Nitrate: Renegade
Label: AOR Heaven Records
Erscheinungsdatum: 30. 7. 2021
Produktion: Tom Martin, James Martin, Mickey Wilson
Albumlänge: 47.35 min
Genre: AOR (Revival) / Melodic Rock
Wertung: 8.5/10
Nitrate, britische Melodic-Rock- und AOR-Revivalisten aus Nottingham, melden sich mit ihrem dritten Studioalbum „Renegade“ zurück. Es folgt auf die Vorgänger „Realworld“ (2018) und „Openwide“ (2019), die beide hervorragend aufgenommen wurden. Bedenkt man, dass die Band erst 2015 gegründet wurde, ist die Schlagzahl an Albumveröffentlichungen bis heute mehr als beeindruckend — und spiegelt das außerordentliche Engagement und die Hingabe von Gründer, Chef, Bassist und Hauptkomponist Nick Hogg wider.
Als Inspiration nennen Nitrate die späte Rockszene der Achtziger, als Bands wie Def Leppard, Europe, Journey, Skid Row, Roxette, Motley Crue und Bon Jovi das Feld beherrschten — am nächsten kommt die Band im Sound jedoch Journey (mit den Einschränkungen, die der AOR-Revivalismus der neuen Zeit naturgemäß mit sich bringt).
Das dritte Album hält das hohe Niveau beider Vorgänger und rechtfertigt die hochfliegenden Lobeshymnen, die beide damals bei ihrem Erscheinen eingeheimst haben. Nitrate erfinden das Rad nicht neu — in der Welt des AOR-Revivals ist das schlicht unmöglich. Aber sie verstehen es ausgezeichnet, die bewährten Mittel und Hebel der immer wieder zündenden Rezeptur zu recyceln, die die Pioniere des Genres in der zweiten Hälfte der Siebziger und zu Beginn der Achtziger begründet haben. Solange der Band Songs gelingen wie etwa der starke Titeltrack, braucht sie sich um ihre Zukunft keine Sorgen zu machen.
Auf dem neuen Album präsentieren sich Nitrate mit einer leicht veränderten Besetzung. Den Leadgesang übernahm diesmal Alexander Strandell (Art Nation), und in Sachen Produktion tat sich Hogg mit Tom Martin und James Martin von Vega sowie Mikey Wilson, Mitglied von Kimber, zusammen. Tom Martin übernahm auch die Rhythmusgitarre, James Martin die Keyboards — was dazu führt, dass die neuen Songs noch ansteckender nach AOR klingen als die beiden vorangegangenen Alben. Als Mitautor eines der Stücke zeichnet außerdem Nick Workman, der Sänger von Vega und damit das dritte Mitglied der Band, verantwortlich.
Das Ergebnis klingt, gerade dank der Zusammenarbeit mit Tom und James Martin, nach einem durch und durch britisch gefärbten AOR-Revival-Album. Im Gesang und der Klangfarbe von Alexander Strandell, der gelegentlich verblüffend an den verstorbenen Shy- (und TNT-)Sänger Tony Mills erinnert, sind auch einige Parallelen zu den klassischen Zeiten der kultigen britischen AOR-Ikonen Shy zu spüren — während der Produktionsstempel sofort an Vega, aber auch an Serpentine erinnert. Kurz gesagt: Wir bleiben auf den britischen Inseln, auch wenn „Renegade“ zum Teil in Schweden und Italien aufgenommen wurde.
AOR-Revival-Fans werden definitiv auf ihre Kosten kommen, und wer schon zu viel Musik gehört hat, der wird sagen: ein solides, ordentliches Werk, das dem Erbe des Genres aus den Achtzigern treu huldigt. Unbestritten ist jedenfalls, dass es der Band mit diesem sorgfältig ausgearbeiteten Produkt — was für die ausgezeichnete Produktion und die Ausgestaltung der Arrangements insgesamt gilt — nicht nur gelungen ist, das Niveau der beiden vorangegangenen Alben zu halten, sondern auch eine neue, höhere Stufe künstlerischer Reife und klanglicher Ästhetik zu erreichen.
Autor: Aleš Podbrežnik
Trackliste:
1. Danger Zone
2. Renegade
3. You Think You’ve Got It
4. Big City Lights
5. Why Can’t You Feel My Love
6. Children Of The Lost Brigade
7. Addicted
8. Alibi
9. Lay Down Your Arms
10. Edge Of Surrender
11. Take Me Back
Besetzung:
Nick Hogg – Bassgitarre
Alexander Strandell – Gesang
Tom Martin – Rhythmusgitarre
James Martin – Keyboards
Dario Nikzad – Leadgitarre
Mikey Wilson – Schlagzeug, zusätzliche Gitarren, Keyboards
Gastmusiker:
Alessandro Del Vecchio – Hintergrundgesang
