Buh : Buh
Label: Celinka
Erscheinungsdatum: 16.04.2018
Produktion: Uroš Buh
Albumlänge: 56.15
Genre: Singer / Songwriter / Art Rock
Vor drei Jahren erschien das ziemlich abgefahrene Album des Projekts N3L mit dem Titel »Natriletno kolobarjenje s praho«. Teil dieses Projekts war auch Uroš Buh, eben jener Mann, der sich in diesem Jahr in einem völlig anderen musikalischen Umfeld präsentiert. Ausdrucksmäßig. Stilistisch. Bekenntnishaft. Und als Singer-Songwriter. In dieser Hinsicht hat er eine handfeste musikalische Mannschaft zusammengestellt, die ihm hilft, all seine Ideen umzusetzen. Das Album »Buh« also – Debüt von Uroš Buh oder sagen wir ruhig der Band Buh – ist in kompositorischer Hinsicht wie auch in Bezug auf die Aussagekraft selbst (Poesie) ein sehr starkes und prägnant gezimmertes Werk, voll greifbarer bekenntnishafter Substanz.
Man kann es schwer in einen Genrerahmen pressen, was beweist, dass Uroš Buh ein vielschichtig geformter Musiker ist, der konzeptionell völlig authentisch, wahrheitsliebend und freiheitsliebend ans Werk geht. Konzeptionell unbelastet. Wenn eine Idee gut ist, vertont er sie und versucht, daraus das ausdrucksstärkste Maximum herauszuholen. Man könnte das Album als Singer-Songwriter-Werk bezeichnen, man könnte sagen, es ist extrem radiofreundlich, obwohl sein Ziel nicht die Gunst des Radios ist – was bedeutet, dass die Pop-Prämisse durch raffinierte Musikalität auf dem Album zwar gesetzt ist, aber nicht in den Vordergrund drängt; diese Prämisse spricht in der Melodie typisch »slowenisch-geografisch« an, im Übrigen handelt es sich aber um ein Art-Rock-Album, das in sanften und unpretentiösen Kompositionsrahmen sogar Anklänge an Psychedelik trägt. Darauf deutet das Eröffnungsstück Lovim dež hin, das in seiner Leichtigkeit, die auf einem schlichten Kompositionsformat ruht, eine Menge Raum öffnet für die Integration kleiner, feiner, aber klar artikulierter instrumentaler Kontrast-Einwürfe, in denen auch Platz für die Mundharmonika von Miha Erič (Prismojeni profesorji bluesa) zu finden ist. Auch wenn der Opener noch keine erste Schwalbe macht, legt er das Grundprinzip dieses Werks klar bloß, das in den Tracks von Anfang bis Ende den Aufbau intensiver Stimmungszustände und atmosphärischer Kontraste favorisiert, denn das Album als Ganzes spricht völlig unpretentiös, melodiös, träumerisch, zerebral und auch mystisch an – ja, und man kann hinzufügen, dass es einige Inspirationen aus der bekannten »Floyd’schen« Esoterik beziehungsweise aus Gilmours Soloalben trägt. Der Track Mesto gilt als einer der »härteren« und schnelleren Punkte des Albums, mit betonter Rock-Phrase, aber immer noch mit unglaublich ansteckender Eingängigkeit kompakten Komponierens, die nach und nach auch die Radiofrequenzen übernehmen müssen.
Uroš, dem Cover nach zu urteilen ein leidenschaftlicher Liebhaber durchnässter Quarz-Steinbrüche, ist ein äußerst versierter Musiker und Vokalist. Er besitzt einen variablen, in der Klangfarbe überzeugenden und qualitativen expressiven Charakter, was die Interpretation von Poesie angeht, besonders erfreulich ist aber auf dem Album sein instrumentaler Beitrag. Neben den allgegenwärtigen akustischen Elementen ist es eine warm und organisch klingende Integration der halbakustischen Gitarre, wobei besonders die einfallsreiche Integration zierlicher Übergangsornamente und kleiner solistischer Einschübe imponiert, mit denen er die Kompositionsstrukturen geschickt füllt, ihnen sogar eine Note von Mystik verleiht und – wie bereits erwähnt – angesichts des melodiösen Ambientes der Kompositionen sowie der sanften und feinen rhythmischen Kinetik einen Hauch von Psychedelik einbringt. Dabei hat Uroš offensichtlich eine Menge Blues-Musik gehört, und es ist klar, dass er auch ein großer Fan der Sanftheit und Feinheit von David Gilmour sein muss.
Buh ist auch äußerst geschickt in der schrittweisen Steigerung von Atmosphären, die langsam in ein Crescendo des gewünschten Stimmungsaufbaus gleiten. Das direkteste Beispiel für das Erreichen solcher Zustände liefert auf dem Album das hervorragende Novi časi. Beim Erreichen und Intensivieren dieses Elements handelt er auch äußerst geschickt mit einer durchdachten und raffinierten Integration zusätzlicher harmonischer Melodien, die sich an bestimmten Stellen in die Hauptvokallinie einfügen. Das Album ist voll kleiner, kurzer, aber feiner Gesten, und im Track Senca srca fügt sich in dieser Hinsicht passend auch Gombačs Fuchsschwanz ein, kompatibel kombiniert mit Buhs Pfeifen. Durch und durch ein Album, das in erster Linie auf kontrastierenden und intensiven Empfindungen aufbaut, die den Hörer mitnehmen. Die letzten drei Tracks sind auf Englisch gesungen und ans Ende gesetzt, genau deshalb, damit sie den Hörer nicht allzu sehr schocken, denn sie liefern den Sprung des Albums in eine neue energetische Vibration. Auch diese drei Stücke sind weiterhin mit großem Einsatz und im Glanz des Perfektionismus ausgearbeitet. Sie sind äußerst eingänglich gesungen und wirken in Bezug auf vokale Metrik und Betonung überzeugend anglo-amerikanisch. Dieses Aufrechterhalten der Glaubwürdigkeit auch im englischen Teil des Albums belegt und bestätigt nur Urošs große Erfahrung, die er sich über Jahre im Musikgeschäft angeeignet hat, was unweigerlich und völlig unbeabsichtigt auch sein Wirken in der Band Relight aus dem Unterbewusstsein hervorruft. Die Kompositionen folgen keiner vollständig vorhersehbaren Akkordschablone, sondern überraschen gelegentlich mit dem Hinzufügen ungewöhnlicher Wendungen, was in einer interessanten Entwicklung der Melodie selbst resultiert – ein solches Stück biegt musikalisch gesehen schließlich auf die Felder des Unerwarteten ab. Z.B. ist Come Near eines davon, ein anderes ist z.B., beide Stücke sind Bausteine, die genau am Ende des Albums den Anstieg von Elementen des Alternative-Rock-Echos bewirken.
Ein träumerisch blickendes Art-Rock-Album, das völlig unbeabsichtigt etwas von diesem dolenjski Hauch solcher slowenischer Alben trägt und intensiver an die Türen jener musikalischen Seelen klopfen wird, die Art-Rock-Berührungen von Künstlern wie Bort Ross, Dan D, EPP (alias Erik Platon) mögen, das Singer-Songwriter-Album von Daniel Vezoja »Where the Light Resides«, sogar die älteren und klassischer rockgeprägten Drevored sowie die Soloarbeiten von Jernej Zoran. Aber vergessen wir nicht, das zu betonen: »Buh« ist eine andere Art-Rock-Geschichte, mit einer ganz eigenen musikalischen Ausrichtung, einer unverwechselbaren energetischen Vibration und einem wiedererkennbaren musikalischen Charakter. Zugleich vollgepackt mit der vollblütigen Greifbarkeit kreativen Perfektionismus und Feinheit!
Autor: Aleš Podbrežnik
Bewertung: 9.5 / 10
Trackliste:
1. Lovim dež
2. Mesto
3. Poleti
4. Jutri
5. Senca srca
6. Novi časi
7. Mislim nate
8. Lov na človeka
9. A Letter to Leni
10. Come Near
11. Fearless
Besetzung:
Uroš Buh – Gitarre, Gesang
Vid Drašler – Schlagzeug
Jošt Drašler – Bassgitarre, Gesang
Ambrož Božiček – Rhodes, Hammond
Metod Banko – ak. Gitarre, Gesang
Višnja Fičor – Gesang
Miha Erič – Mundharmonika
Julijan Erič – E-Gitarre
Boštjan Gombač – Singende Säge
Rok Šinkovec – Akkordeon
Mario Babojelič – Gitarre