Klon: 1

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Eigenveröffentlichung
Erscheinungsdatum: 31. 1. 2020
Produktion: Matej Gobec
Albumlänge: 28.37 min
Genre: Rock/Alternative Rock/Pop Rock
Bewertung: 8.0/10


Klon ist eine weitere neue heimische Rockband aus der Savinja-Region Sloweniens, genauer gesagt aus Celje. Das Quartett besteht aus vier technisch beeindruckend versierten Musikern, die – zumindest gemessen an der musikalischen Substanz des Debüts „1″ – bereits auf einen ansehnlichen Erfahrungsschatz und kompositorische Reife zurückgreifen können.

Auf dem Studioerstling finden sich gerade mal acht Songs und weniger als eine halbe Stunde Musik, weshalb man das ganze fast als eine Art EP abtun könnte – aber eben nur fast. Klar, acht Tracks sind acht Tracks, aber Deep Purple haben auf „Machine Head“ auch nur sieben drauf. Also? Qualität schlägt Quantität. Wer dabei das kompositorische Axiom „weniger ist mehr“ wirklich beherrscht und konsequent auf Minimalismus setzt, hat den wesentlichen Teil seines künstlerischen Auftrags bereits erfüllt.

Klon sind typische Rockvertreter ihrer geografischen Herkunft – also Sloweniens. Nicht im Sinne der Bedeutung, die hinter dem Bandnamen steckt, sondern weil diese Wirkung ganz automatisch aus der Kombination von Slowenisch, vokaler Metrik und den daraus entstehenden Melodielinien resultiert.

Der einleitende, aufweckende Track Osamljen volk deutet bereits auf das hin, was im Rezensionsauftakt angesprochen wurde: Hier sind Musiker am Werk, die handwerklich gut geschliffen sind. Angesichts der vorhersehbaren Melodie dieses kurzen, aber warmherzigen Dur-Optimismus ist es vor allem der Beitrag der Rhythmussektion – insbesondere das einfallsreiche Schlagzeug –, der die Aufmerksamkeit des Hörers auf sich zieht. Mit dem aufgedrehten Bam! Bam! Bam! holt das Album dann endlich Anlauf, um auf den Schwingen einer ordentlichen Adrenalinspritze abzuheben. Es endet mit dem rechten Maß an gewiefter Rock’n’Roll-Schlagkraft, wo rebellische Sturheit und eine angenehme Portion garagig-punkiger Energie einander die Hand reichen – auch wenn das Phrasieren durchgehend auf dem „Groove“-Feeling von Rock and Roll fußt. Die Band ist noch auf der Suche nach sich selbst. In gewissem Maße probiert sie sich im Songwriting aus, das ihr die Tür zu Radiofrequenzen öffnen soll, wofür auf dem weiteren Albumverlauf vor allem Iskra und Dlan v dlan stehen. Gerade ihre Platzierung auf den Albumpositionen 3 und 4 bremst den mittleren Teil des Albums spürbar aus. Eine solche Aneinanderreihung von Tracks ist nicht gerade die glücklichste Idee. Zurück unter das Dach des verzerrten Saitenzaubers führt Sistemski heroj – pur, mit garagenhafter Kontur verzierten klassischen Rock’n’Roll-Ansatz und mehr hengstartigen Testosteron. Naboj hält diese Art von Rock’n’Roll-Messe aufrecht, wobei die führende Gitarrenfigur mehr Inspiration aus der Verbindung des Erbes der alten Hard-Rock-Schule mit einem Schuss Blues-Rhetorik schöpft. A ni tako hingegen verführt das Album in ein mittleres Tempo. Es steht auf dem klassischen Minimalismus einer geradlinigen Akkordfolge und bringt auf dem Album einen Hauch Alternative-Rock-Haltung mit, die effektiv mit einer poppigen Frisur eines musikalisch eingängigen Refraingesangs gewürzt ist. Ein Ansatz, den die weitaus bekannteren Siddharta sehr gut beherrschen. Ni sonca na spregled ist eine akustische Ballade, die von gitarristischen Akkord-Ornamenten (Stereo-Chorus) umfärbt wird. Sie beschließt das Album. Ihr Zweck ist natürlich, dem Werk mehr arrangementtechnische und konzeptionelle Abwechslung zu verleihen. Einen besonderen Eindruck hinterlässt sie allerdings nicht.

Dass die Jungs keine Grünschnäbel sind, sondern im individuellen Sinne Musiker mit ausgeprägten Charakteren, zeigen auch die einfallsreichen, intelligenten und reifen Texte, die überwiegend gesellschaftskritischer Natur sind und mit Heuchelei, Quasi-Moralismus und der Unehrlichkeit der schönen neuen Welt frontal und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen abrechnen. Nun, an einem Punkt wie Dlan v dlan findet sich dann auch mal eine Minute für Romantiker.

Reserven sind vorhanden. Zunächst einmal wird die Band eine Richtungsentscheidung treffen müssen: mehr rockige Schärfe oder Pop-„Schlagerigkeit“. Auch der Einsatz und die Einbindung der slowenischen Sprache gilt im Allgemeinen seit jeher als äußerst heikle Angelegenheit, wenn es um Rock – und auch Metal – geht. Im Grunde bringt sie einen einschränkenden Faktor für die Entwicklung der Musikalität innerhalb der Songs mit sich. Auch hier finden sich auf dem Album einige ungenutzte Möglichkeiten, um einen größeren musikalischen Ertrag zu erzielen – doch daran, dass Klon dieses Element künftig ausfeilen werden, besteht kein Zweifel. Ansonsten zeigt die Band auch dadurch viel Einsatz im Studio und bei der Arrangements, dass sie sich eingehend mit der Färbung und dem Kontrast des Leadgesangs beschäftigt und ihm Vokalharmonien hinzugefügt hat.

Die Band hat engagiert und mit Eifer acht unterschiedliche Songs aneinandergereiht, die ihre Essenz repräsentieren. Das bedeutet, dass es sich hier nicht um bloße Nachahmung handelt, sondern dass die Gruppe darum bemüht ist, auf ihrem eigenen musikalischen Fundus aufzubauen – den sie aber noch weiter schleifen muss. Genau das Ausprobieren in Bereichen, die sich von purem Rock’n’Roll (Bam! Bam! Bam!, Naboj, Sistemski heroj) über alternative Rockideen, die „sanft gezuckert“ mit Pophebeln sind (A ni tako), bis hin zu balladenhafter Pop-Besinnlichkeit (Iskra, Dlan v dlan) erstrecken, deutet darauf hin, dass die Band verschiedene expressive Nischen innerhalb ihrer musikalischen Visionen auslotet. Die Türen stehen sperrangelweit offen. An Mut und Eifer mangelt es Klon nicht. Wie gesagt: ein vielseitiger erster Karriereschritt einer Band, die ihre Ziele mit dem nötigen Feuer angeht. Das Album „1″ ist ein mutiger Einstieg in eine neue Musikgeschichte und ein günstiges Fundament, auf dem die Band ihre musikalische Identität weiter herausarbeiten kann.

Autor: Aleš Podbrežnik


Trackliste:
1. Osamljen volk
2. Bam! Bam! Bam!
3. Iskra
4. Dlan v dlan (Fantastika)
5. Sistemski heroj
6. Naboj
7. A ni tako
8. Ni sonca na spregled

Besetzung:
Gregor Videc – Gesang, Gitarre
Goran Koražija – Gitarre, Begleitgesang
Luka Vinko – Bassgitarre, Begleitgesang
Urban Krč – Schlagzeug


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