Feedback: Iztrošeni in predvidljivi fusion vzorci

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Eigenveröffentlichung
Erscheinungsdatum: 11. 12. 2020
Produktion: Andrej Maver & Feedback
Albumlänge: 41.19 min
Genre: Jazz-Rock Fusion/Art Rock/Blues
Bewertung: 9.5/10


Feedback sind eine der wenigen slowenischen Bands, die Jazz Rock Fusion ohne Umschweife spielen – und nicht nur das. Sie veröffentlichen natürlich auch Alben. Feedback, die in den Jahren 2008–2009 eine EP und gleich drei Studioalben herausbrachten, gefolgt 2013 vom Album »Skrivnost«, sind eine Band, die ihrer musikalischen Vision treu geblieben ist. Darin, in einem einzigen Jahr zwei Studioalben zu veröffentlichen, könnten sie sogar einzigartig in der gesamten Geschichte des slowenischen Rocks sein. Die Band, die sich bis dahin die längste Pause zwischen zwei Alben gegönnt hatte, agiert durchgehend in unveränderter Besetzung und hat alles selbst in der Hand. Unter anderem veröffentlicht und produziert sie ihre Alben in Eigenregie und bucht auch ihre Konzerte selbst. Feedback sind also eine harte Nuss – nicht nur mit harter Schale, sondern auch mit hartem Kern. Ist so eine künstlerische Freiheit nicht einfach das Schönste? Ein echtes »Indie«- und »D.I.Y.«-Team im wahrsten Sinne des Wortes.

Musikalisch gesehen schaffen Feedback etwas, das zweifellos einzigartig ist und ihnen die Türen auf jede Bühne öffnet – ob Jazz, Progressive Rock oder sogar Blues, wo auch immer auf der Welt. Warum? Weil es sich um ein erstklassiges, rein instrumentales Quartett mit einzigartiger musikalischer Charisma und eigenem Charakter handelt. Und das wird im Ausland belohnt. Die Realität, eine slowenische Jazz- und Rock-Band zu sein, ist halt so ein Kreuz – das alles zu realisieren ist nicht leicht –, trotzdem sind Feedback in jeder Hinsicht eine außergewöhnliche Bereicherung für jedes Musikgeschehen. Im breiteren Spektrum von Bands, die sich an dieser ausgefeilten Paradigmatik instrumentaler Jazz-Rock-Fusion mit Blueselementen versuchen würden, gibt es bei uns eigentlich keine. Feedback halten auch mit dem neuen Album in Slowenien – zumindest nach künstlerischem Charakter – die engste Verbindung zu dem aufrecht, was Izvir und Predmestje in den Siebzigern des letzten Jahrhunderts geschaffen haben. Zu Feedback lassen sich unter den aktiven slowenischen Bands noch Divje jezero aus Idrija und Moonlight Sky aus Ljubljana zählen – danach werden sinnvolle Vergleiche rar.

Ein großer Vorteil von Feedback ist, dass das Vierergespann von Anfang an in unveränderter Besetzung agiert. Sieben Jahre zwischen dem neuen und dem vorherigen Album – das ist eine lange Zeit. In dieser Zeit war Gitarrist Matej Magajne unter den Quartettmitgliedern am meisten in der Öffentlichkeit zu sehen, mit aktiverer Beteiligung an Kollaborationen mit Bakalina Velika und dem eher bluesorientierten Poltrona Express.

Feedback sind schlicht ein Phänomen. Miloš Leban, Andrej Maver und Matej Magajne spielen schon seit mindestens Mitte der Neunziger zusammen, Bassist Andrej Klavžar stieß 2004 dazu, als sie zum Quartett wurden. Was ich damit sagen will: Sie kennen sich in- und auswendig und sind auf höchstem Niveau aufeinander eingespielt. Und weil sie Perfektionisten sind – nennen wir sie ruhig Klangpuristen, verschrieben dem analogen Signal – haben sie auch das neue Album nach dem Vorbild eines Live-Auftritts im Studio aufgenommen. Größtenteils alles im ersten Take. Es ist auch kein Geheimnis mehr, dass ihre Musik in der Regel aus gemeinsamen Jams entsteht. Sie verwenden Instrumente, die an der Wende von den Sechzigern zu den Siebzigern die Musik auf die Rock-Weltkarte gesetzt haben. Dazu gehören u. a. das Rhodes E-Piano und die Hammond-Orgel mit Leslie-Verstärker (da ist man z. B. von Procol Harum nicht mehr weit entfernt). Magajne, der komplett ohne Plektrum spielt, gilt unter Gitarristen nicht nur bei uns, sondern auch darüber hinaus als echter Sonderling. Ich werfe nur ein, dass er Gitarre spielt wie einst Albert King oder wie es Eric Gales und Coco Montoya tun. Der Kerl hat eine unglaubliche Kontrolle beim Benden von Tönen, wobei sein solistisches Ausdrucksvokabular ein quasi grenzenloses Spektrum erreicht. Selbst wenn er eine bestimmte Note wiederholt, klingt sie jedes Mal anders. Magajne ist in dieser Tugend zweifellos einer der größten Gitarren-»Feelingser« bei uns. Deshalb hat der feinsinnige Gitarrenmeister das Plektrum schon längst aus seiner Linken (!!!) verbannt.

Also. Etwas mehr als 41 Minuten Spielzeit bestätigen, dass die Band beim Aufnehmen des neuen Albums wieder voll auf ihre Kosten gekommen ist. Verspielte und schelmische Zwischenspiele sowie sprühende virtuose Kapriolen wimmeln wieder in Hülle und Fülle. Die Band beweist erneut ihre außerordentliche Fähigkeit, eine enorme Dynamik und einen reibungslosen Fluss der Ereignisse auf dem Album sicherzustellen. Angesichts der Tatsache, dass Improvisation das Herzstück des Ausdrucks ist, könnte man meinen, Feedback wären ein ziemlich harter Brocken. Aber dem ist nicht so. Sie sind überraschend zugänglich für jeden. Das Album als Ganzes fesselt von der ersten bis zur letzten Sekunde auf begeisternde Weise. Deshalb dreht er sich auch wie im Flug, und wenn er zu Ende ist, drückst du mit Freude nochmal auf »Abspielen«. Und das, obwohl wir von einem Jazz-Rock-Fusion-Album reden. Er ist nämlich brillant ausbalanciert. Das Verhältnis von eingängigen Strukturen zu provokativen und erkundenden Solo-Akrobatik-Momenten ist ideal ausgewogen.

Das Album öffnet sanft und zart – eine Hammond-Kulisse schafft Raum für einen Solo-Gitarren-Einschub, der mit seiner Melodie die mystische Atmosphäre vertieft. Der Track heißt »Balada za Meliso«. Schon das eröffnende, sanfte »Balada za Meliso« liefert eine außerordentlich warme, organisch-samtige Klangtiefe, die die Klanglandschaft dieser Produktion prägt. Direkt danach folgt »Tiskarski škrat« mit einem verspielten, folkig harmonisierten Leitmotiv, bei dem auch die Hammond-Orgel zu solistischer Entfaltung kommt. Dieser charmante Albummoment könnte problemlos auch Radiofrequenzen erreichen. Außergewöhnliche Sensibilität und chemisches Gespür zeigen Feedback im ‚botanischen‘ »Škrlatnordeče mrtve koprive rastejo za živo mejo«, in das sich mehr Bluessentiment einschleicht. Diese Pflanze hat übrigens keinerlei Verbindung zur normalen Brennnessel, außer dass sie genauso heilsam und essbar ist (sie strotzt vor Vitamin C und Eisen). In diesem Stück zeigt die Gruppe außerordentliche Sanftheit, Geschmeidigkeit und chemisches Gespür, wenn sie ihre künstlerischen Züge dosiert und aneinanderreiht. »Gilgameš iz Uruka« ist der Albummoment, der in kompositorischer Hinsicht am delikatesten an einer einzigen Stelle die gewachsene und eigenständige Klang-Aura der Gruppe umreißt. Er vereint die musikalische und experimentelle Natur von Feedback auf die gelungenste Weise. Er enthält ein außerordentlich ansprechendes Leitmotiv, das den mystischen Eröffnungsteil aufbaut. Die Band lebt besonders aufgedreht und feurig auf und explodiert in Momenten wie dem treibenden, funkigen »Modni razmak« und »Ajde, gremo« – mit der echten Konnotation eines »Präriereitts« (Leitmotiv/Rhythmus) und einem jazzig-konkret »aufgeplusterten« Mittelteil. Die abwechslungsreichste Nummer des Albums ist »Golobradi momci«, wo auch der Jazzgehalt spürbar stärker betont wird. Ja. Ihr habt’s erraten. Es ist der »lockerste« und »abwechslungsreichste« Track des Albums. Die Band lässt im letzten Drittel des Tracks auch die Rhythmussektion in den Vordergrund treten, damit sie sich solistisch austobt, bevor am Ende nochmals das Leitmotiv erklingt. Als Schlusslicht wurde »Sladko, slano« angehängt. Es handelt sich um einen verloren geglaubten Track, der bereits 2012 aufgenommen wurde. Er sticht vom restlichen Material ab. Er würde hervorragend als Abgangs-/Schlussstück eines Filmscores funktionieren. Er trägt eine leichte psychedelische Konnotation, die bis zur Hälfte durch aufgenommene Sprache mit Botschaften vertieft wird, die nur die Mutigsten zu einem sinnvollen Ganzen zusammensetzen werden. Am besten beim Zug an einem guten selbstgezogenen Joint.

Das alles wird getragen von einer außerordentlich lebendigen Klangästhetik der Produktion und ihrer dreidimensionalen Tiefe, die beim Hören das Gefühl eines Live-Konzerts ausstrahlt. Man spürt die »Tiefenstaffelung« der Instrumente. Live sind Feedback sowieso am stärksten. Die Band legt ihr analoges Herz wieder offen wie auf der flachen Hand. Tiefer geht’s nicht. Angesichts der Erfahrung und Abgebrühtheit des Teams überrascht das kaum. Faszinierend ist aber die Erkenntnis, dass Feedback sich wirklich mit den Details beschäftigt haben und auf dem neuen Werk wieder das geliefert haben, was sie von jeher auszeichnet. Erstklassige Magie, angetrieben durch die chemische Wirkung der Bindung zwischen den Quartettmitgliedern. Sie sind sowohl feinfühlig und sanft herangegangen als auch intensiv und leidenschaftlich glühend. Die Verbindung beider Prinzipien ist schlicht bezaubernd. Das Quartett nimmt sich auf höchstem Niveau wahr und verständigt sich phänomenal in den verschiedensten musikalischen Figuren und rhythmischen Schlüsseln. Die hochgradig feinfühlige Flexibilität und reaktionsschnelle Anpassungsfähigkeit des Quartetts in dieser abwechslungsreichen Klanglandschaft ist stellenweise atemberaubend.

Feedback haben mit ihrem fünften Album einmal mehr bestätigt, dass sie eine einzigartige und unverwechselbare musikalische Geschichte sind. Weit entfernt von dem, was der eigentlich amüsante und diskutable Albumtitel behauptet. Vergleiche zu finden ist schwer. Wenn man in die Siebziger schaut, lassen sich vielleicht gemeinsame Vibes mit dem Debüt von Camel oder frühen Santana-Werken finden. »Iztrošeni in predvidljivi fusion vzorci« verführen, verzaubern und betören dich einfach. »Feedback« bleiben in dem, was sie tun, große Meister ihres musikalischen Handwerks – und kaum jemand ist ihnen ebenbürtig. Bei uns schon gar nicht. Die Jungs haben wieder ein höchst ansprechendes, rein instrumentales Werk zusammengestellt, das eine reife Weiterentwicklung früherer Leistungen darstellt. Wieder verkörpert es die große Vornehmheit und Finesse der Gruppe bei der Erreichung einer bemerkenswerten Versöhnung zwischen Komplexität und musikalischer Ansteckungskraft. Die Nebula ist geboren. Willkommen zurück, Jungs!

Autor: Aleš Podbrežnik


Tracklist:
1. Balada za Meliso (03:43)
2. Tiskarski škrat (03:36)
3. Modni razmak (05:28)
4. Gilgameš iz Uruka (04:28)
5. Ajde, gremo (5:23)
6. Škrlatnordeče mrtve koprive rastejo za živo mejo (04:25)
7. Golobradi momci (09:29)
8. Sladko, slano (04:29)

Besetzung:
Matej Magajne – Gitarre
Miloš Leban – Rhodes E-Piano, Hammond-Orgel
Andrej Klavžar – Bassgitarre
Andrej Maver – Schlagzeug

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