SickBreed: The Joy In Deception

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Eigenveröffentlichung
Erscheinungsdatum: 21. 7. 2019
Produktion: Simon Jovanovič
Albumlänge: 31.11 min
Genre: Alternative Rock
Bewertung: 8.0/10
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SickBreed ist eine Laibacher Band, die sich irgendwann im Jahr 2016 endgültig etabliert hat und im Juli letzten Jahres mit »The Joy In Deception« ihr Studio-Debüt vorlegte. Das ist ein weiterer Botschafter des slowenischen Alternative-Rock-Untergrunds, der im Hier und Jetzt atmet und lebt. Die Band wollte ursprünglich nur einen einzigen Song aufnehmen, entschied sich dann aber, immer mehr Material einzuspielen, bis sie zwischen 2018 und 2019 so viele Songs beisammenhatte, dass sie schließlich ihr Studio-Debüt veröffentlichte.

Schon mit ihrem Debüt beweisen SickBreed, dass sie eine Band sind, die ein eigenständiges musikalisches Profil entwickelt – für eine junge Gruppe, die ihren Stil noch schleifen und ausfeilen muss, ist das äußerst vielversprechend. Was einen sofort packt, ist die zerbröckelnde Klangabrasion bzw. die heilige Schlichtheit der »splitterfasernackten« Garage-Manöver, die dem Hörer beim Empfang dieses so servierten Uppercuts heiliger Rock’n’Roll-Ehrlichkeit garantiert den Zahnschmelz sprengen.

Das Trio hat dieses Album nach dem Vorbild eines Live-Auftritts eingespielt und dabei die gesamte Lebendigkeit eingefangen und auf den Tonträger gebracht. Ehrlicher und rudimentärer als das, was man im Sound des Band-Debüts hört, geht es kaum.

SickBreed sind ein interessantes musikalisches Konglomerat. Im eröffnenden, kompromisslos donnernden The Human Condition liefern sie auch Stoner-Rock-Elemente, sogar eine »Sludge«-Nuance ist spürbar – beides versteht sich ausgezeichnet mit der alternativen Rock-Unbotmäßigkeit des Trios. Was einen überwältigt, ist die unglaublich durchdringende Vokalhaltung, die charakterlich sowohl das Phrasing als auch die scheppernden Basslinien und das Trampeln des Schlagzeugs dominiert. In manchen Melodielinien des Eröffnungsstücks lockt er sogar etwas Mastodon-mäßigen Dreck hervor, obwohl der Charakter der theatralischen Vokal-Desillusionierung malerisch der selbstzerstörerischen Figur von Kurt Cobain angenähert ist. Wenn das Eröffnungsstück noch nicht ganz so trifft, ist der direkt darauf folgende Titeltrack ein schönes Beispiel für die bissige Begeisterung der Band für Grunge – allen voran Nirvana –, zu dem SickBreed im weiteren Verlauf des Albums noch mehrmals zurückkehren. Aber! Wie schon gesagt, die Jungs entwickeln einen eigenständigen musikalischen Charakter, was für ein Trio am Beginn seiner Karriere sehr gut und sehr vielversprechend ist. Im freischwebenden Brennen und den so gelieferten Hieben klanglicher Nacktheit erzeugt die Band das Gefühl vollkommen instinktiven Reagierens auf Reize von außen (und innen), wobei sie sich etwas fettig-zersplitterter Klangnatur aneignen, nahe an »Noise«-Elementen. In erster Linie bauen SickBreed ihren Charakter auf einer düsteren und zerbröckelnden Atmosphäre auf, in der (auch in Mid-Eight-Passagen) das Gitarren-Phrasing durchgehend das Kommando übernimmt. Technisch ist die Band aber gut genug aufgestellt, um in den Songs auch mehrere motivische Modulationen aneinanderzureihen. SickBreed besitzen vorbildliches Potenzial, um sich unter den neuen »alter-šalter«-Rockbands im traditionell farbenreichen Terrain des slowenischen Alternative-Rock-Untergrunds einst in den Kreis der aufregenderen Vertreter der heimischen Szene emporzuschwingen. Es wäre undankbar, ihnen Parallelen anzuheften. Vielleicht schießen einem zur flüchtigen Orientierung so etwas wie »Dandelion Children auf Steroiden« aus ihrer Frühphase in den Sinn.

Die Band entwickelt eine außerordentliche kompositorische Flüssigkeit in den Stücken, ein fett-voluminöser rhythmischer Groove wird betont, exzellentes Kontrastieren der Bausteine des Klangbildes ist gewährleistet – und über allem herrscht, wie gesagt, ein außergewöhnlicher Gesang von ausgesprochen destruktiver Natur. All das wäre ohne ein hohes Maß an kontemplativer Wahrnehmung des Trios im Umgang mit dem Handwerk des Rock’n’Roll nicht möglich. Deshalb konnte das Trio auch in relativ kurzer Zeit sein Studio-Debüt erschaffen. Denn in der Truppe herrscht eine exzellente Verteilung der energetischen Kräfte, die sich im musikalischen Visionarismus ergänzen, gegenseitig stützen und gemeinsam durch den gemeinsamen Fokus des musikalischen Artismus aufmagnifiziert werden.

Autor: Aleš Podbrežnik


Tracklist:
1. The Human Condition (03:22)
2. The Joy in Deception (04:32)
3. Intolerance (04:26)
4. Skeletal (03:28)
5. SailFree (03:41)
6. Pink (03:24)
7. Slippy Hippie (04:17)
8. Separation (04:17)

Besetzung:
Maks Drobež – Gesang, Gitarre
Andraž Leben – Schlagzeug
Leon Samotorčan – Bass

Kurz nach Erscheinen des Studio-Debüts ersetzte Haris Mujanović Leon Samotorčan als neuer Bassist der Band.

SickBreed – „The Joy In Deception“
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