr unten sehen könnt, setzte sich die Setlist hauptsächlich aus der Boogie-Ära zwischen 1972 und 1982 zusammen, mit dem obligatorischen Ausflug in die Achtziger durch das Cover In the Army Now und sogar einem Sprung ins neue Jahrtausend mit zwei Songs. Die frühe, halbpsychedelische Phase, die der durchschnittliche Fan kaum kennt, wurde verständlicherweise komplett außen vor gelassen.
Fazit: So machen das die alten Meister – ausgezeichneter Sound, eine Setlist voller Hits und echte Liebe zur Musik. Francis hat sich beim Spielen des Intros zu einem der Songs halb für sich selbst genuschelt: „I fuckin‘ love playin‘ this one!“ Und man hat es gespürt!
Text: Igorac
Fotos: Igorac
Setlist:
1. Caroline
2. Rain
3. Little Lady
4. Softer Ride
5. Beginning of the End
6. Hold You Back
7. What You’re Proposing / Down the Dustpipe / Wild Side of Life / Railroad / Again and Again / Slow Train
8. The Oriental
9. In My Chair
10. In the Army Now (orig. Bolland & Bolland)
11. Roll Over Lay Down
12. Down Down
13. Whatever You Want
14. Rockin‘ All Over the World (orig. John Fogerty)
—Zugabe—
15. Don’t Waste My Time








