Devin Townsend: Order Of Magnitude: Empath Live Volume 1
Label: Insideout Music
Erscheinungsdatum: 23. 10. 2020
Albumlänge: 109.07 min
Genre: Progressive Metal/Art Rock
Bewertung: 9.5/10
Devin Townsend, kanadischer Sonderling mit tausend musikalischen Gesichtern, hat gegen Ende des ‚endlosen‘ Jahres 2020 beim renommierten deutschen Label Inside Out Music ein ungewöhnliches Livealbum mit dem Titel »Order of the Magnitude« und dem Untertitel »Empath Live Volume 1« veröffentlicht. Das Konzertdokument stammt von Devins letztem Konzertauftritt auf der Tournee zu seinem Studiomeisterwerk »Empath« (2019) – RockLine Rezension. Devins hochgeladene Band hatte damals die Konzerthalle Roundhouse im Norden Londons im Sturm genommen.
Devins charakteristische Produktionstechnik mit einer vervielfachten Klangwand – längst eines seiner Markenzeichen – brachte ihm Vergleiche mit Musikgrößen wie Frank Zappa und Robert Fripp (King Crimson) ein. Und obwohl er gelegentlich, vor allem vokal, noch in seine dunklere musikalische Seite abdriftet, sprich in (experimentell gefärbte) Death-Metal-Gewässer, hat er sich in den letzten Jahren endgültig unter die angesehensten Progressive-Rock-Musiker des 21. Jahrhunderts gespielt und mit der Zeit zumindest teilweise die große Leerstelle gefüllt, die nach dem Abgang einiger großer Namen der experimentellen Musik in den vergangenen drei Jahrzehnten entstanden ist.
Für viele sind seine Livealben sogar interessanter als die Studioalben – wegen der besonderen Energie, des Schwungs und der Spontaneität, die aus jeder einzelnen Darbietung seines bunten musikalischen Fundus herausstrahlt. Jedes neue Live- und Studiodokument eines solchen Musikmeisters ist ein Fest für alle Liebhaber experimenteller Musik, und diesmal ist es nicht anders.
Devins neueste Begleitband agierte an diesem magischen Abend in vielerlei Hinsicht wie ein waschechtes kleines Orchester und umfasste Namen wie Gitarrist Mike Keneally (ex-Frank Zappa), Gitarrist Marcus Reuter (The Crimson Projekct, Stick Men), Schlagzeuger Morgan Agren (Kaipa, Matts & Morgan, Frank Zappa), Bassist Nathan Navarro, Keyboarder Diego Tejeida (Haken) sowie vier außergewöhnlich talentierte Sängerinnen in Gestalt von Che Aimee Dorval, Samanthe Preis, Ann Preis und Arabelle Pickford. Diese haben Devins traditionell reichhaltiges Vokalrepertoire noch beträchtlich bereichert und weiterentwickelt, was besonders bei der Darbietung des ätherischen Klassikers »Spirits Will Colide« deutlich zu hören ist.
Alle Fans von Devins aktuellem Soloalbum »Empath« werden mit diesem herausragenden Konzertdokument voll auf ihre Kosten kommen, denn an jenem Abend spielte seine Band den Löwenanteil der Songs des besagten Meisterwerks sowie zahlreiche langjährige Lieblingstracks wie etwa »Deadhead«, »Lucky Animals«, »Kingdom«, »Coast«, »Gato« und »Heavens End«. Devin ist nicht nur ein vielseitiger Instrumentalist und fantastischer Sänger mit einer wunderbaren Persönlichkeit, sondern auch ein einzigartiger Bühnenunterhalter und Witzbold – eine der Haupteigenschaften, die er mit dem unvergesslichen Frank Zappa teilt. Seine witzigen Sprüche, zum Beispiel die über Plüschteddybären, sowie seine eigenwilligen Methoden, das Publikum zu motivieren, beleben das hervorragende atmosphärische Erlebnis, das dieses Konzertdokument bietet, noch zusätzlich.
Welcher andere Musiker würde kurz vor dem Ende eines Konzertauftritts spontan auf die Idee kommen, eine glänzend ausgeführte Version des Disco-Klassikers »Disco Inferno« von The Trammps aus den Siebzigern einzuschieben? Nur Devin kann auf so eine Idee kommen, setzt sie obendrein noch meisterhaft um und sorgt damit für einen der absoluten Höhepunkte des Abends.
Das neue Livealbum des ungezähmten kanadischen Meisters der unvorhersehbaren musikalischen Weiten ist Grund genug, dass so mancher beim Hören erfolgreich die Depression vertreibt, die als Folge einer ganzen Reihe viraler und ausgesprochen düster-rückschrittlicher Ereignisse im Jahr 2020 entstanden ist.
Autor: Peter „Dr. ProgRock“ Podbrežnik
Trackliste:
01. Intro (04:10)
02. Borderlands (08:54)
03. Evermore (05:21)
04. War (06:15)
05. Sprite (05:15)
06. Gigpig Jam (07:02)
07. Coast (05:08)
08. Gato (05:21)
09. Heavens End (11:02)
10. Ain’t Never Gonna Win (04:06)
11. Deadhead (07:52)
12. Why? (07:22)
13. Lucky Animals (03:06)
14. Castaway/Genesis (07:04)
15. Spirits Will Collide (04:27)
16. Disco Inferno (06:01)
17. Kingdom (07:31)
18. Empath Live Volume 1 (Dokumentarfilm) (46:01)
Besetzung:
Devin Townsend – Gesang, Gitarre, Synthesizer, Bassgitarre, Programmierung
Mike Keneally – Gitarre, Keyboards
Che Aimee Dorval – Gitarre, Gesang
Markus Reuter – „touch“ Gitarre
Diego Tejeida – Keyboards
Morgan Ågren – Schlagzeug
Nathan Navarro – Bassgitarre
Samantha Preis – Background-Gesang
Anne Preis – Background-Gesang
Arabella Packford – Background-Gesang
