Chez Kane: Chez Kane

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Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 12. 3. 2021
Produktion: Danny Rexon
Albumlänge: 46.43 min
Genre: AOR/Hard Rock
Bewertung: 9.0/10


Erinnerst du dich an den Song First Time von 1988 der Sängerin Robin Beck, der in der Werbung für dieses standardmäßig schädliche Getränk namens Coca-Cola verwendet wurde? Eine brillante Komposition, ein brillanter Rock-Evergreen. Jeder Gedanke daran – und an die sexy Robin – könnte nicht süßer sein.  

Spulen wir vor in den späten Herbst 2009. In den Ort Ronke, der im slowenischen Grenzgebiet liegt. Dort traten an jenem längst vergangenen Abend die amerikanischen AOR/Glam-Metal-Jungs House Of Lords auf. Du liest richtig – denn Bandchef James Christian ist tatsächlich mit Robin Beck verheiratet. Ein weiteres wichtiges Detail war der Auftritt der Band Kane’d. Drei Mädchen, genauer gesagt Schwestern aus Wales, eröffneten den Konzertabend für House Of Lords und verblüfften schon damals mit ihrer unverwechselbaren Art. Unter ihnen drehte eine blutjunge Chez Kane ihre Runden auf der Bühne und streckte die Stimmbänder. Wenn wir gut zehn Jahre in die Zukunft springen, hatte der Chef der skandinavischen Melodic-Rock-Band Crazy Lixx, Danny Rexon, das schlummernde Talent ins Visier genommen: Er knüpfte einen Kontakt zu ihr und schrieb, arrangierte, spielte alle Instrumente ein und übernahm die Albumproduktion – kurz gesagt alles, was nötig war, damit die Frau ihr gleichnamiges Studio-Debüt veröffentlichen konnte. Sie selbst brachte ihren brillanten Gesang mit, der im musikalischen Umfeld, das Rexon entworfen hat, mit ganzer Intensität und charakteristischem Glanz erstrahlt.

Als Rexon die Kompositionen für dieses Album entwarf, hatte er dabei stets die Restauration radiofreundlicher Hits der Achtziger im Kopf und vor Augen, die von Frauenstimmen angeführt wurden. Eine davon – Robin Beck – haben wir schon erwähnt; die anderen sind natürlich Lita Ford, Ann & Nancy Wilson (beide Heart), Vixen, oder etwa Pat Benatar, Johanna Dean,… Das Album »Chez Kane« ist tatsächlich auf gewisse Weise eine Reflexion jener fernen Zeiten. In erster Linie aber nicht wegen des Gesangs von Chez Kane, der zweifellos das i-Tüpfelchen setzt, sondern vor allem wegen der Kompositionsweise, die diesem Gefühl der Achtziger-Rekreation ihr Fundament gibt. Vielleicht war das „Abschreiben“ sogar eine Spur zu viel. Der Refrain in Ball ‚N Chain zieht für einen Moment den Hit Heaven is a Place on Earth von Belinda Carlisle heran.

Das Debüt »Chez Kane« ist ein hervorragendes Album eines unglaublich gelungenen Revivalismus jener Zeiten. Als hätten die Achtziger nie aufgehört. Rexon ist unglaublich erfahren, und für ihn war die Herausforderung, dieses Album zu schaffen, ein höchst willkommener Karriere-Moment, um sich vom Schreiben neuer Musik für Crazy Lixx zu lösen, was tatsächlich nichts Neues gesagt hätte. Die Zusammenarbeit mit Chez Kane bringt in dieser Hinsicht eine unglaubliche Frische, die das Bild dieses Albums verkörpert – und wofür wir hoffen, dass es in diesem hervorragenden Gespann, in dem zwischen den beiden Musikern eine Art „Lockdown-Magie“ herrscht, noch lange nicht das letzte Mal ist. Die Produktion ist für 2021 durchaus aufgefrischt. Dennoch hat Rexon die Arrangements mit dem rauschenden Sound der Achtziger-Synthesizer ausgestattet, mit packenden Vokalharmonien, die der Leadstimme beigesellt werden (besonders siegreich in Die In The Name Of Love), mit einem kokett zugespitzten Rhythmikformat, durchdringenden Gitarrenfiguren, ungemein flüssigen Modulationen in den Mid-Eight-Passagen (Soli inklusive), sogar zusätzlichen Loops (Get It On), der Integration von Saxophonen – und das gesamte Produktionsbild erreicht eine anziehende atmosphärische Kontrastwirkung. Es gibt auch einen Song, in dem Chez wie eine echte Femme Fatale wirkt (Too Late For Love).  

Rexon ist vom Teufel geritten. Für diese Art des Komponierens brauchst du nicht nur Talent und eine große kompositorische Ader, sondern musst dabei immer die Sängerin oder den Sänger vor Augen haben, für die oder den du die Musik schreibst. „Wie wird die Sängerin reagieren, wenn ich diese Form verwende?“ – und ähnliche Fragen des „einfühlsamen Vorausahnens“, auf die man eine Antwort finden muss.  Und Rexon hat seine Arbeit im Gespann mit Chez Kane auf höchstem Niveau erledigt. »Chez Kane« ist eines der besseren Alben, was den Revivalismus der Achtziger betrifft, die in diesem Jahr oder in den letzten paar Jahren erschienen sind. Es gibt zehn Songs. Gute drei Viertelstunden Musik. Zwischen den Tracks gibt es keine Qualitätsschwankungen, und die Favoriten wählst du selbst. Wer dem Geist des West-Coast-AOR-Prinzips der Achtziger zugetan ist, wird sich mit dem Charakter des Albums »Chez Kane« schnell anfreunden.

Die Favoriten wählst du selbst. Aber spätestens die Songs All Of It und Rocket On The Radio, die nacheinander aufgefädelt sind, lösen dir ohne Zögern eine Gänsehaut aus. Gemeißelte Achtziger. Wenn du all diese Informationen aus diesem Rezensions-Essay ausblendest und dich nur der Energie der Musik hingibst, verschwinden Zeitgefühl und Raumgefühl im Nu. Spaß. So wie die Achtziger Spaß und sorglos waren. Zeiten sprühenden Optimismus und positiver Vibes. So waren die Achtziger. Im Jahr 2021 ist das etwas unglaublich Skurriles, weshalb die Re-Kapitulation dieser Gefühle mit dem hervorragenden Album »Chez Kane« umso begeisternder und süßer ist.

Autor: Aleš Podbrežnik


Tracklist:
1. Better Than Love
2. All Of It
3. Rocket On The Radio
4. Get It On
5. Too Late For Love
6. Defender Of The Heart
7. Ball N‘ Chain
8. Midnight Rendezvous
9. Die In The Name Of Love
10. Dead End Street

Besetzung:
Chez Kane – Gesang
Danny Rexon – alle Instrumente, Arrangements

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