Robin Red: Robin Red
Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 17. 9. 2021
Produktion: Dave Dalone
Albumlänge: 48.11 min
Genre: AOR Revival / Hard Rock
Bewertung: 9.0/10
Normalerweise war Robin böse – wenn schon nicht Hot, dann wenigstens Hood. Legenden hin oder her, hier ist noch ein weiterer „Roter“: Robin Red. Robin, Mitglied der schwedischen Rockband degreed, mit der er gerade die Arbeiten am sechsten Studioalbum abschließt, entschied sich letztes Jahr, seine Demo-Aufnahmen direkt an das Label Frontiers Music Srl. zu schicken. Das A&R-Team war begeistert von dem, was es zu hören bekam. Robin hatte nämlich schon seit Jahren an ein Soloalbum gedacht. Er träumte davon, ein Album zu schaffen, das ihn zurück in die Zeit seiner Teenagerträume versetzt – als er mit den Hits von Bryan Adams und Jimmy Barnes aufgewachsen ist.
Robin holte Dave Dalone ins Boot, die treibende Kraft hinter H.E.A.T. Dalone kann einfach alles. Komponist, Arrangeur, Multi-Instrumentalist und obendrauf noch Produzent. Dalone ist damit das Zünglein an der Waage, das Reds Träume der Realität nähergebracht – oder sie sogar vollständig verkörpert hat. Der Sound dieses Albums, des Debüts „Robin Red“, deutet gelegentlich an, dass einzelne Ideen daraus auch auf einem der H.E.A.T.-Alben hätten landen können (natürlich in einem anderen Produktions- und Arrangierumfeld). Der Ansatz dürfte auch Fans des H.E.A.T.-Debüts ansprechen – wo die Dinge auf dem Album etwas sanfter werden, wie in Everlyn oder auch in manchen Palace-Momenten, ist das durchaus willkommen. Ein melodisches Rockalbum mit starker Verankerung im Sound und den Errungenschaften des AOR der Achtziger. An Pomp und Bombast mangelt es nicht. Robin Reds Gesang passt wie angegossen in diese musikalische Formel, und zwölf Songs halten eine beständige Anziehungskraft und diesen süchtig machenden Moment aufrecht, den ein solcher Genre-Revivalismus im Jahr 2021 nicht nur braucht, sondern auch einfordert.
Patzer gibt es keine. Schwedischer Perfektionismus, Fokus, Akribie und Einsatz lassen uns auch diesmal nicht im Stich. Wann immer skandinavische Musiker sich ans Schreiben machen, sind die Ergebnisse kaum enttäuschend – und das Album „Robin Red“ wird sich bei Liebhabern melodischer Rock-Elemente, die sich auch mit Pop-Einflüssen der Achtziger anfreunden können, sofort unter die Haut schleichen. Wenn nicht vorher, dann spätestens der bombastische Refraingesang von Freedom wird dich restlos davon überzeugen.
Das Album wird von einer der attraktivsten und ausgefeiltesten Kompositionen eröffnet: Don’t Leave Me (With A Broken Heart), geschrieben von Thomas Jakobsson und Björn Axelsson noch zu Beginn der Neunziger. Ursprünglich war sie für die schwedische Künstlerin Carola Häggkvist gedacht, die zwar für den ersten Demo-Mitschnitt ihre Vocals einsang, den Song aber nie veröffentlichte. Der Track landete durch eine glückliche Fügung bei Robin, der nicht lange zögerte, die Gelegenheit beim Schopf packte und damit der erste Künstler wurde, der diesen Song offiziell aufnahm und veröffentlichte. Ein Song, der dich sofort in die Mitte der Achtziger katapultiert – mit modernen Klangreizen, die trotzdem organisch und lebendig klingen – und als idealer Einstiegskatalysator dient, der dem Album den nötigen Schwung gibt und den Hörer auch im weiteren Verlauf festhält. Gegen Ende gesellt sich NItelife dazu, das jenen typisch aufschäumenden Optimismus der sorglosen Achtziger entfaltet, der für den Kompositionsstil klassischer West-Coast-Bands wie Survivor oder auch Night Ranger charakteristisch war.
Alles sitzt an seinem Platz. Die Eingängigkeit, die Musikaliät auf höchstem Niveau, der ausgearbeitete dramatisch-theatrale Moment, der eine elektrisierend atmosphärische Pomp-Grabkraft erzeugt, die perfekten Middle-Eight-Passagen (Gitarrensoli inklusive), die Einbettung der Hauptstimme in Hintergrundvokalharmonien, das Rauschen der Synthesizer nach dem Klangvorbild der Achtziger – gelegentlich abgemildert durch klassischere Retro-Hammond-Griffe – und so weiter. Über allem aber erhebt sich in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der phänomenale Gesang von Robin Red.
Zwölf Tracks, unter 50 Minuten Musik (gute 48 Min.), absolute Konsistenz in Sachen Qualität und Ausführung. Trotz klar umrissener Kompositionsvorlage, in der schon lange niemand mehr das Rad neu erfinden kann, entwickelt das Album eine willkommene und anziehende Ideenvielfalt. Offensichtlich ist das Duo Red-Dalone jenes essentielle Element der ganzen Sache, das den Wunsch weckt, dass diese kreative Partnerschaft auch in Zukunft etwas so Gutes schafft wie Robin Reds Studiodebüt.
Autor: Aleš Podbrežnik
Trackliste:
1. Don’t Leave Me (With A Broken Heart)
2. (I’m A) Bad Habit
3. Everlyn
4. Freedom
5. Midnight Rain
6. Can’t Get Enough
7. Reason To Survive
8. Heart Of Stone
9. Nitelife
10. Head Over Heels
11. Livin‘ Dead
12. Living For
Besetzung:
Robin Red – Gesang, Hintergrundgesang, Bass
Dave Dalone – Gitarre, Synthesizer, Hintergrundgesang, Schlagzeug
Mats Eriksson – Schlagzeug
Erik Modin – Percussion
Joan Eriksson – Klavier, Hintergrundgesang
Jona Tee – Orgel
Petra Eriksson – Hintergrundgesang
