Iconic: Second Skin
Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 17. 6. 2022
Produktion: Iconic
Albumlänge: 47.52 min
Genre: Hard Rock
Wertung: 8.0/10
Iconic sind die neue Super-Rock-Sensation, bestehend aus den Gitarristen Michael Sweet (Stryper) und Joel Hoekstra (Whitesnake), Marco Mendoza (ex-Whitesnake, ex-Thin Lizzy, ex-The Dead Daisies), Schlagzeuger Tommy Aldridge (Whitesnake) und Sänger Nathan James (Inglorious).
Initiatorin dieser neuen, den Namen nach mehr als beeindruckenden Konstellation ist das italienische Label Frontiers Music Srl., das – Hand aufs Herz – mit solchen Manövern in den letzten Jahren ein bisschen übertreibt. Nicht alle zünden, weshalb man die Begeisterung auf persönlicher Ebene erst mal hintenanstellen und stattdessen die Sinnesorgane vorschicken sollte. Denn so manches Projekt, das von besagtem Label ins Leben gerufen wird, verpufft völlig oder bringt eher Enttäuschung als irgendeinen künstlerischen Mehrwert – aufgewärmte Suppe zum zigsten Mal.
Nun, Iconic gehören in dieser Hinsicht zu den helleren Lichtpunkten. Man könnte sagen: Hier haben sich die Musiker versammelt, die nicht beim Black Swan-Projekt gelandet sind – das gilt vor allem für die beiden aktuellen Whitesnake-Gitarristen. Während Reb Beach bei Black Swan untergekommen ist, steht Joel Hoekstra eben bei Iconic. Und mit einem Komponisten vom Kaliber Michael Sweet an der Seite hat man immer ein unschlagbares Ass im Ärmel. Das gilt auch für das Debüt von Iconic.
Es erübrigt sich zu sagen, dass dieses Album allen Fans der Stammband gefallen wird. Das Album klingt stellenweise nach Whitesnake (Ready For Your Love), während Sweets vokale Präsenz im Opener Run (As Fast As You Can) kaum überrascht – er trägt die melodischen Heavy-Metal-Charakteristika, die man von seinem Songwriting bei Stryper kennt. Vom Rennen „durch Dick und Dünn“ erzählt auch Nowhere To Run, eine Art Drahtseilakt zwischen Whitesnake und Stryper, der erstaunlich kühn und unterhaltsam daherkommt und dem Projekt dabei eine ganz eigene Kontur verleiht.
Eine der besseren Entscheidungen, die das Quintett von der Beliebigkeit abheben, ist der stimmliche Kontrast: auf der einen Seite der ausgesprochen hohe, ultramusikalische Gesang von Sweet, auf der anderen der voluminöse, leicht rau angeraute und tiefer intonierte Gesang von Inglorious-Sänger Nathan James. Also ja: Einerseits vertiefen James‘ Vokalfarbe die Blues-Soul-Elemente im Ausdruck der Songs, was Iconic stärker in Richtung Hard Rock zieht (z. B. All About oder Worlds Apart), während Sweets auf Anhieb erkennbare vokale Charisma besonders gut in den „bissigeren“ Momenten funktioniert, wo das Album metallische Muskeln spielen lässt. Auch in den gemeinsamen Harmonien liefern die beiden Sänger einen bemerkenswert reizvollen Kontrast – das ist sehr gelungen, ansprechend und schlicht genau das, was man sich hier wünscht.
Hoekstra ist ein brillanter Solist, und es macht schlicht Freude, seinen verspielten Ausflügen in ultrasone Details teuflisch virtuoser Gitarren-Eskapaden zu lauschen. Über die Rhythmusfraktion muss man keine langen Worte verlieren: druckvoll, potent und in erster Linie in einen phänomenalen Produktions- und Klangraum gesetzt – sowohl im Zusammenspiel mit den bildhaften und einfallsreichen Phrasen des knisternden Gitarren-Unterbaus als auch natürlich mit beiden Lead-Vocals. James übernimmt auf dem Album die vokale Initiative.
Das Album „Second Skin“ packt und überzeugt in jeder Hinsicht – tugendhaft, glaubwürdig und ausgesprochen souverän. Man muss die unglaubliche Kilometer-Leistung der Bandmitglieder im Blick behalten: In Sachen Songwriting und Produktionsmanövern ist hier alles sonnenklar. Patzer kann es nicht geben. Darf es nicht. Die Kombination der fünf Mitglieder dieses Projekts bringt eine farbenprächtige Mischung aus der Ausdruckswelt ihrer Stammbands, die zugunsten der zutiefst musikalischen Grundzüge des klassischen Hard Rock verschoben wird – genau das war auch die ursprüngliche Absicht dieses musikalischen „Experiments“ von Frontiers Music Srl. Also: Fans melodischer Manöver im Hard Rock und Heavy Metal sollten Iconic unbedingt auschecken, besonders Fans von Whitesnake und Inglorious. Das bedeutet nicht, dass das Album nicht ein gehöriges Maß an Vorhersehbarkeit mitbringt – gerade das balladesker ausgerichtete Let You Go ist dafür ein Beispiel –, aber summa summarum stimmt die Sache insgesamt.
Autor: Aleš Podbrežnik
Trackliste:
1. Run (As Fast As You Can)
2. Ready For Your Love
3. Second Skin
4. All I Need
5. Nowhere To Run
6. Worlds Apart
7. All About
8. This Way
9. Let You Go
10. It Ain’t Over
11. Enough Of Your Love
Besetzung:
Nathan James – Gesang
Michael Sweet – Gitarre, Gesang
Joel Hoekstra – Gitarre
Marco Mendoza – Bassgitarre
Tommy Aldridge – Schlagzeug
Gastmusiker:
Alessandro Del Vecchio – Keyboards, Backing Vocals
