Vandenberg: 2020
Label: Mascot Label Group
Erscheinungsdatum: 29. 5. 2020
Produktion: Bob Marlette
Albumlänge: 42.13 min
Genre: Hard Rock
Wertung: 9.5/10
Adrian Vandenberg ist ein niederländischer Gitarrist, der mit seinem Beitrag, seinem Talent und seinen Fähigkeiten einen deutlichen Fußabdruck in der Formung von Sound und Geist des Hard Rock der Achtziger hinterlassen hat. Zu Zeiten seiner Vandenberg, aber auch später, als er sich Whitesnake anschloss. Angesichts der Tatsache, dass der wackere Niederländer in den vergangenen Jahren seine Konzert- und Kompositionsaktivitäten wieder intensiviert hat, war es nur eine Frage der Zeit, wann er seine Vandenberg’s Moonkings – mit denen er zwei sehr gute Studioalben aufgenommen und veröffentlicht hatte – allmählich in Vandenberg transformieren würde. Genau genommen hat er die Moonkings schlicht begraben, und aus deren Asche sind Vandenberg erneut aufgestiegen.
Für die reaktivierte legendäre niederländische Hard-Rock-Besetzung gelang es ihm, einen der auffälligsten Sänger der neuen Hard-Rock-Vokalisten-Generation zu gewinnen: den außergewöhnlichen chilenischen Vokalisten Ronnie Romero. Der braucht keine große Vorstellung mehr. Es genügt der Hinweis, dass ihn Richie Blackmore bei der Reaktivierung von Rainbow in seine Reihen aufnahm und dass er außerdem bei CoreLeoni singt, der Band des Gotthard-Gitarristen Leo Leoni. Ebenso hat Vandenberg sehr bedächtig abgewogen, wie er die Rhythmussektion besetzen sollte. Als neuer Vandenberg-Bassist wurde sein niederländischer Landsmann Randy Van Der Elst verpflichtet, der normalerweise für die N.W.O.B.H.M.-Legende Tank den Bass spielt, während hinter die Drums kein geringerer als der ebenfalls niederländische Koen Herfst saß – ein Mann, der ebenfalls eine beachtliche Kilometerleistung vorweisen kann (u. a. arbeitete er mit Bobby Kimball (Toto), Doro und Epica zusammen).
Vandenberg repräsentierten Mitte der Achtziger ein Konglomerat des Hard Rock, das sich unter dem starken Einfluss von Deep Purple, Rainbow, Led Zeppelin, UFO, aber auch dem etwas späteren MSG sowie Whitesnake oder Bad Company in der Ära mit Brian Howe entwickelte. Wenn Europe die skandinavische Antwort auf diese Einflüsse darstellten, dann waren Vandenberg eben die niederländische. Dank Adrians atemberaubender Begabung genossen Vandenberg eine beträchtliche Aufmerksamkeit und eröffneten in den Achtzigern Konzerte u. a. für Ozzy Osbourne, Rush, Kiss, Scorpions und MSG. Adrians Gitarrenkunst und Bühnenpräsenz entgingen auch David Coverdale nicht, dem Chef von Whitesnake, der Adrian in seine Reihen lockte.
Was das Album »2020« liefert, ist in jeder Hinsicht mehr als nur eine brillante Anknüpfung an alle drei Vandenberg-Alben der Achtziger. Warum mehr? Weil »2020« auch eine außergewöhnliche Glut und kreative Frische besitzt und damit kein bloßes Manifest nostalgischer Nabelschau ist. Mit einer völlig anderen Chemie, einer anderen Magie! Mit einem neuen, modernisierten Sound, der im Ausdruckscharakter aber die wesentlichen, elementaren Markenzeichen der Achtziger bewahrt – sodass man 2020 mit einem Satz ruhig sagen kann: „Das sind Vandenberg!“ Vandenberg also, die einen künstlerischen Schritt nach vorne gemacht haben. Es ist eine umwerfende Erkenntnis, dass »2020« eine Art elegante Transformation der Magie des Besten und Prägendsten ist, was der Hard Rock der Achtziger für neue Zeiten geliefert hat.
Die Figur Adrian Vandenbergs hat also erneut einige faszinierende Phrasen geliefert, die darauf hinweisen, dass dahinter ein Musiker steckt, der die Achtziger geatmet und gelebt hat. Da sind Shout, Shitstorm oder der düstere Eröffnungsbrecher Shadows of the Night, aber auch die apokalyptische Mini-Suite Hell Or High Water – sie alle werden von Fans von Rainbow, Dio, Whitesnake, MSG sofort adoptiert werden, obwohl die Ausstrahlung des Albums ganz eigener Natur ist und in erster Linie den Namen Vandenberg verkörpert! Auch das übrige Material spricht an, wobei Light Up the Sky (in der Strophe) ein entfernter Cousin des Whitesnake-Klassikers Bad Boys ist. Vandenberg haben auf das neue Album auch eine aktualisierte Version ihres Achtziger-Hits Burning Heart gepackt. Mit neuer Ausstrahlung und neuer Chemie, die es ungerecht wäre, mit dem Original zu vergleichen. Man kann nur hinzufügen, dass sie brilliant aufgefrischt wurde und durch ihre Präsenz auf »2020« die starke Ausdruckskraft des neuen Werkes weiter stärkt. Adrian Vandenberg ist ein Mann von außerordentlicher Feinfühligkeit und folgt mit filigranем Gespür der perfekten Platzierung von Tönen in eine kraftvolle und kompakte Form motivischer Strukturen. Jedes Detail, jeder harmonische Schmuck, jede Übergangspassage – alles auf diesem Album ist gitarrentechnisch mit außergewöhnlicher Sinnlichkeit und dem Anspruch größtmöglicher Perfektion ausgeführt.
Adrian Vandenberg hat seine Arbeit erneut mit außergewöhnlicher künstlerischer Brillanz erledigt. Der Mann hat einmal mehr bewiesen, was für ein hervorragender Komponist er ist und dass ihm ein Leben von altem Ruhm nichts bedeutet. Für ihn zählt nur die greifbare künstlerische Substanz, die ein glaubwürdiger Reflex schöpferischer Inspiration sein muss. Und davon steckt »2020« voll! Die Refrainmelodien liefern in jedem Stück einen musikalischen und atmosphärischen Höhepunkt und sprechen packend an – im brillanten Dialog zwischen mitreißendem und giftig-eindringlichem Phrasieren und den bravourösen Vokalakrobatiken von Ronnie Romero.
All das hätte Adrian 2020 nicht materialisieren können ohne den legendären Produzenten Bob Marlette und natürlich den überragenden Vokalisten Ronnie Romero, der schlicht beweist, dass er in seiner Sänger-Generation derzeit schlicht der Beste ist! Das ist also keine Zusammenkunft ergrauter Nostalgiker, die sich in pathetischen Versuchen verlieren, die Magie aus den Zeiten ihrer jüngeren Geschichte wiederzubeleben – und es nicht hinkriegen. Das ist ein Album, das im selben Atemzug das Traditionelle und das Aktuelle verkörpert und als solches die Wiedergeburt einer legendären Hard-Rock-Band darstellt. Eine Wiedergeburt im wahrsten Sinne des Wortes. Für neue Zeiten. Mit neuem Fokus. Hoffen wir, dass Adrian dieses Feuer auch in den kommenden Jahren bewahrt, denn so ein überragender Hard-Rock-Meilenstein war wirklich nicht zu erwarten! Nach dem, was »2020« liefert, können wir uns nur mehr davon wünschen!
Autor: Aleš Podbrežnik
Tracklist:
01. Shadows of the Night
02. Freight Train
03. Hell and High Water
04. Let It Rain
05. Ride Like The Wind
06. Shout
07. Shitstorm
08. Light Up The Sky
09. Burning Heart – 2020
10. Skyfall
Besetzung:
Ronnie Romero – Gesang
Adrian Vandenberg – Gitarre, Keyboards
Randy van der Elsen – Bassgitarre
Koen Herfst – Schlagzeug
Gastmusiker:
Rudi Sarzo – Bassgitarre
Brian Tichy – Schlagzeug
