The End Machine: Phase2

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Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 9. 4. 2021
Produktion: George Lynch & Jeff Pilson
Albumlänge: 55.08 min
Genre: Hard Rock
Wertung: 8.5/10


The End Machine ist eine weitere Hard-Rock-Formation, hinter der die Auftraggeber von Frontiers Music Srl. stecken. Während das Debüt des Quartetts aus dem Jahr 2018 unserer Redaktion irgendwie noch durch die Lappen gegangen ist – bei all den Projekten, in die Gitarrist George Lynch gleichzeitig verstrickt ist, ist es schließlich fast unmöglich, den Überblick zu behalten –, ist »Phase 2«, das zweite The End Machine-Album, nicht mehr zu übersehen. Eine Entschuldigung wäre schlicht nicht zu finden gewesen.

Das Debüt wurde im Grunde von einer Musikerriege eingespielt, die einst drei Viertel der klassischen Dokken-Besetzung ausmachte: neben Lynch noch Bassist Jeff Pilson (Foreigner) und Schlagzeuger Mick Brown. Für die Arbeit am neuen Album zeigte Letzterer allerdings kein Interesse mehr – er soll in offiziellen Statements sogar seinen musikalischen Ruhestand erklärt haben. Dramatisch ist das aber nicht, denn seinen Platz hat kurzerhand Bruder Steve eingenommen, der das gesamte Schlagzeugmaterial auf »Phase2« eingespielt hat. Von Anfang an war die Grundidee – beziehungsweise der Wunsch des Labels – dass sich die drei Teile der klassischen Dokken-Besetzung mit einem absoluten Killer-Vokalisten zusammenfinden. Einem Sänger, der den Hörer buchstäblich von den Füßen reißt. Den fanden sie in Robert Mason (Warrant, Lynch Mob). Und die Wahl war mehr als treffend. Klar war von Anfang an der Grundgedanke des Labels: Das Ganze soll an Dokken erinnern. Zumindest ein bisschen.

Auch mit dem zweiten Album bestätigen The End Machine, dass das Komponisten-Duo Jeff Pilson und George Lynch schlicht traumhaft funktioniert. Mehr noch: Verglichen mit dem Debüt wirkt das Album noch souveräner, engagierter, entspannter – und deshalb in Sachen Eingängigkeit, Eingrabens-Qualität und Zugkraft überzeugen The End Machine damit noch schneller. Als wäre das Debüt nur das Aufwärmen gewesen. Bei einer Gitarren-Persönlichkeit wie George Lynch erwartet man immer ein ganz besonderes Hard-Rock-Album, das 2021 freilich nicht mehr überrascht – der Charakter dieses Musikers hat in seiner langen Karriere so viele Manifestationen durchlebt, dass man im Voraus ziemlich genau ahnt, was er auch mit neuem Material liefern wird. Fans von Dokken und Lynch Mob werden »Phase2« sofort als ihr Ding begreifen. Also: The End Machine sind kein »Ausbruch« in Jam- und Experimentier-Sphären, sondern das klare Statement einer erstklassigen Bluesy-Hard-Rock-Formation, die unglaublich hörbares und zugpackendes Material liefert – mit organisch lebendiger und fetter Produktion, einem verinnerlichten Groove, den die Klangelemente des musikalischen Mosaiks kontrastreich zum Strahlen bringen, und allem voran einer unglaublich geschickten Kompositionsarbeit, bei der alle vier Bausteine nicht nur hervorragend miteinander harmonieren und sich ergänzen, sondern sich gegenseitig auch enorm viel Raum lassen, damit ihre Talente in voller Intensität strahlen können. Robert Mason ist ein außergewöhnlicher Sänger. Theatralisch, auch eitel und lausbubenhaft. An keiner Stelle des Albums mangelt es an Leidenschaft und Emotion, und sein sinnliches Chamäleonwesen ist schlicht verblüffend – was die fantastische Ballade Scars eindrucksvoll unter Beweis stellt.

Das Album ist mit elf Tracks gute 55 Minuten lang, und der eine oder andere Song hätte vielleicht auch für eine dritte Fortsetzung aufgespart werden können. Die Frage ist, was im Vertrag zwischen Frontiers Music Srl. und den Jungs steht und in welche Projekte das Label in den kommenden Jahren sein Geld stecken wird. Eines steht unbestreitbar fest: Lynch und Pilson haben einmal mehr bewiesen, dass sie ein Traum-Komponisten-Team sind. Lynchs unglaubliche ideenreiche Flexibilität ist schlicht beeindruckend – der Musiker unterzeichnet schließlich für mehrere Alben pro Jahr. »Phase2« ist ein Album, auf dem Lynchs gitarristische Brillanz wieder unangetastet ist und in voller Intensität strahlt. Der Gitarrist ist schlicht in jedem Moment genau am richtigen Platz. In seiner Ideenflexibilität und Bildkraft ebenso wie in seiner sinnlichen Feinfühligkeit, bei der die Farbigkeit der Töne seines Gitarren-Ausdrucks nahezu grenzenlos scheint. Diese Flexibilität ermöglicht ihm erstklassiges Slalomfahren zwischen außergewöhnlicher musikalischer Attraktivität, bluesy Groove-Feeling und höchster virtuoser Bissigkeit. Die Songs entstanden schnell, strahlen aber außergewöhnliche Geschliffenheit und Vollendung aus. Das sind Erfahrung und Kilometerfresser-Qualität. Die Bausteine des Klangbilds atmen mit ganzer organischer Lebendigkeit. Die Kontraste sind faszinierend, und auch Steve Brown hat bewiesen, dass er mehr als würdiger Ersatz für seinen Bruder ist. Mehr noch: Die Rhythmusfraktion mit Pilsons pulsierend reißendem Bass atmet mit noch mehr Frische und Energie.

Dieses Album müssen Fans von Dokken und Lynch Mob einfach haben. Trotz der stattlichen Albumlänge stehlen die Songs dem Hörer keineswegs die Zeit. Nicht eine Sekunde. Die ideenreiche Vielfalt, expressive Beweglichkeit und explosive Ausführung aller vier Bausteine ist makellos, und das Album fließt glatt und flüssig dahin – mit außergewöhnlicher dynamischer Zugkraft. Die »Groove-Kinetik« materialisiert sich in einem gleichwertigen Ertrag wie die musikalische Eingrabens-Qualität der fein geschmiedeten Refrainmelodien – das ist ein besonderer Reiz der Alben, auf denen George Lynch auftaucht, und auch »Phase2« ist da keine Ausnahme. Ein wunderbares Werk.

Autor: Aleš Podbrežnik

Trackliste:
01. The Rising
02. Blood And Money
03. We Walk Alone
04. Dark Divide
05. Crack The Sky
06. Prison Or Paradise
07. Plastic Heroes
08. Scars
09. Shine Your Light
10. Devil’s Playground
11. Born Of Fire
12. Destiny

Besetzung:
Robert Mason – Gesang, Backing Vocals
George Lynch – Gitarre
Jeff Pilson – Bassgitarre, Keyboards, Backing Vocals
Steve Brown – Schlagzeug, Backing Vocals


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