Primal Fear: I Will Be Gone (EP)
Label: Nuclear Blast Records
Erscheinungsdatum: 9. 4. 2021
Produktion: Mat Sinner
EP-Länge: 20.30 min
Genre: Power Metal / Heavy Metal
Wertung: 8.0/10
Willkommen, Primal Fear-Fans. Die Band hat dank ihrer langen Karriere und ihrer Beharrlichkeit heute sogar eine größere Fangemeinde als je zuvor. Mit ihren letzten Alben klettert sie auf immer auffälligere Plätze in den deutschen Musikcharts – jenen, die die Popularität harter und schwerer Klänge messen – und das ist für Primal Fear mittlerweile auch in einigen anderen Ländern des alten europäischen Kontinents ein ganz gewöhnlicher Trend geworden. Obwohl die Band seit langer Zeit nichts wirklich Neues mehr angeboten hat. Die Alben sind qualitativ hochwertig, aber die goldenen Zeiten, die irgendwo mit den Alben „Devil’s Ground“ (2004) oder spätestens „Seven Seals“ (2005) ihren Abschluss fanden – ohoho, das war vor mehr als 15 Jahren –, können sie nicht mehr überbieten.
Wie auch immer, die Qualität bleibt. Auch wenn das aktuelle, 13. Album der Band, nämlich „Metal Commando“ (2020, Rockline Rezension), stellenweise etwas dröge und ideenmäßig ausgetrocknet wirkt, hält es das Gesamtniveau aufrecht, mit dem die Band ihre Anhänger in der Vergangenheit verwöhnt hat. Von besagtem Album hat die Band eine Reihe von Singles veröffentlicht. Alle haben gezündet. Nun enthält genau dieses Album auch die Ballade I Will Be Gone, eine der besseren Nummern des Albums. Die Jungs haben sich entschieden, den Song neu zu arrangieren und ihn als Vokal-Duett aufzunehmen – dabei gesellte sich zu Scheepers die finnische Metal-Diva Tarja Turunen. Der Song ist vollständig akustisch und orchestral arrangiert und funktioniert hervorragend. Die Kombination ist zündend. Tarja ist Tarja. Da gibt es keine Zweifel. Das Endergebnis ist für Primal Fear tatsächlich etwas Neues. Genau wie angekündigt.
Nun, ungeachtet der Tatsache, dass wir diesmal nicht über einen typischen Metal-Brecher reden, wie wir ihn von einer Band vom Kaliber Primal Fear gewohnt sind, werden alle, die Aggression und das gleißende Donnern des Gitarrenspiels in Kombination mit dem Geknüppel der Doppelbassdrum vermissen, mit Sicherheit bei Vote of No Confidence auf ihre Kosten kommen – das wäre die ideale B-Seite gewesen, falls I Will Be Gone als (12- oder 7-Zoll-)Single erschienen wäre. Es handelt sich um einen unveröffentlichten Song, einen episch beschleunigten bis mittelschnellen Primal Fear-Track, bei dem man die Arrangements von Magnus Karlsson nicht überhören kann, denn besonders in der Mid-Eight-Passage entfaltet er eine giftig ansteckende Musikalität. Den Rest der EP bestreiten drei Songs, die bislang nur auf der limitierten Edition des Albums „Metal Commando“ verfügbar waren. Der Kauf der EP „I Will Be Gone“ wird die Fans der Band also auch in dieser Hinsicht zufriedenstellen, da ihnen damit kein einziger Track in ihrer ohnehin schon reichen Sammlung an Primal Fear-Veröffentlichungen entgeht. Während das Instrumental Rising Fear wie ein Prelude wirkt, würden Second To None und Leave Me Alone mühelos einige der weniger überzeugenden Momente des Albums „Metal Commando“ herausfordern und sie angesichts ihrer Inspiration sogar aus diesem verdrängen. Beiden Songs gemein ist, dass an ihnen Mat Sinner (den du an seinem rockig-nasalen Gesang erkennst) und Ralf Scheepers als Vokal-Duo beteiligt sind.
Ich will mich nicht zu lange aufhalten. Die EP „I Will Be Gone“ werden alle rechtgläubigen Fans der Band abgreifen. Und mit dieser EP bestätigt die Band, dass sie auch in einer Zeit, in der die Welt seit einem ganzen Jahr „eingefroren“ ist, atmet und sich bewegt. In ihrem bewährten Stil, der nicht enttäuscht.
Autor: Aleš Podbrežnik
Tracklist:
1. I Will Be Gone (feat. Tarja Turunen)
2. Vote For No Confidence
3. Rising Fear
4. Leave Me Alone
5. Second to None
Besetzung:
Ralf Scheepers – Gesang
Mat Sinner – Bass, Hintergrundgesang
Alex Beyrodt – Gitarre
Tom Naumann – Gitarre
Magnus Karlsson – Gitarre
Michael Ehré – Schlagzeug
