Rob Moratti: Renaissance

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Label: AOR Heaven Records
Erscheinungsdatum: 21.06.2019
Produktion: Rob Moratti & Torben Enevoldsen
Albumlänge: 45.49 min
Genre: AOR
Bewertung: 9.0 / 10


Rob Moratti ist ein kanadischer Vokalist – da für all jene Retro-Nostalgiker unter euch, die mit den Ohren noch in den Achtzigern feststecken, als AOR die Radiowellen beherrschte, also die weichste Variante des Rock, gekreuzt mit den Produktionsfinessen und der Arrangieresthetik der damaligen Pop-Rhetorik.

Moratti ist ein erfahrener Musiker. In seiner Karriere hat er sich in den Neunzigern innerhalb seiner eigenen Band Moratti gestählt, schloss sich später der kanadischen AOR-Sensation Final Frontier an, sprang als Vokalist der Prog-Rock-Giganten Saga für das Album »Human Condition« ein (mit Saga veröffentlichte er auch ein Konzertalbum), um sich danach auf eine Solokarriere zu konzentrieren. Auf das exzellente »Victory« (2011) und »Transcendence« (2016) – mit einer zwischenzeitlichen Hommage an die AOR-Größen Journey, die 2015 als »Tribute to Journey« erschien – folgt also in diesem Jahr noch das neue Album »Renaissance«.

Das neue Album ist genau das, was die beiden genannten Vorgänger liefern. Es bewahrt alle Qualitäten. Moratti hat für diese Gelegenheit dasselbe Musikerteam im Studio behalten, das bereits bei »Transcendence« mitgewirkt hat. Eine erstklassige Truppe. Die Mitglieder sind nicht nur für sich genommen hervorragende Musiker, sondern gelten auch als feinfühlige Komponisten und Arrangeure. Kurz gesagt: Bassist Tony Franklin (Blue Murder, The Firm), Keyboarder Fredrik Bergh (Street Talk), Gitarrist Torben Enevoldsen, seinerzeit Morattis Weggefährte aus der gemeinsamen Zeit mit Accacia Avenue, und Schlagzeuger Stuart Reid, seinerzeit Morattis Final Frontier-Kumpel.

Auch das neue Album bringt gute drei Viertel Stunden AOR-Revivalismus-Perfektion. Die Erkenntnisse unterscheiden sich kaum, wenn man das neue Album mit seinen Vorgängern vergleicht. Es ist unglaublich, wie viele großartige Ideen sich in den drei Jahren nach dem Erscheinen von »Transcendence« angesammelt haben. Moratti bewegt sich auch auf dem neuen Album in außergewöhnlichen Höhen. Und es ist unglaublich, wie viel Kraft er selbst in den extremsten Hochlagen entfaltet – jenen seiner dominanten, hochmusikalischen Haltung. Es handelt sich um einen klassisch geschulten Vokalisten, der sich in seiner Inspiration natürlich stark an der Figur des Journey-Sängers Steve Perry orientiert (besonders wenn du zur Ballade Best Of Me vordringst), doch seine vokale Essenz liegt, wenn du Vergleiche suchst, ziemlich nah an jener des verstorbenen Tony Mills (Shy, TNT). Die Arrangements sind dem Moratti-Vokal mehr als auf den Leib geschrieben, und der Vokalist liefert das Beste, was er kann und zu bieten hat.

Die Energie des Albums »Renaissance« ist insgesamt heiter, positiv, mitreißend; die Refrainmelodien erreichen atmosphärische Höhepunkte und werden phänomenal eingesetzt, um die Bombastik und Pompösität zu steigern, von der das neue Album durchdrungen ist. Die Produktion ist geradezu makellos – die Bausteine des Klangbildes koexistieren in einem außergewöhnlichen Gleichgewicht, was besonders für das gleichwertige Zusammenspiel von Keyboards und Gitarrenfrasierung gilt, das den Großteil des Klangbildes bzw. der Begleitung aufbaut. Der Gesang ist natürlich in die Zentrum-Position gesetzt und dominiert das Album absolut. Ein wesentliches Sahnehäubchen ist die feinfühlige Ausschmückung der Arrangements mit harmonischen Melodien, die das gesamte pompöse Spektakel durch das Album hindurch dramatisieren. Tatsächlich ist »Renaissance« stilistisch näher am West-Coast-AOR-Ansatz der Achtziger als etwa dem, was zur gleichen Zeit die britischen Inseln oder der alte europäische Kontinent zu bieten hatten. Also. Vor uns liegen zehn erstklassig »platzierte« Songs, Angriffstrupps des erstklassigen AOR-Revivalismus, die in ihrer Ausgefeiltheit nicht aufhören zu begeistern. Auf dem Album findet sich ein stattliches Paket an Songs, die, wären die Achtziger noch am Schreiben, zu AOR-Evergreens geworden wären. Wie gesagt. Rob Moratti präsentiert sich auch mit dem neuen Album »Renaissance« in absolutem Glanz. Vokalem und künstlerischem.

Autor: Aleš Podbrežnik


Tracklist:
1. You Are The One
2. Let Me Be The One
3. Best of Me
4. Lift You Up
5. Hold On To Love
6. I Let You In
7. It’s Time To Go
8. Many Come Home
9. I Don’t Want To Wait Forever
10. It Hurts To Be I Love

Besetzung:
Rob Moratti – Gesang, Hintergrundgesang
Torben Enevoldsen – Gitarre, Keyboards
Fredrik Bergh – Keyboards
Tony Franklin – Bassgitarre
Stuart Reid – Schlagzeug, Perkussion

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