Accept: Humanoid

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Label: Napalm Records
Erscheinungsdatum: 26. 4. 2024
Produktion: Andy Sneap
Spielzeit: 48.13 Min.
Genre: Heavy Metal
Bewertung: 8.0/10


Accept sind eine verdammt gute Heavy-Metal-Band. Satz des Jahrhunderts? Nein. Einfach Fakt. „Humanoid“ ist ihr insgesamt siebzehntes Studioalbum, das klanglich, energetisch und produktionstechnisch erwartungsgemäß am deutlichsten an die Ausdruckswelt der fünf vorangegangenen Studioalben anknüpft. Die Verbindung zu den Achtzigern ist natürlich spürbar – aber das sollte uns nicht täuschen, denn die Magie mit Dirkschneider bleibt ein absolutes Unikat und zählt zu den Kronjuwelen der blühenden Metal-Ära jenes Jahrzehnts.

Lassen wir das mal beiseite. Wolf Hoffmann, in der heutigen Accept-Besetzung das letzte ‚überlebende‘ Mitglied aller Epochen dieser langlebigen teutonischen Metal-Band, die 1976 im deutschen Solingen gegründet wurde, weiß eben nur zu gut, wie’s läuft – und er versteht sein Handwerk. Als Mastermind, Visionär, Hauptkomponist und vor allem exzellenter Gitarrist hat er in den drei Jahren seit dem sehr guten Vorgänger „Too Mean To Die“ (2021, RockLine Rezension) wieder genug bissige, direkt auf den Punkt gebrachte und feurig draufgängerische Gitarrenphrasen für ein neues monolithisches Studioalbum zusammengeschraubt – eines, das keinen Millimeter von der Rezeptur und Formel abweicht, an der Hoffmann auch in den reifen Schaffensjahren treu und überaus geschickt festhält und die selbstverständlich das stilistische Destillat des Achtziger-Erbes dieser ikonischen Band ist, auch wenn die expressive Energie der heutigen Accept, wie gesagt, spürbar anders ankommt. Hoffmann bleibt auch auf diesem Album der Haupttrumpf für die sofortige stilistische Wiedererkennbarkeit des Accept-Unikums (den ‚Ableger-Kick‘ namens U.D.O. mal ausgenommen, bei dem sich heute – Hand aufs Herz – mehr Accept-DNA findet als bei Accept selbst). Das liegt am Kompositionsstil und natürlich am berühmten Tüpfelchen auf dem ‚i‘, das seine Soli liefern und durch das er auf Anhieb erkennbar ist. Auch diesmal blitzen neoklassische Einschübe aus ihnen hervor. Auf dem neuen Album sind die Soli reichlich damit gespickt. Der erste solche Einschub taucht gleich im Solo des eröffnenden, hammerharten Manövers auf – nämlich im wutentbrannten Diving Into Sun.

Wie auch immer – „Humanoid“ folgt dem stilistischen Format der fünf vorangegangenen Alben. Accept bieten wieder einige äußerst geschickt gewebte Kompositionen, die durch die Kombination aus direkter Wucht und musikalischem Biss auf Anhieb packen. Unterschiede im Grad der Inspiration zwischen den einzelnen Tracks sind durchaus vorhanden. Abgesehen davon, dass Straight Up Jack sofort als erstklassige Verbeugung vor AC/DC durchgeht – was Tornillos rauchig-kreischendem Gesangsansatz noch zusätzlich Feuer unterm Hintern macht –, sind die Höhepunkte des Albums das gnadenlos zackig dahindonnernde Finale Southside Of Hell (das Album endet also mit einer hochvibrantenden Ohrfeige, was ausgezeichnet ist), in absoluter Hinsicht der Titeltrack mit seiner düsteren Aura vollständiger Entmenschlichung, die witzige Fortsetzung mit der Single Frankenstein sowie das schier vernichtende The Reckoning, das die Magie großartiger früherer Tornillo-Schöpfungen wie Pandemic oder Teutonic Terror einzufangen versucht. Hier – in der Strophe – das fast schon ins Rock’n’Roll gleitende Nobody Gets Out Alive und das balladenhafte Ravages Of Time stehen genau da, wo sie sein sollen. In Man Up, Diving Into Sun und dem bösartig-frechdachsigen Skandalon Unbreakable erleben wir, wie die Refrainmelodien mit den berühmten kernigen Harmonien (Gang-Shouts) ausgestattet werden – seit jeher das Markenzeichen von Accept. Mind Games, ein mittelschneller Track, der eine willkommene atmosphärische Wende bringt, zählt zu den interessantesten und ausgefeiltesten Kompositionen des neuen Albums, inklusive erstklassiger Lösungen in der Middle-Eight-Passage.

„Humanoid“ ist ein düsteres, okkultes, auch apokalyptisches und zeitweise bösartig scharfzähniges Album. Es trägt damit alle Merkmale eines echten klassischen Heavy-Metal-Albums, dem man im Kontext des nur allzu bekannten Accept-Formats kaum etwas hinzufügen oder wegnehmen könnte. In puncto konzeptueller Inspiration gibt es rein gar nichts zu bemängeln, und das Album hält in dieser Hinsicht mindestens das Niveau des Vorgängers „Too Mean To Die“. Schwache Momente gibt es keine, und das Album behält von der ersten bis zur letzten Minute sein hohes Niveau an dynamischer Entwicklung.

„Humanoid“ ist wieder mal ein sehr, sehr gutes Werk von Accept in der reifen Schaffensphase, in der Wolf Hoffmann die Zügel in der Hand hält. Es wird alle echten Fans der Band vollkommen zufriedenstellen und begeistern, die keinerlei Probleme damit haben, die Ausdrucksweise der Band zwischen der Udo- und der Tornillo-Ära zu überbrücken. Accept bleiben also auch mit dem neuen Studioalbum ein absolut eigenständiger Begriff im Heavy Metal – und es ist klar, dass die neuen Tracks im Repertoire auch auf der bevorstehenden Konzerttournee phänomenal neben den Klassikern der eisernen Schaffensepoche der Band funktionieren werden. Unbreakable gehört sofort und direkt auf die Bühne. Es ist ein Album, das dem Fan dieser Band exakt das liefert, was er will und erwartet. Also keinerlei künstlerische Änderung, nur neues, dabei aber erstklassiges ‚Spielen‘ mit dem Unikat der eigenen kreativen Musikformel, die Hoffmann schlicht besitzt und im kleinen Finger seiner linken Hand beherrscht.

Autor: Aleš Podbrežnik

Tracklist:
1. Diving Into Sin
2. Humanoid
3. Frankenstein
4. Man Up
5. The Reckoning
6. Nobody Gets Out Alive
7. Ravages Of Time
8. Unbreakable
9. Mind Games
10. Straight Up Jack
11. Southside Of Hell

Besetzung:
Wolf Hoffmann – Gitarre
Mark Tornillo – Gesang
Uwe Lulis – Gitarre
Christopher Williams – Schlagzeug
Martin Motnik – Bassgitarre


Accept – „Humanoid“ (Napalm Records, 2024)
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