Die Rückkehr der Death Angel-Wölfe!
Wenn Death Angel in der Nähe sind, gilt das eine: klar ist klar – da geht man hin. Wenn das dann noch in Ljubljana und obendrein an einem Freitag stattfindet, ist Anwesenheitspflicht angesagt. Death Angel sind nämlich seit mindestens einem Jahrzehnt das Synonym dafür, wie Thrash Metal im 21. Jahrhundert klingen muss. Das war in ihrem Fall glasklar schon seit 2008, als sie mit dem überragenden Album Relentless Retribution ihre Zusammenarbeit mit Produzent Jason Suecof begannen – eine Zusammenarbeit, die bis heute anhält, mittlerweile beim vierten Album in Folge, dem vor gut einem Monat erschienenen Humanicide. »Why fix something that ain’t broken,« oder?
Eine passendere Vorband als Eruption hätte man diesmal kaum finden können. Die Band ist seit geraumer Zeit Fahnenträgerin des slowenischen Thrash Metals, was sie mit ihrem dritten Studioalbum, dem vor zwei Jahren erschienenen Cloaks of Oblivion, nur noch einmal mehr bestätigt haben. Diesmal war den Mädels und Jungs keine allzu üppige Spielzeit vergönnt, also rasten sie durch ihr Set wie die Enterprise auf Warpgeschwindigkeit. Den meisten Raum gaben sie, klar, dem aktuellen Album, von dem das mörderische Gebrutzel von Drones erneut überzeugte; mit Democracy und (wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt) Selfcaged griffen Eruption außerdem auf ihre beiden vorherigen Scheiben zurück. Dank der energiegeladenen, stets zuverlässigen und überzeugenden Performance der Band füllte sich auch der Bereich vor der Bühne schnell – und ein Lob geht an den Metal-Nachwuchs in der ersten Reihe, der im Laufe des Abends für ordentlich viele Moshpits sorgte und generell Hoffnung gab, dass die Szene überleben wird!
Eine würdige Fortsetzung lieferten die belgischen Evil Invaders, die dafür sorgten, dass die Speed-Seite des Thrash Metals ordentlich zu Gehör kam. Die Belgier sind nämlich trotz ihrer Jugend (einzelne Mitglieder sind noch nicht mal 30) fest im old-school Sound von Bands wie Exciter, Razor und Raven verankert. Sprich: Tempo, Tempo und nochmals Tempo. Trotzdem sind die Jungs dabei weder langweilig noch eintönig, denn sie werfen eine ganze Fuhre abwechslungsreicher Riffs in den Ring – und vor allem zeichnet sie eine der energiegeladensten Bühnenshows aus, die man zu sehen bekommt. Dafür sorgt in erster Linie Sänger und Gitarrist Joe, der mit seinem vielseitigen und dynamischen Gesang die Bühne ständig ausfüllt. Beim Auftritt der Evil Invaders entstanden trotz einiger technischer Probleme mehrere Moshpits, der Bereich vor der Bühne hatte sich schon schön gefüllt, und die Jungs revanchieren sich beim Publikum mit einer starken Darbietung der Speed-Brecher Pulses of Pleasure, Mental Penitentiary und Raising Hell. Ein super Auftritt, der das bereits rappelvolle Orto bestens auf den Abend-Höhepunkt vorbereitete und bewies, dass aus Belgien nicht nur gute Schokolade kommt.
Death Angel begrüßten das bis in den letzten Winkel gefüllte Orto, in dem die Temperatur bereits den Siedepunkt erreicht hatte, mit Thrown to the Wolves und schmissen uns gnadenlos mitten in eine Meute rasender Wölfe, die Fleisch und Knochen mit Riffs (großgeschrieben!), unerbittlichem Gesang und einem der besten Rhythmus-Duos im Thrash zerfetzt und zerbricht. Death Angel erleben seit ihrer Reunion eine wahre Renaissance – was selbst dem Tauben und Blinden klar ist. Eine bessere Live-Performance muss man wirklich erst suchen, denn Death Angel geben auf der Bühne immer und immer wieder absolut alles. Auch diesmal war das nicht anders. Die Performance war abermals erstklassig und makellos. Die Gitarren-Rifferei zischte zwischen dem Duo Cavestany/Aguilar wie ein Hai durch die Wellen, und das erdbebende Fundament lieferten der außergewöhnliche Damien Sisson und Drummer Will Carroll, zu Recht mit dem Spitznamen »The Beast« versehen – denn in seinem Drumming steckt wirklich etwas Bestialisches. Einmal mehr begeisterte vokal Mark Osegueda, der im Februar dieses Jahres 50 wurde (!) – seinen Stimmbändern sieht man das überhaupt nicht an, eher das Gegenteil. Death Angel führten das Publikum durch den Großteil ihrer Alben; interessanterweise widmeten sie dem frischen Humanicide erst gegen Ende die Aufmerksamkeit – mit drei Songs am Stück – und verabschiedeten sich mit dem Doppelpack The Ultra-Violence/Kill As One. Das einzige Minus? Die brutale Hitze im Club, vor der man froh war, kurz für ein, zwei Minuten in die schwüle Sommerabendluft vor der Halle zu flüchten. Was Tempo of the Damned 2004 für den Thrash Metal bedeutete, das sind heute Death Angel für das Genre. Unaufhaltsam, hungrig, frisch und wütend!






































