Vega: Grit Your Teeth

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Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 12. 6. 2020
Produktion: The Graves Brothers
Spielzeit: 42.33 min
Genre: Melodic Rock/Hard Rock
Wertung: 8.0/10


Vega sind ein erfahrenes Melodic-Rock-Quintett aus Großbritannien, das in der relativ kurzen Existenz von gut zehn Jahren Bandgeschichte nun bereits sein sechstes Studioalbum veröffentlicht. »Grit Your Teeth« ist einmal mehr ein typisches Vega-Album, auf dem die Band nicht von ihrer bewährt wirkungsvollen Formel abrückt – dem Melodic-Rock-Sound verpflichtet wie eh und je.

Damit sich Vega aber nicht allzu sehr wiederholen, holten sie für das neue Album das Duo The Graves Brothers ins Boot, das für seine Arbeit an den Klangcharakteristika von Alben der Bands Asking Alexandra,  Funeral for Friend und The Family Ruin bekannt ist. Vega hatten nämlich beschlossen, eines der härtesten Alben ihrer bisherigen Karriere aufzunehmen und zu veröffentlichen, ihr Klangbild aufzufrischen und zu modernisieren – und dabei die wesentlichen Charakteristika ihres musikalischen Profils beizubehalten, damit die Integration des Neuen sie nicht zu weit vom Geschmack ihrer treuen Fans wegkatapultiert.

Die Band hat sich vor allem dank der reichhaltigen Bandbiografie ihrer Mitglieder, die vor der Gründung von Vega Erfahrungen in verschiedenen Bands und Projekten sammelten, und insbesondere dank guter Kontakte und Bekanntschaften zu einem bekannten Namen entwickelt, der von Jahr zu Jahr mehr Melodic-Rock-Sympathien auf sich zieht – und auch Sympathien für den AOR-Revivalismus. Erheblich dazu beigetragen haben u. a. die Zusammenarbeit mit Down And Outz von Joe Elliott (Def Leppard) sowie die regelmäßigen Konzertauftritte der Band in Gesellschaft etablierter Namen wie Skid Row, Last in Line, FM, Magnum, Quireboys, Joe Elliott’s Down and Outz, Dan Reed Network – und nicht zuletzt die Giganten ihres Handwerks, Def Leppard und Whitesnake. Es überrascht daher kaum mehr, dass das vorherige Vega-Album »Only Human« beim Erscheinen vor drei Jahren auf Platz drei der »UK National Rock Chart« schoss, wo es Shinedowns neuem Album dicht im Nacken saß und Black Stone Cherrys damaligem Studiowerk den Rücken zeigte. Der Vergleich ist angebracht, denn Vega sind Botschafter eines Genre-Revivalismus, der aus der fossilen Archaik des AOR schöpft und heute eine Art »musikalisches Underground« darstellt.

Das Quintett hat wieder elf fein zusammengestrickte Melodic-Rock-Hymnen zusammengestellt, diesmal aber mit einem deutlicheren Schuss schärferer Gitarrenphrasierung und generell höherer produktionstechnischer »Zackigkeit«. Die Gitarren sind aufgespitzt und klingen eine Spur dreckig, während die Band dieses Element (vor allem in den Strophen) sehr geschickt mit der organisch entblößten Natur akustischer Untermalung kombiniert. Wie ihr wahrscheinlich schon selbst ahnt, bewahrt die Band auch auf »Grit Your Teeth« genug kompositorische Dichte und »Gerissenheit«, dass die Tracks in ihrer Kombination aus Eingängigkeit und Musikalität sofort packen. Nick Workman hält seine ausgezeichnete Stimmform, und die Refrainmelodien, gestützt von mehrstimmigen Harmonien, biegen sich unter der Last von Bombast und Pomp. Kompositorisch erreichen die Songs untereinander eine qualitative Gleichwertigkeit – das heißt, sie stehlen einander auf dem Album höchst erfolgreich die Show. Das sorgt für eine beständig hochvibrierende Dynamik im Verlauf des Albums. Die ausdrucksstarken Modulationen in den Mid-Eight-Passagen bestätigen nur, dass Vega Meister des Songaufbaus sind, die genau wissen, was es bedeutet, ein hochmusikalisches und bombastisches Ergebnis aufrechtzuerhalten.

»Grit Your Teeth« bringt nichts Neues, was die Band nicht schon mehrfach gesagt hätte. Eine Abweichung in der Produktion, die härter klingenden Strukturen zugutekommt. Das ist die einzige Veränderung. Elf typisch komponierte Hymnen, die in die Form älterer Songs der Gruppe passen. Fans und Kenner der Band werden mit »Grit Your Teeth«, Vegas neuem Album mit dem frech klingenden Titel, eine neue hochoktanige Taufe in pikante Melodic-Rock-Zaubereien »nach britischer Art« und ausgelassenes »Party-Time«-Lausbubentum erleben. Die musikalische Formel, an der Vega fleißig festhalten. Und warum auch nicht – mit diesem Trick spielen sie sich immer wieder ein gewinnendes Pokerblatt aus Assen zusammen.

Autor: Aleš Podbrežnik

Trackliste:
1. Blind
2. (I Don’t Need) Perfection
3. Grit Your Teeth
4. Man On A Mission
5. Don’t Fool Yourself Again
6. Consequence Of Having A Heart
7. This One’s For You
8. Battles Ain’t A War
9. Save Me From Myself
10. How We Live
11. Done With Me

Besetzung:
Nick Workman – Gesang
Marcus Thurston – Gitarre
Michael Kew – Gitarre
James Martin – Keyboards
Tom Martin – Bassgitarre
Martin Hutchison – Schlagzeug


Vega – (I Don’t Need) Perfection (offizielles Video)
Vega – Don’t Fool Yourself Again (offizielles Video)
Vega – „Grit Yout Teeth“
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