Axel Rudi Pell: Lost XXIII
Label: SPV / Steamhammer Records
Erscheinungsdatum: 15. 4. 2022
Produktion: Axel Rudi Pell
Albumlänge: 54.42 min
Genre: Hard Rock
Bewertung: 8.5 / 10
Axel Rudi Pell, der unverwüstliche deutsche Gitarrenheld, hat zwei Jahre nach seinem achtzehnten Studioalbum »Sign Of The Times« (2020, RockLine Rezension) wieder ein neues Studioalbum rausgehauen. Das ist »Lost XXIII«. Woher der Titel? Zwei Möglichkeiten bieten sich an: Entweder wurde die Zahl der veröffentlichten Pell-Alben falsch gezählt und das neue ist tatsächlich schon das 23. in der Reihe — oder alles geht 2023 den Bach runter. Nun, die dritte Option ist, dass beides zutrifft.
Wer Pell kennt, weiß haargenau, was er von seinem neuen Soloalbum erwarten kann. Wie die Eigenheiten des Musikers durch vier Jahrzehnte seines Schaffens zeigen, gilt das eigentlich für jedes seiner Alben. Es ist knochenharter Hard Rock. Deutsch durchgearbeitet. Mit scharf herausgestelltem Riffing der Gitarrenphrasen, gleichzeitig aber üppig unterstützt vom klassischen Sound der Hammond-Orgel, einem durchdringenden und alles umfassenden leidenschaftlichen Gesang sowie einer Rythmussektion wie Kanonendonner. Über allem thront ein außergewöhnliches Gespür für Musikalität und die Schöpfung bombastischen Drama-Theaters.
Auch »Lost XXIII« unterscheidet sich kaum von allem, was wir bisher von diesem fleißigen und hingebungsvollen Musik-Matador erlebt haben, dem der schmeichelhafte Spitzname „der deutsche Blackmore“ nicht ohne Grund anhaftet. So wie Rudi keinerlei stilistische Eingriffe in die ursprüngliche Kompositions- und Aufführungsformel duldet — die sich im Laufe seiner Karriere keinen Zentimeter verändert hat — so ungern wechselt er auch die Besetzung. Die ändert sich nur, wenn es gar keine andere Wahl gibt. Das ist bereits das vierte Album in der Besetzung mit dem legendären Rainbow- und Blue Öyster Cult-Drummer Bobby Rondinelli, der auch diesmal gnadenlos auf die Snare einprügelt. Das Team um Pell, angeführt vom ungemein charismatischen Hardline-Sänger Johnny Gioeli, bleibt dem legendären Gitarristen nach wie vor vollstes Vertrauen schuldig — und das Ergebnis dieser Stabilität ist ein neues, sehr sehr gutes Studiowerk.
Wie schon gewohnt, dominieren auch diesmal Songs in mittlerem Tempo, doch immer wieder sticht der Moment heraus, den man Ballade nennt — hier fällt er auf die längste Nummer des Albums, irgendwo in der Mitte: Gone With The Wind, in die sich auch eine Handvoll akustischer Griffe einschleicht. Etwas überraschend ist das Arrangement der zweiten Ballade des Albums, Fly With Me, in der die Gitarre innerhalb der Strophe sogar den Keyboards weicht. Auf die etwas „süßliche“ Strophe folgt eine glänzende Lösung im bombastischen Refraingesang, der Pell wieder sein gewinnendes Poker-Ass ausspielt. Dann gibt es Momente, in denen die Gruppe einen Gang höher schaltet, wie in Down On The Streets — und im Stil des Brüllens schärft das Quintett die Zähne kräftig in Follow The Beast. Traditionell und eher nach dem Vorbild altbackener Rock-Muster der Siebziger klingt das Instrumental The Rise Of Ankhoor, das das Album für das große Abschlussfinale mit dem Titeltrack vorbereitet.
Der Titeltrack — das ist natürlich Lost XXIII — ist eine weitere Komposition aus Axels Garde der kleinen epischen Suiten. Motivisch abwechslungsreich, was sich auch in den Stimmungswechseln widerspiegelt, mit einem Hauch Mysterium, Okkultismus und Verderben — das ist ein Dauermerkmal von Pells Herangehensweise (auch in Sachen Produktion, die er diesmal selbst übernahm). Eingebettet ist darin auch eine Musikalität, die mit „Arabesken“ flirtet, was die Magie in diesem melancholischen und tragischen Albumfinale noch verstärkt.
Axel Rudi Pell gibt also nicht auf. Auch mit dem neuen Album nicht. Fest im Sattel innerhalb der musikalischen Formel und Form, in der er am stärksten ist, regiert er erneut mit seinem meilenweit wiedererkennbaren Gitarrensound und -stil, der die starke Inspiration durch das Rainbow- und Deep Purple-Genie, den ikonischen Richie Blackmore, nicht verbirgt. Da überrascht es kaum, dass dieses Album just an Blackmores 77. Geburtstag erschien. Knappe 55 Minuten Spielzeit also, die in nichts enttäuschen, vollblütig, traditionell und hingegeben wirken. Wie ein erprobtes Ritual, zu dem Axel Rudi Pell spätestens alle zwei Jahre treu zurückkehrt. Auch diesmal ist es nicht anders.
Autor: Aleš Podbrežnik
Trackliste:
01. Lost XXIII Prequel (Intro)
02. Survive
03. No Compromise
04. Down On The Streets
05. Gone With The Wind
06. Freight Train
07. Follow The Beast
08. Fly With Me
09. The Rise Of Ankhoor
10. Lost XXIII
Besetzung:
Johnny Gioeli – Gesang, Hintergrundgesang
Axel Rudi Pell – alle Gitarren
Ferdy Doernberg – Keyboards
Volker Krawczak – Bassgitarre
Bobby Rondinelli – Schlagzeug

Haha, v primerjavi z Axelom so Status Quo pravi inovatorji. Ampak nemška publika je neverjetno zvesta. Tudi jaz sem precej zvest, ampak kar je preveč, je preveč. Do Mystice imam vse albume, potem pa sem naredil rez in od 2006 nisem nabavil več nobenega albuma. Celo na festivalih ne zdržim več pod odrom. Pa je dobra muzika, ampak če bi vsak dan jedel horseburger, ga najbrž tudi več ne bi mogel videt.
Hej hej! Razmišljam identično. Prav hecno je, ko pričakuješ izid albuma, potem pa ugotoviš točno to in nekak tisto pričakovanje oziroma navduševanje nad tem kar naj bi prinesel novi album, pač hitro zvodeni. Jaz mma težave pri recenzijah, ker so vse iste zaradi tega. Ko sem prejšnjo plato recenziral, sem skušal stvar predstaviti bolj biografsko…. itak pa ni kdovekako veliko cajta vsaj zame trenutno glede recenzij, tako da hehe…. še dobro da smo dobili na koncu tud recenzijo nove plate, se pa s teboj tule 100% v vsem strinjam 😀