Spektra: Overload

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Label: Frontiers Music Srl.
Datum: 6. 8. 2021
Produktion: Jeff Scott Soto & Alessandro Del Vecchio
Albumlänge: 40.26 min
Genre: Hard Rock
Wertung: 8.5/10


Spektra ist eine neue Hard-Rock- und AOR-Revival-Formation aus Brasilien, angeführt von einem Musiker namens BJ, die Anfang August dieses Jahres ihr Studio-Debüt „Overload“ veröffentlicht hat.

BJ, der bei Spektra die Rolle des Sängers übernimmt, hat Mitglieder der Bands Tempestt und JSS Band um sich geschart: Schlagzeuger Edu Cominato und Gitarrist Leo Mancini. Komplettiert wird die Besetzung durch Bassist Henrique Canale, der in Brasilien als bekannter Produzent und Komponist gilt. BJ wird in Brasilien auch für seine stimmliche Durchschlagskraft geschätzt, für seine Arbeit mit Tempestt und anderen Projekten – international machte er auf sich aufmerksam als Mitglied der Begleitband von Jeff Scott Soto sowie bei S.O.T.O., wo er seit 2009 als Gitarrist und Backgroundsänger mitwirkt.

Mit Jeff hat BJ bereits einige Alben veröffentlicht – sowohl als Teil der JSS Band (‚A Night in Madrid‘ CD/DVD, ‚Damage Control‘, ‚Loud and Live in Milan‘) als auch bei S.O.T.O. (‚Inside the Vertigo‘, ‚Divak‘, ‚Origami‘). BJ ist außerdem Mitglied der Band, mit der vor einiger Zeit die kultische schwedisch-amerikanische Hard-Rock-Formation Talisman wiederbelebt wurde, wo er Keyboards spielte und als Backgroundsänger auf den größten europäischen Festivals auftrat.

Für die Produktion des Albums haben Jeff Scott Soto und Alessandro Del Vecchio gesorgt, die auch die Arrangements der begleitenden Refrainmelodien gestaltet haben. Und das ist deutlich spürbar – durch das gesamte Album »Overload« hindurch.

»Overload« ist ein äußerst ausgefeiltes Werk. Spektra erfinden nichts Neues, aber in dem, was sie tun, sind sie überzeugend und qualitativ hochwertig. Das ist ultramuzikalischer, ansteckender Hard Rock, der sich spürbar an der Erbschaft des AOR der Achtziger bedient – der aber durch gelegentlich kräftig angespitztes Phrasing immer wieder die Grenze überschreitet und auch Metaller anspricht. Das Quartett ist technisch brilliant – das ist bei jedem Schritt des Albums zu spüren. Auch wenn sich Spektra in der vorhersehbaren Genreschablone bereits durchgekauter Formen bewegen, bei der alles der Schaffung bombastischer, sofort packender Melodien untergeordnet ist, sind technische Finesse und Scharfsinn ein wichtiger Faktor. Das Quartett bringt auf diese Weise zusätzliche Dynamik in die Songentwicklung, was die vorhersehbare Dramaturgie stellenweise geschickt kaschiert. Die Gitarrensoli sind schlicht fantastisch, besonders hervorzuheben ist auch die außerordentlich dynamische und engagierte Schlagzeugarbeit.

BJ hat sich in Sachen Gesang unter anderem enorm viel von Jeff Scott abgeschaut. Die vokale Leistung ist mehr als ordentlich. Soto und Del Vecchio haben ebenfalls Backgroundvokale beigesteuert, die ungemein eingängige Harmonien entfalten – damit sind die Leadmelodien veredelt, und das ist einer der großen Magnete beim Hören dieses Albums. Kein Wunder, da beide auch als Produzenten fungieren. Soto steuerte im Eröffnungs- (Titeltrack) Song des Albums, der zu den Höhepunkten zählt, ein Gesangsduett bei. Den Auftakt macht eben dieser Titeltrack, der sofort mit einem der besten Refrains des Albums auftrumpft – und gleich dahinter kommt Running Out Of Time. Auch der dritte Track, das mitteltempige und atmosphärische Just Because, hält das hohe kompositorische Engagement und die kreative Brillanz aufrecht, denn die Hypnose der musikalischen Anziehungskraft, nach der die Band ständig sucht, lässt nicht nach. Die Band steigert die Atmosphäre innerhalb der Songs meisterhaft und bringt den bombastischen dramatischen Höhepunkt verlässlich in jeden Refrain. Da ist auch die Ballade Since I’ve Found You – die zwar entbehrlich ist bzw. besser ans Ende des Albums gehört hätte, da sie in der Mitte etwas Schwung rausnimmt. Sofort wieder auf Kurs bringen einen im weiteren Verlauf Our Love, das sich zu einer ungemein packenden Leadphrase entfaltet, sowie Breakaway, das mit einer der ansteckendsten Refrainmelodien des Albums heraussticht. Don’t Matter verdankt seine Inspiration dem Erbe von Queensrÿche aus der Zeit des Albums »Operation Mindcrime«.

Um es kurz zu machen: Der Großteil der Songs ist schlicht mitreißend und zeigt außerordentliche kompositorische und darstellerische Qualität. Deshalb überzeugt das Album im Wesentlichen auf ganzer Linie – auch wenn es sich um geschicktes Recycling bereits Gesagtem handelt. An Herzblut mangelt es ihm nicht. Fans von Talisman und den Alben, die Jeff Scott Soto veröffentlicht hat, werden hier etwas für sich finden. Unbedingt erwähnen muss man auch noch W.E.T., und Black Into Light trägt einen unverkennbaren Einfluss von Journey. Kurzum: »Overload« ist ein sehr gutes Revival-Album, auf dem sich Hard Rock und AOR kraftvoll die Hände reichen – in einem versöhnlichen und hochkontemplativen Dialog. Wer auf hochmusikalische Elemente im Heavy Rock steht, muss dieses Album unbedingt checken.

Autor: Aleš Podbrežnik

Trackliste:
1.  Overload
2.  Runnin‘ Out Of Time
3.  Just Because
4.  Since I Found You
5.  Our Love
6.  Breakaway
7.  Don’t Matter
8.  Back Into Light
9.  Forsaken
10. Behind Closed Door
11.  Lonely Road 

Besetzung:
BJ – Gesang
Leo Mancini – Gitarre
Edu Cominato – Schlagzeug
Henrique Canale – Bass


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