Im September dieses Jahres jährte sich auch der 40. Jahrestag der Veröffentlichung von Ozzy’s Debütalbum »Blizzard of Ozz«. Das ist das Album, das die Musikkarriere des Sängers rettete.
Um ein ungefähres Bild davon zu bekommen, wie es zu dem Album kam, das Ozzy endgültig in die Solokarriere führte, müssen wir ein bisschen zurückspulen. Ans Ende der Siebziger. Black Sabbath blieben im Dezember 1978 in den USA und begannen, Material für ein neues Album zu schreiben. Ozzy war damals bis zum Äußersten in alle möglichen Arten von Sucht abgeglitten, sodass man einfach nicht mehr mit ihm arbeiten konnte. Obwohl in der Band eigentlich alle »drauf« waren und das Quartett diesbezüglich keine Heiligen kannte, war Ozzy’s Problem vor allem seine anhaltende und extreme Trinkerei. Der Druck vom Label wurde immer schlimmer, und die Band litt gleichzeitig darunter, dass Ozzy sich größtenteils weigerte, die Vocals auf das Material einzusingen, das Tony Iommi für das neue Album schrieb. So entschloss sich Iommi schließlich schweren Herzens, Ozzy zu feuern. Die Aufgabe, Ozzy die Nachricht über seinen Rauswurf aus Black Sabbath zu überbringen – was am 27. 4. 1979 offiziell wurde –, übergab Iommi dem Schlagzeuger Bill Ward, der sich mit Ozzy in der Band von jeher am besten verstanden hatte.
Dem Sänger brach die Welt zusammen. Er war überzeugt, dass alles vorbei war. Don Arden, der berühmte »Al Capone des Pop«, brachte Ozzy im Hotel Le Parc in Los Angeles unter, wo sich Ozzy im Schwall von Enttäuschung, Depression und Scham vor der ganzen Welt versteckte. Eingesperrt in einem Hotelloch, beschämt, verletzt, verzweifelt und von allen vergessen, ergab sich Ozzy dem Kokain, dem Alkohol und anderen berauschenden Substanzen, die ihm halfen, weit jenseits der Realität abzudriften. Seinen Aufenthaltsort kannten nur die Pizzaboten, die Drogenlieferanten und natürlich eine Handvoll gut informierter Groupies – Mädels, die für »eine Nacht« anstanden. Ozzy, den in England seine Familie mit seiner damaligen Frau Thelma und zwei Kindern erwartete, dachte nicht mal daran, in diesem Zustand nach Hause zurückzukehren. Überzeugt, dass Black Sabbath vorbei war, wollte er sich im Zustand der Selbstzerstörung ein letztes Mal so richtig ausleben. So verkam er, verlassen und vergessen, langsam in einem Hotelzimmer in West-Hollywood.
Doch im Gegensatz zu Ozzy’s Kleinmut hatte jemand anderes ganz andere Pläne mit ihm. Don Arden. Der sah in Black Sabbath mit Ozzy in der Besetzung nämlich ein schier grenzenloses kommerzielles Potenzial. Arden trat auch nach Ozzy’s Rauswurf aus der Band weiterhin für den Sänger ein und versuchte, ihn davon zu überzeugen, zu Black Sabbath zurückzukehren. Und das sogar noch, nachdem Tony Iommi und Ronnie James Dio im Juni 1979 bereits erste Kontakte geknüpft hatten.

So schickte Arden an einem Sommertag im Juli 1979 seine Tochter Sharon Arden, die im Unternehmen ihres Vaters in Los Angeles arbeitete, an die Tür des Hotelzimmers, in dem der verzweifelte Ozzy vor sich hin vegetierte, damit sie mit ihm reden und ihm eine Zusammenarbeit anbieten konnte. Dieselbe Sharon hatte gut einen Monat zuvor Tony Iommi mit Ronnie James Dio zusammengebracht. Das 27-jährige Mädchen ließ sich nicht so leicht einschüchtern und konnte – ganz nach dem Vorbild ihres berüchtigten Vaters – sehr überlegt und vor allem geschäftsmäßig denken. Als sie den »dahindämmernden« Ozzy mitten in einem verwüsteten Zimmer erblickte, war sie völlig entsetzt: »Er sah schrecklich aus. Wochenlang hatte ihn niemand zu Gesicht bekommen. Seine ganzen Klamotten waren verdreckt und er stank erbärmlich. Es brach mir das Herz, jemanden in einem so hoffnungslosen Zustand zu sehen.«
Doch genau dieses Treffen rettete Ozzy die Karriere. Genauer gesagt: es rettete ihn vor sich selbst. Sharon sagte zu Ozzy: »Hör mal! Wenn du dich zusammenreißt, können wir einen Vertrag aufsetzen und dich unter unsere Fittiche nehmen.« Ozzy, in dem der letzte Funken Selbstbewusstsein erloschen war, hauchte kaum hörbar: »Mich?« Eine Rückkehr – oder sagen wir: eine Wiederbelebung von Ozzy’s Karriere außerhalb von Black Sabbath – schien ein unwahrscheinlicher Erfolg. Genau deshalb, weil es unter diesen Umständen zur Erfolgsgeschichte wurde, ist Ozzy’s Comeback umso spektakulärer! Dabei war Sharon eine starke Stütze für ihn. Sie übernahm 1980 sein Management, und bekanntlich heiratete das Paar 1982.
Das zweite wichtige Glied in der ganzen Geschichte war Gitarrist Randy Rhoads. Leider war seine Zeit mit Ozzy kurz. Ozzy sagt: „Randy war ein außergewöhnlicher Musiker. Er war ein unglaublich sympathischer und lustiger Typ. Wir kamen hervorragend miteinander aus. Der Tag, an dem Randy starb, wurde zur größten Tragödie meines Lebens.“ Sharon machte Ozzy mit Randy bekannt, nur wenige Wochen nachdem sie ihn aus dem Hotel Le Parc herausgezogen hatte.
Dann folgten die Vorsprechen für einen neuen Gitarristen, die unter Sharons wachsamen Augen stattfanden. Unter den Kandidaten meldete sich auch Gary Moore, doch er und Ozzy harmonierten nicht besonders gut, und Ozzy sagte über ihn, er sei mal zu heiß, mal wieder zu kalt. Beides. Auch beim ersten Treffen mit Randy zeigte Ozzy keine übertriebenen Anzeichen von Begeisterung. Als Randy zum Vorsprechen kam – wie viele vor ihm –, lag Ozzy auf dem Sofa. In seinem Stil. Breit. So verfolgte er, was der Gitarrist ihm bieten würde. Ozzy erinnert sich an seine Reaktion beim ersten Treffen mit Rhoads so: »Was ist das? Ein Meter fünfzig großer Hänfling, kaum 50 Kilo schwer, der aussieht wie ein Mädchen?« Doch als Rhoads den Verstärker anschloss, war Ozzy sprachlos und konnte kaum glauben, was er hörte: „Ich dachte mir zweierlei. Entweder erlebe ich gerade ein unfassbares Equipment, wie ich es bisher noch nicht erlebt habe, oder dieser Typ kommt einfach von einer anderen Welt.“
Randy und Ozzy waren charakterliche Gegensätze. Randy war ein klassisch ausgebildeter Musiker, der mit 22 Jahren – so alt war er, als er zu Ozzy’s Crew stieß – noch bei seiner Mutter wohnte. Ozzy erinnert sich: »Wir sind einfach aufeinandergeprallt. Wir waren wie ein seltsames Paar. Randy trank selten Alkohol. Na gut – er trank dieses merkwürdige Zeug namens Golden Cadillac (ein Cocktail aus Galliano-Likör, Kokoslikör und Sahne, Anm. d. Red.), aber ihm wurde schon nach ein paar Runden schwindelig. Wenn aber die Musik ins Zentrum rückte, harmonierten wir perfekt. Bei Black Sabbath kamen sie zu mir mit Ideen und sagten, ich solle selbst die Vocals über die Phrase legen. Wenn ich nicht mit der Phrase mithalten konnte, sang ich eben mit der Phrase. Randy war der erste Gitarrist, der mir wirklich half, und anstatt einfach zu sagen: ›Leg den Vokal über die Phrase‹, bewahrte er außerordentliche Geduld.«
Randy Rhoads war zu dieser Zeit offiziell noch Mitglied von Quiet Riot, weshalb die Proben mit Ozzy in aller Verschwiegenheit mitten in Los Angeles organisiert wurden. Bei den Proben half auch Schlagzeuger Frankie Banali (der sich einige Zeit später tatsächlich Quiet Riot anschloss) und Bassist Dana Strum (später u.a. Slaughter, Vince Neil band). Nach dem Vorsprechen kehrte Ozzy zu seiner Familie nach Großbritannien zurück. Seine Beziehung zu Sharon war in dieser Phase noch streng professionell. Es war September 1979, als Ozzy eines Abends in den Londoner Club Music Machine ging. Dort traf er den australischen Musiker Bob Daisley. Ein sehr ruhiger, umgänglicher Typ, der bereits Erfahrung mit Rainbow im Gepäck hatte. Es sollte sich herausstellen, dass Bob Daisley eine sehr wichtige Rolle bei der Reaktivierung von Ozzy’s Karriere spielen würde.
Doch Bob Daisley war zunächst sehr vorsichtig: »Black Sabbath haben Ozzy gefeuert, weil er ‚durchgedreht‘ hatte, und in meinen Augen hatte er nicht viel Glaubwürdigkeit.« Nach einer gemeinsamen Probe in Ozzy’s Haus in Stafford entschloss sich Bob, mit Ozzy an dessen erstem Album mitzuwirken. Im November desselben Jahres stellte Ozzy im Büro von Arden, wo sich der Sitz seines Labels Jet Records befand, Daisley Randy Rhoads vor, der gerade aus Los Angeles eingeflogen war. Daisley beschreibt das erste Treffen mit Rhoads so: »Randy trug eng anliegende Klamotten, hatte eine perfekt gestylte Frisur und auch lange, gepflegte Nägel … und ich fragte mich: ‚Ist dieser Typ vielleicht schwul?‘ Aber ich stellte schnell fest, dass er es nicht war.« Nach der ersten gemeinsamen Probe erkannte Daisley auch, dass er sich in der Gesellschaft eines genialen Talents befand.
Ozzy, Rhoads und Daisley begannen, Material für das Album zu schreiben. Gleichzeitig begannen sie auch, Vorsprechen zu organisieren, die in zwei Studios stattfanden. Das erste war das walisische Rockfield, das zweite Transam Trucking in Suffolk. Wie Bob Daisley sagt, schrieben er und Randy Rhoads den Großteil des Materials für Ozzy’s Debüt. Daisley sagt: »Die Hauptriffs kamen von Randy. Dann setzten wir uns zusammen und brachten diese Riffs in eine Kompositionsstruktur. Ozzy war dabei nicht außen vor. Seine Gesangsmelodien, mit denen er die Ideen anging, waren immer gut und immer sehr wichtig.« Daisley fügt hinzu, dass er den Großteil der Texte schrieb, ähnlich wie es seinerzeit Geezer Butler bei Black Sabbath tat. »Ozzy war kein Texter«, sagt Daisley und ergänzt: »Einige Songtitel stammen definitiv von ihm.« Auch der Albumtitel ist Ozzy’s Idee und spielt auf die Wirkung einer konsumierten Kokain-Dosis an.
Das Schreiben des Materials verlief schnell, wobei Ozzy meistens so schwer betrunken war, dass man nicht viel mit ihm anfangen konnte. »Manchmal fing er schon am späten Morgen an zu trinken und schlief dann den ganzen Nachmittag durch«, sagt Daisley.
Die Suche nach einem geeigneten Schlagzeuger war ausgesprochen frustrierend, bis David Arden, der Sohn von Don Arden, der während Sharons Aufenthalt in Los Angeles die Proben des neuen Projekts besuchte, eines Tages den bulligen, bärtigen Lee Kerslake zu einer Probe mitbrachte. Der hatte gerade das sinkende Schiff Uriah Heep verlassen. Bekanntlich hatte Lee Kerslake Uriah Heep aufgrund eines Streits mit deren Manager Gary Bron verlassen. Vor Kerslake hatte Barry Screnage der Crew ausgeholfen, wobei klar war, dass seine Mitarbeit vorübergehend war; als sich dann stattdessen der ehemalige Lone Star-Schlagzeuger Dixie Lee der Crew anschloss, hoffte Ozzy, dass er im Projekt bleiben würde – was sich nicht bewahrheitete. Die Band nahm mit Dixie Lee Demo-Versionen der Songs „I Don’t Know“, „Crazy Train“, „Goodbye to Romance“ und „You Looking at Me Looking at You“ auf, aber der Schlagzeuger lehnte eine weitere Zusammenarbeit ab. Kerslake erinnert sich an das Vorsprechen im Shepperton Studio in Middlesex so: »Ich fing an zu zählen: 1, 2, 3 … schlug aufs Schlagzeug, und Randy Rhoads flog zwei Meter in die Luft und schrie: Das ist es!« Daisley ergänzt: »Es war Magie. Das lässt sich nicht beschreiben. Lee spielte mit feuriger Aggressivität. Das war der Typ, den wir gesucht hatten.« Lee bestand das Vorsprechen mit Bravour. Als Ozzy zu ihm trat und ihm die Hand schüttelte, sagte er: »Hier ist meine Hand, hier ist mein Herz. Diese Band wird sich niemals auflösen.«
Das Quartett begann am 22. 3. 1980 mit den Aufnahmen im Studio Ridge Farm, in der ländlichen Umgebung von Surrey. Das Studio war Teil eines im 17. Jahrhundert errichteten Anwesens, und Ozzy erinnert sich, dass das Ganze aussah wie ein »dysfunktionales Rock’n’Roll-Zeltlager«. Als Produzent wurde Chris Tsangarides ausgewählt, doch nach einer Woche beendete die Band die Zusammenarbeit mit ihm und produzierte das Album selbst – beziehungsweise gemeinsam mit Toningenieur Max Norman. Die Aufnahmen fanden in einer alten Scheune statt, die zum Hauptstudio umgebaut worden war. Kerslake erinnert sich: »Der Raum hatte einen fantastischen Sound, und man konnte spüren, wie die Musik dort sofort zum Leben erwachte.«
Die Band nahm das Album in vier Wochen auf. Ozzy verbrachte natürlich den Großteil der Zeit in der nahe gelegenen Bar namens The Plough, die zum Studio gehörte. Dorthin hatte er aus dem Studio jederzeit freien Zutritt. Ozzy erinnert sich: »Morgens haben wir einen Song aufgenommen, und sobald wir fertig waren, bin ich rüber zum Trinken. Zum Glück machte die Bar zu, sonst hätten wir das Album nie fertiggestellt.« Ozzy verpasste Daisley den Spitznamen ‚Sid Serious‘, weil Daisley so stark auf seine Arbeit mit der Band fokussiert war. Aber Ozzy war nicht der Einzige, der Drogen nahm. »Wir alle haben ein bisschen davon probiert. Nur Randy hat nie welche genommen. Und Ozzy? Der hat damit natürlich übertrieben.«, sagt Daisley.
Daisley, der Zeuge von Ozzy’s Suizidneigungen war, fand darin Inspiration, die er beim Texten nutzte. So entstand der Text für den Song Suicide Solution. Ozzy steuerte die erste Zeile ‚Wine is fine, but Whiskey is quicker‘ bei, die er sich von Ogden Nash und dessen Vers ‚Candy is dandy but liquor is quicker‘ »geliehen« hatte. Ozzy behauptet, der Song beziehe sich auf AC/DC-Sänger Bon Scott, der genau während der Albumaufnahmen an einer akuten Alkoholvergiftung gestorben war (19. 2. 1980). Bob Daisley, der Scott persönlich kannte, sagt jedoch, der Song sei zwar tatsächlich in der Zeit entstanden, als Bon Scott starb, der Text beziehe sich aber in allem auf Ozzy, weil der damals schlicht mit Drogen vor der realen Welt floh. Jedenfalls gibt Ozzy zu, dass er damals auf dem gleichen Weg unterwegs war wie Bon Scott.

Trotz des persönlichen Strudels, den der Sänger in dieser Zeit durchlebte, ist eines klar. Seine Gesangsleistung auf »Blizzard of Ozz« war außergewöhnlich und einzigartig. Deshalb bleibt sie zeitlos. Eine Darbietung vollständiger Souveränität, Glaubwürdigkeit und Autorität. Genau das ist das entscheidende Extra der ganzen Geschichte, das am meisten zur Neudefinition von Ozzy’s Karriere beigetragen und dafür gesorgt hat, dass der Sänger einem neuen Erfolg entgegenging. Hatte er noch eineinhalb Jahre zuvor auf dem letzten Black Sabbath-Album abwesend und ausdruckslos gewirkt, erscheint er auf »Blizzard of Ozz« wie neugeboren und sprüht vor Frische und Schwung. »Blizzard Of Ozz« war ein Heavy-Metal-Album, das in jeder Hinsicht völlig anders war als alles, was er zuvor mit Black Sabbath aufgenommen hatte. Mehr noch: Es war ein Album, das grundlegend verschieden war von allem, was damals in den Gefilden des Hard Rock und frühen Metal auf dem Markt zu finden war.
Mit Randy Rhoads, einer der aufregendsten und begeisternden Gitarren-Entdeckungen nach Michael Schenker – oder sagen wir besser: Eddie Van Halen –, fand Ozzy den Sound der Dekade, den am anschaulichsten eben der Song Crazy Train verkörpert. Der galt damals als eine sehr zeitgemäße und moderne Komposition, eine mit Oktan-Energie aufgeladene Rock-Hymne, angetrieben von Randy’s unverwechselbarem Riff, in Kombination mit dem Einen und Einzigen. Ozzy’s spitzbübisch-clownhaftem Gaunertum.
»Blizzard of Ozz« steckte voller toller Songs. Neben dem bereits erwähnten Crazy Train gibt es das kraftvolle I Don’t Know, das das Album mit einer Ladung purer Adrenalin-Energie eröffnet, dazu die herzzerreißende Ballade Goodbye to Romance, die von Ozzy’s Abschied von Black Sabbath erzählt, und die berühmte Studie über den legendären Okkultisten Aleister Crowley im Song Mr. Crowley. Für Letztere steuerte der Rainbow- und spätere Deep Purple-Keyboarder Don Airey das schaurige Keyboard-Intro bei, der auch auf dem Song Revelation (Mother Earth) die Keyboards spielte. Das Album erschien am 20. 9. 1980, was fast genau zehn Jahre nach der Veröffentlichung von Black Sabbath’s zweitem Studioalbum „Paranoid“ war (Den Sonderbeitrag zum 50. Jahrestag der Veröffentlichung dieses Albums findest du HIER). Das bei Arden’s Label Jet Records erschienene Album wurde in den USA mit einigen Monaten Verzögerung veröffentlicht. In den Albumcharts landete es unter den Top Ten, gefolgt von einer ausverkauften Tournee, was bestätigte, dass Ozzy’s Angst, abgeschrieben zu sein, vollkommen unbegründet gewesen war.
Und trotzdem. Am Vorabend der Tournee wurde Sharon Arden in ihrer Rolle als Band-Managerin unzufrieden mit dem, was sie bei einer der Bandproben sah. Sharon sagt: »Ich war nicht dafür verantwortlich, dass Kerslake und Daisley zur Band kamen. Mir gefiel nicht, was ich sah. Keineswegs in dem Sinne, dass sie keine guten Musiker wären – aber optisch passten sie einfach nicht dazu.« So wie Sharon das Ganze einschätzte, waren beide – Kerslake, der damals 33 war, und Daisley, der zwei Jahre jünger als Ozzy war, also 30 – zu alt und dabei zu altmodisch. Daisley erinnert sich, dass Ozzy und Sharon ihn während der Tournee durchgehend drängten, Kerslake loszuwerden, und ergänzt, dass sie bereits einen Ersatz für ihn bereit hatten. Das sollte Schlagzeuger Tommy Aldridge aus Mississippi sein, der für Black Oak Arkansas gespielt hatte. »Darauf bin ich nie eingegangen. Tommy ist ein toller Schlagzeuger, aber Lee ist perfekt für diese Band«, sagte Daisley. Nach dem letzten Konzert der Band am 30. 10. 1980 in Brighton erschien auf Sharons Einladung beim Abendessen auch Tommy Aldridge. Lee Kerslake sagte später, er hätte damals sofort selbst durchschauen können, was sich da vorbereitete.
Im Hintergrund all dessen lief auch eine Liebesaffäre zwischen Ozzy und Sharon, die später zum Zerbrechen der Ehe des Sängers führte. Die Romanze entflammte im August 1980, und während Ozzy’s damalige Frau Thelma nicht den geringsten Schimmer hatte, was vor sich ging, war diese Affäre innerhalb von Ozzy’s ‚Insider‘-Kreis etwas völlig Normales. Daisley sagt: »Ozzy ging damals durch einen persönlichen Tornado. Er verstrickte sich mit Sharon und fuhr gleichzeitig heim zu seiner Frau in Stafford.«
Die Band schrieb noch vor Neujahr 1981 im Studio Jumbo im Norden Londons das Material für das neue Album. Ozzy war dabei nicht durchgehend anwesend, da er in dieser Zeit seine Familie mit Thelma und den Kindern mehrfach besuchte. Die Band hatte sich bereits gut daran gewöhnt, ohne Ozzy zu arbeiten, und das bereitete ihr keine wesentlichen Probleme.
Das Jahr 1981 wurde für Ozzy und seine Crew noch aufregender. Es folgten zahlreiche Hinterzimmer-Intrigen und Verleumdungen, da Sharon Kerslake und Daisley loswerden wollte, dazu die Veröffentlichung des Albums »Diary of a Madmen«, eine neue Tournee und der tragische Tod von Randy Rhoads – nur vier Monate nach Erscheinen des zweiten Studioalbums. Über all das werden wir nächstes Jahr reden, wenn auch »Diary of a Madman« seinen Vierzigsten feiert.
Weiteres Wissenswertes. Die Band schickte den Song Goodbye To Romance an das Label, damit es ihn als Single veröffentlicht. Das Label lehnte ihn jedoch ab und forderte die Band auf, einen neuen zu schreiben. Rhoads, Kerslake und Daisley schrieben in Gesellschaft des stockbetrunkenen Ozzy – der zusammengesunken am Fuß des Schlagzeugpodests die Session verschlief, die Vocals übernahm Kerslake – schnell den Song You Said It All, der jedoch nie aufgenommen wurde. Er taucht aber auf Ozzy’s Live-EP »Mr. Crowley Live« auf, die noch im selben Jahr erschien. Der letzte Song, der für das Album geschrieben wurde, war No Bone Movies, bei dem sich auch Lee Kerslake als Mitautor eintrug. Als er zur Band stieß, waren alle anderen Songs für das Album bereits fertig.
Das Album landete auf Platz sieben der britischen Heimat-Albumcharts. In den USA, wo das Album am 27. 3. 1981 erschien, kletterte es in den Billboard-Charts bis auf Platz 21. Im September 1980 erschien die erste Single zum Song Crazy Train, die im Heimatland etwas schlechter abschnitt und Platz 49 der Single-Charts belegte, in den USA aber besser lief und sich auf Platz neun festsetzte. Im November desselben Jahres folgte noch die Single Mr Crowley. »Blizzard of Ozz« wurde in den USA bis heute gleich fünfmal mit Platin ausgezeichnet – dort wurden über sechs Millionen Exemplare verkauft. In Kanada erreichte es mit über 100.000 verkauften Exemplaren Platinstatus, im Heimatland Großbritannien mit 60.000 verkauften Exemplaren Silber.
Im Jahr 2002 erschien eine Neuauflage des Albums mit neu eingespielten Basslinien und neu aufgenommenem Schlagzeug, außerdem wurden neue Hintergrundgesangs-Harmonien hinzugefügt. Dafür sorgten das damalige Mitglied von Ozzy’s Band, Schlagzeuger Mike Bordin (Faith No More), und Bassist Robert Trujillo (später Metallica). Die Hintergrundvocals steuerten Mark Lennon und John Shanks bei. Den verfügbaren Quellen zufolge haben Sharon und Ozzy bis heute keine Einigung darüber erzielt, wessen Idee dieser Schritt war. Sharon sagt, es sei Ozzy’s Idee gewesen; er behauptet das Gegenteil. Kerslake und Daisley hatten Ozzy bereits 1986 wegen nicht gezahlter Tantiemen verklagt. Daher die Entscheidung, die beiden auf der Neuauflage vollständig aus dem Album zu streichen. Im Jahr 2003 wies ein Gericht ihre Klage ab, da Ozzy es sich anders überlegte und eine Neuauflage des Albums im Originalformat wünschte. Die Neuauflage des Albums aus dem Jahr 2002 stieß bei den Fans auf eine ausgesprochen feindselige Reaktion.
Ozzy und das Label CBS Records sahen sich 1985 einer Klage der Eltern von John McCollum gegenüber. Der Junge hatte beim Hören des Albums „Blizzard Of Ozz“ Suizid begangen, wozu ihn angeblich eine Zeile im Vers des Songs Suicide Solution veranlasst haben soll, die folgendermaßen lautet: »Why try? Get the gun and shoot!« Sowohl Ozzy als auch Bob Daisley erklärten, das bedeute eigentlich: »Get the flaps out«, was auf Deutsch in etwa »Fahr die Klappen aus« heißt. »Flaps« gilt im Englischen als Vulgärausdruck und bezeichnet die weibliche Vagina. Das Gericht wies den Fall ab, da es zu wenig belastendes Beweismaterial gab.
Autor: Aleš Podbrežnik
Hvala za tale prispevek. Je pa na plošči še ena majhna skrivnost, ki, kolikor mi je znano, nikoli ni bila povsem pojasnjena. Gre za intro v Mr.Crowley, ki ga tudi omenjaš. Avtorstvo tega intra namreč ni znano – intro je namreč preveč, da bi lahko šlo za naključje, podoben instrumentalu Angel Theme s prvenca enega najbolj po krivici spregledanih bandov – Angel. Glede na to, da je le-ta izšel leta 1975, je očitno, da je motiv nekako priromal do Ozzyja. Bob Daisley je menda omenil, da so motiv dobili od nekega klaviaturista, ki je prišel na avdicijo. A imena ni omenil. Prav tako mi ni znano, da bi se kdaj na to temo oglasil kateri izmed članov Angel, denimo Greg Giuffria.
Pravzaprav sem presenečen, da je o tem tako malo govora in tako malo informacij najti na spletu. Najbrž to govori o spregledanoti Angel.
Super super. Hvala za ta komentar Matija. Različni viri navajajo različno,. Eni, kot da je reč odigral Airey, spet drugi, pa se sklicujejo previdno „po navedbah drugih virov“ naj bi klaviature odigral Airey… tako da tale komentar gotovo oriše širšo sliko vsega. Sta si pa motiva res zelo podobna. Angel so bili super bend, zadnja njihovega plata – mislim da je izšla v lanski jeseni, je vrhunska 😀