U.D.O.: Touchdown

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Erscheinungsdatum: 25. 8. 2023
Label: AFM Records
Produktion: Martin ‚Mattes‘ Pfeiffer
Albumlänge: 53.58 min
Genre: Heavy Metal
Wertung: 8.5/10


U.D.O., die altgedienten Urgesteine des Heavy Metal unter der Führung des unverwüstlichen Udo Dirkschneider – einst Frontsänger von Accept, ohne den man sich einige der größten Studio-Klassiker des Metals schlicht nicht vorstellen kann –, haben Ende August 2023 ihr, man höre und staune, achtzehntes Studioalbum veröffentlicht. Wenn man bedenkt, dass das erste U.D.O.-Album „Animal House“ 1987 erschien, ist das ein unglaubliches Tempo. Achtzehn Alben in 36 Jahren. Eine Bilanz, mit der sich nur wenige brüsten können.

Vor dem neuen Album gab es allerdings erst noch einen Umbau in der Besetzung – solche Wechsel sind in der Karriere von U.D.O. ja keine Seltenheit. Das Album „Game Over“ (2021, RockLine Rezension) hatte der slowenische Bassvirtuose Tilen Hudrap noch als festes Mitglied mitgespielt, doch wurde er später durch niemand anderen ersetzt als durch Udos langjährigen Accept-Weggefährten Peter Baltes. Baltes war bei Accept seinen Job losgeworden, also war es nur naheliegend, dass sich die alten Kumpels (Udo und Peter) wieder zusammentaten. Und schließlich hat die heutige U.D.O.-Besetzung damit sogar mehr gemeinsam mit den klassischen Accept als die aktuelle Accept-Besetzung selbst.

Zurück zum Material des neuen U.D.O.-Albums. Tracks gibt es wieder zu viele – aber zu viele gab es auch auf „Game Over“ und so manchem früheren U.D.O.-Album. Ist halt so die Praxis. „Touchdown“ bringt keinerlei revolutionäre Verschiebungen in künstlerischer Hinsicht. Es ist kernig und verbissen in sich selbst. Kreativ unbeweglich. Es trägt die erprobte Kompositionsformel. Und mehr als das will ein eingefleischter Fan dieser Band gar nicht. Veränderungen sind eigentlich unerwünscht. „Touchdown“ ist von Kopf bis Fuß ein Brett – vollgepackt mit Nummern, die vertraut klingen, schon mal gehört – aber eben im Kontext früherer U.D.O.-Alben. Und weit davon entfernt sind auch sie nicht – Accept natürlich (vor allem in den Albumhöhepunkten Titeltrack und Sad Man’s Show, die klingen, als wären sie direkt dem Album „Metal Heart“ entsprungen).

„Tochdown“ ist stellenweise auch ziemlich pompös, wie es etwa der Chorus von Fight For The Right mit sich bringt. Ohoho, und dazu noch die Middle-Eight in diesem Track mit dem neoklassischen Einschub – so wie es früher Accept (Metal Heart) oder U.D.O. (das Hauptmotiv von Podmoskovnyie vetchera, verwendet in Shout It Out) gemacht haben –, wo Andrey Smirnov sich diesmal ein wenig Türkischen Marsch gönnt (ein Werk von W. A. Mozart). Kein Wunder, dass genau dieser Track ausgewählt wurde, um die Fans im Vorfeld des Album-Release einzuheizen. Er erschien als eigenständige Single. Perfekt und durch und durch klassisch kommt direkt danach auch Forever Free (ebenfalls als eigenständige Single erschienen), das die Pompösität des Albums auf hohem Niveau hält.

Alles ist da, wo es sein muss. An den erwarteten Stellen. Udo Dirkschneider brüllt mit unverminderte Verve. Achtung! Der Typ wird am 6. 4. 2024 72 Jahre alt. Aber die Stimme verliert nichts an Kraft. Keinen Deut. Andrey Smirnov bleibt die gitarristische Hauptkraft bei der Neuschöpfung all dessen, was man unter der musikalischen Visitenkarte von U.D.O. versteht – wobei man hinzufügen muss, dass er sich hervorragend mit dem deutschen Gitarristen Dee Dammers eingespielt hat. Baltes ist halt Baltes (der Doyen der Metal-Bassgitarre) und Sven Dirkschneider bleibt eine gewaltige Schlagzeugmaschine. Auch in Albumpassagen, die in der Entwicklung der jeweiligen Komposition zunächst nicht sonderlich beeindrucken, rettet die Truppe die Sache meisterhaft durch Chorgesang, der die Stimmung in den Refrains hebt und den Track trotz allem intensiv packt (z. B. Punchline, Living Hell).

„Touchdown“ ist von Kopf bis Fuß wieder genau das Album, das man von U.D.O. nicht nur erwartet, sondern das man auch wirklich haben will. Es steht in nichts hinter seinen Vorgängern „Steelfactory“ (2018, RockLine Rezension) und „Game Over“ zurück. Man kann ihm kaum etwas wegnehmen oder hinzufügen, denn das könnte die Optimierung des typischen U.D.O.-Artismus aus der Bahn werfen. Trotzdem ist da wieder diese unliebsame Erkenntnis, dass zehn Tracks für ein Album reichen würden und dass dreizehn – so viele zählt dieses Album – eine übertriebene Zahl ist. Die Dinge beginnen sich etwas zu wiederholen, weil der künstlerische Spielraum des Kompositionsrezepts selbst sehr eng ist. Nichts Neues also. Aber Fans der Band werden von allem begeistert sein. Und das zählt bei einem so schönen neuen Studiowerk allemal.

Autor: Aleš Podbrežnik

Tracklist:
1. Isolation Man
2. The Flood
3. The Double Dealer’s Club
4. Fight For The Right
5. Forever Free
6. Punchline
7. Sad Man’s Show
8. The Betrayer
9. Heroes Of Freedom
10. Better Start To Run
11. The Battle Understood
12. Living Hell
13. Touchdown

Besetzung:
Udo Dirkschneider – Gesang
Andrey Smirnov – Gitarre
Dee Dammers – Gitarre
Sven Dirkschneider – Schlagzeug
Peter Baltes – Bassgitarre

Gastmusiker:
Stefan Pintev – Violine auf Track Nr. 13


U.D.O. – „Touchdown“ (Atomic Fire Records, 2023)
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