HammerFall: Hammer Of Dawn

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Label: Napalm Records
Erscheinungsdatum: 25. 2. 2022
Produktion: Fredrik Nordström
Albumlänge: 45.50 min
Genre: Power Metal
Wertung: 8.5/10


HammerFall sind zurück. Mit dem neuen Album »Hammer Of Dawn«. Ein wachrüttelnder Titel! Hand aufs Herz: HammerFall waren noch nie wirklich zu Hause, wenn es ums Schreiben düsterer und schwermütiger Musik ging. Selbst als sie es in diese Richtung versucht haben – man denke an das Album »Infected (2011)« – hat ihnen das mehr geschadet als genutzt.

»Hammer Of Dawn« bringt keine neue Entdeckung mit sich. Weder für die Band noch für ihre Fans. Es ist aber eines der interessanteren und gelungensten Alben seit 2009, als »No Sacrifice, No Victory« erschien. Die Band hatte zwar schon früher versucht, diesen Moment einzufangen – das Zurückgreifen auf den Charakter der ersten Ära, als die kultigen ersten vier Alben herauskamen –, doch gelang ihnen dieser Wurf am überzeugendsten mit dem neuesten Album »Hammer Of Dawn«. Der Vorgänger »Dominion« aus dem Jahr 2019 (RockLine Rezension) zeigte stellenweise sogar eine ziemlich ausgeprägte ideelle Verarmung. Es wirkte, als könnte die Band kein Album mehr hervorbringen, das durch neu komponiertes Material ein ausreichendes Mindestmaß an qualitativer Konsistenz aufrechterhalten würde – die nötig ist, um das Interesse des Hörers von Anfang bis Ende eines jeden Albums zu halten.

Nun, offenbar hat das Axiom ‚Keep it simple‘ für HammerFall mit dem zwölften Studioalbum endlich die richtige Materialisierung gefunden – »Hammer Of Dawn« also. Die Reihe unwiderstehlich eingängiger hymnischer Märsche, mit der die Band beziehungsweise das neue Album aufwartet, ist auf allen Ebenen durchgehend beeindruckend und mitreißend. Sie weckt Assoziationen an die erste Dekade ihres Schaffens, als HammerFall den Großteil der Ideen hervorbrachten, für die sie in der Welt des Power Metal bis heute am meisten geschätzt und respektiert werden. Der Opener Brotherhood ist ein Track, der sofort die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Er wirkt nostalgisch. Ein Riff, das HammerFall so schon mal geschrieben haben – nur neu verpackt und ‚ein bisschen gedreht‘. Wenn du glaubst, das sei einer jener vier oder fünf interessant genug ‚recycelten‘ Tracks, der bewusst an den Anfang gestellt wurde, um die Aufmerksamkeit zu gewinnen, weil der Rest des Materials ausdrucksmäßig abflacht – dann hast du dich diesmal geirrt.

Die Band hält eine hohe künstlerische Konsistenz durch die gesamte Spielzeit aufrecht. Auf dem Album findet sich keine Ballade, die versuchen würde, die Aura des unerreichbaren Glory To The Brave einzufangen. Der langsamere Moment ist diesmal allein Not Today, das mit einer Phrase und einem Gitarrenmotiv eröffnet, das von Accept inspiriert ist, sich im weiteren Verlauf aber typisch ‚HammerFall-mäßig‘ entwickelt und nicht zur eben erwähnten Kult-Ballade der Band tendiert. Das Album will nostalgisch ansprechen – und das gelingt ihm überzeugend. Es überrascht nicht, dass HammerFall am besten sind, wenn ihre neuen Songs an die erste Phase ihres Schaffens erinnern. Ironisch genug, aber so ist es nun mal. Erst recht, wenn man an einer musikalischen Formel festhält, in der schnell alles gesagt ist und eben diese musikalische Rezeptur kaum Spielraum für das potenzielle Ausprobieren von Unerprobierten öffnet.

Hand aufs Herz – und gut so. Die Fans der Band werden diesmal mehr als begeistert sein, denn HammerFall sind in diesen (knapp) 46 Minuten neuer Musik unglaublich überzeugend darin, sich selbst aus der Ära der ersten (vier bis fünf) Alben zu imitieren. Das gilt ebenso für den hervorragenden Titeltrack mit seinem klassischen rhythmischen Heavy-Metal-Marsch, dem in puncto Bombast gleich danach No Son Of Odin in nichts nachsteht, für das aufgedreht-treibende Live Free Or Die, das abschließende No Mercy-Schrapnell, das dramatische, aber für die Ohren unglaublich invasive Venerate Me (mit King Diamond als Gast), wie auch für einen weiteren epischen Marsch namens State Of The W.I.L.D., der kurz vor dem Ende die Feder richtig aufzieht, damit sich das Album mit dem abschließenden No Mercy in der Manier eines hochoktanigen ‚Brutzeln‘ auflöst und die ursprüngliche atmosphärische Energie power-metallischer Orthodoxie entfaltet.

Also, wie gesagt. HammerFall ist es gelungen, ihre Formel aus der ersten Phase ihres Schaffens hervorragend zu recyceln. Sie gehören zu den Bands, für die es am besten ist, diesen Ansatz zu verfolgen, weil sie dann am überzeugendsten sind. Pontus Norgren bleibt ein faszinierender Gitarrenzauberer – und seine eigene Geschichte bei HammerFall. Seine Solos sind auch diesmal eine erstklassige Delikatesse. Die Gitarrenphrasen reißen eine nach der anderen mit, die Rhythmik ist durchdringend und auf eine unterschwellige Art verführerisch, und Joacim Cans liefert eine vokale Leistung, als wären keine 25 Jahre seit dem Debüt »Glory To The Brave« vergangen. Lobenswerte Arbeit, Jungs.

Autor: Aleš Podbrežnik

Tracklist:
1. Brotherhood
2. Hammer Of Dawn
3. No Son Of Odin
4. Venerate Me
5. Reveries
6. Too Old To Die Young
7. Not Today
8. Live Free Or Die
9. State Of The W.I.L.D.
10. No Mercy

Besetzung:
Joacim Cans – Gesang
Oscar Dronjak – Gitarre
Pontus Norgren – Gitarre
Fredrik Larsson – Bassgitarre
David Wallin – Schlagzeug

Gastmusiker:
King Diamond – Gesang auf Track Nr. 4


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