Fortune: Level Ground

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Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 8. 4. 2022
Produktion: Fortune
Albumlänge: 46.54 Min.
Genre: AOR
Bewertung: 8.0/10


Fortune gehören zu jenen Bands, die mit echtem Potenzial und den besten Voraussetzungen für eine Erfolgsgeschichte gesegnet schienen, als AOR-Musik in den Achtzigern auf den Wellen kommerziellen Erfolgs hoch flog. Leider hat das Glück die Gruppe nie so richtig angelacht, und nach ihrem Studiodebüt im Jahr 1985 verschwanden Fortune in der Versenkung.

Dort dümpelten sie jahrzehntelang vor sich hin. Bis zur Reunion 2016, als sie beim britischen Rockingham Music Festival wieder gemeinsam auf der Bühne standen und diesen ersten Reunion-Auftritt beim selben Festival 2017 wiederholten. Das blieb den Verantwortlichen bei Frontiers Music Srl. nicht verborgen. Das Label nahm Kontakt zur Band auf, und die Gespräche über ein neues Studioalbum kamen ins Rollen. 2019 veröffentlichten Fortune das Album »II« (Rockline Rezension) und reisten im selben Jahr zum Frontiers Rock Festival an, genauer gesagt in den lombardischen Ort Trezzo sull’Adda, der nur einen Katzensprung von Mailand entfernt liegt. Ihr Auftritt beim Festival erschien 2020 als Konzertalbum „The Gun’s Still Smokin'“ (Rockline Rezension).

Der Enthusiasmus der wiedervereinten Truppe ließ also auch in den letzten zwei Jahren nicht nach. So schrieb das Quintett genug Material für ein neues Studioalbum, dem sie den Titel »Level Ground« gaben. Fortune haben darauf die Qualität des Vorgängerwerks unter Beweis gestellt. Wieder liefern sie ein Paket erstklassiger AOR-Songs. Ja, AOR-Songs. Genau das, womit sie die Achtziger definiert und geprägt haben. Allerdings muss man bei Fortune ein bisschen aufpassen. Erstens ist da der spezifische Gesang von Larry Greene, der aufgrund seiner Eigenheiten nicht sofort jedem Fan der verschiedenen Verflechtungen von Rock-Sound und Pop-Ästhetik der Achtziger zusagen wird. Wer diesen Test bestanden hat, muss noch eine zweite Hürde nehmen: die Produktion. Schon der Vorgänger »II« war nicht gerade für die brillantesten Studiotricks bekannt, und leider kämpft Fortune auch auf »Level Ground« mit demselben Problem. Das Klangbild ist zwar gefüllt, wirkt aber irgendwie ‚erstickend‘, ‚atmet nicht‘, und die klanglichen Kontraste zwischen den einzelnen Elementen des Sounds (darunter auch Larry Greenes Gesang) sind nicht so herausgearbeitet, wie sie es sein könnten. Das ist wirklich schade, denn Fortune setzen auch 2022 den Synthesizer-Sound ein, der auf vorbildliche Weise ‚rauscht‘ – ganz nach dem Vorbild der größten AOR-Alben der Achtziger. Als hätten sie nach gut dreißig Jahren genau dieselben Instrumente wieder in die Hand genommen, die die ganze Zeit verstaubt und eingesponnen in einem alten verlassenen Studio herumstanden. Dieses Manko trifft auch die sehr, sehr gelungene Ballade Hand In Hand in der zweiten Albumhälfte. Es trifft ebenso das exzellente Solospiel von Richard Fortune, das im Mix nicht so in den Vordergrund gestellt wird, wie es sollte. Wenn der Mann auf Momenten wie dem Titeltrack richtig loslegt, wird die Enttäuschung über die nicht gerade geglückte Produktion umso größer. Das Eröffnungsstück Silence of the Heart trägt ein Intro, das man spontan mit dem Intro eines der Songs von den ersten beiden Asia-Alben verwechseln könnte.

Was Komposition und Arrangements bzw. den Stil betrifft, schulden Fortune niemandem etwas. In dieser Hinsicht halten sie das Qualitätsniveau des Vorgängers »II«. Und das bedeutet zehn mehr als gelungene Tracks, die vergangene Zeiten wieder aufleben lassen und die so manches nostalgische Herz, das die Achtziger als Teenager erlebt hat, sehr wirkungsvoll anzuklopfen wissen. Als Vergleichspunkte zu den alten Fortune bieten sich auch die Sounds von Harlan Cage und 101 South an. Dazu kommen noch: Aviator, Honeymoon Suite, Boulevard,… Kurzum: Willkommen in der Reprise der stilistischen Archaik des AOR-Sounds der Achtziger. Wie gesagt – der einzige Makel ist die Produktion. Und das ist leider eines der wesentlichen Elemente, das ein hervorragendes Album von einem guten Produkt unterscheidet. Zum Glück zieht das kompakte und qualitativ hochwertige Arrangement der zehn sehr gut eingespielten Tracks das Album »Level Ground« nach oben – sie halten eben das Niveau des Vorgängers »II«, was für die Fans dieser Band ausreichen wird. Angesichts der Tatsache, dass die Band im Jahr 2022 richtig gute Musik schreibt, wäre es wirklich sehr zu wünschen, dass sie sich einen ordentlichen Tontechniker sucht, der ihnen den Sound hinzaubert, den eine so qualitätvolle Komposition auch verdient.

Autor: Aleš Podbrežnik


Tracklist:
1. Silence Of The Heart
2. Judgement Day
3. Dangerous Things
4. I Will Hold You Up
5. Riot In The Heartland
6. Orphaned In The Storm
7. I Should Have Known You’d Be Trouble
8. Hand In Hand
9. Level Ground
10. Lunacy Of Love

Besetzung:
Larry Greene – Gesang
Richard Fortune – Gitarre, Hintergrundgesang, zusätzliche Keyboards
Bob Emmet – Keyboards
Ricky Rat – Bass
Mick Fortune – Schlagzeug

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