Secret Sphere: Lifeblood

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Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 12. 3. 2021
Produktion: Aldo Lonobile
Albumlänge: 51.48 min
Genre: Power Metal
Bewertung: 9.0/10


Secret Sphere sind italienische Power-Metaller, die in diesem Jahr ihr 25-jähriges ununterbrochenes Bestehen feiern. Die Erinnerung ist noch sehr lebendig an jenen fernen 24. 2. 2010, als sie den Konzertabend vor Freedom Call und den Headlinern – den Hamburger Legenden des Power Metal – Gamma Ray im Boogaloo in Zagreb eröffneten. Obwohl sie damals bereits ihr sechstes Studioalbum in der Tasche hatten, waren sie den Besuchern eine ziemlich große Unbekannte. Nach dem Album »Archetype«, das Secret Sphere auf jener Tour vorstellten, erschienen im vergangenen Jahrzehnt nur noch zwei weitere: »Portrait Of A Dying Heart« (2012) und »The Nature Of Time« (2017). Nach vier Jahren Pause kehren sie nun also mit dem neunten, »Lifeblood«, zurück.

Secret Sphere wird von Anfang an vom exzellenten Gitarrenvirtuosen und Produzenten Aldo Lonobile geleitet. Er ist auch ein unglaublich profilierter und versierter Musiker, wenn es ums Komponieren von Musik geht. Neben seiner sehr guten Musik in seiner Stammband ist Aldo stets auch bei den Verantwortlichen von Frontiers Music Srl. sehr gefragt, da er eine Menge hervorragender Musik für eine Reihe von Label-Projekten geschrieben hat, wie u.a.: Archon Angel (mit Zak Stevens von Trans-Siberian Orchestra, Circle II Circle und Savatage am Mikrofon), weiterhin Sweet Oblivion (mit Geoff Tate von Queensryche am Gesang) sowie für Timo Tolkkis (ex-Stratovarius) Projekt Avalon. Kurz gesagt, seine Talente werden vom Label Frontiers Records Srl. äußerst geschickt genutzt. Nun, vier Jahre vergingen wie im Flug, und »Lifeblood« ist ein weiteres sehr gutes, geschickt komponiertes und klanglich ausgereiftes Power-Metal-Werk, das nach der Tradition des italienischen Zugangs zum Genre stark auf neoklassische und sinfonische Elemente setzt. Ihr wisst ja: Aus demselben Land kommen schließlich auch alle Vivaldis, Puccinis, Verdis … Andererseits lässt sich auch ein Flirt mit Progressive Metal ausmachen, den einige Taktwechsel sowie die einfallsreichen Arrangements der Middle-Eight-Passagen ankündigen. Secret Sphere sind eine Art Geschichte, die Kennern von Labyrinth sowie Rhapsody (und aller möglichen Variationen der Band) sehr gefallen wird; auf jeden Fall kommen einem Bands wie Firewind oder Stratovarius in den Sinn (schon allein wegen des Kreuzfeuers zwischen Gitarren- und Keyboard-Soli), aber auch die amerikanischen Prog-Metaller Symphony X – vor allem im arrangementtechnisch enorm abwechslungsreichen Solitary Fight oder im abschließenden The Lie We Love. Aber wie gesagt: Dieses Album wird auf Schritt und Tritt von einer ultra-melodischen sinfonischen Färbung nach bewährter italienischer Rezeptur begleitet. Das Ganze wird anziehend für alle sein, die den Projekten folgen, hinter denen Magnus Karlsson steckt.

Die zentrale Figur, in der Secret Sphere den Großteil ihres Drama-Theaters – oder wenn ihr so wollt: ihrer bombastischen Atmosphärik – entfalten, sind die ungemein eingängigen Refrains, die auf »Lifeblood« wieder en masse auftauchen. Darauf macht bereits der eröffnende Titeltrack aufmerksam, das bestätigen weiterhin The End Of An Ego und im Anschluss Against All The Odds. So gut optimiert wären sie freilich nie ohne den hervorragenden Sänger Roberto Messina. Die Tracks sind überwiegend schnell, ja sogar brachial schnell – der Motor dafür ist das gnadenlose Treten des Doppelbassdrum-Pedals, das die Songs in einem außergewöhnlichen Tempo- und Energieschwung hält. Lückenbüßer gibt es keine. Die Tracks sind raffiniert ausgefeilt und schwanken in ihrer Qualität nicht voneinander. Es ist ein echtes Vergnügen, den Gitarrensoli und all den unglaublichen Licks zu lauschen, in denen sich die technische Perfektion von Aldo Lonobile manifestiert. Ebenso ist der autoritäre, klare, musikalische, durchdringende, markante und explosive Gesang von Messina ein echter Balsam für die Ohren – er überträgt seine ausgeprägte Stimmkraft mühelos zwischen den Lagen. Endlich wieder ein Sänger, der das »Zusammenpressen« der Stimmbänder völlig vermeidet.

»Lifeblood« ist ein außergewöhnlich reifes und ausgereiftes Werk, das den Reichtum an Erfahrungen und die konkreten zurückgelegten Kilometer des Bandweges widerspiegelt. Secret Sphere bleiben ihrer bewährten und erfolgreichen musikalischen Rezeptur treu. Damit überraschen sie nicht mehr. Aber das ist ohnehin weder zu erwarten noch zu verlangen. Liebhaber epischer Manöver, ultra-musikalischer Eingängigkeit und außergewöhnlicher technischer Profilierung, was die präzise Ausführung »auf Klick« betrifft, werden mehr als zufrieden sein, wenn sie mit der musikalischen Substanz des Werkes in Berührung kommen.  Auch was die dynamische Entwicklung des Albums betrifft, ist diese durchgehend auf hohem Niveau. Jede Menge atmosphärischer Umbrüche, Sprünge zwischen ruhigen Passagen und brachialen Parts. Kurz gesagt: ein Album, das keinen einzigen Moment lang enttäuscht. Das ambitionierteste Stück des Albums befindet sich genau an seinem Ende – The Lie We Love, der Höhepunkt dieses hochgradig ausgearbeiteten Komponierens. Power-Metal-Liebhaber, auch die am meisten »Verwöhnten«, werden definitiv auf ihre Kosten kommen. Ein Album, das sich aufgrund seiner unglaublichen Musikalität sofort unter die Haut schleicht.

Autor: Aleš Podbrežnik

Tracklist:
1. Shaping Reality
2. Lifeblood
3. The End Of An Ego
4. Life Survivors
5. Alive
6. Against All The Odds
7. Thank You
8. The Violent Ones
9. Solitary Fight
10. Skywards
11. The Lie We Love

Besetzung:
Roberto Messina – Gesang
Aldo Lonobile – Gitarre
Gabriele Ciaccia – Keyboards
Andrea Buratto – Bass
Marco LazzariniSchlagzeug


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