Samuel Blues & Miha Erič: Transformator

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Label: Zavod Orbita
Albumlänge: 40.39 min
Erscheinungsdatum: 11.10.2019
Produktion: Samuel Blues & Miha Erič
Genre: instrumental / blues
Wertung: 7.0 / 10

Samo Pivač aka Samuel Blues, der markante Singer-Songwriter aus Jesenice, und Miha Erič, Sloweniens Meister der Blues-Mundharmonika, bekannt durch seinen bleibenden und unauslöschlichen Stempel, den er bei Prismojeni profesorji bluesa hinterlassen hat, kennen sich schon seit langer Zeit. Zahlreiche Jams in der Vergangenheit waren nichts Ungewöhnliches, und es war völlig natürlich, dass sie früher oder später im Prozess der Entstehung und Aufnahme eines gemeinsamen Dokuments zusammenfinden würden.

So entstand »Transformator«. Wie der Titel andeutet, ist das ein Gegenstand, der irgendetwas transformieren soll. Sicher geht es ums Sammeln von Erfahrungen und die daraus resultierende Art von (zumindest teilweiser) Verwandlung, des Reifens – aber das müsst ihr die beiden Musiker selbst fragen. Wie auch immer, raus aus der philosophischen Debatte. Gute 40 Minuten Musik liegen vor uns. Es handelt sich um ein rein instrumentales Album, das vom elementaren Gitarrensound von Samuel Blues beherrscht wird, mit dem charakteristischen Rhythmus des Fersenstampfens auf dem Boden sowie der beliebigen Vielfalt des bekannten Charakters von Eričs Mundharmonika-Kapriolen.

Die ersten 10 bis 15 Minuten wirken noch unterhaltsam und vermitteln das Gefühl ausgelassener Gaudi der fröhlichen Stunden, die die beiden Musiker gemeinsam beim Recording verbracht haben – doch schon bald merkt man, dass sie im weiteren Verlauf des Produkts tatsächlich ziemlich fest auf denselben Ausdruckstrick »festgenagelt« sind, an dem sie das gesamte Album über festhalten. Also. Das Format der Songs bringt eine direkte Verbindung zu Samo Pivačs Soloalben mit sich. Sehr wahrscheinlich sind die Tracks sehr schnell entstanden, sogar durch spontane Jams, und wurden auch so aufgenommen. Sehr schnell, nach dem Prinzip des Konzert-Jams und im ersten Take. Das alles ist sehr gut, gefordert, erwünscht – und genau das ist es, was natürlich ein zusätzliches Maß an klanglicher und inhaltlicher Attraktivität verleiht, wenn wir über solche Alben reden.

Das Kreuz kommt dann, wenn man merkt, dass das Album motivisch sehr vorhersehbar und folglich ideell schwach, ja geradezu ärmlich ist. Das Gefühl ist, als würde sich vor allem Miha gar nicht »solistisch« austoben wollen, wie er es in den Zeiten tat, als er bei Prismojeni profesorji bluesa dabei war – als würde er in den Songs nach anderen Lösungen im Mundharmonika-Spiel suchen. Der verfügbare Raum in den Songs, um ihn mit verschiedenen Instrumentaleinlagen zu füllen, ist derart groß und bleibt sogar ungenutzt. Die Rollen sind ungefähr gleichmäßig verteilt. Erič übernimmt mit der Mundharmonika jedoch mehrfach die Rolle des Begleiters (Phrasierens), durch die an diesen Stellen Samo mit der Gitarre in den Vordergrund tritt. Und dabei bleibt es auch. Samo Pivač ist eben nicht Tilen Stepišnik, und so erreicht auch »Transformator« bei Weitem nicht die ständig unterhaltsame ideelle und genremäßige Beweglichkeit des Duos Smet, in dem Miha mit dem zuvor genannten Gitarristen zusammenarbeitet. Das bedeutet, dass Pivač technisch gesehen schlicht zu schwach als Musiker ist, um sich das Abenteuer eines Instrumentalalbums leisten zu können. Klar, Samuel Blues ist wieder in allem, was er anfasst, rudimentär, ursprünglich, so ehrlich wie möglich und geht mit dem gewohnten Feuer ran – doch es wäre besser gewesen, wenn er neben dem Gitarrenspiel, ungeachtet der Tatsache, dass es sich um ein Duo-Album handelt, in die Songs Texte eingebaut und auch seinen Gesang hinzugefügt hätte. Damit hätte er die monotone Wiederholung des Phrasierens in den Songs aufgebrochen, die von Haus aus auf eine oder zwei Phrasen verdammt sind, und das Dynamikniveau des Albums angehoben. So hätte das Album das Charisma seiner üblichen Singer-Songwriter-Aura bekommen, mit der Samuel Blues so überzeugend ist, wenn er Sachen nach dem Prinzip des »Einsiedlers« angeht. Wie ein einsamer Reiter – als Solokünstler. Nach dem vorhersehbaren Muster der grundlegenden Bluestonalität, die sich nur gelegentlich in Richtung von »Arabesk«-Anflügen verschiebt (Čoban, Balkan Ekspress), und wenn man sich über Flageoletts freut sowie den bewusst hingehauenen Ton der Dissonanz (beim Verdoppeln der gemeinsamen Phrase) im (viel zu langen) Ptiči, kommt man schlicht zu dem Schluss, dass das Album ideell nach 15 Minuten ausgebrannt ist. Das Urteil, dass das Produkt mehr interessante Substanz hätte bieten können, ist zweifellos gefällt – und dennoch. Beide Musiker waren mutig und kühn genug, dieses Projekt anzugehen, das auf der anderen Seite eine Fülle an Klarheit, spöttischem Galgenhumor und auch Satire mitbringt. Ausgewählte Tracks könnten als ideale musikalische Begleitung für irgendeinen Spaghetti-Western dienen, oder für eine Chaplin-Burleske, genauso wie für den Zeichentrickfilm »Courage the Cowardly Dog«, falls sich das noch jemand vom Cartoon Network erinnert.

Der Spaß ist da. Es liegt an dir, für wie anspruchsvoll du dich als Hörer hältst – klar ist jedenfalls, dass man dieses Duo unbedingt bei ihren gemeinsamen Konzertauftritten checken muss. Die musikalische Visitenkarte des Albums »Transformator« ist also ein Manifest des großen gemeinsamen Spaßes beider Musiker, gleichzeitig aber auch ein hinreichend guter Kompass dafür, was du auf der Bühne von Miha und Samo erwarten kannst.

Autor: Aleš Podbrežnik

Tracklist:
1. Lajna II
2. Balkan Express
3. Termostat
4. Hlad
5. Maksimum
6. Ptiči
7. Ovce
8. Čoban
9. Bojler
10. Amper
11. Štrom

Besetzung:
Miha Erič – Mundharmonika, lap steel
Samuel Blues – Gitarre


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