Falconer: From A Dying Ember
Label: Metal Blade Records
Veröffentlichungsdatum: 26. 6. 2020
Produktion: Falconer/Mix & Mastering: Andy LaRoque
Albumlänge: 46:21 min
Genre: Power Metal/Folk Metal
Bewertung: 9.0/10
Falconer sind schwedische Power-Metaller. Powermetal-mäßiger als das, was sie machen, geht es heute kaum noch. Nach sechs Jahren, die seit dem Album »Black Moon Rising« (2014) vergangen sind, kehrt die Band mit ihrem insgesamt neunten Karrierealbum »From A Dying Ember« auf die Bühne zurück. Sie kehren zurück – und verabschieden sich damit gleichzeitig in den Ruhestand! Ja, genau. Die Band hat mit der Veröffentlichung dieses Albums zugleich auch ihren offiziellen Rückzug angekündigt.
Falconer gehören zu den wenigen Bands, die über ihre gesamte Karriere hinweg eine relative Stabilität wahren. Drei Mitglieder des heutigen Line-ups sind noch immer zusammen, seit die Band 1999 gegründet wurde: Sänger Mathias Blad, Gründungsmitglied, Hauptkomponist und Gitarrist Stefan Weinerhall sowie Schlagzeuger Karsten Larsson. Auch die beiden übrigen Mitglieder des Quartetts, Jimmy Hedlund und Magnus Lindhart, sind seit 2004 ununterbrochen dabei. Stabilität ist wichtig – sie ist der Garant für künstlerische Kohärenz.
Bei Falconer gilt in der Regel: Wer die Band nicht kennt und zufällig eines ihrer neun Alben in die Hand nimmt – und es gut findet – wird auch alle anderen mögen. Das bedeutet, dass die Band keinen Millimeter von ihrem eingeschlagenen Stil und Sound abweicht. Besonders auf den letzten beiden Werken spürt man, dass die Produktion aufgefrischt wurde, während der Stil klassisch bleibt. Falconer halten eisern an ihrer Power-Metal-Rezeptur fest, in die sie auf der einen Seite Folk-Elemente einbauen und auf der anderen deutlich spürbar auch wikingische »Sitten und Gebräuche« wiederbeleben. Zwölf Tracks sind es, und auf den einen oder anderen könnte man verzichten – interessant ist allerdings, dass es im Jahr 2020 wesentlich leichter fällt, ein neu erschienenes Power-Metal-Album zu konsumieren als vor etwa fünfzehn oder zehn Jahren, denn das Genre ist in den letzten Jahren merklich geschrumpft und wird mit neuen Releases immer schwächer vertreten. Deshalb stören auch die Klischees, die bewährten, bekannten und durchgekauten Motive, umso weniger.
Falconer haben ihre eigene Power-Metal-Nomenklatur. Neben den Ausflügen in pastorale und Folk-Gefilde ist die wikingische Unnachgiebigkeit stets spürbar, weshalb das Album auch eine ausgeprägte Aura von Feierlichkeit und Heldentum trägt. Das Zünglein an der Waage ist der spezifische, wenn nicht gar atypische Gesangsansatz von Sänger Mathias Blad, der so ziemlich das Gegenteil von dem ist, was man sich unter einem Power-Metal-Sänger vorstellt. Seine mittelhoch intonierte, dabei leicht düstere Stimme hält sich konsequent in jenen Lagen, in denen er am stärksten wirkt. Bei Mathias wirst du keine Jagd nach fünf Oktaven finden. Gerade wegen seines besonderen Vokalansatzes sind Falconer im Power Metal noch einmal eine ganz eigene Nummer.
Das Gitarrenspiel ist wieder einmal der größte Reiz dieses Werkes – es enttäuscht keinen Moment lang, und damit stehen Falconer auch im Jahr 2020 glaubwürdig hinter allem, wofür ihr Name und ihre Musik stehen. Der skandinavische Ansatz ist klar. Die guten alten HammerFall, die nicht minder guten alten Nocturnal Rites, und auch das gute alte Narnia. Alles alt und gut – wobei Falconer von diesen vier Bands die letzten waren, die den Anschluss an den Power-Metal-Revivalismus der skandinavischen Welle um die Jahrtausendwende gefunden haben. Tatsächlich klingt dieses Album, als wäre es vor zwanzig Jahren geschrieben worden – nur die Produktion ist modernisiert und erreicht eine bemerkenswert angenehme Kontraststärke und Dichte, von der Falconer vor 20 Jahren nur träumen konnten.
Innerhalb der bewährten Rezeptur der Genreschablone gelingt es der Band, noch genug ideelle Vielfalt bei der Gestaltung der Leitmelodien einzubringen, was dem Werk ein willkommenes Element an Dynamik und atmosphärischen Sprüngen verleiht, das Power-Metal-Fans garantiert, dass sie das dramatische Theater in vollen Zügen genießen werden. Die Soli sind gefährlich mitreißend. Der skandinavische Ansatz steckt nämlich voller Perfektionismus, geadelt durch eine engagierte Politur der Schultechnik, untermauert von Neoklassik. Auf Schritt und Tritt. Die Refrains packen einen nach dem anderen zu, und »From A Dying Ember« entfaltet ein vergnügliches Maß an mitreißendem Pomp und Bombast.
Nicht alles wird auf Angriff gespielt! Zwischendurch kommen zwei feierliche Balladenstückchen sowie zwei Instrumentals, während in The Rapture auch Blast-Beats und höllisches Saitenreißen über Riffs zum Einsatz kommen, was dem Track einen Black-Metal-Unterton verleiht. Kurzum: »From A Dying Ember« ist ein neues, hervorragendes Falconer-Werk, das alle treuen Anhänger der Band begeistern wird – und ebenso den Großteil der Freunde des klassischen Ansatzes im Heavy Metal. Der sechsjährige Abstand zwischen dem neuen und dem vorigen Album hat eben eine Fülle an frischen Ideen gebracht, die »From A Dying Ember« verkörpert.
Wenn das wirklich das letzte Album der Band ist, dann ist es verdammt gut! Ein heroischer und herzlicher Abschluss! Ehre den Mutigen!
Autor: Aleš Podbrežnik
Trackliste:
1. Kings and Queens
2. Desert Dreams
3. Redeem and Repent
4. Bland Sump Och Dy
5. Fool’s Crusade
6. Garnets and a Gilded Rose
7. In Regal Attire
8. Rejoice the Adorned
9. Testify
10. Thrust the Dagger Deep
11. Rapture
12. The Cauldron (digitaler Bonustrack)
13. Portals of Light (akustische Version – digitaler Bonustrack)
14. Long Gone By (akustische Version – digitaler Bonustrack)
Besetzung:
Mathias Blad – Gesang
Stefan Weinerhall – Gitarre
Jimmy Hedlund – Gitarre
Magnus Linhardt – Bassgitarre
Karsten Larsson – Schlagzeug
