Seventh Wonder: The Testament
Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 10. 6. 2022
Produktion: Seventh Wonder
Albumlänge: 53.11 min.
Genre: Progressive Metal
Wertung: 9.0/10
Seventh Wonder sind Progressive-Metal-Musiker aus dem schwedischen Stockholm, gegründet im Jahr 2000. Es handelt sich um eine außergewöhnliche, aber allzu oft zu Unrecht übersehene Truppe erstklassiger Musiker, denen das Aufnehmen von Alben vergleichsweise gemächlich von der Hand geht. Mit dem Wechsel zu Frontiers Music Srl. bleibt zu hoffen, dass Seventh Wonder nun auch ein breiteres Publikum erreichen. Das neue Album, »The Testament«, ist erst das insgesamt sechste Studioalbum der Band, die offenbar erst dann ein Album veröffentlicht, wenn sie zu 110% überzeugt ist, dass das aufzunehmende Material bis ins letzte Detail optimiert wurde.
Das Vorgängeralbum »Tiara«, das als Konzeptalbum angelegt war, hat die Qualitätslatte erneut höher gelegt – vielleicht höher als je zuvor in der Karriere der Band –, weshalb es schwer vorherzusagen war, ob Seventh Wonder mit »The Testament« dieses hohe Qualitätsniveau zumindest halten können. Das neue Album kommt ohne Konzept aus, und die Texte sind diesmal in erster Linie von der Beobachtung der seltsamen Wege inspiriert, die die Menschheit in den letzten Jahren einschlägt. Was heißt „letzten“? Seit ganzen Jahrtausenden schon, denn Erfahrungen lehren uns nichts.
Seventh Wonder sind eine Band, die sich unter dem Einfluss von Shadow Gallery, Dream Theater, Symphony X entwickelt hat, wobei sie in jeder Hinsicht dem kompakten Songwriting treu geblieben sind, das auf stimmungsmäßige Höhepunkte in ausgesprochen eingängigen und musikalischen Refrainmelodien ausgerichtet ist. Die exzellente Chemie untereinander, die diese Progressive-Metal-Meister entwickeln, ist auf dem Album erneut im Überfluss vorhanden, und das Wahrnehmen – der gegenseitige Dialog der Instrumente – ist schlicht verblüffend. Geradezu verschwenderisch großzügig für die Ohren des Hörers. Die Krönung der ganzen Geschichte von Seventh Wonder ist natürlich der überaus charismatische, emotional tiefempfundene und technisch brillante Gesang von Tommy Karevik, der ansonsten als Sänger der weitaus bekannteren amerikanischen Metal-Band Kamelot tätig ist. Seventh Wonder sind jedoch Kareviks Heimatband, und man kann sich kaum ein Studioalbum vorstellen, bei dem er fehlen würde. Stellt man Seventh Wonder auf die Waage ihrer schwedischen Landsleute Evergrey, ist die Musikalität zweifellos der engste Verwandtschaftsparameter – mit dem Unterschied, dass Seventh Wonder in technisch komplexen Spielereien deutlich ausgefeilter sind, aber niemals so ausgeprägt düster wie Evergrey. Dank ihrer außergewöhnlichen technischen Versiertheit können sich Seventh Wonder auch das Schreiben von „schlangenartigen“ Kompositionen leisten, die im progressiven Sinne deutlich aufregender und interessanter sind, ohne dabei den roten Faden der Kompaktheit zu verlieren. Sie können sich auch rein instrumentale Stücke leisten, wie etwa auf dem neuen Album das Stück Reflections, bei dem die Inspiration durch das frühe Schaffen von Dream Theater noch deutlicher hervortritt.
»The Testament« ist die Fortführung des Weges, den »Tiara« eingeschlagen hat. In jeder Hinsicht gleichwertig, aber erfreulicherweise anders. Es wirkt gelöster und spricht den Hörer etwas direkter an. In dieser Hinsicht bringt es auch mehr das Gefühl hochoktanigen Glanzes und Drive mit sich, was damit zusammenhängt, dass die Band sich diesmal nicht mit einem Konzept und der Anpassung der Arrangements daran herumschlagen musste. An witziger Abwechslung durch längere instrumentale Passagen, synkopierte Rhythmen und intensive Stimmungswechsel, die durch mehrfache Wendungen der Leitmotive erzeugt werden, mangelt es dennoch nicht. Aber wie gesagt: Musikalität und Eingängigkeit werden dabei niemals geopfert. Selbst in der komplexesten – man könnte sogar sagen ambitioniertesten – Komposition des Albums, Under A Clear Blue Sky, hält die Band brillant das Gleichgewicht zwischen komplexer Anlage und knackiger, musikalischer Kompaktheit. Vom Album hebt sich das abschließende Elegy ab, das den Hörer wie ein Filmmusikstück anspricht und deshalb sinnvollerweise ans Ende des Albums gestellt wurde.
Während eingefleischte Fans von Seventh Wonder ihr bevorzugtes physisches Albumformat schon längst in ihrer Lieblingsalbensammlung haben, darf ich anmerken: Falls ihr Fans von klassischem Progressive Metal seid, der ein kompaktes Format sucht und es nicht zulässt, dass Kompositionen zugunsten einer Zurschaustellung technischer Muskeln auseinanderfallen, dann könnten Seventh Wonder auch mit »The Testament« die Sympathien von Power-Metal-Fans gewinnen. »The Testament« strotzt erneut vor dem außerordentlich inspirierten kreativen Momentum der Truppe. Seventh Wonder bewahren in dieser Hinsicht ihre Kompromisslosigkeit und betonen gleichzeitig, dass sie musikalisch von Jahr zu Jahr reifen und sich weiterentwickeln. Zum Glück mussten wir auf das neue Album nicht wieder acht Jahre warten wie auf das Vorgänger »Tiara«. »The Testament« ist ein echtes Progressive-Metal-Biest, das von der faszinierenden Feinmechanik skandinavischer Essenz im Streben nach makelloser Ausdrucksperfektion angetrieben wird. Eine Band, die der allgemeine musikalische Erkundungsradar viel zu oft verfehlt. Völlig zu Unrecht. Seventh Wonder bleiben ein Begriff für absolut makellose Ausdrucksinhalte des Besten, was der Progressive Metal des klassischen Lagers derzeit zu bieten hat – also jenes Lager, das durch eine Phalanx von Bands vertreten wird, die ihr Ausdrucksvokabular in großer Anlehnung an die erste Generation von Progressive-Metal-Bands geschmiedet haben.
Die Produktion ist brillant. Aufgeladen. Lebendig, dynamisch. Sie erreicht brillante Kontraste bei der Intensivierung einzelner Klangbausteine. Der Inhalt ist untereinander ideenreich und farbenfroh, entfaltet kompositorischen Witz, und die Band bringt in der reinen Expression, auch nach mehr als zwanzig Jahren, eine unglaubliche Energie im Willen zum Beweisen zum Ausdruck. So viel Herzblut, Treue und Hingabe an eine Sache, an die man glaubt und die an einem einzigen Ort konzentriert wäre – das findest du nur noch selten.
Autor: Aleš Podbrežnik
Tracklist:
1. Warriors
2. The Light
3. I Carry The Blame
4. Reflections
5. The Red River
6. Invincible
7. Mindkiller
8. Under A Clear Blue Sky
9. Elegy
Besetzung:
Johan Liefvendahl – Gitarre
Andreas Blomqvist – Bassgitarre
Tommy Karevik – Gesang
Andreas Söderin – Keyboards
Stefan Norgren – Schlagzeug

Lepo napisano, kar solzica mi je pritekla. Komaj čakam njihov koncert v Proseku.
Krasno da še kdo pozna od Slovencev to skupino. Se vidmo 4. 11. 2022 v Proseku 😀