TesseracT: Sonder
Als die englischen Vertreter des djent Genres Tesseract vor sieben Jahren ihr Debüt veröffentlichten, war wohl kaum vorstellbar, dass die Band je mehr als zwei Alben stemmen würde. Nach den Problemen mit den Sängern haben sich Tesseract dennoch über Wasser gehalten und sind weitergeschwommen. Es ist das Jahr 2018, und Tesseract sind nach drei Jahren Pause mit ihrem vierten Album zurück – nach dem nicht sonderlich erfolgreichen Polaris. Die Band hat dabei nicht gefaulenzt, sie hat sich nur etwas mehr Zeit gelassen, und einige Touren wurden ebenfalls absolviert.
Sonder kann auf den ersten Blick ziemlich enttäuschen, denn er ist gerade mal gut 36 Minuten lang. Tesseract haben damit das kürzeste Werk ihrer Karriere abgeliefert – doch nun stellt sich die Frage nach der Qualität dieser 36 Minuten.
Sonder eröffnet mit Luminary, was vielleicht nicht die beste Repräsentation dessen ist, was die Band draufhat. Der Track ist durchaus druckvoll, das Klangbild wie immer sehr ausgefeilt, und am stärksten sticht Daniel Tompkins‘ Gesang heraus, der im Refrain am meisten zur Geltung kommt. Ein solider Einstieg, aber das Folgende zeigt das eigentliche Gesicht der Band. King ist langsamer, rhythmisch abwechslungsreicher und deutlich atmosphärischer. Obendrauf überrascht die Band mit einer unkonventionellen Struktur, Tompkins bringt sogar ein paar Schreier ein – an Abwechslung mangelt es also nicht. Definitiv ein Höhepunkt des Albums, der auch ins Live-Repertoire aufgenommen wurde.
Nach dem ruhigen Intermezzo Orbital servieren Tesseract Juno, einen druckvollen und groovigen Track, der außerordentlich ausgefeilt ist; die Rhythmussektion glänzt förmlich, und auch der Bass kommt hervorragend zur Geltung. Das Album beruhigt sich danach merklich: Beneath My Skin betont Atmosphäre und Ambiente, hat natürlich aber auch einen druckvollen Part im Stil der mächtigen Meshuggah. Ähnliches gilt für Mirror Image, das sich bis zum Ende angenehm aufbaut – was anschließend durch ordentlich Verzerrung untermauert wird. Der Fokus liegt insgesamt eher auf Atmosphäre, was dem Gesamtwerk eine gewisse Diversität verleiht. Mehr Druck bietet Smile, das die Band noch vor dem Album als Single veröffentlicht hat. Smile unterscheidet sich von der ursprünglichen Fassung deutlich: Industrial-Einlagen kommen hinzu und geben dem ohnehin reichen Klangbild eine weitere Nuance. Smile geht nahtlos in den kürzeren Track The Arrow über, mit dem dieser kompakte Kreis geschlossen wird.
Mit Sonder verbinden Tesseract irgendwie die Elemente ihrer früheren Alben. Die Band ist nach wie vor technisch, atmosphärisch, melodisch und unberechenbar, doch als Ganzes überzeugt das Album nicht so wie die ersten beiden. Wie die vorangegangenen Werke ist auch Sonder top produziert, alles bis ins kleinste Detail ausgefeilt. Der Sound ist satt und schreit geradezu nach einer guten Anlage. Zusammenfassend: Mit ihrem vierten Album bestätigen Tesseract, dass ihnen die Ideen noch nicht ausgegangen sind – es wirkt nur so, als würden sie sich ein bisschen selbst suchen.
Wertung: 8/10
Tracklist
1. Luminary
2. King
3. Orbital
4. Juno
5. Beneath My Skin
6. Mirror Image
7. Smile
8. The Arrow
Musiker
Acle Kahney – Gitarre
James Monteith – Gitarre
Jay Postones – Schlagzeug
Daniel Tompkins – Gesang
Amos Williams – Bass
Erscheinungsdatum: April 2018
Label: KScope
Spielzeit: 36:24
Produktion: Acle Kahney