Samo Šalamon Trio (Feat. Igor Matković & Kristijan Krajnčan): Rare Ebb
Label: Samo Records
Erscheinungsdatum: 17.02.2020
Albumlänge: 48.16 min
Produzent: Samo Šalamon
Genre: ECM / Jazz Fusion
Bewertung: 10 / 10
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»Rare Ebb« ist die zweite von zwei Veröffentlichungen, hinter denen die Zusammenarbeit dreier feinsinniger Jazzmusiker steckt: Samo Šalamon, Igor Matković und Kristijan Krajnčan als Samo Šalamon Trio. Anders als beim Geschwisterwerk »Common Flow« (Rockline-Rezension HIER) hat das Trio für »Rare Ebb« die instrumentale Natur des Zusammenspiels seiner klanglich-jazzigen Collagen neu justiert. Beide Alben verbinden dieselben Kompositionen, die bei zwei aufeinanderfolgenden Konzerten im Studio in unterschiedlicher Reihenfolge gespielt und aufgenommen wurden. Auch wenn die beiden Alben wie gesagt »Geschwister« sind (oder »Schwestern von Flut und Ebbe«), ist das entscheidende Element, das diesmal einen klaren expressiven Kontrast zwischen ihnen sichert, die Tatsache, dass Kristijan Krajnčan auf »Rare Ebb« in die Rolle des Cellisten schlüpft. Das bedeutet, dass das Album keine rhythmische Kinetik im klassischen Sinne kennt (Schlagzeug), auch wenn Šalamon zum E-Bass greift, was ein kontrastierendes kompositorisches Gleichgewicht herstellt. Dabei ist es schlicht faszinierend zu erkennen, was man in einem solch freiheitlichen Umfeld aus einem Instrument wie dem Cello herausholen kann. Krajnčan ist auf »Rare Ebb« meistens der Hauptakteur, und der Charakter von Šalamons Kompositionen »greift« dadurch spürbar anders als auf »Common Flow«.
Auch dieses Album ist, wenn man nach einer Art Genrebezeichnung sucht, nach wie vor ECM-orientiert. Das bedeutet, es verträgt Freejazz-Inhalte kaum oder gar nicht, sondern folgt der Reihung vollkommen ruhiger, sinnlicher und subtil gespielter organischer Klangmotive, in denen Matkovićs Trompete nach wie vor dominiert. Diese Bausteine der Klanglandschaft sprechen erneut mit außerordentlichem musikalischem Ertrag an — wieder vor allem zerebral und meditativ —, wobei sich »Rare Ebb« durch den Einsatz des Cellos, anders als »Common Flow«, entschiedener in Richtung neoklassischer Musik bewegt.
Besonders faszinierend sind die Kontraste. Wo Matković sich mit der Trompete »zurückzieht«, tritt die raffiniert eingebettete Integration des Cellospiels in den Vordergrund; wo beide zusammen mit der Trompete koexistieren, wirkt das Cello nicht nur als musikalischer Kontrast, sondern festigt auch den Rhythmus. Wenn Krajnčan wieder zum Bogen greift, entsteht mit der Trompete eine überaus versöhnliche und bildhafte Klangkommunikation, die aufgrund ihrer ungewöhnlichen Ausgangssituation nicht nur eine perfekte atmosphärische Wendung liefert, sondern durch diese »süß provozierten Schocks« unerwarteter Entwicklungen auf dem Album den (vor allem anspruchsvolleren) Hörer ununterbrochen positiv überrascht und mitreißt. In denselben Kompositionen öffnet sich also gerade durch die anderen Instrumente, die auf »Rare Ebb« in die tragende Rolle treten, ein anderer Raum für improvisatorische Einschübe — was neben der dominanten Trompete auch das Cello zum wesentlichen Akteur macht, an dem der jazzige Artismus von »Rare Ebb« wächst und greift; das Cello ist ein wichtiger — ja essenzieller — Generator für das eklektische Gehalt dieses Werks.
Dieses Album wird für Musikgourmets noch interessanter sein als »Common Flow«, denn in Bezug auf die Anpassung der Arrangements spricht es ungewöhnlicher an und ist dadurch im Ertrag seiner Eklektizismen auch fordernder. Gleichzeitig ist das Album in jedem Moment für alle Hörer bestens zugänglich, die in erster Linie entspannende Ambient-Musik suchen und keinen »Einstein« im Sinne hochfliegender technisch komplexer Virtuositäts-»Egotouren« — womit sich das Werk in Richtung avantgardistischer Exzentrik und potenzieller Freejazz-Aggressivität verlagern würde. Das kompositorische Format bewahrt außerordentliche Musikalität, einen entspannenden und organisch ansprechenden Nachklang, der dem Werk das Signet meditativ-zerebraler Dimensionen verleiht.
Der forschende, scharfsinnige und unglaublich bewegliche Geist der hohen Kreativität von Samo Šalamon hat in Zusammenarbeit mit Igor Matković und Kristijan Krajnčan mit klug durchdringendem künstlerischen Intellekt in die Galaxie des internationalen Jazz ausgegriffen! Es ist eine Leistung, die mit ihrer einzigartigen und unverwechselbaren musikalischen Natur, expressiven Tiefe, Ungewöhnlichkeit und eklektischem Charakter begeistert.
Die »geschwisterlich verschiedenen« Alben »Rare Ebb« und »Common Flow« lohnt es sich der Reihe nach zu hören — eines nach dem anderen. So wird dem Hörer das grundlegende Ziel des Trios noch intensiver und kontrastreicher vermittelt: dieselben Kompositionen durch den Einsatz eines veränderten Instrumentariums in eine völlig andere Natur der Klanglandschaften zu tragen, was letztlich in der brillanten charakterlichen Umkehrung von »Flut und Ebbe« resultiert.
Autor: Aleš Podbrežnik
Tracklist:
1. #7 (05:14)
2. Crooswijk (06:30)
3. Burmonster (02:32)
4. Dunes (02:52)
5. Sandstorm (02:44)
6. Here (03:34)
7. Same (05:28)
8. Dutchie (06:12)
9. Floating (03:38)
10. Serenity (03:22)
11. Another Rain (05:50)
Besetzung:
Igor Matković – Trompete
Samo Šalamon – E-Bass
Kristijan Krajnčan – Cello
