Never Say Die Tour triumphiert in Wien

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Location: Wien Arena / Wien / Österreich
Wann: 21. November 2019

Die Never Say Die Tour zählt bis heute zu den klangvollsten Touren, auf denen im Laufe der Zeit ein wahres Meer an Bands aufgetreten ist, die in den Gewässern von Metalcore, Deathcore, Hardcore, Post-Hardcore und einigem mehr schwimmen. In diesem Jahr waren die japanischen Crystal Lake die Hauptvertreter der Tour, die von Jahr zu Jahr bekannter werden. Vor ihnen spielten Bands, die vielleicht noch nicht zu den bekanntesten gehören, doch beim Lineup selbst gab es die eine oder andere Überraschung. Diesmal standen sechs Bands auf dem Programm, sodass das Konzert bereits am Nachmittag begann. Das Konzert fand in der renommierten Wien Arena statt, die bis zu 1000 Besucher fasst.

Als Erste traten die Bostoner Great American Ghost auf, die sich vor rund 100 Zuschauern präsentierten. Trotz der bescheidenen Kulisse überzeugten Great American Ghost mit ihrem energiegeladenen Auftritt. Die Band setzt auf rohen Hardcore, was dieser Tour definitiv zusätzliche Authentizität verlieh. Dass die Band alles gibt, zeigte sich bereits beim zweiten Song, als der Sänger über die Absperrung ins Publikum sprang — die mindestens zwei Meter von der Bühne entfernt war. Ein ziemlich waghalsiges Unterfangen, das zum Glück für den Rücken des Sängers gut ausging. Auf jeden Fall eine Band, die mehr Publikum verdient hätte, wie die pure Energie auf der Bühne beweist.

Es folgten Alpha Wolf, eine junge australische Band, die bereits ihr Debütalbum Mono sowie drei EPs vorzuweisen hat. Die Aufmerksamkeit stahl vor allem der Gitarrist, dessen Stil stark vom japanischen Visual-Kei-Stil inspiriert wirkte. Mit seinem Outfit und einer klassischen japanischen Maske stach er zweifellos heraus. Die Band lieferte zwar ziemlich aggressiven Metalcore, doch besondere Höhepunkte waren kaum zu spüren. Auch die Energie war nicht ganz so mitreißend wie bei den Vorgängern. Dafür hatten sie schon mehr Zuspruch vom Publikum — rund 200 Leute waren gekommen, das Publikum wuchs also mit jedem Act.

Die Metalcore-Fahne hielten weiter die englischen Our Hollow Our Home hoch. Wieder eine junge Band, diesmal mit zwei Alben im Gepäck. Die ersten Reihen waren bei dieser Band schon deutlich voller. Die Musik der Band bietet an sich keine besonderen Highlights. Sie verlässt sich auf bewährte Muster, auch die Breakdowns wirkten vorhersehbar. Zugegeben, es handelt sich um eine junge Band, die ihren Stil noch entwickelt, aber dem Publikumsresonanz nach zu urteilen haben Our Hollow Our Home durchaus Potenzial — allerdings müsste die Band etwas Auffälligeres bieten, um noch mehr Leute anzuziehen.

Es folgten die englischen Polar, die im Vergleich zu den anderen Bands das eine oder andere Album mehr und vor allem deutlich mehr Kilometer auf dem Tacho haben. Der Sänger wirkte anfangs vom Auftreten her wie ein Popstar à la Katy Perry, aber das Publikum reagierte mehr als positiv darauf. Die Band spielte eine Art Mix aus Hardcore und Metalcore. Im Repertoire war Material vom Album Nova, das die Besucher offensichtlich gut aufnahmen. Polar brachten das Publikum zum Kochen — mit einem Moshpit und anderen Formen des Ausrastens. Der Auftritt von Polar war ein Qualitätsbeweis und zugleich ein Zeichen, dass die Hardcore- und Metalcore-Szene in Großbritannien noch sehr lebendig ist.

Die Band King 810 aus dem US-Bundesstaat Michigan sorgt in den Medien immer wieder für Schlagzeilen, weil sie auf der Bühne auch verschiedene Waffen mit sich führen. Das hat dazu geführt, dass ihnen einige Auftritte wegen ihrer Provokationen abgesagt wurden. Fans der Band gab es zweifellos viele, aber die Musik selbst war eigentlich nichts Besonderes. Die Band setzte mehr auf Image — besonders der Sänger wollte mit seinem Goldzahn im Mittelpunkt stehen. Obwohl King 810 eigentlich für energiegeladene und aggressive Auftritte bekannt sein sollen, wirkte es diesmal so, als wäre ihnen das nicht besonders wichtig. Der Auftritt war entsprechend energielos, eigentlich schlicht langweilig. Dazu kommt, dass die Musik selbst, die sich aus Nu-Metal und Metalcore speist, auch kein Highlight ist.

Den bitteren Nachgeschmack von King 810 beseitigten die australischen In Hearts Wake. Die Band spielt zwar recht klassischen Metalcore, aber man hört auch Elemente von Hardcore und Post-Hardcore heraus. Die Erfahrung ist spürbar, der Auftritt war ausgereift. Kein Wunder — die Band hat bereits 4 Alben und zahlreiche Touren hinter sich. Man hätte gut argumentieren können, dass In Hearts Wake eigentlich die Headliner der Tour hätten sein können. Die Reaktion des Publikums und die Fülle der Halle sprachen dieselbe Sprache. Was die Menge zusätzlich heizte: Bei einem Song kam sogar Ryo von Crystal Lake auf die Bühne und unterstrich mit seinem Gesang die Stärke des Gesamten.

Als letztes betraten Crystal Lake die Bühne — von denen war schwer zu sagen, was man erwarten sollte. Die Band war in Österreich zuletzt als Vorgruppe von Parkway Drive aufgetreten (Bericht HIER). Diesmal hatten sie mehr Zeit und auch mehr Repertoire zur Verfügung. Crystal Lake hatten ihrem regulären Set eine Auffrischung spendiert. Es war auch das erste Mal, dass die japanische Band als Headliner fungierte. Doch der Füllstand der Halle ließ Gutes ahnen. Das Toben des Publikums begann sofort nach dem Intro, als Crystal Lake mit Helix explodierten. Was das Ausrasten angeht: Im Abschlussblock gab es überall Moshpits, zeitweise sogar zwei parallel. Die Band spielte natürlich auch ihre bekanntesten Songs, darunter: Lost in Forever, Hail to the Fire, Alpha, Omega. Das Beste haben sie sich natürlich für den Schluss aufgehoben und so noch Apollo und Prometheus rausgeholt. Crystal Lake haben sich zweifellos wieder bewiesen, das Publikum machte da voll mit — ein Comeback ist mehr als erwünscht. Aber bis dahin heißt es warten: Die Band wird sich im Jahr 2020 um ein neues Album kümmern.

Neben den Auftritten selbst gibt es noch etwas anderes hervorzuheben. Die Bands haben nämlich auch für wohltätige Zwecke aufgerufen. Die Australier sammelten Spenden für die Opfer der Buschbrände. Bei In Heart Wake wurde das Thema »It’s ok not to be ok!« aufgegriffen — der Fokus lag darauf, auf Menschen mit psychischen Problemen aufmerksam zu machen und die weltweit steigende Suizidrate zu thematisieren. Auch Crystal Lake widmeten dem einige Minuten: Sänger Ryo sprach vor dem Song Lost In Forever über die Problematik. Nach den Konzerten waren außerdem Beratungssitzungen verfügbar, und der Erlös floss in wohltätige Zwecke.

Für die Never Say Die Tour lässt sich bestätigen: mehr als nur gelungen. Dazu kam ein abwechslungsreiches Lineup, denn die Bands waren interessanter als in den Vorjahren.

Text und Fotos: Denis Paradiž
Bearbeitung: Primož Novak

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