Extaza : Alkimija
Selbstverlag
Erscheinungsdatum: 15.12.2018
Produktion: Matej Pečaver
Albumlänge: 33.42 min
Genre: Alternative Rock / Punk Rock
Extaza sind slowenische Punk-Rocker, genauer gesagt ein Trio, das bereits Anfang der Neunziger gegründet wurde, dem es aber bis Mitte Dezember 2018 nicht gelungen ist, die richtige Sternenkonjunktur zu finden, um wenigstens ihr Studiodebüt herauszubringen. Nun ist »Alkimija« endlich da.
Die Jungs sind von einem „anderen Planeten“. Wenn schon nicht das, dann zumindest aus einer anderen Zeit. Sie sind in eine Zeitmaschine gestiegen und gut 25 Jahre in die Gegenwart vorgesprungen. Das spürt man sofort. Extaza kreieren schlichte Songs, die zwar zur Grundhaltung des Punk Rock gravitieren, wo es weder an aufgeräumter vokaler Interpretation mangelt noch an Texten, in denen dieses Party-Time-Kokettieren spürbar ist, das die Expansion des Greenday’schen Frohsinns trivial und (fast bizarr) einfach verinnerlicht hat. Gleichzeitig tragen Extaza jenen fröhlichen und ausgelassenen Vibrations-Groove in sich, den einst vor langer Zeit, im Gegensatz zu ihren „destruktiven“ Punk-Zeitgenossen von der britischen Insel, die amerikanischen The Ramones in den Rock’n’Roll einzuführen begannen. Kein Wunder also, dass Drei-Akkord-Harmonielinien heiliger Schlichtheit zum Einsatz kommen, die sich häufig in der sicheren Obhut von Durtonleitern entfalten.
Also keine schwere musikalische Philosophie oder bekennende Revolution bietet das Songwriting von Extaza – was gleichzeitig bedeutet, dass sie jegliche kompositorische Verkompliziertheit sehr schlecht vertragen. Die Gitarren können in den Riffs allerdings konkret scharf, aufgeladen und in der Produktion entschlossen nach vorne gepusht sein, was irgendwie andeutet, dass da mal Metal gehört und in der Garage gespielt wurde – genauer gesagt Old-School-Thrash-Metal.
»Alkimija« ist sein eigenes Album, seine eigene Geschichte. Sein Vorteil liegt – ungeachtet dessen, dass es sehr vorhersehbar und trivial lösbar ist – genau darin, dass es generationsmäßig in Zeit und Raum verloren ist, beziehungsweise dass sein Erscheinen auf der Bildfläche um mehr als zwei Jahrzehnte zu spät kommt. Um sich zu orientieren, wohin die Kompassnadel in inhaltlicher Hinsicht zeigt, muss man dennoch ein paar Vergleiche heranziehen. Das Ganze lässt sich schnell aus dem Kopf heraus eher als etwas beschreiben, das Kennern der alten Big Fot Mama oder des „schaukelnden“ Lovšin und seiner Sokoli gefallen dürfte, als irgendetwas, was später auf der slowenischen Rock-Landkarte erschienen ist – also aus der post-millennialen Ära und mit dem Etikett Punk.
Musikalisch wirken Extaza heute etwas archaisch, obwohl sie der konkret übersteuerte, gezackte und aufgedreht vorgeschobene Gitarrensound über die Oberfläche einer möglichen „musealen inhaltlichen Verkrampfung“ zieht – damit kompensieren sie die nackte Trivialität, denn manche Songs können in ihrer Suche nach unmittelbarer Haltung bisweilen fast kindlich, wenn nicht gar naiv wirken. Betrachtet man das natürlich durch das Prisma der heutigen Zeit und der Entwicklungsleistungen des slowenischen Rocks. Die interessantere Arbeit auf dem Album ist die Polka-Punk-Marsch V tvojih očeh, die in der Mitte das Tempo der Albumentwicklung ein kleines bisschen drosselt – mit gefälligem (äußerst minimalistischem) gitarristischen Schmuck, der allerdings die Schlichtheit irgendwelcher The Drinkers nicht übertrifft.
Kurz, knapp und direkt ins Ziel! Ein sehr entspanntes und leichtes Rock-Album. „Alkimija“ bringt zum Ausdruck, dass sich die Band auf völlig natürlichem Weg entwickelt hat – eine Band ohne Versteckspiel und ohne gute Onkel, die von hinten mit Bonbons verwöhnen und die Gruppe unterstützen. Dieses Trio musste sich stets für alles selbst schlagen. Für das Erreichen aller Ziele und schließlich auch für dieses Album. Hier gibt’s keine Angeberei, nur absolute Ehrlichkeit. Definitiv eine Band, die einen voll in den Bann zieht, wenn man ihr auf der Bühne begegnet, und eine Band, die gottseidank endlich ihr Studiodebüt rausgebracht hat. Dieses wirkt mit seinem „Old School“-Ansatz in der heutigen Zeit zumindest liebenswürdig nostalgisch, auch wenn es charakterlich nicht zu überraschen vermag. Mit seiner überwiegend fröhlichen, optimistisch ausgerichteten Natur kann es den geneigten Hörer auch in Momenten unterhalten, wenn im Alltag nicht alles nach Plan läuft. Willkommen unter den Lebenden, Jungs!
Autor: Aleš Podbrežnik
Wertung: 7.5 / 10
Tracks:
1. Do roba neba
2. Naša pista je lajf
3. Ta cvet
4. Moja si ti
5. V tvojih očeh
6. Minutes Away
7. Alkimisti
8. V ritmu sanj
9. Hvala ti
10. Zen moment
Besetzung:
Dani Polajnar – Gesang, Gitarre
Martin Valič – Bass, Hintergrundgesang
Aleš Korošec – Schlagzeug
Gastmusiker
Andrej Zevnik – Gitarre auf Track Nr. 1., 4., 5. und 8.
Žiga Kožar – Schlagzeug auf Track Nr. 5
Kaja Polajnar – Hintergrundgesang auf Track Nr. 10