Duran Duran: Danse Macabre
Veröffentlicht am 27. 10. 2023 bei BMG
Produktion: Josh Blair, Duran Duran, Nile Rodgers, Mr. Hudson
Länge: 50.07 Min.
Genre: Pop rock / New wave
Bevor ich mit der Rezension anfange, muss ich – um Protesten, schlechter Laune und anderen Ausrastern vorzubeugen – klarstellen, dass diese aus der Perspektive eines Duran Duran-Fans der alten Schule geschrieben wird. Ich war von ihnen besessen bis einschließlich der Single A View to a Kill, nach der Andy Taylor entschied, dass es genug war. Nach nur vier Jahren. Aufgrund vertraglicher Verpflichtungen spielte er zwar noch ein paar Gitarrenparts auf dem Album Notorious von 1986 ein, aber das war nicht mehr dasselbe.
Ich kaufte und hörte noch das Album Big Thing im Jahr 1988, aber das waren nicht mehr die Duran Duran, die ich liebte. Ich selbst war da schon tief in den Metal-Sound eingetaucht. Für die Jungs drückte ich still die Daumen, aber Alben hörte ich keine mehr, geschweige denn kaufte ich welche. Bis 2004 und dem Album Astronaut, das die inzwischen gereiften Kerle in der Original-Besetzung, The Fab 5, aufgenommen hatten. Zumindest teilweise kehrte der alte Sound aus den frühen 80ern zurück, und ihnen gelang sogar ein kleiner Hit mit dem Song (Reach Up for the) Sunrise. Dann schaffte es Nick Rhodes (»Ich bin kein Musiker, sondern ein Künstler und Performer«) mit seinem Geschwätz wieder, den ohnehin schon unbeständigen Andy zu vergraulen – und mein Interesse erlosch erneut. Aus dieser Zeit gibt es für uns alle Fans der Original-Band die fantastische Konzertaufnahme Live from London.
Der letzte echte Hit der Durans stammt aus dem Jahr 1993 (das zeitlose Ordinary World und das etwas weniger zeitlose Come Undone) sowie das sogenannte The Wedding Album. Danach folgten allerlei Alben, die weder bei mir noch in der Weltöffentlichkeit einen bleibenden positiven Eindruck hinterlassen haben. Aber nach der Tournee mit den Original-Mitgliedern Mitte der 2000er sind sie wieder zu einer respektablen Konzertattraktion geworden, die ich mir diesen Sommer gerne in der Pula Arena anschauen werde.
Nick hat erzählt, dass sie sich das neue Album als musikalische Untermalung für eine wilde und düstere Halloween-Party gedacht haben. Auf sage und schreibe zehn Songs tritt Andy Taylor als Gitarrist auf, und diese Information hat meine Erwartungen ans Album gehörig in die Höhe getrieben. Auf jeweils zwei Songs gastieren als Gitarristen Warren Cuccurullo, der langjährige Nach-Andy-Taylor-Gitarrist, Dominic Brown, der Warren beerbte, sowie der langjährige Freund der Band und Legenden-Produzent Nile Rodgers. Ob Andys Gitarre auf den meisten Songs seine Rückkehr zur Band bedeutet, wird die Zeit zeigen.
In die harte Realität holt uns allerdings die Tatsache, dass 6,5 Songs Cover mehr oder weniger bekannter Hits sind, 3,5 Cover älterer Duran Duran-Songs – und nur drei wirklich neue Originale.
Was einem auf Anhieb ins Auge sticht: Duran Duran lassen nicht ab von ihren erfolglosen Versuchen, ein jüngeres Publikum zu gewinnen und relevant zu bleiben. Das haben sie nämlich (erfolglos) schon auf den letzten paar Alben versucht. Ich weiß nicht, wie ich sonst das Cover von Billie Eilish‚ Bury a Friend interpretieren soll. Das Mädel, dem post- und neo-feministische Trans-Gender-Generationen zuhören, die gleichzeitig eifrig Taylor Swift verachten. Dabei wissen sie nicht oder wollen nicht wissen, dass die beiden Damen nur zwei Seiten derselben Medaille sind. Vielleicht haben Simon und seine Gang naiv geglaubt, dass die vierte Staffel der Serie True Detective kein solches Desaster werden würde (Bury a Friend ist das musikalische Leitthema der Serie). Wer weiß.
Oder das Gastspiel der Måneskin-Bassistin Victoria De Angelis beim Talking Heads-Cover Psycho Killer. Victoria steuert ein paar geschmackvolle Slap-Funk-Basslines bei, aber nichts, was John nicht völlig breit um zwei Uhr nachts hätte spielen können …
Bevor ich mich der Musik auf dem Album widme: Produktion und Sound sind klassisch Duran Duran und makellos – vollgepackt mit Bass- und Schlagzeugverzierungen, Nicks synthesizerbetriebenen Klanglandschaften, verspielten Gitarreneinlagen und Simons herrlich in Szene gesetztem Gesang. Simon war nie ein außergewöhnlicher Sänger, aber er hat es geschafft, seine durchschnittliche Stimme mächtig durchschnittlich zu halten – was er immer wieder auf Platten und Bühnen rund um die Welt beweist.
Fangen wir mit den drei Originalsongs an. Bei weitem die beste ist das spritzige Black Moonlight, das als Single und Videospot erschienen ist. Stilistisch fällt es in die Zeit kurz nach A View to a Kill oder vielleicht auf das Album Astronaut. Man hört nämlich den unverkennbaren Sound von Andys Gitarre, unterstützt von Nile Rodgers‚ Spielereien. Der ansteckende Refrain rundet den Song schön ab – in anderen, besseren Zeiten wäre er ein Hit geworden.
Auf dem Titeltrack Danse Macabre gastiert Warren Cucurullo. Es ist eine düstere Angelegenheit, bei der Simon am Anfang mit einem Rap-Versuch überrascht, gefolgt von einem merkwürdigen, aber eingängigen Refrain. Der Song hebt irgendwie nie wirklich ab und wirkt halb unfertig.
Das letzte Original ist Confession in the Afterlife mit Dominic Brown an der Gitarre, das versucht, die langsameren Duran-Sachen vom Anfang der Karriere (The Chauffeur, The Seventh Stranger) wieder zum Leben zu erwecken – was allerdings nicht ganz gelingt. Ich muss aber zugeben, dass der Song mit jedem Hören besser wird.
Die Cover der älteren Duran-Songs, bei denen die Titel leicht verändert wurden (Love Voodoo – Love Voudou), sind okay – gute Songs kannst du halt nicht komplett versauen, selbst wenn du’s wolltest.
Jetzt aber zu den Überraschungen der Platte. Die erste und größte ist definitiv das absolut gelungene Cover des The Rolling Stones-Klassikers Paint it Black. Als ich das auf der Trackliste sah, war ich überzeugt, dass Simons Tage gezählt sind – Keith Richards wartet hinter der nächsten Ecke und erschreckt ihn mit dem Rasseln seines Skeletts zu Tode. Aber nein: Wenn Keiths Gehör noch gut funktioniert, ist er mit dem Gehörten zufrieden. Diese Interpretation ist dank Andys brillanter Gitarre und gelungener Backing Vocals noch hoffnungslos düsterer als das Original. Ja, so gut ist sie.
Das zweite Juwel versteckt sich im gelungenen Zusammenspiel des originalen Duran-Songs Lonely in Your Nightmare und Rick James‚ Super Freak (Kinder der 80er kennen das Hauptthema aus U Can’t Touch This von MC Hammer und Der Komissar des verstorbenen Falco). Lonely in Your Nightmare ist ein vergessenes Juwel vom Album Rio und fließt in diesem bizarr betitelten (Super Lonely Freak) Hybrid rhythmisch und melodisch makellos in das sexuell aufgeladene Super Freak über – das Ganze gewürzt mit einem dominanten Klangbild und Simons makelloser Stimme. Hut ab, Jungs!
Nach mehrmaligem eingehenden Hören des Albums bin ich zu folgendem Schluss gekommen:
Die bloße Idee einer Halloween-Party mit zehn Covern ist bescheuert – Bewertung 1/10.
Duran Duran als Band und als Institution … und als Religion 10/10.
Das Album als Album 7/10
Gesamtwertung 8,5/10
Highlights: Black Moonlight, Paint it Black, Super Lonely Freak
Eine tolle Vorbereitung aufs Konzert in Pula, ich kann’s kaum erwarten!
Autor: Igorac
Tracklist von „Danse Macabre“:
1. Nightboat (4:23)
2. Black Moonlight (3:07)
3. Love Voudou (4:29)
4. Bury A Friend (3:05)
5. Supernature (3:45)
6. Danse Macabre (4:22)
7. Secret Oktober 31st (4:23)
8. Ghost Town (3:00)
9. Paint It Black (2:38)
10. Super Lonely Freak (4:28)
11. Spellbound (3:28)
12. Psycho Killer (4:26)
13. Confession in the Afterlife (4:34)
Duran Duran
Simon Le Bon – Gesang, Produktion
Nick Rhodes – Keyboards, Produktion
John Taylor – Bass, Produktion; Gitarre (6)
Roger Taylor – Schlagzeug, Produktion
Gastmusiker:
Andy Taylor – Gitarre (1–2, 4–5, 7–12)
Anna Ross – Backing Vocals
Rachael O’Connor – Backing Vocals
Joshua Blair – Perkussion (1–7, 9–12), Streicher (1, 3, 4, 7, 12, 13), Gitarre (4), Piano (9, 13), Synthesizer (10)
Nile Rodgers – Gitarre (2, 5)
Nate Merchant – Bass, Drum-Programmierung, Programmierung (3–12)
Warren Cuccurullo – Gitarre (3, 6)
Alexandra AStama – Backing Vocals (3)
Mr Hudson – Loops (6), Gitarre (13)
Simon Willescroft – Saxofon (8, 10)
Johnny Thirkell – Trompete (8)
Dominic Brown – Gitarre (12, 13)
Victoria De Angelis – Bass (12)
Technisches Team:
Joshua Blair – Produktion, Engineering
Nile Rodgers – Produktion (2)
Mr Hudson – Produktion (6, 13)
Bob Clearmountain – Mixing
John Webber – Engineering
Andy Taylor – Engineering (1, 2, 5–12)
Richard Woodcraft – Engineering (1, 12)
Ed Farrell – Engineering (2, 3, 5–13)
Billy Halliday – Engineering (3, 5, 7–12)
John X. Volaitis – Engineering (3, 6)
Russell Graham – Engineering (5)
Phil Kemp – Techniker (1, 2, 5, 12, 13)
Kevin Bell – Techniker (2, 5, 8–13)

Album ki ni vreden poslušanja in upam da bodo v Puli igrali čim manj hitov s tega albuma. Ko že omenjaš album Astronaut pa je po mojem mnenju na temu albumu eden njihovih boljših hitov What Happens Tomorrow , ki je bil žal ni bil taka uspešnica . Pa tudi njihov predzadnji album Future Past sploh ni bil tako slab in so prijetno presenetili , zato nas v Puli čaka odličen koncert kot vedno z vsemi starimi hiti zaradi katerih bo tja šla večino oboževalcev.