Jernej Zoran: What Happens If I Press This Button?
Eigenveröffentlichung
Erscheinungsdatum: 21. 8. 2021
Produktion: Jernej Zoran
Albumlänge: 32.58 min
Genre: Art Rock / Instrumental Rock
Bewertung: 9.5/10
Nun ja, manche Musiker reden ständig viel und es passiert nichts, andere sind still, arbeiten und schaffen fleißig. Zur Liga der Letzteren gehört zweifellos auch der unerschöpfliche und ideenreich höchst bewegliche, herzliche Musiker aus der Dolenjska, genauer gesagt ein echter Rocker und Meister des Gitarrenspiels: Jernej Zoran.
Da ist nun sein neues Album mit dem vollblütigen Namen »What Happens If I Press This Button?«. Es handelt sich um ein neues, rein instrumentales Werk, das Jernej gewissermaßen still mit dem vorjährigen EP »Deuce« angekündigt hatte, der Anfang Januar erschien, kurz vor dem Auftritt des inzwischen allzu gut bekannten Drehbuchs, das wir in der Realität leben. Wo wir gerade beim EP »Deuce« sind (RockLine Rezension): Erwähnenswert ist, dass Jernej ans Ende des neuen Albums drei Tracks vom EP gestellt hat (das »filmische« Swamp (Oh Yeah), Blue und das »esoterische« Daydreamin‘), wobei Blue mit seinem mehr als phänomenalen Solo – in dem man u. a. auch das momentane »Abschalten« des Musikers spürt und wo die Einflüsse von Peter Green und Jeff Beck ineinanderfließen – einfach endlos hätte weitergehen können. Diese drei Stücke lassen sich als Bonus-Tracks des Albums verstehen, weshalb wir uns im Folgenden vor allem auf die ersten acht konzentrieren werden.
Wer Zorans bisherige Werke kennt, wird in etwa wissen, was ihn auch auf dem neuen Studiowerk »What Happens If I Press This Button?« erwartet. Es bedarf kaum der Erwähnung, dass ein solches Album auch von ausländischen Musikmedien mit offenen Armen unter die Rezensionslupe genommen werden kann. Es ist nämlich rein instrumental, und auch die Songtitel sind durchgehend auf Englisch. Wir wissen, dass Jernej auch Musik für den Gesang schreibt, doch diesmal spürte er, dass es Zeit war, eben ein Instrumentalalbum aufzunehmen. »What Happens If I Press This Button?« lässt sich auch als geschicktes Manöver verstehen, mit dem der Kerl seinen Namen auch jenseits der heimischen Grenzen bekannt machen will. Das Album trägt alle Voraussetzungen dafür, auch auf der künstlerischen Seite, denn es ist als Ganzes einmal mehr ein wunderschönes Werk.
Elf kürzere Tracks gehen so oft ineinander über, dass man das Gefühl verliert, mehrere Stücke zu hören. Zeitweise wirkt es, als handle es sich um einen einzigen Song mit vielen Gesichtern – obwohl dem nicht so ist. Das Album ist eine raffinierte Genre-Minestra, in der Jernej nicht nur sein vielschichtiges Aufsaugen von Inspiration und die Transformation einer breiten, vielfältigen Ideenpalette in die Sprache der Musik zeigt, sondern einmal mehr seine gesamte Brillanz bestätigt – sowohl in technischer Hinsicht als auch bezüglich kompositorischer und arrangeurischer Reife. Einige Soli sind schlicht atemberaubend. Das liegt am organischen Reichtum der natürlichen Klangpastellfarben des Albums und dem stellenweise ganz besonders »One-Take«-Moment der Solo-Inspiration, die Jernej mehrfach brillant eingefangen und auf Band gebannt hat. Es ist schwer, Favoriten zu benennen, da es sich um künstlerisch detaillierte (abgeschlossene) Stücke mit gemeißeltem, persönlich bekenntnishaftem Profil handelt, die sich auch durch gegenseitige Genre-Abweichungen musikalischer Expression voneinander abgrenzen.
Das eröffnende Titelstück ist ein schelmisch-funky Katalysator, der den Hörer in seiner Verspieltheit auf die Reise des Albums mitnimmt. Die neugierigen, aber kontemplativen Verflechtungen von Flageoletts und langen Windungen der Fretless-Bassgitarre in Meet Me At Midnight deuten bereits zu Beginn darauf hin, dass es sich um ein Stück voller mystischer Sehnsucht handelt, mit sanften und erkundenden Tönen, die sich in erster Linie dem Suchen nach musikalischer Eingängigkeit unterordnen – was für das Album als Ganzes gilt. Da ist der schelmische Rock’n’Roller Great Wide Open, und das musikalisch äußerst versöhnliche und kokette Chanse Encounters, begleitet von Nuancen des Southern Rock. In der Mitte des Albums findet sich das geheimnisvolle Antares, das besonders in arrangeurischer Hinsicht außerordentliche künstlerische Reife zeigt, wie sie Jernej Zoran auf dem neuen Album erreicht. Ein Stück mit vielen Gesichtern und Stimmungswechseln, das als eines der kreativen Highlights von Jernejs neuem Werk gilt. MCDN Station ist ein mehr als willkommener künstlerischer Sprung auf das Feld des »Balkanesken«, sowohl in rhythmischer als auch in musikalischer Hinsicht, und eine neue, eigenständige Album-Abweichung, die Jernej wunderschön mit seinem ursprünglichen Rock-’n‘-Roll-Sentiment gekreuzt hat. Astroglider ist ein Stück, dessen kompositorischen Rahmen auch Joe Satriani mühelos hätte zusammenstellen können – nur dass diesmal Jernej Zoran die Verzierungen innerhalb der Leitmotive setzt, der beim Hören von Rock-Klassikern wie David Gilmour und Jeff Beck weit mehr Inspiration findet. Zieht man die drei hinzugefügten Tracks vom EP »Deuce« ab, lässt sich sagen, dass Falling From Grace der Abschlusspunkt dieses Albums ist. Falling From Grace ist ein melancholisches Stück mit einem gemeißelten Leitmotiv, das die sinnliche, organische Wärme der unverwechselbaren klanglichen Natur von Jernejs Gitarrenspiel bietet. Man kann sagen, dass es sich um eines der schönsten Beispiele handelt, das auf einmal nicht nur Jernejs Kompositionsstil vorstellt – der seinen kreativsten Höhepunkt erreicht hat –, sondern auch Jernejs Persönlichkeit als musikalischen Künstler präsentiert. Eine Fülle an Feinheiten. Der geschickte Einsatz des Tremolos bzw. seine Einbettung ins Herzstück des Stücks, eine Reihe feiner kombinierter Pull-off-Zieher, und überhaupt die ständig raffinierte Platzierung der Töne und die gesamte filigrane Feinmechanik, die dazugehört – das alles ist nur das Tüpfelchen auf dem i der brillanten gitarristischen Aussage dieses Gitarren-Matadors. Den Höhepunkt all dessen zeigt eben das abschließende Falling From Grace.
Jernej Zoran hat seine Mission einmal mehr mit makellosen Auszeichnungen erfüllt. Angesichts des hohen, kreativ-expressiven Standards, den er auf seinen bisherigen Studioalben nach und nach entwickelt hat, ist es erfreulich, dass Jernejs Kreativität dieser Art keineswegs versiegt. Zieht man also unter die musikalische Substanz des Albums »What Happens If I Press This Button?« den abschließenden Schlussstrich, gilt nur noch folgende Erkenntnis: »Jernej. Wir sind wählerisch geworden und wollen mehr! Hut ab für ein weiteres brillantes Werk.«
Autor: Aleš Podbrežnik
Trackliste:
1. What Happens If I Press This Button?
2. Chance Encounters
3. Meet Me At Midnight
4. Great Wide Open
5. Antares
6. MCDN Station
7. Astroglider
8. Falling From Grace
9. Swamp (Oh Yeah)
10. Blue
11. Daydreamin‘
Besetzung:
Jernej Zoran – Gitarre, Bassgitarre, Keyboards
Darko Vlahović – Bassgitarre
Brian Petry – Schlagzeug
Miro Tomšič – Schlagzeug
