Rob Moratti: Epical

Frontiers Music Srl. 2022
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Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 9. 12. 2022
Produktion: Rob Moratti
Albumlänge: 45.10 min
Genre: Melodic Rock / AOR Revival
Bewertung: 9.0/10


Rob Moratti, erstklassiger kanadischer Vokalist, bekannt durch seine Mitarbeit bei den kanadischen Art-Rock-Ikonen Saga und der AOR-Sensation Final Frontier, meldet sich mit seinem fünften Solo-Studioalbum »Epical« zurück. Wer diesen Vokalisten verfolgt, weiß, dass er das Beste bekommt, was das Genre Melodic Rock bzw. AOR-Revivalismus im neuen Jahrtausend zu bieten hat. Vor allem Letzteres. Rob Moratti hat sich von jeher – abgesehen von seinem kurzen Karrierestopp bei den Kultigen Saga – zu den expressiven Wurzeln des AOR/West-Coast-Genres hingezogen gefühlt. Schon in den Neunzigern mit seiner Band Moratti. Und darüber hinaus. Das Format seiner Kompositionen fügt nicht selten noch mehr Substanz hinzu, die gerne in Abweichungen von der vorhersehbaren AOR-Rezeptur abdriftet – deshalb tragen seine Alben auch einen Art-Rock-Charakter, was dem Künstler eine hoch begehrte Note sofortiger expressiver Wiedererkennbarkeit verleiht.

Rob Moratti ist ein außergewöhnlicher Vokalist. Allein dafür lohnt es sich, seine musikalische Karriere zu verfolgen. Seine Stimme behält selbst in extremen Höhenlagen eine verblüffende Kraft. Moratti gilt im Feld des modernen Melodic Rock und des AOR-Revivalismus als Vokalist mit einer der breitesten stimmlichen Spannen – besonders was das Erreichen höchster Lagen betrifft, womit er schlicht und einfach umhaut. Da der Gesang durchgehend sauber ist, fällt der musikalische Ertrag aller Kompositionen umso größer aus. Dazu kommt noch das Steigern der atmosphärischen Bombastik vom Pre-Chorus in den Chorus, wo sich dem Hauptgesang eine immer breitere Palette an vokalen Harmonien anschließt – und das Ergebnis ist eine außergewöhnliche musikalische Eingängigkeit des Werks. Die Musikalität ist buchstäblich invasiv. Auch diesmal. Auf dem fünften Album also.

Moratti ist ein Perfektionist. Einmal mehr hat er hervorragende Musiker um sich geschart. Reb Beach hatte keine Zeit (er war mit Black Swan beschäftigt, dann mit dem neuen Winger-Album, dazu kam die teilweise abgebrochene Whitesnake-Tour), also sprang Beachs Whitesnake-Kollege Joel Hoekstra (ex-Night Ranger, Trans-Siberian Orchestra) ein. Gitarristische Perfektion ist damit auch auf dem Album »Epical« garantiert. Die Soli sind auf diesem Album zweifellos Poesie für sich und ein eigenes Kapitel. Die Produktion ist warm, das Klangbild voll ausgeschöpft. Die Basslinien steuerte erneut der großartige Tony Franklin bei (ex-Blue Murder, The Firm). Einmal mehr. »Epical« trägt einen außergewöhnlichen Rhythmus des (Herz-)Schlags. Fans von AOR-Musik müssen dieses Album schlicht und einfach in ihre Plattensammlung aufnehmen. Ohne Nachdenken.

Die Songs tragen den pompösen Charme des typischen Drama-Theaters, das AOR-Werke ziert. Moratti ist mit den Sounds von Journey aufgewachsen, das ist unbestreitbar. 2015 veröffentlichte er schließlich eine Sammlung von Journey-Bearbeitungen mit dem Titel »Tribute To Journey«. Aber hier geht es keineswegs ums Abschreiben. Um die Vibration (Hold On, Masquerade). Die nimmt dich mit tief in die Achtziger. Moratti hat seinen eigenen, unverwechselbaren vokalen Glanz. Man erkennt ihn sofort. Wer ihm nahekommen könnte, wenn man einen Vergleich sucht – da bietet sich eine sinnvolle Parallele zum verstorbenen Tony Mills an, sowie vor allem der Ausstrahlung der Shy-Alben »Unfinished Business« (2002) und »Sunset And Wine« (2005). Hier ist eine Musikergruppe mit einem ausgereiften Charakter. Neben den genannten Stars (Hoekstra, Franklin) wirken noch drei erfahrene schwedische Musiker mit. Pete Borg spielt Schlagzeug. Besonders bedeutsam ist Pete Alpenborg (ex-Arctic Rain), der als hervorragender Komponist gilt. Schaut euch sein Tätigkeitsdossier auf einer Reihe von Alben großer Namen im Genre Melodic Rock und AOR-Revivalismus an. An den Keyboards ist sein kompositorischer Stempel sicher spürbar. Dann ist da noch Fredrik Bergh (Bloodbound, Street Talk), ein weiterer außergewöhnlich erfahrener und talentierter Musiker, der ebenfalls Keyboards zum Album beigesteuert hat. Mit einer solchen Crew und einer solchen Stimme ist klar, dass auch »Epical« ein ganz eigenes musikalisches Dossier und Bild trägt. Es hält nicht nur die außergewöhnliche Qualität von Morattis früheren Werken aufrecht, sondern zeigt Inspiriertheit und ist ein neues Dokument unversiegbarer Kreativität.   

Die Songs klauen sich gegenseitig die Aufmerksamkeit. Eine der anderen. Favoriten herauszuheben fällt schwer. Aber das sind vor allem die Songs, bei denen das Refrainformat in ein bombastisches Drama-Crescendo geführt wird. Das ist im AOR-Genre eigentlich eine allgemeine Beobachtung, was bedeutet, dass es für jeden Song des Albums »Epical« gilt – aber überzeugender sind eben jene, wo diese Bombastik beim ersten Hören besonders intensiv zugreift. Dazu gehören die eröffnende Can I Hold You For A While und die abschließende Strangers. Ihnen schließen sich mühelos (der Reihe nach) an: Masquerade, dann Nothing Left To Say und das stürmisch positive Valerie, dem in dieser Ausstrahlung For The Rest Of My Life und die zweite Single des Albums Love folgen. Besonders dramatisch im Refrain sind Hold On und Crash And Burn (beide mit einer ähnlichen Ausstrahlung wie Masquerade). Damit ist schon fast das gesamte Album aufgezählt, was bedeutet, dass ich nichts gesagt habe – oder aber alles.

Also? Rob Moratti bleibt mit »Epical« ein Musiker, der in der heutigen Zeit die besten Alben auf Basis der AOR-Musik der Achtziger liefert. Mit außergewöhnlichen kompositorischen Talenten, tadellosen vokalen Qualitäten ohnegleichen und einer hervorragenden Crew musikalischer Stars, die ihn im Studio begleiten, bewahrt »Epical« jene außergewöhnliche kreative Potenz und den Schwung, die das großartige Album »Victory« vor 12 Jahren so begeisternd verkörpert hat. Glaubt es mir. In diesem Genre-Format ist es im Jahr 2023 kaum möglich, es noch besser zu machen.

Autor: Aleš Podbrežnik

Tracklist:
1. Can I Hold You For A While
2. Masquerade
3. Nothing Left To Say
4. Valerie
5. Hold On
6. For The Rest Of My Life
7. Stay The Night
8. Love
9. Crash And Burn
10. You Keep Me Waiting
11. Strangers

Besetzung:
Rob Moratti – Gesang, Backing Harmonies
Joel Hoekstra – Rhythmus- und Sologitarren
Pete Alpenborg – Rhythmusgitarren und Keyboards
Tony Franklin – Bassgitarre
Felix Borg – Schlagzeug und Perkussion, Keyboards auf Track Nr. 11

Gastmusiker:
Fredrik Bergh – Keyboards auf Track Nr. 6


Rob Moratti – „Epical“ (Frontiers Music Srl., 2023)
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