Heartland: Into the Future
Label: Escape Music
Erscheinungsdatum: 15. 10. 2021
Produktion: Steve Mann
Albumlänge: 60.11 min
Genre: Hard Rock
Wertung: 9.0/10
Heartland sind britische melodische Hard Rocker, die bereits 1990 auf der Szene auftauchten – als Produkt des lebhaften AOR-Pulsschlags der britischen Inseln, der damals hoch auf den Schwingen von Bands wie u.a. FM, Shy, Shogun, Dare und Strangeways ritt. Wobei, Hand aufs Herz, amerikanische Bands im West-Coast/AOR-Bereich im Vergleich zu den Genannten damals Millionen und Abermillionen einstrichen, von denen diese Gruppen trotz ihrer erstklassigen musikalischen Qualität bis heute nur träumen können.
Nun, auch Heartland zählen zu den Bands, denen es nie gelungen ist, wirklich ernsthaft auf dem Markt Fuß zu fassen. Der Umschwung beim Geldinvestment der Musikkonzerne in völlig anders geartete Bands – wir reden nämlich vom Beginn der Neunziger – hat das Seine dazu beigetragen, sodass Heartland trotz einer Reihe hervorragender Alben über die Jahre des Durchhaltens mehr schlecht als recht dahingewurstelt haben. So erschien das letzte Heartland-Album »Mind Your Head« im Jahr 2007, danach verband sich Bandkopf und Vokalist Chris Ousey mit den ehemaligen Whitesnake-Mitgliedern Neil Murray und Micky Moody bei SnakeCharmer. Nach vierzehn Jahren, als es so aussah, als wären Heartland damit begraben, hat Ousey die Band neu aufgestellt und dieses Jahr ein neues Heartland-Album herausgebracht. Allerdings ist sein treuer Weggefährte und Gitarrist Steve Morris nicht mehr mit dabei. Dennoch ist das neue Album »Into the Future« zweifellos ein echtes (melodisch-rockiges) Hard-Rock-Album, mit Momenten der Anlehnung an die Errungenschaften der AOR-Musik der Achtziger, die diesmal zwar verborgener sind als je zuvor – aber Fans der Band können es sich trotzdem bedenkenlos aus der Hand fressen. Natürlich Fans dieses Genres.
Ousey hat Heartland mit völlig neuen Mitgliedern neu aufgestellt. An der Gitarre konnte er den britischen Musikmeister Mike Slamer gewinnen, der seit vielen Jahren in den USA lebt. Wer vor allem die Album-Releases bei Frontiers Music Srl. verfolgt, dem ist der Name Slamer mit Sicherheit bestens vertraut. Er gilt nicht nur als brillanter Gitarrist, der seit den Achtzigern aktiv ist, sondern auch als äußerst geschickter Arrangeur und Produzent. Alben mit ihm in der Besetzung – egal welchem Künstler das jeweilige Album gehört (City Boy, Streets, Seventh Key, Steelhouse Lane, solo) – haben nie enttäuscht. Bei »Into the Future« kann man sagen, dass Heartland mit ihm den Kopf über Wasser gehalten haben. Das war entscheidend. Und mehr. Sie haben all ihre Klasse bewahrt, die die bisherigen Alben begründet haben, auch wenn das neue Album klanglich etwas anders ist. Vor allem auch abwechslungsreicher. Es klingt oldschool und orientiert sich stellenweise auch an den Errungenschaften des Rocks der Siebziger, wozu auch der satte Sound der Hammond-Orgeln beiträgt, die in den Arrangements eingesetzt werden – gleichzeitig tragen die Arrangements Akzente der Abwechslung (Mid-Eight-Passagen wie auch einige Übergänge), wo das neue Album sogar mit Prog-Rock-Ansätzen sympathisiert. Summa summarum ist es aber ein echter Oldschool-Hard-Rock-Album, mit einer ungemein lebendigen, dynamischen und organischen Produktion und voll ausgereiztem Sound, wo Ouseys üppiger, kraftvoller, leicht rauer und leidenschaftlicher Gesang wieder mit voller Intensität funkelt. Der Kerl verliert nichts von seiner Herzensglut in der Vokalexpression, und deshalb ist – gerade wegen seines brillanten Gesangsoutputs – »Into the Future«vollgepackt mit einem unwiderstehlichen Magnetismus. Nur dass es von der Vibration, den Arrangements und der Performance her im Jahr 2021 eher Whitesnake und/oder Free näher steht als dem AOR-Pulsschlag der Achtziger, der die Geburtsgrundlage von Heartland war.
Auch wenn das Album musikalisch gesehen mindestens fünfzehn Minuten zu lang ist, stört die Gesamtspielzeit kaum, da man auf dem Album zum Glück keine schwachen Momente findet, die dem Hörer die Zeit stehlen würden. Ousey hat auch diesmal an alles gedacht. Neben Slamer sind nämlich noch weitere wirklich erfahrene und abgebrühte Musiker im Team: Ged Rylands (Ten, Rage Of Angels, Tyketto), der deutsche Legionär Barish Kepic (Heaven’s Trail, ex-Jaded Heart), Bassist Wayne Banks (Robin Gibb) und Schlagzeuger David Anthony (Dennis De Young). Diese Jungs finden sich mit ihrer Erfahrung und ihren Talenten hervorragend in den Hard-Rock-Schuhen zurecht, und das Album ist eine qualitativ hochwertige und in jeder Hinsicht würdige Fortsetzung des Charakters und Schaffens der Band, die in der neuen Zeit allenfalls an Reife gewonnen hat, erweitert, bereichert. Auf ein höheres expressives Niveau gehoben.
»Into the Future« klingt zweifellos wiedererkennbar nach Heartland, aber deutlich aufgefrischt. Der erste Faktor ist Gitarrist Mike Slamer und sein charakteristischer Ansatz, der zweite ist Ouseys Zeit bei den oldschool-orientierten Snakecharmer, von wo er eine neue Visionärsenergie auf das neue Heartland-Album mitgebracht hat, die ebenfalls eher die klassisch britische Hard-Rock-Richtung anspricht. Hoffen wir also, dass die Energielinien und die Sternenkonstellation endlich an der richtigen Stelle sind und dass wir auf ein neues Heartland-Album weniger als zehn Jahre warten müssen. Und auch weniger als neun, acht oder sieben Jahre.
Autor: Aleš Podbrežnik
Trackliste:
1. A Foreign Land (5:22)
2. Caught Up (4:15)
3. A Living Thing (5:09)
4. Giving It All Away (4:40)
5. A Dangerous Game (4:44)
6. Climbing Your Wall (4:01)
7. Mouth To Mouth (3:49)
8. Not Guilty (5:27)
9. Bolt From The Blue (4:20)
10. White Lies (4:40)
11. Working For The Man (4:46)
12. When The Band Plays (4:16)
13. Sleeping With Lights On (4:37)
Besetzung:
Chris Ousey – Gesang
Mike Slamer – Gitarre, Keyboards
Barish Kepic – Gitarre, Keyboards
Ged Rylands – Keyboards
Wayne Banks – Bass
David Anthony – Schlagzeug
